Der didaktische Einsatz von Karikaturen. Eine Unterrichtsreihe zum Thema "Die Grundlagen der Staats- und Verfassungsordnung"

8. Klasse, Gymnasium


Examensarbeit, 1999

60 Seiten, Note: 3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Intention und Struktur der Arbeit

2. Zur politischen Karikatur
2.1 Definition, Geschichte und Stilmittel der Karikatur
2.2 Politische Karikaturen in der Unterrichtspraxis

3. Unterrichtsvoraussetzungen
3.1 Allgemeine Unterrichtsvoraussetzungen: Charakteristika der Klasse
3.2 Spezielle Unterrichtsvoraussetzungen: Rahmenbedingungen und Vorerfahrungen der Klasse

4. Planung der Unterrichtsreihe
4.1 Didaktisch-methodische Entscheidungen
4.1.1 Rahmenplanbezug
4.1.2 Entscheidungen zum methodischen Schwerpunkt
4.1.3 Konsequenzen aus den Unterrichtsvoraussetzungen
4.2 Synopse der Unterrichtsreihe und Lernziele

5. Darstellung ausgewählter Stunden
5.1 2. Stunde der Unterrichtseinheit (Didaktisch-methodi- sche Überlegungen, Lernziele, Kurzübersicht, Durchführung und Analyse, Karikaturen)
5.2 5. Stunde der Unterrichtseinheit (Didaktisch-methodi- sche Überlegungen, Lernziele, Kurzübersicht, Durchführung und Analyse, Karikaturen)
5.3 7. Stunde der Unterrichtseinheit (Didaktisch-methodi- sche Überlegungen, Lernziele, Kurzübersicht, Durchführung und Analyse, Karikaturen)

6. Gesamtreflexion
6.1 Folgen des Einsatzes von Karikaturen
6.2 Fazit und Ausblick

7. Literaturverzeichnis

8. Anhang: Dokumentation

1. Einleitung: Intention und Struktur der Arbeit

„Nicht die Weitgeschulterten und Breiten sind vor allem unerschütterlich; die Witzbegabten siegen überall.“ (Sophokles; zit. nach Krüger; Krüger 1981, 7)

Die vorliegende Examensarbeit hat die Planung, Durchführung und Wirkungsanalyse des Einsatzes von Karikaturen im Sozialkundeunter­richt einer 8. Klasse zum Inhalt. Was soll in dieser Arbeit genau unter­sucht werden? In der gesichteten didaktischen Fachliteratur wird dem Einsatz von Karikaturen im Unterricht heute eine Reihe von Möglich­keiten und Vorteilen, aber auch Gefahren und Grenzen zugesprochen. Ziel der Arbeit ist es, gemäß dieser Einschätzung die Karikatur als schüleraktivierendes[1] Medium zu verwenden und zu erproben und die intrinsisch motivierende Wirkkraft der Karikatur zu untersuchen. Es soll in diesem Zusammenhang versucht werden, einen oft als eher theore­tisch und trocken empfundenen Stoff durch Karikaturen mit Bezug auf aktuelles politisches Geschehen interessanter zu gestalten. Die darge­stellte wie auch die vorangegangene Stundensequenz, beide in die Un­terrichtseinheit „Grundlagen unserer Staats- und Verfassungsordnung“ eingebettet, orientierten sich überwiegend an aktuellen politischen Ge­schehnissen und Diskussionen.[2] Dementsprechend konnten für den hier zu behandelnden Darstellungsschwerpunkt aktuelle Karikaturen aus der Tagespresse verwendet werden, die in direktem Zusammenhang mit der jeweiligen Stundenthematik standen. Im einzelnen soll betrachtet werden, ob Karikaturen ...

- ... auch ansonsten stillere Schüler zur Mitarbeit anregen,
- ... Diskussionen und Kontroversen zwischen den Schülern fördern und mehr Bezüge zwischen Schülern herbeiführen,
- ... den Stoff für die Schüler interessanter und merkfähiger machen und allgemein Interesse am Politischen wecken,
- ... in verschiedenen Unterrichtsphasen ein intrinsisch motiviertes, entdeckendes Lernen der Schüler begünstigen können und
- ... dabei einen vertretbaren Zeitaufwand nicht überschreiten sowie den ‘eigentlichen’ Unterrichtsgegenstand nicht in den Hintergrund treten lassen.

Ob und inwieweit sich diese Wirkungen einstellen, wird anhand der jeweiligen Stundenverläufe, der Reaktionen der Schüler im Unterricht und anhand der Ergebnisse eines Fragebogens und einer Lernerfolgs­kontrolle zu beurteilen sein.

