In der vorliegenden Arbeit soll der grundlegende Gedanke des Gewordenseins der Frauen aus der Perspektive Simone de Beauvoirs in „Das andere Geschlecht“ erläutert werden. Dazu wird zunächst ein Überblick über die theoretische Grundlage des Werks und grundlegenden Thesen gegeben, um im Anschluss die Situation der Frau nach Beauvoir im Hinblick auf ihre biologischen Gegebenheiten, den Standpunkt der Psychoanalyse und des Materialismus zu erforschen. Ein Blick zur Geschichte der Frau und deren Mystifizierung soll ihre Situation verdeutlichen und klären, wie es zur Unterdrückung kommen konnte. Um im letzten Teil konkrete Beispiele zu nennen, die es der Frau erschweren, aus ihrer Situation auszubrechen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das andere Geschlecht. Einführung in die theoretischen Grundlagen
2.1.Die biologischen Gegebenheiten
2.2.Der psychoanalytische Standpunkt
2.3.Der Materialismus
2.4.Geschichte und Mythos
3. Das andere Geschlecht. Gelebte Erfahrung
3.1.Die Kindheit
3.2.Die Ehe
3.3.Die Mutterschaft
3.4.Die unabhängige Frau
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die soziologischen Prozesse und gesellschaftlichen Bedingungen, die dazu führen, dass die Frau in eine untergeordnete Rolle gedrängt wird, basierend auf Simone de Beauvoirs Werk "Das andere Geschlecht" und unter kritischer Reflexion heutiger politischer Diskurse.
- Existenzialistische Deutung des Frau-Seins
- Biologische, psychoanalytische und materialistische Perspektiven
- Die Konstruktion der Weiblichkeit in Kindheit und Ehe
- Mutterschaft und die Autonomie der Frau
- Gesellschaftlicher Wandel und der aktuelle Stand der Gleichberechtigung
Auszug aus dem Buch
2. Das andere Geschlecht. Einführung in die theoretischen Grundlagen
Simone de Beauvoirs Werk „Das andere Geschlecht“ ist geprägt durch die Perspektive der Philosophie des Existenzialismus. Demnach ist der Körper kein Ding, sondern eine Situation, das bedeutet der Körper ist unser Zugriff auf die Welt und der erste Ansatz zur Verwirklichung unserer Entwürfe (vgl. Beauvoir 2012: 59). Beauvoir definiert den Menschen nicht als ein gegebenes Wesen, sondern als eines, das sich zu dem macht was es ist, so kommt sie zu der Schlussfolgerung, dass die Frau ebenso keine feststehende Wirklichkeit ist, sondern ein Werden (vgl. Ebd.) und formuliert diese Erkenntnis im zweiten Teil ihres Werks in ihren wohl bekanntesten Satz: „Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es.“ (Ebd.: 334).
Als Vertreterin des Existenzialismus geht Simone de Beauvoir davon aus, dass das menschliche Sein sich durch den Anspruch des Subjekts, die Immanenz und die damit verbundene Abhängigkeit von einer als Schicksal dargestellten Natur, durch die Verwirklichung der Freiheit in die Transzendenz zu überschreiten, auszeichnet (vgl. Deuber-Mankowsky 2005: 200). Beauvoir schreibt: „Jedes Subjekt setzt sich durch Entwürfe konkret als Transzendenz. Es verwirklicht seine Freiheit nur durch deren ständiges Überschreiten auf andere Freiheiten hin“ (Beauvoir 2012: 25). Wenn diese Transzendenz zurückfällt in die Immanenz, zeigt sich eine Herabsetzung der Existenz (vgl. Ebd.). Menschen benötigen jedoch die Existenz anderer Menschen, um sich selbst aus ihrer Immanenz zu befreien und die Wahrheit ihrer Existenz zu bestätigen, um zu transzendieren, der Objektifizierung anderer zu entkommen und sich als Entwurf zu erfüllen. Es ist aber eben diese Freiheit anderer, welche die eigene Freiheit bestätigt, die einem Menschen zum Verhängnis werden kann (vgl. Ebd.: 191).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Diskrepanz zwischen gesetzlicher Gleichberechtigung und realer Benachteiligung von Frauen sowie die Relevanz von Simone de Beauvoirs Thesen für heutige Debatten.
2. Das andere Geschlecht. Einführung in die theoretischen Grundlagen: Dieses Kapitel legt die existenzialistischen Grundlagen des Werks dar, insbesondere die Abkehr von biologischem Determinismus und die Analyse von Psychoanalyse und Materialismus.
3. Das andere Geschlecht. Gelebte Erfahrung: Hier wird untersucht, wie die Frau durch gesellschaftliche Erwartungen in Kindheit, Ehe und Mutterschaft geformt wird und welche Hindernisse einer unabhängigen Identitätsfindung entgegenstehen.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, wie das Konzept des "Werdens" der Frau durch externe Umstände und Rollenzuschreibungen eingeschränkt wird, und betont die Notwendigkeit fortwährender Emanzipation.
Schlüsselwörter
Simone de Beauvoir, Existenzialismus, Transzendenz, Immanenz, Geschlechterrollen, Feminismus, Psychoanalyse, Materialismus, Kindheit, Ehe, Mutterschaft, Emanzipation, Gleichberechtigung, Frau, Identität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Simone de Beauvoirs soziologische Untersuchung „Das andere Geschlecht“ und hinterfragt die gesellschaftlichen Prozesse, die Frauen historisch und aktuell in eine untergeordnete Rolle drängen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die existenzialistische Philosophie, biologische Determinismen, psychoanalytische Deutungsmuster, historische Machtverhältnisse sowie die gelebte Alltagserfahrung von Frauen in der Ehe und Elternschaft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Frauen durch gesellschaftliche Konstrukte an der Selbstverwirklichung gehindert werden und warum Geschlechtsidentität als ein soziales Werden statt als biologisches Schicksal zu verstehen ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturtheoretische Analyse, die zentrale Texte der Existenzphilosophie mit soziologischen Fragestellungen verknüpft und diese in einen aktuellen politischen Kontext setzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil ist zweigeteilt: Zuerst werden die theoretischen Grundlagen (Biologie, Psychoanalyse, Materialismus) erläutert, danach folgen Analysen zur "gelebten Erfahrung", unterteilt in Kindheit, Ehe, Mutterschaft und die Rolle der unabhängigen Frau.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind vor allem Existenzialismus, Transzendenz, Immanenz, Emanzipation und das Konzept des sozialen "Werdens" der Frau.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des biologischen Körpers?
Die Arbeit betont nach de Beauvoir, dass Biologie kein Schicksal ist; biologische Fakten gewinnen erst durch den menschlichen Entwurf und die gesellschaftliche Bewertung an Bedeutung.
Welche Kritik übt die Arbeit an der Psychoanalyse Freuds?
Die Arbeit kritisiert die Freudsche Theorie dafür, dass sie Frauen einseitig aus einer männlichen Perspektive definiert und die "weibliche" Entwicklung als Defizit gegenüber der männlichen deutet.
- Arbeit zitieren
- Nikola Čiča (Autor:in), 2022, Verständnis von Geschlecht bei Simone de Beauvoir, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1221178