Mediation und Schlichtung

Konfliktbearbeitungsverfahren zur Konfliktlösung durch unabhängige Dritte


Seminararbeit, 2008

23 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Gang der Untersuchung

2 Mediation und Schlichtung
2.1 Abgrenzung zu anderen Konfliktlösungsansätzen
2.2 Mediation
2.2.1 Definition von Mediation
2.2.2 Grundlagen der Mediation
2.2.3 Ziele der Mediation
2.2.4 Prinzipien für das Gelingen von Mediation
2.2.5 Phasenmodell der Mediation
2.2.5.1 Vorphase
2.2.5.2 Das Mediationsgespräch
2.2.5.2.1 Phase I: Einleitung
2.2.5.2.2 Phase II: Bestandsaufnahme/Themensammlung
2.2.5.2.3 Phase III: Konflikterhellung/ Vertiefung
2.2.5.2.4 Phase IV: Problemlösung/ Entwurf von Lösungen
2.2.5.2.5 Phase V: Vereinbarung und Abschluss
2.2.5.3 Umsetzungsphase
2.3 Schlichtung
2.3.1 Definition von Schlichtung
2.3.2 Ablauf und Verfahren
2.3.3 Abgrenzung Mediation Schlichtung

3 Kritische Würdigung

Verzeichnis der zitierten Literatur

Anhang

Ehrenwörtliche Erklärung

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Abgrenzung zu anderen Konfliktlösungsansätzen

Abbildung 2: Ziele von Mediation

Abbildung 3: Schlichtungsphasen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

In einer durch ein hohes Maß an Arbeitsleistung geprägten Gesellschaft ist Kommunikation der Schlüssel, Arbeitsabläufe effizient zu gestalten. Aus der Auflösung einer Arbeitsleistung in Teilverrichtungen ergibt sich jedoch gleichzeitig ein gestiegener Bedarf der Koordination der einzelnen Teilbereiche. Hierbei entstehen vermehrt soziale Konflikte zwischen interagierenden Akteuren, wobei mindestens ein Akteur Unvereinbarkeiten im Denken, Vorstellen, Wahrnehmen und/oder Fühlen und/oder Wollen besitzt[1].

Konflikte können beispielsweise zwischen Partnern, Kindern, Eltern, Nachbarn,
Geschäftspartnern oder mit Vertretern von Behörden, Verbänden, Firmen oder Organisationen auftreten.[2] Konflikte stellen dabei regelmäßig sehr komplexe und viel-schichtige Phänomene dar, in die die Beteiligten meist auf sehr persönlicher Ebene involviert sind, wobei die Entwicklung des Konflikts und sein Ausgang aufgrund der ihm innewohnenden Eigendynamik meist schwer vorhersehbar ist und des Weiteren oft destruktives Potenzial besitzt.[3]

Mediation und Schlichtung stellen in solchen Situationen Konfliktbearbeitungs-verfahren zur Konfliktlösung[4] durch unabhängige Dritte dar. Konfliktlösung unter Mitwirkung unabhängiger Dritter, wie im Fall der Mediation oder Schlichtung, stellen jedoch wiederum nur einen Ausschnitt aus dem Kontinuum der Möglichkeiten der Konfliktbehandlung dar.[5] Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wird jedoch nur vertiefend auf die beiden vorgenannten Möglichkeiten zur Konfliktlösung eingegangen, da diese insbesondere in der Praxis eine weite Verbreitung finden. Die beiden genannten Ansätze zielen dabei auf die Konsenssuche im Rahmen von Konfliktsituationen ab, wobei die Suche nach einer Einigung im Vordergrund steht.[6]

1.2 Gang der Untersuchung

Nach der Einführung wird im zweiten Kapitel der vorliegenden Arbeit zunächst eine Abgrenzung der Mediation und Schlichtung von anderen Konfliktlösungsansätzen getroffen (vgl. Abschnitt 2.1) um dann in Abschnitt 2.2 ausführlich auf das konsensuale Verfahren der Konfliktlösung durch Mediation einzugehen. Dabei wird nach dem Versuch einer allgemeingültigen Definition der Mediation (vgl. Abschnitt 2.2.1) ausführlich auf die Grundlagen, Ziele, Prinzipien und insbesondere das Phasenmodell der Mediation eingegangen (vgl. Abschnitt 2.2.5).

