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Das Tagelied bei Wolfram von Eschenbach und dem Marner

Title: Das Tagelied bei Wolfram von Eschenbach und dem Marner

Bachelor Thesis , 2007 , 49 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: B.A. Jenny Camen (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den Tageliedern Wolframs von Eschenbach und des Marners. Der Typus des Tageliedes soll in diesem Rahmen anhand ausgewählter Lieder der beiden Autoren nachvollzogen werden. Der Tageliedzyklus Wolframs von Eschenbach, der weitläufig als Epiker größere Berühmtheit erlangt hat, denn als Lyriker, umfasst fünf Lieder, von denen die Werke Den morgenblic, Sine klawen und Ez ist nu tac hier detailliert betrachtet werden sollen. Im Repertoire des Marners, der vor allem als Sangspruchdichter bekannt ist, finden sich lediglich zwei Tagelieder, die Töne I und II, die beide in die Untersuchung einbezogen werden. Ausgehend von einer kurzen inhaltlichen Darstellung sollen die genannten Lieder hinsichtlich ihrer Form und ihrer Intention beziehungsweise Bedeutung analysiert werden. Über allen Überlegungen soll dabei die Frage nach Gemeinsamkeiten oder Unterschieden in der Tagelieddichtung der zwei Autoren stehen. Gibt es eine einheitliche Form? Lassen sich charakteristische Abweichungen in der Aussage der Lieder feststellen? Kann man vielleicht sogar intertextuelle Bezüge zwischen dem Werk des Marners und Wolframs ausmachen? Um einen Vergleich der beiden Tageliedkorpora anstellen zu können, muss zunächst das Schaffen jedes Autoren für sich genau betrachtet werden. Neben der übergeordneten Frage nach Übereinstimmungen und Variationen zwischen den beiden Tageliedzyklen, soll also auch die Binnenkongruenz der Lieder jedes einzelnen Oeuvres untersucht werden. Besonderes Augenmerk soll dabei auf dem Auftreten und der Funktion der Figur des Wächters liegen. In diesem Zusammenhang stellt sich weiterführend die Frage nach der Relevanz der weit verbreiteten These, Wolfram habe diesen Charakter in das Genre des Tageliedes eingeführt.
Als Textgrundlage dieser Arbeit dienen die Sammlungen von Peter Wapnewski und Philipp Strauch.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das mittelhochdeutsche Tagelied

3. Die Dichter

3.1 Wolfram von Eschenbach

3.2 Der Marner

4. Die Tagelieder des Marners

4.1 Ton II

4.1.1 Formanalyse

4.1.2 Interpretation

4.2 Ton III / Guot wahter wis

4.2.1 Formanalyse

4.2.2 Interpretation

5. Das Tagelied bei Wolfram von Eschenbach

5.1 Den morgenblic

5.1.1 Formanalyse

5.1.2 Interpretation

5.2 Ez ist nu tac

5.2.1 Formanalyse

5.2.2 Interpretation

5.3 Sine klawen

5.3.1 Formanalyse

5.3.2 Interpretation

6. Vergleichende Betrachtung der Lieder

7. Abschluss

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Tagelieder von Wolfram von Eschenbach und dem Marner, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Form, Intention und der Funktion der Wächterfigur innerhalb dieses literarischen Genres zu identifizieren.

  • Analyse des mittelhochdeutschen Tagelieds und seiner formalen Strukturen.
  • Vergleichende Untersuchung der Tageliedzyklen beider Autoren.
  • Bedeutung und Funktion der Wächterfigur im Tagelied.
  • Intertextuelle Bezüge zwischen dem Werk des Marners und Wolframs.
  • Untersuchung der Binnenkongruenz innerhalb der jeweiligen Autoren-Oeuvres.

Auszug aus dem Buch

4.1.2 Interpretation

Zwei Tagelieder werden dem Marner zugesprochen, „von denen das erste von wunderbarer Anmuth ist, das schönste, was Marner gedichtet“17, so Philipp Strauch. Aber was ist das Besondere, das Schöne an diesem Lied, das doch sowohl Wachinger als auch Backes als eher konventionell beschreiben?18 Auf den ersten Blick haben wir es mit dem traditionellen Stoff eines Tageliedes zu tun. Die erste Strophe beginnt mit der Verkündung, der Tag werde bald anbrechen, einer der eindeutigen Voraussetzungen eines Tageliedes nach Behr.19 Interessant scheint jedoch in diesem Fall die Frage, wer den nahenden Morgen verkündet.

