Grundlagen und Geschichte der Gruppenarbeit


Seminararbeit, 2003
48 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Begriffserklärung Gruppenarbeit

2. Geschichtliche Entwicklung
2.1 Die Settlement-Bewegung
2.1.1 Die Barnetts, Toynbee Hall (1883) als Aussenstelle der Universität in einem Londoner Slum
2.1.2 Jane Addams, Hull House (1889) – Ein Nachbarschaftsheim
2.2 Die Wandervogelbewegung
2.3 Situation nach dem zweiten Weltkrieg
2.4 Der Jugendhof Vlotho
2.5 Das Haus am Rupenhorn
2.6 Das Haus Schwalbach
2.7 Gemeinwesenarbeit / Studentenbewegung
2.8 Therapeutische Bewegung
2.9 Offene Jugendarbeit
2.10 Feministische Gruppenarbeit
2.11 Selbsthilfegruppen
2.12 Friedensbewegung

3. Ziele von Gruppenarbeit

4. Gruppenphasen / Leitungsmodelle
4.1 Gruppenphasen
4.2 Leitungsmodelle

5. Methoden der Gruppenarbeit
5.1 Beispiele von kommunikationsorientierten Methoden
5.1.1 Brainstorming
5.1.2 Methode „66“
5.1.3 Rollenspiel
5.2 Beispiele von sachorientierten Methoden
5.2.1 Referat
5.2.2 Podiumsgespräch
5.2.3 Expertenbefragung

6. Kritische Einschätzung / Schlusswort

1. Begriffserklärung Gruppenarbeit

Seitdem die Gruppenarbeit bewußt als Methode der sozialen Arbeit wahrgenommen und genutzt wird, wird auch nach einer klaren und allgemeingültigen Definition dafür gesucht.

Obwohl dies seit vielen Jahren der Fall ist, in denen sich sowohl die Gruppenarbeit selbst als auch die Ansichten und Definitionsversuche darüber verändert haben, gibt es bis heute nicht die eine Definition, die allgemein gültig ist und die von allen Menschen, die an Gruppenarbeit beteiligt sind akzeptiert wird.

Es gibt verschiedene Definitionen bzw. Definitionsansätze, die aber alle verschieden ausgelegt und durch neue Aspekte ergänzt werden können. Die soziale Gruppenarbeit wird als eine Methode der Sozialarbeit bezeichnet.

Die „Kernaufgaben“ der sozialen Gruppenarbeit sind:

„1. Individuen richtig zu beurteilen, ihnen zur Klärung und dazu zu helfen, die Wechselwirkung zwischen ihren inneren Motiven und den Forderungen der Gesellschaft zu bewältigen und
2. zu helfen, die soziale Umwelt zu verändern, wenn sie für die Entwicklung des Einzelnen schädigend wirkt.

Jede besondere Einrichtung, die in der Sozialarbeit praktiziert wird, hat noch enger begrenzte und spezifische Aufgaben.“ (Vgl. Gisela Konopka: „Soziale Gruppenarbeit: Ein helfender Prozeß“, S. 52)

Die soziale Gruppenarbeit findet u.a. in der Gesundheits-, Sozial- und Jugendhilfe sowie in der Erziehung und Erholung statt und ist in diesen Bereichen eine helfende Methode. Sie wird aber auch in anderen Gruppen eingesetzt die verschiedene Ziele und Interessen haben.

In all diesen Gruppen können die unterschiedlichsten Menschen Mitglieder sein, z.B. Gesunde oder Kranke oder Menschen mit verschiedenen Interessen, die sich zu einer Gruppe zusammenschließen.