In Abschnitt 2.3 wird noch verkürzt auf das Verfahren der Schlichtung eingegangen. Hierbei wird nach einer Definition der Schlichtung und der verkürzten Darstellung des Ablaufs des Schlichtungsverfahrens insbesondere die wichtige Abgrenzung der Mediation von der Schlichtung näher erläutert (vgl. Abschnitt 2.3.3).

Im dritten Kapitel der vorliegenden Arbeit erfolgt eine abschließende kritische
Würdigung der beiden, in Kapitel zwei dargestellten Ansätze.

2 Mediation und Schlichtung

2.1 Abgrenzung zu anderen Konfliktlösungsansätzen

Neben Verhandlungen, Schiedsgerichten und Gerichten stellen die Mediation und die Schlichtung einen Ansatz zur Konfliktbehandlung innerhalb der juristischen Konfliktbearbeitungsverfahren dar. Je nach Konfliktart, Persönlichkeit der Beteiligten und äußeren Umständen sind jedoch andere Wege einer Mediation bzw. Schlichtung vorzuziehen.[7] Die folgende Abbildung 1 veranschaulicht hierbei das Verhältnis der Verfahrensformen zu einerseits Entscheidungsgewalt der Parteien und andererseits Rechtsbasiertheit der Entscheidungsfindung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Abgrenzung zu anderen Konfliktlösungsansätzen

Quelle: Eigene Abbildung in Anlehnung an Alexander, Nadja et al.; Mediation a.a.O., S. 9.

Verhandlungen, Mediation und Schlichtung stellen hierbei unverbindliche Verfahren im Rahmen der außergerichtlichen Konfliktlösung dar, wohingegen die Schiedsgerichtsbarkeit und die Gerichtsbarkeit verbindlichen Charakter aufweisen.[8]

Alle fünf Verfahren sind hierbei von gewissen Parametern der Entscheidungsfindung abhängig. So sind neben den Interessen, dem Recht und der Macht im Rahmen der Mediation und Schlichtung insbesondere die Beteiligung und Entscheidungsbefugnis Dritter maßgeblich.[9] Auf die differenzierte Ausgestaltung der Beteiligung Dritter im Rahmen der Unterstützung der Parteien bei der Suche nach einer einvernehmlichen Lösung im jeweiligen Konfliktfall sowie auf die Grundlagen, Ziele und Abläufe der Mediation und Schlichtung wird nun in den folgenden Abschnitten detailliert eingegangen.

2.2 Mediation

2.2.1 Definition von Mediation

Mediation ist ein Verfahren der Konfliktlösung, welches in den 60er und 70er-Jahren in den USA entwickelt wurde und dort mit Erfolg in vielen Lebensbereichen angewandt wird.[10] Entsprechend der Vielfalt der Lebensbereiche, in denen Mediation angewandt wird, sowie der unterschiedlichen professionellen Hintergründe von Mediatoren findet sich kein einheitliches Verständnis von Mediation. Vielmehr finden sich zahlreiche Definitionsansätze, welche die unterschiedlichen Auffassungen von Mediation widerspiegeln.[11]

Grundlegend zeichnet sich Mediation durch die folgenden Merkmale aus:[12]

- Selbstbestimmung der Parteien (Medianten[13] ): Mediation basiert auf den Prinzipien der Freiwilligkeit, Eigenverantwortlichkeit und der Gemeinsamkeit (Grundgedanke der Privat- bzw. Parteiautonomie).
- Nicht entscheidungsbefugte „Dritte“ (Mediatoren): Mediatoren handeln als externe, unabhängige und neutrale Dritte. Der Mediator ist für den Prozess
verantwortlich und unterstützt die Kommunikation der Parteien, ist jedoch nicht verantwortlich für den Inhalt und das Ergebnis.[14]
- Anwesenheit aller am Konflikt Beteiligten: Allen Beteiligten sollen sämtliche Informationen gleichermaßen zukommen können. Unterschiedliche Sichtweisen und Wahrnehmungen können dadurch offen gelegt und bearbeitet werden.
Des Weiteren ist es Voraussetzung für die Entwicklung von gegenseitigem
Verständnis und die Ermöglichung von Perspektivenwechseln.
- Orientierung an einem Phasenmodell: Durch das Phasenmodell wird ein strukturiertes Verfahren erreicht, welches jedoch fallbezogen an die konkrete
Situation und die Bedürfnisse angepasst werden kann.[15]
- Konsensorientiertheit: Die Mediation hat eine einvernehmliche, vom
Verständnis aller Beteiligten getragene Konfliktlösung zum Ziel.
- Interessenorientiertheit: Der maßgebliche Bestandteil des Verfahrens ist die Orientierung an den Interessen der Beteiligten, welche regelmäßig den wichtigsten Maßstab bei den Lösungsfindung darstellen.