Genauer gesagt gibt es zwei Möglichkeiten, entweder der Wächter, von dem es im weiteren Verlauf der Strophe noch heißt, „der wahter sprach in sorgen“ (II, V.14, S.83), beginnt hier seine Rede mit den Worten „Ich künde in dem done“ (II, V.1, S.83), oder aber es handelt sich um ein Sprecher-Ich, welches durch diese Einleitung den Beginn eines Liedes markieren will. Wenn auch die Variante des Wächter-Ichs plausibler erscheint, da es zahlreiche Tagelieder gibt, die mit eben solchen Versen des Wächters beginnen, so gibt es auch Gründe, die für die These des Sprecher-Ichs stehen. Zum einen wird im Abgesang, wie eben zitiert, die einsetzende Rede des Wächters eindeutig als solche ausgewiesen. Es wäre also durchaus logisch, dass in den vorangegangenen Versen ein anderer Redner aktiv war. Zum anderen könnte man den ersten Vers auch als einen Verweis auf ein bestimmtes Tonschema verstehen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit stellt die Tagelieder von Wolfram von Eschenbach und dem Marner vor und definiert die Forschungsfrage bezüglich Gemeinsamkeiten, Unterschieden und der Rolle des Wächters.

2. Das mittelhochdeutsche Tagelied: Einführung in die gattungstypische Ausgangssituation, das Personal und die Funktion des Tagelieds im höfischen Kontext.

3. Die Dichter: Ein kurzer Überblick über die Lebensumstände und Schaffensperioden von Wolfram von Eschenbach und dem Marner.

4. Die Tagelieder des Marners: Analyse der beiden Lieder des Marners (Ton II und Ton III), ihrer formalen Struktur und inhaltlichen Besonderheiten.

5. Das Tagelied bei Wolfram von Eschenbach: Detaillierte Untersuchung von Wolframs Tagelied-Zyklus, insbesondere der Lieder Den morgenblic, Ez ist nu tac und Sine klawen.

6. Vergleichende Betrachtung der Lieder: Synthese der Ergebnisse, in der die formale Treue zum Kanzonenschema und die unterschiedliche Ausgestaltung des Wächter-Motivs bei beiden Autoren gegenübergestellt werden.

7. Abschluss: Fazit zur Frage nach intertextuellen Bezügen und der Entwicklung der Gattung im Werk beider Dichter.

Schlüsselwörter

Tagelied, Wolfram von Eschenbach, Der Marner, Minnesang, Wächter, Minnereflexion, Tageliedzyklus, Kanzonenschema, höfische Dichtung, Tagesanbruch, Konvention, Variation, Intertextualität, mittelhochdeutsche Lyrik, Liebespaar.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?

Die Arbeit analysiert die Tagelieder von Wolfram von Eschenbach und dem Marner hinsichtlich ihrer formalen Struktur und inhaltlichen Ausgestaltung.

Welche Autoren und Werke stehen im Mittelpunkt der Untersuchung?

Untersucht werden die fünf Tagelieder Wolframs von Eschenbach sowie die zwei überlieferten Tagelieder (Ton II und III) des Sangspruchdichters Der Marner.

Was ist das primäre Forschungsziel?

Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Tagelieddichtung beider Autoren aufzuzeigen und insbesondere die Entwicklung der Wächterfigur und die Frage nach intertextuellen Bezügen zu klären.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?

Die Arbeit nutzt eine gattungsorientierte literaturwissenschaftliche Analyse, die sowohl Formanalysen (Metrik, Reim) als auch inhaltliche Interpretationen einzelner Strophen umfasst.

Welche Schwerpunkte werden im Hauptteil behandelt?

Neben der formalen Bestimmung der Lieder liegt der Fokus auf der Gesprächskonstellation, der Funktion des Wächters, dem Motiv des Tageshasses und der Rolle der Dame.

Durch welche Schlüsselbegriffe ist die Arbeit charakterisiert?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Minne, Wächter, Tagesanbruch, Kanzonenschema, Literarisierung und die spezifische Motivik von Tag und Nacht.

Wie unterscheidet sich Marners "Ton II" in seiner Darstellung?

In "Ton II" verleugnet die Dame den Tagesanbruch und bezichtigt den Wächter der Lüge, was eine starke Abweichung vom konventionellen Tagelied darstellt.

Was ist das Besondere an Wolframs Lied "Ez ist nu tac"?

Das Lied zeichnet sich durch eine melancholische Schwere, zahlreiche Waisenverse und eine starke religiöse Kontrafaktur aus, die es vom Rest seines Zyklus abhebt.

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Details

Title
Das Tagelied bei Wolfram von Eschenbach und dem Marner
College
Ruhr-University of Bochum
Grade
1,0
Author
B.A. Jenny Camen (Author)
Publication Year
2007
Pages
49
Catalog Number
V122122
ISBN (eBook)
9783640270958
ISBN (Book)
9783640271023
Language
German
Tags
Tagelied Wolfram Eschenbach Marner
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
B.A. Jenny Camen (Author), 2007, Das Tagelied bei Wolfram von Eschenbach und dem Marner, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122122
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