Wichtig ist dabei die Gruppe an sich; „die Interaktion zwischen Einzelnen“. (Vgl. Gisela Konopka: „Gruppenarbeit: Ein helfender Prozeß“ S. 45)

Insgesamt können die verschiedenen Definitionsansätze zu folgender Definition zusammengefaßt werden:

„Soziale Gruppenarbeit ist eine Methode der Sozialarbeit, die den Einzelnen durch sinnvolle Gruppenerlebnisse hilft, ihre soziale Funktionsfähigkeit zu steigern und ihren persönlichen Problemen, ihren Gruppenproblemen oder den Problemen des öffentlichen Lebens besser gewachsen zu sein.“ (Vgl. Gisela Konopka: „Soziale Gruppenarbeit: Ein helfender Prozeß“ S.39)

2. Geschichtliche Entwicklung

2.1 Die Settlement-Bewegung

2.1.1 Die Barnetts, Toynbee Hall (1883) als Aussenstelle der Universität in einem Londoner Slum

Toynbee Hall basiert auf der Idee einiger Studenten der Universität Cambridge. Aufgerüttelt durch Berichte über die elenden Zustände in den Londoner Slums wandten sie sich an den Gemeindepfarrer Samuel Barnett aus Whitechapel, einem Elendsviertel im Osten Londons, von dem sie sich Rat erhofften, da er tagtäglich Umgang mit der Armut hatte. In seiner Gemeinde lebte zum Beispiel die Hälfte der Bewohner von Almosen und Armenhilfe, Kinder besuchten die Armenschule und arbeitslose Männer und Frauen wurden in sogenannten Arbeitshäusern interniert, die wie Gefängnisse organisiert waren.

Barnett trug die Idee der Cambridge-Studenten, etwas an den Missständen ändern zu wollen, auch an die Studenten und Professoren seiner Heimatuni Oxford und gemeinsam erstellten sie ein Konzept zur Linderung der miserablen Zustände. Das Hauptanliegen war eigentlich, die Lebensverhältnisse in den Slums durch aktives Mitleben zu verbessern und die sozialen Probleme zu lösen. Barnetts These war nämlich, dass nicht Geld und Mitleid das Elend lindern würde, sondern die helfende Person und ihr eigenes (Mit-) Leben als solches und das war zur damaligen Zeit eine geradezu revolutionäre Ansicht. Normalerweise beschränkte sich Armenhilfe auf die Gabe von Almosen und Winterhilfen, die aber nicht regelmässig flossen und deshalb nahezu wirkungslos blieben.

Das Konzept sah also vor, mitten im Slum eine Art akademische Aussenstelle der Universität zu gründen, um so die unterschiedlichen Bevölkerungsschichten anzunähern und zu durchdringen. Die Studenten sollten einen Teil ihrer Studienzeit und später einen Teil ihrer Freizeit im Slum verbringen um zu lehren, aber auch, um etwas zu lernen. Das könne man laut Barnetts Idee nur durch ein gemeinsames Leben in diesem Stadtteil erreichen.

Man gründete also einen Verein, es wurden Spenden- und Leihgelder in Höhe von 6000 Englischen Pfund aufgetrieben und die Universität verpflichtete sich, Gelder für die Miete und den Leiter des Hauses zur Verfügung zu stellen. Die Kirche wiederum bezahlte den Pfarrer in der Stadtmission. Nun kamen also Bürger und Studenten und quartierten sich für eine geraume Weile in dem Haus ein, um so besser Kontakte zu den Armen knüpfen zu können, da sie sich normalerweise nur im feinen Londoner Westen aufhielten, wo es keine Armut gab. Sie wollten durch das bewusste Zusammenleben mit den Armen etwas dazu lernen und so ihr Bewusstsein revolutionieren. Unter den Hausbewohnern befanden sich Geistliche, Rechtsanwälte, Geschäftsleute, Medizinstudenten und sogar Regierungsbeamte.

Der Leiter des Hauses hatte die Aufgabe, den Studenten die diversen Aufgaben im Elendsviertel näherzubringen und Kontakte mit Kirchen-, Regierungs- und Verbandsvertretern aufzubauen und zu pflegen. Die Studenten selber sollten bei der Armenpflege helfen, zum Beispiel Schulklassen unterrichten und Jugendgruppen leiten.