Manche halten den Einsatz von Karikaturen in der Schule, ja selbst im Sozialkundeunterricht für „keineswegs selbstverständlich, un­umstritten oder gar weit verbreitet“ und verweisen auf ihre Nichterwäh­nung in den einschlägigen Rahmenplänen (Roth 1990, 534; auch Sangs 1985, 8). Die Vor- und Nachteile oder auch Gefahren sowie zu beachtende methodische Regeln bei ihrem Einsatz und ihrer Interpretation sind dementsprechend außerhalb der wenig umfangreichen fachdidaktischen Literatur (so Gallus 1984, 98) noch kaum bekannt. Gleichzeitig greift man jedoch in vielen Klassenzimmern mittlerweile gern zu diesem Medium (siehe z.B. Wolf 1998, 12). Es ist zu fragen, ob die nicht einfach zu handhabenden Karikaturen immer adäquat im Unterricht behandelt werden. Man kann von der Karikatur also nicht als einem etablierten und sicher bewährten Unterrichtsmedium sprechen. Es er­scheint somit angeraten, in dieser Arbeit einen relativ ausführlichen Überblick über das Medium Karikatur an sich und über die fachdidakti­schen Positionen zur Verwendung der Karikatur im Unterricht zu geben (Abschnitt 2). Daran anschließend werden die für die Unterrichtsplanung maßgeblichen allgemeinen und speziellen Voraussetzungen dargelegt, die die Klasse 8.1 mitbringt (Abschnitt 3). Die aus diesen Vorarbeiten resultierenden didaktisch-methodischen Entscheidungen sowie eine Übersicht über die Unterrichtsreihe werden in Abschnitt 4, drei ausge­wählte Schwerpunktstunden samt Planung, Durchführung und Analyse in Abschnitt 5 dargestellt. Sowohl bei dieser Darstellung der Einzelstun­den als auch bei der in Abschnitt 6 folgenden Gesamtreflexion wird das Hauptaugenmerk auf Aspekte gelegt, die den Darstellungsschwerpunkt und damit die dargelegten erkenntnisleitenden Fragen betreffen. Durch das Literaturverzeichnis und eine kurze Dokumentation im Anhang wird die Arbeit abgeschlossen.

2. Zur politischen Karikatur

2.1. Definition, Geschichte und Stilmittel der Karikatur

„Die Karikatur ist eine der Waffen des menschlichen Geistes geworden, [...] eine der Möglichkeiten der Kritik am Menschen, und ich glaube nun nicht, daß das so überflüssig ist.“ (Friedrich Dürrenmatt, zit. nach Uppendahl 1978, 12)

Unbestritten kommt der Karikatur heute eine herausragende Stel­lung innerhalb der modernen Medienwelt zu. Ausstellungen, Buchver­öffentlichungen, Flugblätter, Magazine und Broschüren, satirische Zeit­schriften, selbst seriöse Geschichtswerke mit Hunderten von karikieren­den Darstellungen aus der Neuzeit zeugen davon (siehe mit Quellenan­gaben Marienfeld 1990a, 13). Sie ist auch im Fernsehen, u.a. in politi­schen Magazinen, weit verbreitet und hat sich nach Ansicht Uppendahls „zunehmend zum geheimen Lehrmeister der Nation“ ent­wickelt (1980, 74). Entscheidend für die alltägliche Konfrontation mit Karikaturen sind die Tageszeitungen, von welchen kaum eine darauf verzichtet, das politische Tagesgeschehen an exponierter und fest­stehender Stelle zu karikieren. Es ist heutzutage - auch für die Schüler - kaum möglich, nicht mit Karikaturen konfrontiert zu werden (siehe Loch; Görres 1985, 12).

Was sind Karikaturen (italienisch caricare = beladen, überladen) nun genau? Die gesichteten Texte bieten eine Vielzahl von Definitionsversuchen und Erklärungen, von denen einige eher die gesellschaftskritische, auch gesellschaftsverändernde Absicht in den Vordergrund stellen (z.B. Roth 1990, 534f.). Andere heben mehr auf die historischen Vorgänger und Entwicklungen ab (z.B. Marienfeld 1990a, 13ff.), berücksichtigen dabei die begriffliche Entwicklung (z.B. Grünewald 1979, 10ff.) oder beziehen die künstlerisch-ästhetischen Aspekte stärker ein (z.B. Uppendahl 1985, 459ff. u. 1979, 8ff.). Eine abschließende, ein­deutige Definition der Karikatur hat es nach Grünewald (1979, 14) bislang nicht gegeben.[3] Legt man pragmatische Gesichtspunkte zu­grunde, kann - gleichsam als Schnittmenge - die Karikatur als visuelle, zeichnerisch gestaltete Satire auf gesellschaftliche, politisch-ökonomi­sche Zustände und Streitfragen bzw. involvierte Personen gelten, die sich dabei unterschiedlicher verzerrender, witziger oder auch befremdender Stilmittel bedient. Sie bezieht einen parteilichen Standpunkt, drückt Kritik aus und will den Rezipienten in ihrem Sinne beeinflussen. Intention des politischen Karikaturisten kann es sein, öffentliche Figuren zu überzeichnen, sie der Lächerlichkeit preiszugeben und herabzusetzen. „Sie ist Urteil über Tatbestände: Sachurteil und Werturteil.“ (Marienfeld 1991, 7)