2.2.2 Grundlagen der Mediation

Die Mediation in ihrer heutigen Form entwickelte sich aus der Praxis der außergericht-lichen Konfliktregelung. Sie hat dabei Ansätze der Konflikt- und der Verhandlungsforschung, des psychologischen Problemlösens, der Psychotherapie sowie Systematische Therapie aufgegriffen. Eingeflossen sind auch Erkenntnisse aus den Fachgebieten Konflikt- und Kommunikationswissenschaft und Humanistische Psychologie, sodass die Grundlagen der Mediation interdisziplinäre Quellen haben.

Im Speziellen bilden dabei insbesondere die beiden folgenden Konzepte die Grundlage der Mediation:

- Harvard-Konzept als Verhandlungstechnik.[16]
- Phasenmodell der Konflikteskalation nach Friedrich Glasl.[17]

2.2.3 Ziele der Mediation

Ein grundsätzliches genuines Ziel der Mediation ist die Veränderung des Konfliktes, wobei die gemeinsame, auf der Basis gegenseitigen Verständnisses und der Anerkennung der Interessen des jeweils anderen beruhende, umfassende und wertschöpfende Regelung einer Konfliktsituation als Idealziel von Mediation bezeichnet werden kann (vgl. Abbildung 2).[18]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Ziele von Mediation

Quelle: Eigene Abbildung in Anlehnung an Alexander, Nadja et al.; Mediation a.a.O., S. 76.

In der Praxis werden häufig jedoch nur Teilziele erreicht, wobei die Gründe für das zurückbleiben hinter dem maximal Erreichbaren sehr unterschiedlicher Natur sein
können.[19] Im Einzelfall erfolgt die Zielsetzung durch die beteiligten Parteien. Der
Mediator unterstützt und berät dabei die Parteien einerseits in der Wahl des Verfahrens, welches für sie und ihre Ziele angemessen sind, andererseits in der Erreichung der Ziele im Rahmen der Mediation.[20]

2.2.4 Prinzipien für das Gelingen von Mediation

Auf der Basis der genannten Erkenntnisse wurde eine Reihe von Regeln bzw. Prinzipien erarbeitet, welche für das Gelingen von Mediation förderlich sind. Hierbei dienen sie allen Beteiligten, insbesondere jedoch den Mediatoren, als Bewertungsmaßstab, Verhaltensrichtlinie und Orientierung:[21]

- Verantwortungsübernahme durch die Parteien unterstützt bzw. ermöglicht die Entscheidungsfindung gemäß dem Ziel einer selbstbestimmten Konflikt-bearbeitung.
- Das Prinzip der Freiwilligkeit der Beteiligten entspricht dem Gedanken der Privat- bzw. Parteiautonomie.

[...]


[1] Vgl. ausführlich Glasl, Friedrich; Konfliktmanagement, 8., akt. und erg. Aufl., Bern, 2004, S. 14-20.

[2] Vgl. Haynes, John M. et al.; Mediation, 2. Aufl., Stuttgart, 2004, S. 12.

[3] Vgl. Alexander, Nadja et al.; Mediation, Schlichtung, Verhandlungsmanagement, 1. Aufl., Münster, 2005, S. 11.

[4] Zur Abgrenzung des Begriffs Konfliktlösung von anderen Interventionsarten vgl. ausführlich Glasl, Friedrich; Konfliktmanagement a.a.O., S. 20-23.

[5] Vgl. hierzu ausführlich Breidenbach Stephan; Mediation, 1. Aufl., Köln, 1995, S. 3-7.

[6] Für weitere Ausführungen und eine Einordnung in die anderen drei Vorgehensweisen bei Konfliktsituationen vgl. Hasson, Ralph H. / Slaikeu, Karl A.; Controlling the Costs of Conflict, 1. Aufl., San Francisco, 1998, S. 24.