Die Ziele von Toynbee Hall waren denkbar einfach: Reiche und Arme sollten (sozial) angeglichen werden und voneinander lernen. Kooperation und Gerechtigkeit sollten die Rolle von sogenannter Mildtätigkeit (wie damals üblich) einnehmen, Reiche sollten Armen direkt und persönlich helfen . Die „Starken“ suchten die „Schwachen“ auf und die „Wissenden“ lehrten die „Unwissenden“. Überdies waren die Barnetts bei der Durchführung ihrer Zahlreichen Parties und Abendgesellschaften darauf bedacht, Leute der verschiedensten sozialen Schichten einzuladen und alle als gleichwertig zu behandeln. So saß z.B. der Arzt neben dem Sozialhilfeempfänger und genoss das Abendprogramm, welches meist aus Kunst, Musik oder Vorträgen bestand.

Außer den Parties gab es noch eine ganze Reihe von sinnvollen Einrichtungen und Aktionen, die aus der einstmaligen Studentenidee entstanden. Es wurde eine Universitätsbibliothek eingerichtet, damit auch die unteren Schichten Zugang zu Wissen hatten, Kinderspielplätze wurden gebaut und eine Art Kinderlandverschickung organisiert. Für die erwachsenen Bewohner des Slums gab es einen Reisedienst, der den Armen Ferien in Ländern wie Griechenland, Italien und der Schweiz ermöglichte. Zusätzlich zum Schulunterricht für Kinder wurde eine Sonntags- und Abendschule eingerichtet, um die Erwachsenenbildung voranzutreiben und es gab sogar Fortbildungskurse in Form von Interessengruppen. Ausser den Räumen und organisatorischer Hilfe durch Akademiker hielt sich die Toynbee Hall-Leitung aus diesen Angelegenheiten heraus und es wurde erwartet, dass die Leitung und die Kosten so eines Kurses von den Interessenten selber getragen wurden und es funktionierte hervorragend.

Den Barnetts ist es auf diese Weise gelungen, mit Organisationstalent und Mut reiche Menschen zu Verhaltensänderungen zu bewegen, Stärken zu nutzen und die Kreativität (vor allem die der Slumbewohner) zu fördern.

2.1.2 Jane Addams, Hull House (1889) – Ein Nachbarschaftsheim

Nachdem sie von ihrem Vater eine beträchtliche Summe Geld geerbt hatte, wollte die Frau aus gutem Hause ihrem Leben eine besonderen Sinn geben. Inspiriert wurde sie nach einem Besuch des Toynbeehauses der Barnetts. So etwas wollte sie auch machen. Zusammen mit ihrer Freundin Ellen zog sie nach Chicago, um sich dort nach einem Stadthaus in einer geeigneten Nachbarschaft umzusehen. Sie hatten zwar beide keine Ahnung von der Struktur der Armenhilfe noch hatten sie eine große Organisation im Rücken, aber sie trafen zur rechten Zeit die richtigen Leute und taten die richtigen Organisationsschritte.

In dem aus vielen Nationalitäten bestehenden Chicago waren die Lebensverhältnisse der einfachen Leute katastrophal und lebensgefährlich. Die Menschen wurden von ihren Bossen regelrecht ausgebeutet. Die Pläne der beiden Frauen wurden enthusiastisch und begeistert aufgenommen. Einziger Kritikpunkt war: Die beiden hatten vorerst weniger den Wohlfahrtscharakter ihres Unternehmens unterstrichen, sondern betonten, dass sie unter den Armen leben wollen, um von ihnen zu lernen.

Von Angeboten, die sie von Vertretern kirchlicher Wohlfahrtsverbände erhielten machten sie keinen Gebrauch, weil sie Angst hatten von diesen geschluckt zu werden. Sie bauten vielmehr Kontakt zu liberalen Frauenclubs auf, unter anderem dem Club ehemaliger Universitätsstudentinnen, die ihre Mithilfe versprachen.