In der modernen Karikatur fließen im wesentlichen zwei Traditions­linien zusammen, die erstmals im 16. Jahrhundert, bedingt durch die Entwicklung neuer Techniken wie der Papierherstellung, dem Holz­schnitt und Kupferstich und besonders der Erfindung des Buchdrucks, zu einer großen, öffentlichkeitswirksamen Bedeutung kamen. Hier sind einerseits die Schmäh-, Schand- und Spottbilder zu nennen, die im Mei­nungskampf von Reformation und Gegenreformation als Mittel zur Er­niedrigung des Gegners, zur Glorifizierung der eigenen Sache und zur agitierenden Information der in der Regel des Lesens unkundigen Rezi­pienten dienten. Das damalige aktuelle Flugblatt ist ohne diese Bilder nicht denkbar (siehe Grünewald 1979, 23ff.; Marienfeld 1990a, 13ff.). Das Zeitalter der Reformation kann als eine erste Blütezeit dieser Form engagierter Graphik gelten (siehe Uppendahl 1980, 74). Zu den histori­schen Vorläufern der Karikatur wird andererseits die Linie der Zerrbilder gerechnet, die als „vielgeschmähte Tochter der ehrbaren Handzeich­nung“ (Uppendahl 1985, 459) und „Spielart der Porträtkunst“ (Marienfeld 1990a, 14) bezeichnet wird. In dieser im Italien des späten 16. Jahrhun­derts entstandenen Kunstrichtung werden die absonderli­chen, häßlichen oder herausragenden Charakteristika der Zeitgenossen um der Erheite­rung willen überladen, überfrachtet oder verzerrt darge­stellt (siehe Grünewald 1979, 21ff.; Marienfeld 1990a, 14). Nachdem diese beiden ge­trennten Linien mit ihren spezifischen Stilmitteln zu­sammengeflossen waren, kam die entstehende moderne Karikatur zu­nächst hauptsächlich in Holland zu einer ersten Blüte. Als „Propagandazentrale“ der antifran­zösischen Koalition (Grünewald 1979, 29) ist Holland Entstehungsort von bissigen Karikaturen gegen die Eroberungspläne des Sonnenkönigs. Im liberalen, die Freiheit der Meinungsäußerung schützenden England des 18. Jahrhunderts ent­stehen tagespolitische Karikaturen, die gegen Auffassungen der Tories oder der Whigs polemisieren und sich damit stärker mit der Innenpolitik beschäftigen. Von England aus verbreiten sich auch als außenpolitische Waffe eingesetzte Karikaturen gegen die Französische Revolution und besonders gegen die imperiale Politik ‘Bonnies’ über den ganzen Konti­nent.[4] Die bürgerlichen Revolutionen Mitte des 19. Jahrhunderts ver­helfen der Karikatur - auch in Deutschland - zum endgültigen Durch­bruch. Karikaturen waren in der Zeit der Revolution 1848/49 „eines der wichtigsten Medien der öffentlichen Meinungsäußerung“ (Beuchel; Klinge 1998, 32; siehe auch Faust 1980, 740). Die satirischen Zeit­schriften „schießen wie Pilze aus dem Boden“ (Grünewald 1979, 34); allgemein bekannt sind z.B. der englische „Punch“, in Deutschland der „Kladderadatsch“ oder die „Fliegenden Blätter“.

Im 20. Jahrhundert schließlich ‘marschieren’ Karikaturen als Instru­ment der Kriegspropaganda, sie sollen Angst, Wut und Haß hervor­rufen, oder sie werden in den Dienst totalitärer Regimes gestellt und verlieren ihre kritische Funktion zugunsten affirmativer Rechtfertigung im Sinne der jeweiligen Ideologie (siehe Grünewald 1979, 37ff.; Marienfeld 1990a, 15f.). Dennoch verhilft der Fortgang der Demokrati­sierung in unserem Jahrhundert den Karikaturisten zu bisher nie dage­wesenen Freiräumen und schafft eine breite Basis interessierten Publi­kums. Der Karikatur kommt heute, wie oben angedeutet, eine mediale Massenwirkung zu. Ähnlich wie die Fabel aber eine wesentliche Trieb­feder zu Tiefgründigkeit und intelligenter Verschlüsselung verliert, wenn Zensur und Gefahr fortfallen, ist unserer Tage auch bei der „Massenware“ der politischen Karikatur eine Verflachung und Trivialisie­rung festzustellen.[5]

Mit Sicherheit erfahren Karikaturen immer dann eine Blütezeit als Ausdrucksmittel des politischen Kampfes, wenn grundsätzliche politi­sche Fragen unter relevanten gesellschaftlichen Gruppen umstritten sind, wenn krisenhafte Entwicklungen neue Antworten erfordern, wenn durch außenpolitische Konflikte ein Gegner zum gemeinsamen Ziel des Spottes oder Hasses wird (siehe Loch; Görres 1985, 11). So kann die Karikatur quer durch die Geschichte als „zentrale[s] Instrument gesell­schaftspolitisch orientierter Kritik“ bezeichnet werden, die in dieser Weise „immer stärker in die Funktion eines Seismographen historischer Krisensituationen“ rückte (Uppendahl 1985, 459f.).

