Zur Komplexität der Sprachensituation in Luxemburg


Seminararbeit, 2006
17 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Großherzogtum Luxemburg: Gegenwärtige administrative und politische Verhältnisse

3. Die historische Entwicklung Luxemburgs als Grundlage der Triglossie

4. Die Entstehung und Entwicklung des Letzebuergeschen

5. Gegenwärtige Sprachensituation in Luxemburg
5.1 Die Stellung der Sprachen im Bildungssystem
5.2 Luxemburgische Literatur

6. Chancen und Konflikte der Dreisprachigkeit

7. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Rahmen dieser Hausarbeit soll die sprachliche Entwicklung des Großherzogtums Luxemburg aufgezeigt werden. Anhand der historischen Betrachtung und der gegenwärtigen Sprachensituation soll die Komplexität des Sprachensystems Luxemburgs nachvollzogen werden, - die Triglossie aus Französisch, Deutsch und Luxemburgisch[1]. Besonderes Augenmerk gilt unter anderem der Verdrängung des Deutschen in der Nachkriegszeit und dem Aufschwung des Luxemburgischen. Hierbei sollen einerseits Konflikte diskutiert und andererseits Chancen der Mehrsprachigkeit aufgezeigt werden. Es stellt sich die Frage, ob die Triglossie Luxemburgs als ein Vorteil auf kultureller oder auch gesellschaftlicher Ebene anzusehen ist. Anhand der Bildungssituation in Luxemburg soll nachvollzogen werden, inwiefern die Landesregierung versucht die sprachliche Entwicklung in eine gewisse Richtung zu lenken. Hierzu bedarf es ebenfalls einer Rückschau auf den historischen Sprachenunterricht. In einem Exkurs soll außerdem die literarische Produktion Luxemburgs in Betracht gezogen werden, welche möglicherweise einen Rückschluss auf die gegenwärtige Verbreitung und das Ansehen der drei gesprochenen Sprachen erlaubt.

Hierbei gilt es insgesamt die These, das Luxemburgische sei eine rein gesprochene und somit als Minderheitensprache der Luxemburger anzusehende Sprache, zu widerlegen.

2. Das Großherzogtum Luxemburg: Gegenwärtige administrative und politische Verhältnisse

Das Großherzogtum Luxemburg erstreckt sich über eine Fläche von gerade 2586 km2 und hat eine Einwohnerzahl von rund 453.000, was einer Populationsdichte von 175 Menschen pro km2 entspricht. Geographisch gliedert sich Luxemburg in das Rheinische Schiefergebirge, die lothringische Stufenlandschaft und Ausläufer des Pariser Beckens ein (s. Hoffmann 1979: 3). Die Hauptstadt des weltweit einzigen Großherzogtums ist das gleich benannte Luxemburg oder Lëtzebuerg, wie es die Einwohner nennen. Luxemburg ist das Land mit dem höchsten Ausländeranteil und der niedrigsten Geburtenrate innerhalb der Europäischen Gemeinschaft (s. Schroen 1986: 7). Der bemerkenswert hohe Anteil an Ausländern, der 2005 bei 39% lag, setzt sich vornehmlich aus Portugiesen, Franzosen, Belgiern und 2,3% Deutschen zusammen. Ebenfalls von großer Bedeutung sind Grenzpendler aus Lothringen, Belgien und den grenznahen deutschen Gebieten, die beinahe 40% der in Luxemburg Beschäftigten bestreiten. Amtssprachen sind seit 1984 das Französische, das Deutsche und das Luxemburgische, auf dessen Entwicklung an späterer Stelle näher eingegangen werden soll. Nach der Verfassung von 1868 regiert das Staatsoberhaupt zusammen mit dem Regierungschef über die Parlamentarische Monarchie des Großherzogtums. Seit dem Jahr 2000 heißt das Oberhaupt der Luxemburgischen Monarchie Henri. Sein Regierungschef ist Premierminister Jean-Claude Juncker (s. Fischer Weltalmanach 2006).

3. Die historische Entwicklung Luxemburgs als Grundlage der Triglossie

Wie bereits erwähnt, verfügt das Großherzogtum Luxemburg über drei Amtssprachen: Französisch, Deutsch und als jüngste der Drei, das Luxemburgische. Im Folgenden soll aufgezeigt werden, wie die historische Entwicklung des Landes die sprachliche Komplexität beeinflusst hat.

Die Geschichte Luxemburgs ist geprägt durch die Fremdherrschaft verschiedener Nationen. Ihren Anfang nimmt die Geschichte des späteren Großherzogtums im Jahr 963 als der Ardennengraf Sigfrid das ehemalige Römerkastell erwirbt und die kleine Burg Luciliburhuc errichtet, aus der später der Name Lützelburg und schließlich Luxemburg hervorgeht (vgl. Hoffmann 1979: 4ff.). Mit der Gründung dieser Grafschaft wird eine administrative Grenze in einem Gebiet geschaffen, das bereits von einer Sprachgrenze durchzogen ist. Luxemburg wird inmitten des Grenzgebietes der romanischen und der deutschen Sprache gegründet (vgl. Verdoodt 1968: 137). Somit kann man sagen, dass sowohl Konflikte als auch Vielseitigkeit einer Mehrsprachensituation der damaligen Grafschaft Luxemburg in die Wiege gelegt wurden.