Nach einiger Zeit fanden sie ein passendes Haus, das Hull House. Sie boten den Nachbarn ihre Dienste an, die eifrig davon Gebrauch machten(Kranken und Kinderpflege). Es war wie in der Toynbee Hall mit dem Unterschied, dass hier kein Geld zu holen war. Es dauerte nicht lange und die beiden Frauen wussten, dass sie die viele Arbeit nur bewältigen konnten, wenn sie die vielen Aktivitäten innerhalb des Hull House programmieren und instutionalisieren würden.

Nach und nach entstanden ein Kindergarten, ein Jugendclub, eine Kaffeestube(sollte eigentlich Kantine werden, doch die Einwanderer zogen ihr eigenes Essen vor), eine Turnhalle mit Tanzabenden für Jugendliche, ein Heim für junge Fabrikarbeiterinnen, ein Veteranenclub und organisierte Fahrten für ältere alleinstehende Frauen im Sommer aufs Land. Dies alles entstand immer mit dem Ziel die Selbsthilfekräfte der Nachbarschaft zu aktivieren.

Jane trat der bürgerlichen Auffassung der Grossstadtfeinlichkeit entgegen, und vertrat die These, dass die Großstadt ein eigener Lebensraum mit eigenen Gesetzen und positiver Bedeutsamkeit für die Entwicklung des Menschen sei.

2.2 Die Wandervogelbewegung

Die Wandervögel gelten als die erste feste Gruppe der deutschen (damals noch rein männlichen) Jugendbewegung. Die Gruppe entstand 1896 aus einer Schülerwandergruppe an einem Gymnasium in Berlin-Steglitz. Durch ihre für die damalige Zeit neuen und revolutionären Ideale und Lebensformen waren sie weitgehend stilprägend und der Wandervogelgedanke verbreitete sich rasch über das ganze deutsche Reich und auch nach Österreich und in die Schweiz.

Der geistige Vater der Wandervogelbewegung, Jean-Jacques Rousseau, hatte nach dem Jugendideal der Sturm- und Drangzeit gefordert, die Jugendzeit als eigenständige Lebensphase durch Bildungsprozesse möglichst lange auszudehnen. Nur von Kindern und Jugendlichen, so glaubte Rousseau, sei eine Erneuerung der Gesellschaft zu erwarten.

Insbesondere die bürgerliche Jugend versuchte so, ihren Protest gegen den autoritären Erziehungsstil in Familien und Schulen sowie gegen die starren gesellschaftlichen Formen auszudrücken. Man war darauf bedacht, sich bewusst von der Vätergeneration und deren Mentalität abzuwenden.

Gemeinsame Volkstanz- und Volksmusikveranstaltungen als auch eine bestimmte Kleidung (sozusagen eine Kluft) vermittelten ein Gefühl des Gemeinsinns und der Zusammengehörigkeit, welches durch Wanderausflüge und Lagerleben gepflegt und gefestigt wurde. Ferner standen Naturverbundenheit und Körperbewusstsein im Mittelpunkt der neuen Lebensanschauung.

Die Besonderheit der Wandervogelbewegung ist, dass es nicht nur eine Organisation für Jugendliche sondern auch von Jugendlichen war und das war zur damaligen Zeit etwas völlig Neuartiges. Die anderen „Jugendpflegeorganisationen“ versprachen zwar auch eine Alternative zum trockenen Schulalltag früherer Zeit, aber es blieb meist beim Versprechen, da das Angebot nicht allzu attraktiv war (etwa Christlicher Verein junger Männer oder Vaterländischer Frauenverein). Dagegen wartete der Wandervogel mit der „Erfahrung der Gemeinschaft gleichaltriger und Gleichgesinnter in kleinen Gruppen eigener Wahl“ auf und „versprach ihnen die Erfahrung einer den ganzen Körper, den Geist und die Seele bewegenden Tätigkeit“. Überdies förderte die Bewegung die Kreativität der jungen Leute, es wurden Fahrten- und Tagebücher erstellt, eigene Gedichte geschrieben und vorgetragen und auch fotografiert.

