Was bedeutet 'Mittelalter'? / Bearbeitung einer mittelalterlichen Urkunde


Hausarbeit, 2003
14 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Erste Hausarbeit

Inhalt, Thesen und Ergebnisse: H.-D. Kahl, Was bedeutet „Mittelalter“?

Pflöcke zu stecken für eine spätere Nationsbildung als Fortschritt, der Verfall einer in der Antike aufgebauten Geldwirtschaft als Rückschritt – Hans Dietrich Kahl nennt in seinem Aufsatz „Was bedeutet ‚Mittelalter’“[1] Argumente für und wider die Meinung und Aussage der Öffentlichkeit, die von finsteren Zeiten spricht: Welche Definition erlaubt der Begriff, was hat ihn geprägt.

Der Begriff als solcher ist in Deutschland nicht vor dem 17. Jahrhundert belegt. Ursprünglich bezeichnete das Wort einen Menschen in mittleren Jahren. Seinen aktuellen Sinn erhält er erst Ende des 18. Jahrhunderts als Bezeichnung für die Epoche zwischen Antike und Neuzeit – er wird in ein dreigliedriges Schema eingepasst. Doch ist das im deutschsprachigen Raum genannte Mittelalter kein universalhistorischer, also weltweit gültiger, Begriff, sondern wird hier als „spezifisch ‚abendländische’ Erscheinung genommen“[2]. Kahl warnt vor einer vorschnellen Definition von Gleichzeitigem, das nicht gleichartig sein muss, unter dem Wortmantel Mittelalter.

Fakt ist, dass diese Geschichtsepoche sich auf der Basis einer Agrargesellschaft entwickelt hat[3]. Ein leistungsstarkes Städtewesen entwickelt sich daneben, allerdings konzentriert sich die größte Bevölkerungszahl weiterhin in den ländlichen Gebieten. Auch der Landadel wandert nicht ab. Das in der Antike weitaus populärere Städtewesen verkümmert, eine Tatsache, die Kahl als „eine wesentliche Komponente“[4] für die weitere Entwicklung des Mittelalters sieht. Die Partikularisierung ist ein weiteres Merkmal, das das Mittelalter von der Antike unterscheidet. Markant zeugen davon die Völkerwanderung und temporären Reichsbildungen dieser Zeit[5]. Diese nebeneinander bestehenden „Machtkomplexe“[6] bildeten oftmals den Rahmen für die spätere Bildung von Nationen – ein Geschehen, das sich nicht auf das Gebiet des mittelalterlichen Europa begrenzte. Als Folge der einzelnen, different strukturierten Ansiedlungen entstand eine hohe Zahl von „Einzelerscheinungen“. Kahl nennt unter anderem selbst verwaltete Städte, Dorfschaften, Gilden und Stände. Für eine Ordnung und Aufschlüsselung wird der im Spätmittelalter vorbereitete Territorialstaat sorgen[7].

Zuvor standen die Adeligen als Herrschende im Mittelpunkt, die befugt waren, sich „an der öffentlichen Gewalt“[8] maßgeblich zu beteiligen. Relevant nennt Kahl auch das „grundherrschaftliche Element“[9] der Adelsherrschaft. Dieser sind das moderne Staatsrecht und jegliche Form von Gewaltenteilung fremd. Was als Veto zählt, ist allein das „Monopol kirchlicher Weihegewalt“[10] – eine prägnante Differenz zum Imperium der Spätantike: Zivilverwaltung, Militär und die Staatskirche bezogen sich im Endeffekt, aber in Hinblick auf die Drittgenannte Institution, auf einen einzigen Herrscher. Der von Kahl angeführte „mittelalterliche Graf“[11] zeichnete schließlich verantwortlich für Gericht, Verwaltung, Führung des polizeilichen Militärs und besaß zudem Vogteirechte kirchlicher Institutionen[12]. Im „Heiligen Römischen Reich“ errangen auch geistliche Würdenträger das Grafschaftsrecht. Das machte selbst den Papst in dieser Zeit nicht nur zum „Oberhaupt der abendländischen Kirche“, sondern auch zum Territorialherrn[13]. Geistliche Fürstentümer der geschilderten Art überdauerten bis in die Zeit Napoleons und sogar bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. Im Vergleich mit Spätantike und Neuzeit bezeichnet Kahl die Adelsherrschaft als „rudimentärere Form von Staatlichkeit“[14], also als eine Art Verkümmerung. Eine partielle Erklärung sieht er in dem niedrigen Bildungsniveau der Reichsgründer in der Übergangszeit. Eine Gewöhnung an primitive Formen öffentlichen Lebens[15], eingeschränkte Lernfähigkeit[16] und das „Analphabetentum“[17] der neuen Herrscher sieht er als Gründe.