Es sind heute vielfältige Variationen von Karikaturen anzutreffen. Nach einem Vorschlag von Marienfeld (1990a, 16ff., mit Beispielen) kann man sie erstens nach inhaltlichen Strukturen (Zustands-, Ereignis-, Prozeßkarikaturen) und zweitens nach formalen Strukturen (personale Individual-, personale Typen- und apersonale Sachkarikatur) ordnen. Der Autor konzediert, daß die Gren­zen zwischen diesen Idealtypen verwischen; in der Realität sind fast immer Mischformen anzutreffen.[6]

Wichtig für die Arbeit mit Karikaturen ist die Kenntnis der ihr eige­nen Stilmittel, der verwendeten Symbole, Figuren und Zeichen. Als kon­stitutiv für die Karikatur an sich wird von den verschiedenen Autoren mal das Stilmittel der Verfremdung angesehen (so Marienfeld 1990a, 18), mal die Kombination von Bild und Text und die daraus resultierende Spannung (so Uppendahl 1985, 465) oder auch die übertreibende, ver­zerrende Problemzuspitzung (so Wolf 1998, 12). Der Karikaturist bedient sich jedenfalls einer graphischen Symbolsprache, um über ein „bloßes Abbild von Personen, Gruppen, Institutionen, Ereignissen, Handlungsabläufen“ hinauszuzeigen und „deren Wesen, deren Kern, deren Bedeutung, deren inneren Zusammenhang“ aufzudecken. Es geht ihm darum, Sachverhalte zu entwirren, auf den entscheidenden Punkt hin zu durchleuchten, durch Verzerrung und Verdeckung „die verborgene Wahrheit auf[zu]decken“ (Marienfeld 1991, 7).

Voraussetzung dafür ist, daß der Zielgruppe einer Karikatur die verwendeten Zeichen, Symbole und Figuren bekannt sind. Um dies zu ermöglichen und eine einheitliche, gleichsam automatische Rezeption und Decodierung der Einzelelemente zu erreichen, hat sich im Umfeld der Karikaturen ein recht eindeutig bestimmtes „formelhaftes Zeichenre­pertoire“ (Grünewald 1979, 78) entwickelt. Dabei werden zunächst allgemein bekannte Zeichen (z.B. Flaggen oder Wappentiere), Allego­rien (Skelett = Tod, Taube = Frieden) und historische Symbole (z.B. Hammer und Sichel, Hakenkreuz) verwendet (nach Faust 1980, 742f.: „ikonische Zeichen“). Es hat sich aber durch permanente Wiederholung auch ein spezifisches Symbolrepertoire herausgebildet. Bekannt ist der „Deutsche Michel“ als Symbol für den Deutschen, „Uncle Sam“ für die USA, der „Russische Bär“ für Rußland oder auch die Brille für den In­tellektuellen, der Schutzhelm für den Arbeiter bzw. Gewerkschafter, der dicke Mann mit Homburg-Hut und Zigarre für den Unternehmer usw. (nach Faust 1980, 743: „arbiträre Zeichen“). Stets werden komplexe Sachverhalte, Zusammenhänge oder ganze Nationen oder soziale Gruppen auf ein einziges, eindeutiges Symbol reduziert. Während in vergangenen Jahrhunderten handlungstragende Personen oft mit einen Namensschild gekennzeichnet werden mußten, läßt es die Präsenz der Politiker in den visuellen Massenmedien unserer Tage zu, ihre allge­mein bekannte Physiognomie mit wenigen Federstrichen und unter Verwendung sich automatisierender Erkennungszeichen zu karikieren (z.B. das um den Kopf gewundene „Palästinenser-Tuch“ Yassir Arafats). Hervorstechende Attribute werden hier in komischer Weise übertrieben dargestellt (z.B. Theo Waigels Augenbrauen).[7] Darüber hinaus bedient sich der Karikaturist der bewährten Mittel der Komik, hauptsächlich der Über- und Untertreibung bzw. Verzerrung, des (Mensch-Tier-)Vergleichs, der Metapher, der Allegorie, der Parodie und Paradoxie, der Drastik, der Ironie, der Situations- und Charakterkomik (siehe Uppendahl 1985, 464f.; Marienfeld 1991, 7; Krüger; Krüger 1981, 22f.). Natürlich sind diese Elemente nicht stets und gemeinsam vorhan­den, gehen oft ineinander über oder treten gegenüber anderen, bitter-ironischen, drastisch-erschreckenden oder auch tragischen Elementen zurück. Nicht zuletzt durch provozierenden oder einen unvermuteten Zusammenhang herstellenden Text ist die Karikatur deshalb „oft witzig und gleichwohl immer ernst, oft nicht einmal auf befreiendes Gelächter, sondern auf Erschrecken und Entsetzen ausgerichtet. Sie nur als witzige Illustration zum Geschehen anzusehen, hieße ihr Wesen zu verkennen und ihre Aussagekraft zu unterschätzen.“ (Marienfeld 1991, 7)

2.2. Politische Karikaturen in der Unterrichtspraxis

„Wer nach neuen und wirksamen Formen intrinsischer Motivation sucht, wird [...] am Medium der politischen Karikatur kaum vorbeigehen können.“

(Herbert Uppendahl 1978, 14)