Die Gruppenleiter einer Wandervogelgruppe waren in der Regel nur wenig älter und ebenfalls Gymnasiasten oder Studenten, die mit ihren „Zöglingen“ einen kameradschaftlich-pädagogischen Umgang pflegten (der aber noch weit von unserem heutigen Begriff des partnerschaftlich-demokratischen Umgangs entfernt war). Man duzte sich untereinander und man erzog sich gegenseitig, etwa durch einen Rüffel eines Kameraden (und nicht des Leiters) oder auch mal durch eine leichte Handgreiflichkeit. Diese „Methoden“ hatten mehr erzieherische Wirkung als ein „landläufiger Anpfiff eines Erwachsenen“. Auch die Struktur einer typischen Wandervogelgruppe begünstigte die soziale Selbsterziehung der Jungen. Die Grösse einer solchen Gruppe variierte zwischen acht und zwanzig Mitgliedern; das war nach Laqueur die beste Mitgliederanzahl, um ein optimales Freundschafts- und Zusammenhaltsgefüge zu bilden. Die einzelnen Gruppen waren zwar in Ortsverbänden organisiert, ansonsten aber autonom und sehr darauf bedacht, Einmischung von aussen zu vermeiden.

Nach 1904 entwickelten sich verschiedene Organisationen aus der Wandervogelbewegung (u.a. evangelische, katholische, jüdische und auch gemischtgeschlechtliche Gruppen) um nach 1918 nochmals ein breiteres Spektrum zu bieten, wohl auch dadurch, dass nach dem ersten Weltkrieg die politischen Orientierungen weit auseinander fächerten (sozialistische und nationale Gruppen). Die Mehrzahl der Bünde blieb zwar unpolitisch, einige aber gerieten in das Aktionsfeld völkischer Gruppierungen. Diese machte sich die NSDAP beim Aufbau der HJ (Hitler-Jugend) zunutze, um dann nach der Machtübernahme die verschiedenen Wandervogel-Bünde entweder in der HJ gleichzuschalten oder aber zu verbieten (je nach Gesinnung).

Nach 1945 wurden vereinzelt Wandervogelgruppen wiedergegründet, jedoch ohne die Popularität der Vorkriegszeit zu erreichen.

Dank den Wandervögeln gibt es heute ein weltumspannendes Netz von Jugendherbergen, da unter anderem aus der Bewegung das Deutsche Jugendherbergswerk (DJH) und die Jugendherbergswerke anderer Länder entstanden.

2.3 Situation nach dem zweiten Weltkrieg

Da im zweiten Weltkrieg viele Millionen Menschen getötet worden sind, mußte eine Umverteilung bzw. eine Neuverteilung der Güter stattfinden. Viele Häuser waren durch die Bombenangriffe extrem kaputt oder ganz zerstört. Dadurch kam es auch zu einer Umverteilung des Wohnraums. Die Menschen mußten sich auf die übrig gebliebenen Häuser verteilen und lebten deshalb in größerer Enge. Auch große Teile der Infrastruktur waren zerstört oder zumindest stark beschädigt, was das öffentliche Leben sehr einschränkte.

In der Verwaltung fand eine Neuverteilung bzw. Neubesetzung der einzelnen Posten statt, die von der jeweils zuständigen Alliierten Stadtkommandanten geleitet wurde. Sie suchten sich für die jeweiligen Posten fähige, politisch unbelastete Deutsche aus.