Die somit entstandene Adelsherrschaft richtete sich seit dem 11. Jahrhundert -in beschränktem Maße in die Realität umgesetzt- am Ritterideal aus – eine zwar analphabetische, doch „gehobene Laienkultur“[18] entstand, die vom 12. Jahrhundert an mit einer innovativen „Großbürgerkultur“[19] in den nun aufstrebenden Städten konkurrierte. Das Motiv des Ritterideals spiegelte sich in der Idee der Kreuzzüge. Zum Tragen kommt die Rolle der Kirche, die sich als solche katholisch und nicht als Gesinnung ansah[20]. Allmählich, abschließend mit dem 11. und 12. Jahrhundert, bestätigte das Papsttum seine Vormachtsstellung und gewann an Einfluss „auf die Inhaber weltlicher Gewalt“[21], bekannt ist besonders die Verknüpfung des Papsttums und des Kaisertums. Das schier uneingeschränkte Bild der Kirchen-Macht prägte die Kreuzzugsidee und die Missionsmethoden. Eine „Unterordnung unter ihre Gewalt und Autorität“[22] forderte die Kirche ein. Kreuzzüge, Ketzerverfolgungen, gewaltsame Methoden wie Zwangstaufen zeugen von einem Bewusstsein, der einzig wahre Glauben sein zu wollen. Sie sorgte damit laut Kahl für die „düstersten Kapitel“ in der mittelalterlichen Geschichte. Auf der anderen Seite stellt die Kirche in vielen dieser Jahrhunderte die einzigen schriftkundigen Gelehrten, denn selbst für einen mittelalterlichen Herrscher galt die Fähigkeit zu Lesen und zu Schreiben nicht als selbstverständlich[23]. Erst die Oberschicht des neuen Stadtbürgertums unterbricht die Serie der wissenden Kleriker. Trotzdem bleibt aus dieser Zeit keine so reichhaltige Auswahl von Informationen bestehen, die als „repräsentativ“ bezeichnet werden kann[24]. Fakt ist, dass die Institution Kirche stets auf „Grundbesitz samt hörigen Leuten“ angewiesen war[25], und schließlich unter anderem die „oft erbarmungslos gehandhabte Kirchensteuer“ nutzte, sich zur „Geldmacht“ zu entwickeln. Weit weniger Einfluss auf die Entwicklung des Mittelalters hatte die Antike als ganze Epoche inne. Sie wirkt laut Kahl nur nach, dass heißt, sie tritt in Gestalt der Verwendung der lateinischen Sprache auf, zeigt Überlieferungen römischen Rechts und antike Technologien im Kunsthandwerk auf.

[...]


[1] H.-D. Kahl, Was bedeutet „Mittelalter“?, in: Saeculum 40, 1989, 15-38

[2] ebd. 17

[3] ebd. 17

[4] ebd. 18

[5] ebd. 19

[6] ebd. 20

[7] ebd. 21

[8] ebd. 22

[9] ebd. 22

[10] ebd. 22

[11] ebd. 23

[12] ebd. 23

[13] ebd. 23

[14] ebd. 23

[15] ebd. 24

[16] ebd. 24

[17] ebd. 24

[18] ebd. 24

[19] ebd. 24

[20] ebd. 25

[21] ebd. 25

[22] ebd. 27

[23] ebd. 28

[24] ebd. 29

[25] ebd. 31

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Was bedeutet 'Mittelalter'? / Bearbeitung einer mittelalterlichen Urkunde
Hochschule
Universität Osnabrück  (Fachbereich Geschichte)
Veranstaltung
Einführung in die Geschichte des Mittelalters
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
14
Katalognummer
V12208
ISBN (eBook)
9783638181471
Dateigröße
438 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese HA enthält im Grunde zwei Hausarbeiten: Die Zusammenfassung von H.-D. Kahls Text Was bedeutet 'Mittelalter'? auf vier Seiten sowie die Bearbeitung einer Urkunde König Heinrichs I., datiert zu Rohr auf den 11. August 926: 'Heinrich lässt den Presbyter Baldmunt frei.' (Diese wurde nicht hochgeladen.) Desweiteren runden Artikel über Heinrich I., Arnulf, Heriger etc. die Hausarbeit ab. Achtung! Der Artikel über Rohr ist falsch! Gemeint ist ein Rohr in Thüringen, nicht in Bayern!
Schlagworte
Urkunde Königsurkunde
Arbeit zitieren
Kristine Greßhöner (Autor), 2003, Was bedeutet 'Mittelalter'? / Bearbeitung einer mittelalterlichen Urkunde, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12208

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