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„Weh, bin ich toll, oder nahet mein End’?“ - Zum Doppelgänger- und Spiegelbildmotiv in Annette von Droste-Hülshoffs Ballade "Das Fräulein von Rodenschild"

Title: „Weh, bin ich toll, oder nahet mein End’?“ - Zum Doppelgänger- und Spiegelbildmotiv in Annette von Droste-Hülshoffs Ballade "Das Fräulein von Rodenschild"

Essay , 2007 , 26 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Claudia Wannack (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

[...]

Beginnen möchte ich die Arbeit mit einer Kurzanalyse formaler
Charakteristika, die dazu dienen soll, gemeinsam mit den inhaltlichen
Besonderheiten, die aufgewühlt gespannte und zugleich spannungsreiche
Grundstimmung der Ballade näher zu bestimmen und die Mittel zu
veranschaulichen, mit welchen eben diese Atmosphäre erzeugt wird. Der
zweite Teil der Arbeit soll den Motiven der Doppelgängerin sowie des
Spiegelbildes gewidmet sein. Um die zahlreichen Funktionen und Aspekte der
Doppelgängererscheinung vor Augen zu führen, erweist es sich als Einstieg sinnvoll, das Spiegelmotiv in die Betrachtungen einzubeziehen, zumal es im
Werk Droste-Hülshoffs wiederkehrende Verwendung findet und im Fall des
Fräuleins von Rodenschild die Gestaltung der Doppelgängerin bedingt. Zur
Erläuterung des Spiegelmotivs, auf das im Text explizit referiert wird, werde ich
zur Veranschaulichung ein weiteres Gedicht Droste-Hülshoffs, Das Spiegelbild,
in meine Überlegungen einbeziehen, um danach mit einem kurzen Diskurs auf
Jacques Lacans psychoanalytische Deutung des „Spiegelstadiums“ die
theoretischen Grundlagen zum Verständnis der Doppelgängerin als zweites
Ich des Fräuleins zu legen. Der dritte Teil ist noch einmal der dialektischen
Grundstruktur der Ballade gewidmet, die nicht mehr von formaler Seite,
sondern nun von inhaltlich sowie sprachlich-stilistischer Perspektive aus als
weitere Voraussetzung für die Doppelgängerin betrachtet werden soll. Im
vierten Teil folgt schließlich die Untersuchung der Doppelgängergestalt und ihr
Verhältnis zum lyrischen Ich, die Reaktionen und Veränderungen, die sie im
Fräulein auslöst sowie die finale Konsequenz, die aus der Begegnung
resultiert.

[...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Formale Analyse der Ballade

3. Inhaltliche Analyse der Ballade

3.1. Das Spiegelmotiv als Basis für das Doppelgängermotiv

3.2. Jacques Lacans Theorie des „Spiegelstadiums“

3.3. Die Vorbereitung der Doppelgängererscheinung durch die dialektische Grundstruktur des Gedichts

3.4. Die Doppelgängerin und das lyrische Ich

4. Schlussbemerkungen

Zielsetzung & Themen

Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht das Doppelgänger- und Spiegelbildmotiv in Annette von Droste-Hülshoffs Schauerballade „Das Fräulein von Rodenschild“. Ziel ist es, die psychologische Dimension der Doppelgängererscheinung unter Einbeziehung psychoanalytischer Ansätze, insbesondere der Theorie des „Spiegelstadiums“ von Jacques Lacan, zu ergründen und die Ballade als Ausdruck eines Identifikationsprozesses und der Emanzipation des lyrischen Ichs zu deuten.

  • Analyse der formalen Struktur der Ballade im Kontext des psychischen Dilemmas.
  • Untersuchung des Spiegelmotivs als Basis für das Doppelgängermotiv.
  • Psychoanalytische Betrachtung der Doppelgängerin als „alter ego“.
  • Deutung der Doppelgängererscheinung als Symbol für unterdrückte Bedürfnisse.
  • Diskussion über das Verhältnis von Individuum, Gesellschaft und Normen.

Auszug aus dem Buch

3. 2. Jacques Lacans Theorie des „Spiegelstadiums“

Der Akt des (scheinbaren) Erkennens des eigenen Ichs, denn nichts anderes stellt eine Betrachtung im Spiegel letztendlich dar, spielt in der psychischen Entwicklung eines Menschen, in der Entfaltung seiner Persönlichkeit eine entscheidende Rolle. Im Jahre 1936 prägte Jacques Lacan den Terminus „Spiegelstadium“ und definierte es wie folgt: „Il y suffit de comprendre le stade du miroir comme une identification au sens plein que l’analyse donne à ce terme: à savoir la transformation produite chez le sujet quand il assume une image“ 2 . Diese Verwandlung vollzieht sich bei den meisten Kindern im Zeitraum zwischen sechstem und achtzehnten Lebensmonat, und besitzt folgende Funktion: „La fonction du stade du miroir […] est d’etablir une relation de l’organisme à sa réalité – ou, comme on dit, de l’Innenwelt à l’Umwelt“ 3.