In den 50er und 60er Jahren von der fachdidaktischen Literatur nicht beachtet, wurde der politischen Karikatur Ende der 70er Jahre ein randständiges Dasein im schulischen Kontext bescheinigt. Noch 1980 schrieb Faust: „In den allgemeinen fachdidaktischen und -methodischen Einführungen und Handbüchern wird die Karikatur bis heute in der Regel überhaupt nicht erwähnt.“ (1980, 739; auch Sangs 1985, 8) Zu dieser Zeit hatte sich die Situation jedoch bereits etwas verbessert. In den Jahren 1978 bis 1980 erschienen einige didaktische und allgemeine Veröffentlichungen zu diesem Thema.[8] Daß die politische Karikatur in der traditionellen Geschichtsdidaktik und im Geschichts- und Sozial­kundeunterricht bis dahin kaum eine Rolle gespielt hat, führt Uppendahl auf eine Vorsicht gegenüber der Parteilichkeit und Einseitigkeit der mei­sten Karikaturen zurück (1985, 463). Auch kann die Grenze des An­standes und des Respekts für den politischen Gegner überschritten werden und in Beleidigung oder aggressive Verunglimpfung umschla­gen. Die Karikatur „kann bloßstellen, lächerlich machen, ja vernichten wollen; sie kann Mittel der Aggression sein.“ (Marienfeld 1991, 7, siehe auch 1990a, 20f.) Dies kann es als schwer erscheinen lassen, die Aus­gewogenheit des Unterrichts zu gewährleisten und dem gesellschafts­politischen Pluralismus gerecht zu werden. Karikaturen können - ohne angemessene Bearbeitung - auch Vorurteile und Klischees bestätigen (dazu Gassmann et al. 1978, 3f.). Der Einsatz von Karikaturen erfordert daher ein gewisses Maß an Mut, eine gründliche Vorbereitung und be­gründete Auswahl des Materials. (siehe Roth 1990, 534; Grünewald 1979, 17).[9]

Neben diesen Gefahren, die bei adäquater Berücksichtigung zu umgehen sind (s.u.), stellen die Autoren aber zahlreiche Vorteile des Karikatureinsatzes, ja sogar die Notwendigkeit (z.B. Marienfeld 1990a, 19) ihres Einsatzes in einem zeitgemäßen Unterricht heraus. In enga­gierter und prägnanter Form faßt Marienfeld die Hauptargumente zu­sammen: Für die Karikatur spräche „nicht nur die Notwendigkeit, den Schüler mit einem wichtigen Medium des politischen Meinungskampfes vertraut zu machen, ihm das Verständnis zu erschließen und ihn gleich­zeitig auch zu kritischer Distanz zu befähigen. Für ihren Einsatz spricht auch, daß Karikaturen [...] rationale und emotionale Kräfte beim Schüler ansprechen, ihn motivieren, das Geheimnis ihrer Aussage zu entschlüs­seln. Sie wirken damit zugleich aktivierend, indem sie dazu nötigen, das vorhandene Wissen aufzubieten, Kombinationen vorzunehmen, Bezüge herzustellen zwischen der gemeinten politischen Wirklichkeit und dem Verfremdungsbereich, zwischen Text und Bild. Sie zwingen zur Argu­mentation, fördern die Diskussion und damit die Selbsttätigkeit der Ar­beitsgruppe. Sie lenken den Blick durch die Vielfalt der Fakten hindurch auf das im Geschehen Wesentliche.“ (1990a, 19)

In jüngeren Veröffentlichungen finden sich denn auch Hinweise auf eine Entwicklung, die den Karikaturen nun verstärkt Eingang in Unter­richtsmaterialien, Schulbücher und Prüfungsaufgaben verschafft hat.[10] Auch an Lehrern ist diese Entwicklung nicht vorbeigegangen: „Als Un­terrichtender für Sozialkunde, Gemeinschaftskunde, Wirtschaftslehre u.ä. greift man - zumal in Oberklassen - gern zu diesem Medium, um den anspruchsvollen Stoff etwas ‘aufzulockern’.“ (Wolf 1998, 12).[11]