1136 schließt Heinrich von Namür seine Grafschaft Namür-Luxemburg mit dem benachbarten Laroche-Durbuy zusammen, um so seine Herrschaft auf wallonisches Gebiet auszuweiten. 1443 jedoch beginnt mit der Eroberung Luxemburgs durch Philip den Guten von Burgund eine Ära der Fremdherrschaft. Die Burgunder, Spanier und Österreicher hinterließen auf politischer Ebene ihre Spuren. Die Zweisprachigkeit, deren Grundstein schon im zehnten Jahrhundert gelegt wurde, blieb allerdings erhalten, denn die Fremdherrscher „hüteten sich [...] daran zu rühren“ (Verdoodt 1968: 138). Auch die zweimalige Besetzung durch die Franzosen, konnte die deutschsprachige Kultur nicht aus Luxemburg verdrängen.

Mit dem Wiener Vertrag von 1815 wurde Luxemburg zu einem unabhängigen Staat proklamiert, welcher jedoch unter der Regierung des damaligen niederländischen Königs Wilhelm I. wie eine weitere niederländische Provinz behandelt wurde (vgl. Hoffmann 1979: 4). Nichtsdestotrotz behielt die Bevölkerung ihre seit Jahren verankerten Muttersprachen bei. Im deutschen Teil des Landes wurde ein westmitteldeutscher Dialekt, eine frühe Form des Luxemburgischen gesprochen. Das wallonische Sprachgebiet wurde im mündlichen Sprachgebrauch vom Wallonischen und in der Schriftsprache vom Französischen dominiert. Eine Besonderheit bildete damals die Hauptstadt Luxemburg, „wo das Französische insgesamt vorherrschte“ (Bossaert 1992: 66), obwohl sie im deutschen Sprachgebiet lag.

Erst 1839, nach Ende der Belgischen Revolution, kann man von einer wahren Unabhängigkeit Luxemburgs sprechen. Der Staat verfügte von nun an über eine eigenständige demokratische Regierung.

Die Verbreitung der deutschen Sprache war mehr, als die des Französischen, von politischen Geschehnissen bestimmt. Luxemburg war noch im 19. Jahrhundert Mitglied des Deutschen Bundes und des Deutschen Zollvereins. 1866 schien sich das Nebeneinander von Deutsch und Französisch zum ersten Mal zu einem ernstzunehmenden Konflikt zuzuspitzen. Der drohende Krieg zwischen Frankreich und Deutschland stellte eine Bedrohung für die Freiheit des Staates und somit auch für seine Zweisprachigkeit dar. Durch den Londoner Vertrag von 1867 wurde Luxemburg jedoch als neutral erklärt und entging somit einer erneuten Vereinnahmung durch einen Fremdherrscher. Ungeachtet der vereinbarten Neutralität des Landes wurde Luxemburg während des Ersten Weltkrieges von deutschen Truppen besetzt. Mit Ende der Besetzung kündigte Luxemburg seine Mitgliedschaft im Deutschen Zollverein. Die Beziehung zwischen den beiden Staaten hatte eine tiefe Erschütterung erfahren (s. Hoffmann 1979: 5).

Erstaunlicherweise konnte sich die deutsche Sprache unabhängig von den damaligen Geschehnissen weiter als offizielle Sprache in weiten Teilen Luxemburgs halten.

Doch nur rund zwanzig Jahre später wurde das deutsch-luxemburgische Verhältnisse weitaus stärker beeinträchtigt. Im Mai 1940 wurde Luxemburg erneut von den Deutschen besetzt. Die nationalsozialistische deutsche Wehrmacht strebte danach die deutsche Sprache zur einzig gültigen Sprache in Luxemburg zu machen. In diesem Sinne wurde im August des selben Jahres das so genannte deutsche Sprachgesetz erlassen. Nach diesem Beschluss war das Hochdeutsche die einzig zulässige Sprache, die gesprochen werden und in den Medien Verwendung finden durfte. Des Weiteren wurden Orts- und Straßennamen sowie Familiennamen eingedeutscht. Der tiefe Einschnitt, den diese Germanisierungspolitik für die Luxemburger bedeutete und auch die kulturellen Verluste, die der Bevölkerung drohten, lassen sich leicht nachvollziehen (vgl. Verdoodt 1968: 140). Verständlich erscheint somit auch die Reaktion der Luxemburger. Sie weigerten sich Hochdeutsch zu sprechen und griffen durchgängig auf das Luxemburgische zurück, welches vom ganzen Volk verstanden wurde. Selbst ein offizielles Verbot des Luxemburgischen durch die deutsche Regierung konnte dieser Bewegung nicht entgegenwirken. Es zeigt sich hier im Übrigen, dass das Hochdeutsche und das Französische zu dieser Zeit in Luxemburg nicht mehr die einzigen Sprachen von großer Bedeutung sind. Der moselfränkische Dialekt des Deutschen, das Letzebuergesche hat längst den Status einer dritten Nationalsprache erlangt. Luxemburg ist nicht länger von einer Zweisprachigkeit geprägt, sondern von einer Triglossie[2].

[...]


[1] Der mundartliche Dialekt des Luxemburgischen wird in Luxemburg Letzebuergesch genannt. Im Folgenden sollen die beiden Namen synonym verwendet werden.

[2] Die gegenwärtige Sprachensituation in Luxemburg weist eine Dreisprachigkeit (=Triglossie) auf. Mit der heutigen Triglossie in Luxemburg beschäftigt sich das fünfte Kapitel der Hausarbeit.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Zur Komplexität der Sprachensituation in Luxemburg
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Veranstaltung
Proseminar: Regionale Variation in den deutschsprachigen Ländern
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
17
Katalognummer
V122127
ISBN (eBook)
9783640268986
ISBN (Buch)
9783640270927
Dateigröße
443 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Komplexität, Sprachensituation, Luxemburg, Proseminar, Regionale, Variation, Ländern
Arbeit zitieren
B.A. Jenny Camen (Autor), 2006, Zur Komplexität der Sprachensituation in Luxemburg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122127

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