Zu den wichtigsten Aufgaben nach Ende des Krieges zählten u.a. die Beschlagnahme und die Verteilung von Nahrungsmitteln, die Beschlagnahme von privatem Wohnraum zur Unterbringung von Flüchtlingen, das Einrichten von Polikliniken und Kinderheimen und das Einteilen der Bevölkerung in Aufräumarbeiten.

Ein weiteres Problem stellte die kriegsbedingte Inflation der Reichsmark dar, deren Funktion stark eingeschränkt war. Die meisten Waren mußten getauscht oder auf dem Schwarzmarkt gekauft werden. Die Reichsmark war eigentlich nur noch Zahlungsmittel für Dinge, die bereits rationiert waren.

Es herrschte allgemein eine große Armut. In der amerikanischen Besatzungszone gab es sogenannte Care - Pakete, die Verpflegung enthielten und den Menschen sehr halfen.

Eine erste Entnazifizierung fand statt, indem (jetzt ehemalige) Nazis aus den Verwaltungen entlassen wurden. Viele gingen auch von selbst, um nicht den Entnazifizierungsausschüssen gemeldet zu werden.

Die Aufbauarbeit in Bezug auf soziale Arbeit konnte besonders schnell eingeleitet werden, wenn Antifaschisten vor Ort waren, die schon vor dem Nationalsozialismus in diesem Bereich tätig gewesen waren.

Die Alliierten wollten die vom Nationalsozialismus geprägten Deutschen in Demokraten umerziehen. Bei vielen jüngeren Deutschen, die aufgrund ihres Alters und ihrer Erziehung noch nicht so sehr auf Nationalsozialismus getrimmt waren, war schon früh eine gewisse Faszination für die Lebensweise und die materiellen Dinge der Alliierten vorhanden. Dabei spielten auch die britischen und amerikanischen Truppensender eine große Rolle. Sie sendeten schon während des Krieges und auch danach antifaschistische Beiträge. Vor allem aber die Musik, die dort gespielt wurde und die unter Hitler verboten war, weil u.a. Schwarze daran beteiligt waren, sprach die Jugendlichen an.

Bei den amerikanischen Alliierten gab es eine Abteilung, die für die Betreuung der deutschen Jugendlichen zuständig war (German Youth Activities, kurz GYA). Die Mitglieder boten in beschlagnahmten Häusern verschiedene Freizeitaktivitäten an, wie z.B. Zeltlager, Sportveranstaltungen, gesellige und kulturelle Aktivitäten. Diese Angebote waren bei den Kindern und Jugendlichen sehr beliebt, unter anderem auch, weil sie die amerikanische Lebensweise wiederspiegelten, auf die die Kinder und Jugendlichen so neugierig waren.

Die amerikanischen Alliierten hatten zwischen 1945 und 1947 hauptsächlich die Aufgabe, „die Sicherheit der Besatzungstruppen zu garantieren, die minimale Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen und die nationalsozialistische Infrastruktur zu zerschlagen.“ (Vgl. C. Wolfgang Müller: „Wie Helfen zum Beruf wurde“ Band 2 S.33)

Das oberste Hauptquartier der Alliierten Expeditions - Armeen in Europa (SHAEF) hatte schon 1944 Pläne für die Umerziehung der Deutschen geschmiedet, waren jedoch einer nachgeordneten Dienststelle von OMGUS (Office of Military Government of United States in Germany) untergeordnet und hatten keine Entscheidungsbefugnisse.

[...]

Ende der Leseprobe aus 48 Seiten

Details

Titel
Grundlagen und Geschichte der Gruppenarbeit
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (FB Sozialarbeit)
Veranstaltung
Seminar: Grundlagen der Gruppenarbeit
Note
2
Autor
Jahr
2003
Seiten
48
Katalognummer
V12217
ISBN (eBook)
9783638181556
Dateigröße
882 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Grundlagen, Geschichte, Gruppenarbeit, Seminar
Arbeit zitieren
Michael Hüttermann (Autor), 2003, Grundlagen und Geschichte der Gruppenarbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12217

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