Welchen Nutzen im einzelnen kann man sich nun vom Einsatz von Karikaturen erhoffen? Die herangezogenen fachdidaktischen Texte kommen übereinstimmend zu der Einschätzung, daß Karikaturen bei adäquatem Einsatz geeignet sind, die Hinführung zu einem Unterrichts­stoff qua Anschaulichkeit und Komik interessant zu gestalten, die Erar­beitung eines Stoffes intrinsisch zu motivieren, aus sich heraus eine Fragehaltung zu provozieren, damit Gespräche und problemorientierte Diskussionen zu evozieren sowie die Schüler allgemein zu aktivieren. Als visuelles Medium kann es „gegen Unanschaulichkeit und trockenen Verbalismus“ (Loch; Görres 1985, 12) wirken und wird länger erinnert als Texte (siehe Uppendahl 1985, 459).[12] Aufgrund seines Charakters als „visuelles Rätsel“ weckt es Neugierde und Spürsinn und liefert einen Beitrag zu einer entspannten, „lernförderlichen Atmosphäre“ (Sangs 1985, 8 u. 14). Besonders hervorgehoben wird der außerordentlich hohe Motivationswert, der Karikaturen geeignet er­scheinen läßt, in ein Thema einzuführen. Karikaturen können als „optimale Einstiegsmethode“ angesehen werden (Gassmann et al. 1978, 4; siehe auch Grünewald 1979, 49).[13] Die angesprochene intrinsische Motivationskraft (siehe z.B. Uppendahl 1985, 466) stellt die Karikatur in Verbindung mit dem Konzept des entdeckenden Lernens, welches in seiner Reinform durch möglichst große geistige Selbständigkeit, Eigenaktivität und Spontaneität des Lernverhaltens des Schülers gekenn­zeichnet ist. Im allgemeinen Verständnis gilt als entdeckendes Lernen aber nicht ausschließlich ein Lernen, welches in völliger Entscheidungsfreiheit des Schülers abläuft, sondern bereits ein Lernen, das z.B. durch stark motivierende Materialien angestoßen und dann durch Entdeckungshilfen in gewissem Ausmaß gesteuert wird. Das Wecken eines problemaufspürenden Interesses durch motivierende Stundeneinstiege in Verbindung mit Arbeitsimpulsen, vorstrukturierten Lösungswegen und einer Anleitung zur Vermeidung von Irrwegen und Fehlschlägen ist durchaus als Teil eines „guided discovery learning“ anzusehen (siehe Filser 1985, 432ff.; ausführlich zum entdeckenden Lernen siehe Neber 1981). Karikaturen können den Betrachter zum aufmerk­samen, aufschließenden Sehen und zum „entdeckenden und forschen­den Lernen“ auffordern (so Uppendahl 1978, 21 u. 1985, 466). Auch Marienfeld meint, daß der Anblick einer Karikatur dazu auffordert, Fra­gen zu erkennen, Kombinationen anzustellen, Wissen und Phantasie aufzubieten, Text und Bild in Beziehung zu setzen und Deutungen an­zustellen. „Die Karikatur entzieht sich damit einer nur passiven Rezep­tion, sie nötigt vielmehr zur aktiven Aneignung. [...] Die Aufgabe der Entschlüsselung in einer Lerngruppe ist zugleich geeignet, eine argu­mentative Diskussion in Gang zu setzen, in der der Lehrer zurücktreten oder sich auf gelegentliche Impulse beschränken kann.“ (Marienfeld 1990b, 34; ähnlich Uppendahl 1980, 75; Grünewald 1979, 17; Krüger; Krüger 1981, 19f.)[14] Vor übertriebenen Vorstellungen ist indes zu warnen. Entscheidend ist, daß karikaturorientierter Unterricht nicht mit Laissez-faire und ein phasenweises Zurücktreten des Lehrers nicht mit absoluter Selbstbestimmung und -steuerung des Schülers verwech­selt wird. Nur im vom Lehrer geplanten und strukturierten Unterricht, nur wenn Sinn und Zweck des Karikatureinsatzes klar definiert sind, nur wenn die Karikatur nützlich für die vorab bestimmten Lernziele ist, können die intrinsisch motivierenden und für einen Unterrichtsge­genstand interessierenden Wirkungen einer Karikatur umgesetzt werden. Der Lehrer „muß sich darüber klar sein, was er seinen Schülern vermitteln will und muß, warum das für die Schüler wichtig ist und wie das zu geschehen hat.“ (Grünewald 1979, 47)

Karikaturen beinhalten eine bestimmte Sicht der Dinge, sind zu­mindest perspektivisch, oft aber eindeutig parteilich und einseitig. Sie fordern eine Stellungnahme, sei es zustimmend oder ablehnend, heraus und wirken daher meinungsbildend. Man kann sie nicht passiv konsu­mieren, sondern muß aktive Entschlüsselungsarbeit leisten, um ihre Aussage verstehen und beurteilen zu können (siehe z.B. Sangs 1985, 4; Uppendahl 1985, 463; Grünewald 1979, 17). Sie fordern daher zu einer Reaktion, zu persönlicher Stellungnahme heraus. Eine Aufgabe des Unterrichts mit Karikaturen besteht notwendigerweise darin, die Schüler zu einer sachlichen Begründung der eigenen Reaktion hinzufüh­ren, ihnen geeignetes, zusätzliches Material zu liefern, sie über Hinter­gründe und Zusammenhänge zu informieren. Karikaturen setzen also Faktenwissen voraus oder erfordern die Erarbeitung entsprechenden Wissens, welches sie selbst nicht vermitteln können. Sie sollten folglich, wenn sie nicht selbst der Hauptgegenstand des Unterrichts sind (s.u.), in Verknüpfung mit anderen Medien, etwa weiteren Quellen, informati­ven Texten und Schaubildern oder auch mit Karikaturen gegenläufiger Aussage, eingesetzt werden (so Faust 1980, 750; Marienfeld 1990b, 34; Gassmann et al. 1978, 4). Erst dann können die Schüler die parteili­che Position des Karikaturisten einschätzen, zur Faktenlage und zu ihrer eigenen Einschätzung in Beziehung setzen. „Die Aufgabe des Un­terrichts besteht darin, die Fähigkeit zur sachlichen Begründung der eigenen Reaktion zu üben. Wenn diese sachliche Begründung unter­bleibt, ist ein fundiertes Urteil nicht möglich, eine vielleicht irreführende Manipulation vorgenommen. Hier liegt die besondere Verantwortung des Lehrers.“ (Gassmann et al. 1978, 3)[15]