Zum einen geht es in diesem prägenden Stadium darum, dass es Kindern gelingt, sich zum ersten Mal selbst zu sehen, zu erkennen, zum Beispiel eben in einer Spiegelfläche oder auch im Blick anderer auf sie selbst. Ihr Verständnis von sich selbst wandelt sich, indem sie ihre Körperteile vor allem auch in Verbindung mit ihrem Gesicht erstmals als ganze Einheit wahrnehmen, nicht länger als einzelne lose Glieder, die zwar verbunden sind, zusammenhängen, jedoch nicht zusammengehören. Was zunächst als unproblematischer Prozess erscheint, stellt sich gleichwohl als das genaue Gegenteil heraus, als „désintégration agressive de l’individu4. Die Identifikation, die das Kind erfährt, oder vielmehr zu erfahren scheint, ist in Wahrheit nichts als Schein, bloße Täuschung, denn statt des eigenen Ichs selbst wird nur sein Abbild wahrgenommen, das von nun an fälschlicherweise als Ich akzeptiert wird. Das vermeintliche erste Erkennen wird somit zum gravierenden Verkennen des eigenen Ichs, was desaströse Folgen nach sich zieht.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Leitmotive der Ballade und Darlegung des methodischen Vorgehens unter Einbeziehung formaler und inhaltlicher Aspekte.

2. Formale Analyse der Ballade: Untersuchung der Reimstruktur, des Metrums und der Syntax, welche als Metaphern für das psychische Dilemma des lyrischen Ichs dienen.

3. Inhaltliche Analyse der Ballade: Tiefgehende Untersuchung des Spiegel- und Doppelgängermotivs, unterstützt durch die Theorie des Spiegelstadiums und die dialektische Struktur des Gedichts.

4. Schlussbemerkungen: Resümee der wichtigsten Erkenntnisse zur dialektischen Struktur sowie zur Funktion der Doppelgängerin als Symbol für den Identifikationsprozess des lyrischen Ichs.

Schlüsselwörter

Annette von Droste-Hülshoff, Das Fräulein von Rodenschild, Doppelgänger, Spiegelbild, Spiegelstadium, Jacques Lacan, Schauerballade, Identifikation, Subjektspaltung, Psychoanalyse, Emanzipation, Lyrisches Ich, Psychologie, Motivik, Identität

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Doppelgänger- und Spiegelbildmotive in Annette von Droste-Hülshoffs Ballade „Das Fräulein von Rodenschild“ und deren Bedeutung für das lyrische Ich.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zu den zentralen Themen gehören die psychische Identitätsfindung, die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Normen und das Aufbrechen innerer sowie äußerer Grenzen des Subjekts.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, den Entstehungsprozess der Doppelgängerin als "alter ego" zu verstehen und aufzuzeigen, wie das lyrische Ich durch diese Begegnung eine neue Form der Selbstwahrnehmung und Emanzipation erreicht.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die formale Kriterien mit psychoanalytischen Theorien, insbesondere der von Jacques Lacan, verknüpft.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine formale Analyse des Textes sowie eine inhaltliche Untersuchung, die das Spiegelmotiv, Lacans Spiegelstadium, die dialektische Grundstruktur und das Verhältnis zwischen der Doppelgängerin und dem lyrischen Ich beleuchtet.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Doppelgänger, Spiegelbild, Identifikation, Subjektspaltung, Psychoanalyse, Schauerballade und Emanzipation.

Inwiefern spielt der Spiegel für das lyrische Ich eine Rolle?

Der Spiegel fungiert nicht nur als Oberfläche, sondern als Projektionsfläche für einen Identifikationsprozess, bei dem sich das lyrische Ich erstmals als ganze Einheit wahrnimmt und von seinem "äußeren Ich" distanziert.

Wie wird das Ende der Ballade interpretiert?

Das Ende wird trotz der Stigmatisierung (Lähmung der Hand) als ein emanzipatorischer Moment gedeutet, in dem das lyrische Ich eine neue Selbstsicherheit und Akzeptanz der eigenen Sehnsüchte gewinnt.

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Details

Title
„Weh, bin ich toll, oder nahet mein End’?“ - Zum Doppelgänger- und Spiegelbildmotiv in Annette von Droste-Hülshoffs Ballade "Das Fräulein von Rodenschild"
College
University of Dusseldorf "Heinrich Heine"  (Germanistische Literaturwissenschaft)
Course
Die Balladen Annette von Droste-Hülshoff
Grade
1,0
Author
Claudia Wannack (Author)
Publication Year
2007
Pages
26
Catalog Number
V122170
ISBN (eBook)
9783640269198
Language
German
Tags
End’ Doppelgänger- Spiegelbildmotiv Annette Droste-Hülshoffs Ballade Fräulein Rodenschild Balladen Annette Droste-Hülshoff
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Claudia Wannack (Author), 2007, „Weh, bin ich toll, oder nahet mein End’?“ - Zum Doppelgänger- und Spiegelbildmotiv in Annette von Droste-Hülshoffs Ballade "Das Fräulein von Rodenschild", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122170
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