[7] Vgl. ausführlich Montada, Leo / Kals, Elisabeth; Mediation, 2. Aufl., Weinheim, 2007, S. 13-23; vgl. Besemer, Christoph; Mediation - Vermittlung in Konflikten, 12. Aufl., Freiburg, 2007, S. 40-44. Für weitere in Deutschland bisher noch wenig verbreitete Verfahren innerhalb des Alternative Dispute Resolution („ADS“)-Spektrums vgl. ausführlich Alexander, Nadja et al.; Mediation a.a.O., S. 9-10.

[8] Vgl. Englert, Klaus; in: Englert, Klaus et al.; Streitlösung ohne Gericht, 1. Aufl., Neuwied, 2006,
S. 4, Rn. 1.

[9] Vgl. Alexander, Nadja et al.; Mediation a.a.O., S. 11; vgl. Moore, Christopher W.; The Mediation Process, 3. Aufl., San Francisco, 2003, S. 6.

[10] Vgl. Besemer, Christoph; Mediation a.a.O., S. 14.

[11] Vgl. hierzu bspw. Albers, Jan; in: Baumbach, Adolf et al. (Hrsg.); Zivilprozessordnung („ZPO“) Kommentar, 66., vollst. neubearb. Aufl., München, 2007, § 1025, Rn. 11; vgl. Besemer, Christoph; Mediation a.a.O., S. 14; vgl. Breidenbach Stephan; Mediation a.a.O., S. 137; vgl. Mähler, Gisela / Mähler, Hans-Georg; in: Breidenbach, Stephan (Hrsg.) / Henssler, Martin (Hrsg.); Mediation für
Juristen, 1. Aufl., Köln, 1997, S. 15; vgl. Dulabaum, Nina L.; Mediation, 4., neu ausgest. Aufl., Weinheim/Basel, 2003, S. 8-9.

[12] Vgl. nachfolgend Alexander, Nadja et al.; Mediation a.a.O., S. 75.

[13] Für die Diskussion über die Schreibweise Mediant bzw. Mediand vgl. ADR-Blog; Mediant oder Mediand?, elektronisch veröffentlicht unter der URL: http://www.adr-blog.de/?p=246, abgerufen am: 15.08.2008. In der vorliegenden Arbeit wird fortlaufend der Begriff Mediant verwendet.

[14] Mediation kann von einer oder mehreren Personen durchgeführt werden. Eine Mediation durch mehrere Mediatoren ist sinnvoll, sofern es sich um einen komplexen Sachverhalt mit einer oder mehreren Konfliktparteien handelt und längere Mediationssitzungen notwendig sind. Eine geschlechtliche Mischung kann sich als vorteilhaft erweisen, sofern die Konfliktparteien ebenso geschlechtliche gemischt sind; vgl. hierzu ausführlich Besemer, Christoph; Mediation a.a.O., S. 18. Für eine kritische Auseinandersetzung über die Aufgaben eines Mediators vgl. Montada, Leo / Kals, Elisabeth; Mediation a.a.O., S. 45-60.

[15] Vgl. Abschnitt 2.2.5.

[16] Für weitere Ausführungen zum Harvard-Konzept vgl. ausführlich Fisher, Roger et al.; Das Harvard-Konzept, 22., durchges. Aufl., Frankfurt, 2004.

[17] Für weitere Ausführungen zum Phasenmodell der Eskalation nach Friedrich Glasl vgl. ausführlich Glasl, Friedrich; Konfliktmanagement a.a.O., S. 233-302.

[18] Vgl. Alexander, Nadja et al.; Mediation a.a.O., S. 75.

[19] Mögliche Gründe können mangelnde Bereitschaft, Zeit und/oder Geld, örtliche Hindernisse und/oder zeitliche Hindernisse oder Gegebenheiten oder mangelndes Vertrauen sein, vgl. Alexander, Nadja et al.; Mediation a.a.O., S. 75-76.

[20] Vgl. ebenda, S. 76.

[21] Vgl. nachfolgend ebenda, S. 77-79.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Mediation und Schlichtung
Untertitel
Konfliktbearbeitungsverfahren zur Konfliktlösung durch unabhängige Dritte
Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt  (Lehrstuhl für Erwachsenenbildung und außerschulische Jugendbildung)
Veranstaltung
"Gespräche führen: situations-, inhalts- und teilnehmerorientiert"
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
23
Katalognummer
V122095
ISBN (eBook)
9783640266098
Dateigröße
1009 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mediation, Schlichtung
Arbeit zitieren
Daniel Fallscheer (Autor), 2008, Mediation und Schlichtung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122095

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