Neben dem sind bei der Planung karikaturorientierten Unterrichts eine Reihe weiterer Aspekte zu beachten. So muß erwogen werden, ob der gleiche Lernerfolg nicht auch durch den Einsatz z.B. einer weniger zeitintensiven Textquelle zu erreichen ist bzw. ob die hohe Motivations­kraft der Karikatur in einer bestimmten Unterrichtsphase ihren Einsatz dennoch rechtfertigt (siehe Marienfeld 1990a, 19). Die Karikatur muß mit den Fähigkeiten und Kenntnissen der Schüler harmonieren, es soll­ten Fehldeutungen oder Identifikationen mit problematischen Karikatu­ren im Unterrichtsverlauf ausgeschlossen werden[16], schließlich muß die Entsprechung mit den didaktischen Intentionen des Lehrers gewähr­leistet sein (siehe Uppendahl 1985, 466; auch Krüger; Krüger 1981, 24f.). Die genannten Aspekte zusammenfassend muß gefragt werden: Ist der Einsatz einer Karikatur bezüglich der Intentionen des Lehrers, der verwendeten informativen Materialien und der Lernziele der Stunde funktional ?

[...]


[1] Die Schülerinnen und Schüler werden hier und im folgenden aus Gründen der Sprachökonomie als „Schüler“ bezeichnet.

[2] Eine erste Unterrichtsreihe wurde anläßlich der Wahlen zum Deutschen Bun­destag im September 1998 durchgeführt. Hier kamen keine Karikaturen zum Einsatz. Die Entscheidung, je aktuelle Themen im Unterricht zu behandeln, brachte eine Umstrukturierung der in der Einleitung zum Rahmenplan Sozialkunde sowie in der An­lage zum Rundschreiben SenSchulSport II Nr. 61/1991 empfohlenen zusammenhän­genden Behandlung der Themenbereiche dieser Unterrichtseinheit mit sich (zu den speziellen Unterrichtsvoraussetzungen siehe Abschnitt 3.2).

[3] In den neueren Quellen werden umfassende Definitionsversuche kaum noch vorgenommen; die Autoren gehen pragmatisch vor, stellen heraus, was sie unter Karikaturen verstehen und konzentrieren sich mehr auf Fragen der Verwendbarkeit des Mediums im Unterricht.

[4] Faust (1980, 739) sowie Beuchel; Klinge (1998, 32) ergänzen, daß die Er­findung der Lithographie um 1798/99, die den Kupferstich ablöste und nahezu unbe­grenzt viele Abzüge eines Druckbildes zuließ, zur leichteren und weiteren Verbrei­tung von Karikaturen beitrug.

[5] Insbesondere bei der Auswahl aktueller, tagespolitischer Karikaturen, wie in der geplanten Unterrichtsreihe intendiert, ist eine große Zahl plumper, schlecht ge­zeichneter oder einfallsloser Erzeugnisse auszusondern. Wen wundert’s, haben doch die Stammkarikaturisten der großen Tageszeitungen täglich eine neue Karikatur zu plazieren.

[6] Im Zusammenhang dieser Arbeit sollen politische Karikaturen aus Tageszei­tungen Verwendung finden, die als ge­sellschaftskritische Presse- und Plakatkarika­tur von der mehr unterhaltenden Witzzeichnung, dem Cartoon, dem reinen Spott- und Schmähbild sowie der unpolitischen Personenkarikatur zu trennen ist. Überwiegend werden personale Individual- und Typenkarikaturen als Zustands- und Ereigniskari­katuren eingesetzt (siehe Fritz 1980, 40-45; Grünewald 1979, 14; Marienfeld 1990a, 16ff.).

[7] Bei Schülern in der Sekundarstufe I sind auch prominente Politiker nicht un­bedingt als bekannt vorauszusetzen. Hier muß der Lehrer Hilfen geben (vgl. Loch; Görres 1985, 13).

[8] Siehe insbesondere die bis heute zur Standardliteratur zählenden Uppendahl (1978) und Grünewald (1979), aber auch Fritz (1980), Krüger; Krüger (1981) und später Loch; Görres (1985), Sangs (1985) sowie in didaktischen Zeitschriften seit Anfang der 80er Jahre erschienene Artikel. Beachtenswert auch das frühe Erscheinen des Themen­heftes ‘Karikaturen’ der Zeitschrift ‘Politik und Unterricht’, herausgegeben von der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg (zit. als: Gassmann et al. 1978).

[9] Nach meiner Ansicht ist die Perspektivität des politischen Meinens und Ur­teilens jedoch kein Problem des Quellen- und Medieneinsatzes im Unterricht, son­dern ein grundsätzliches Signum des Politischen (siehe unten FN 15). Gesellschaftli­che Konflikte und Kontroversen gehören somit in den politischen Unterricht, damit ist der Einbezug auch einseitiger Standpunkte und Materialien kaum zu vermeiden. Un­abdinglich ist es, sie zu hinterfragen und zu relativieren. Als Orientierung können hier noch immer die Grundsätze des Beutelsbacher Konsenses dienen, insbesondere das Kontroversitätsgebot in Verbindung mit dem Überwältigungsverbot (siehe Schiele; Schneider 1996).

[10] Die neueren Schulbücher für den Sozialkunde- und Politikunterricht, z.B. aus dem Schroedel-Verlag („Politik gestalten“ 1994; „Mensch und Politik“ 1996) oder dem Diesterweg-Verlag („Politik - Lernen und Handeln für heute und morgen“ 1995) bein­halten zahlreiche Karikaturen. In pädagogischen Zeitschriften erscheinen Anregun­gen für die Arbeit mit Karikaturen. Insofern bedarf die bereits in der Einleitung ange­sprochene Einschätzung von Roth (1990, 534), die Karikatur friste selbst im politi­schen Unterricht ein marginales Dasein, nun einer gewissen Relativierung. Die Frage, ob die Verwendung einer im Schulbuch abgedruckten Karikatur über ober­flächliches ‘Angucken und Amüsiertsein’ hinausreicht, bleibt aber bestehen (siehe Sangs 1985, 14).

[11] Daß sich die Funktion einer Karikatur nicht auf bloßes ‘Auflockern’ im Sinne eines für den Unterrichtsverlauf folgenlosen „Enrichments“ beschränken sollte, wird in diesem Abschnitt deutlich (siehe zum Enrichment und im Gegensatz dazu zum sinn­vollen, in den Stundenkontext eingebundenen und mit didaktischer Funktion versehe­nen Medieneinsatz Staeck (1987, 234ff.), bezogen allerdings auf den Biologieunter­richt).

[12] Mit Verweis auf die lernpsychologischen Einsichten Frederic Vesters (1982) legt Sangs dar, daß nicht nur die Karikaturen selbst besser erinnert werden als andere Medien, sondern daß auch Wissen, das durch Karikaturen vermittelt oder unterlegt wurde, besser im Gedächtnis verankert wird (siehe Sangs 1985, 9ff.).

[13] Nach Marienfeld bieten sich Karikaturen allerdings „im besonderen Maße in der Schlußphase von Unterricht an, in der es um Festigung, Vertiefung, Anwendung geht“ (1990a, 21).

[14] Uppendahl legt dar, daß die Karikatur zur Informationsrezeption, zu visuel­lem Spürsinn und zur weiteren Beschäftigung mit der Materie anrege. Seine Ein­schätzung, wonach der Einsatz von Karikaturen „extrinsische durch intrinsische Moti­vationsformen abzulösen“ in der Lage sei und somit einen „Ausweg aus dem motiva­tionspsychologischen Dilemma der Schule“ (1980, 75) weise, erscheint mir jedoch als sehr optimistisch. In der von mir geplanten Unterrichtsreihe versuche ich etwas be­scheidener, die Beteiligung, das Interesse und die Motivation der Schüler in einigen Unterrichtsphasen anzuregen. Dabei ist über eine Unterrichtseinheit hinweg ein wohldosierter Einsatz von Karikaturen einzuhalten, damit er nicht zur Routine ver­kommt und damit langweilig wird (siehe Krüger; Krüger 1981, 25 und Marienfeld 1990a, 21).

[15] Diese Verantwortung ist allerdings immer dann gegeben, wenn politische Quellen im Unterricht Verwendung finden. Die Karikatur nimmt hier nur insofern eine Sonderstellung ein, als sie die Perspektivität jeder politischen Auffassung auf die Spitze treibt. Im Rahmen der pluralistischen Gesellschaft muß es darum gehen, diese Perspektivität und die zugeordneten gesellschaftlichen Konflikte und Kontroversen ausgewogen und ohne Indoktrination darzustellen (siehe oben FN 9 und zur Perspektivität, „Relativität und Relationalität“ des politischen Denkens Schwan 1992, 108ff. sowie schon Bergstraesser 1966, 35; vgl. zu dieser sokratischen Sicht auch Popper 1991, 41-54, 55-63, 234f.).

[16] Dies trifft insbesondere auf propagandistische Karikaturen im Kontext von Stalinismus oder Nationalsozialismus zu, aber auch auf ehrverletzende aktuelle Personalkarikaturen, auf deren Einsatz daher verzichtet werden sollte. Siehe z.B. zum Umgang mit antijüdischen Karikaturen Beimel (1990).

Ende der Leseprobe aus 60 Seiten

Details

Titel
Der didaktische Einsatz von Karikaturen. Eine Unterrichtsreihe zum Thema "Die Grundlagen der Staats- und Verfassungsordnung"
Untertitel
8. Klasse, Gymnasium
Hochschule
2. Schulpraktisches Seminar (S) Treptow-Köpenick  (Landesschulamt Berlin)
Veranstaltung
Referendariat
Note
3
Autor
Jahr
1999
Seiten
60
Katalognummer
V12212
ISBN (eBook)
9783638181501
Dateigröße
1485 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schriftliche Prüfungsarbeit zur Zweiten Staatsprüfung für das Amt des Studienrats.
Schlagworte
Karikatur Schule Unterricht Staatsexamensarbeit
Arbeit zitieren
Martin Böckler (Autor), 1999, Der didaktische Einsatz von Karikaturen. Eine Unterrichtsreihe zum Thema "Die Grundlagen der Staats- und Verfassungsordnung", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12212

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