Energiemanagement in der Hotellerie


Seminararbeit, 2006

26 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einführung
Energiemanagement in der Hotellerie
1.1 Energieträger
1.2 Alternative Energieformen
1.3 Kennzahlen zum Energieverbrauch
1.4 Verbrauchsanalysen

2 Maßnahmen des Energiemanagements
2.1 Sofortmaßnahmen
2.1.1 Organisatorische Maßnahmen
2.1.2 Technische Sofortmaßnahmen
2.2 Standardmaßnahmen
2.2.1 Gebäudehülle
2.2.2 Küche
2.2.3 Wäscherei
2.2.4 Hallenbad/Wellness
2.2.5 Heizung
2.2.6 Warmwasser
2.2.7 Lüftung
2.2.8 Beleuchtung
2.2.9 Kühlgeräte
2.3 Sonstige Management-Maßnahmen
2.3.1 Mitarbeiterführung
2.3.2 Umweltkommunikation
2.3.3 Energie-Contracting
2.3.4 Energie-Monitoring

3 Schlussbemerkung

4 Literaturverzeichnis

1 Einführung

Das Thema Energiemanagement hat vor allem in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Dabei handelt es sich um die Überwachung der Verbräuche der Energieträger bzw. „um die effiziente Nutzung dieser Energien“[1]. Die rasant steigende Klimaerwärmung und deren Folgen zeigen, dass es notwendig geworden ist, sich mit diesem Thema verstärkt auseinander zu setzen. Vor allem der sehr hohe Lebensstandard der westlichen Welt, der eine große Menge Energie vor allem aus fossilen Energieträgern erfordert, trägt zu dieser Entwicklung bei. Da die Ressourcen der fossilen Energieträger jedoch begrenzt sind, wird der Einsatz erneuerbarer Energien aus Erde, Wind und Wasser immer wichtiger. Insbesondere für den Tourismus und damit auch für die Hotellerie bildet eine intakte Umwelt die Voraussetzung für eine erfolgreiche Zukunft. Aufgrund dessen sind Maßnahmen zur Reduktion des Energieverbrauches sowie zur Erhaltung der Umwelt von besonderem Interesse für diesen Wirtschaftszweig. Auch stellen die Kosten einen nicht zu vernachlässigenden Faktor dar, insbesondere im Angesicht ständig steigender Energiepreise. In der Hotellerie wirkt sich der Energieaufwand besonders stark auf das Betriebsergebnis aus, da die Kosten für Energie bei durchschnittlich 6 % des Umsatzes liegen.[2] Die Energieagentur Mittelfranken hat zudem den mittleren Strombedarf eines Hotelbetriebes, bezogen auf ein Doppelzimmer, ermittelt. Dieser beträgt ca. 3.700 kWh pro Jahr, was dem Stromverbrauch einer 4- bis 5-köpfigen Familie in einem Einfamilienhaus entspricht. Anhand dieser Zahlen wird deutlich, dass bei den Energiekosten in der Hotellerie ein erhebliches Einsparungspotential besteht, das durch gezielte Maßnahmen umgesetzt werden kann. So hat die Berliner Energieagentur ein Einsparpotential zwischen 8 % und 40 % für Hotelbetriebe ermittelt.[3] Im Folgenden soll nun ein Überblick über die verschiedenen Maßnahmen gegeben werden. Zunächst wird eine Einführung in wichtige Begrifflichkeiten des Energiemanagements gegeben. Anschließend werden die Sofort- und Standardmaßnahmen sowie sonstige Management-Maßnahmen näher erläutert.

Energiemanagement in der Hotellerie

Im Folgenden werden wichtige Grundlagen des Energiemanagements näher erläutert.

1.1 Energieträger

Wie bereits in der Einführung erwähnt, betragen die Energiekosten einen nicht zu vernachlässigenden Anteil am Umsatz eines Hotelbetriebes. Die wichtigsten Energieträger sind dabei Heizöl, Erdgas, Fernwärme, Elektrizität, Holz sowie erneuerbare Energien.[4] Um den Energieverbrauch in der Hotellerie zu erfassen, führte die Ecole hôtelière de Lausanne EHL im Jahre 2003 eine Erhebung in der Schweiz durch. Laut dieser Studie beträgt der Verbrauch eines Schweizer Durchschnittshotels an Elektrizität ca. ein Drittel am gesamten Energieverbrauch, wohingegen Erdölprodukte und Erdgas fast zwei Drittel des Gesamtverbrauches ausmachen. Der Energieverbrauch eines Hotels hängt jedoch sehr stark von Hoteltyp (Stadthotel, Saisonhotel usw.) und Hotelkategorie ab.[5] Um dennoch den Energieverbrauch vergleichen zu können, wurden unterschiedliche Kennzahlen entwickelt, die in Punkt 2.3 dargestellt werden.

1.2 Alternative Energieformen

Um Energiekosten zu sparen und Energie umweltfreundlich zu nutzen, wurden alternative Energieformen entwickelt. Die drei bekanntesten Formen sind Wasserkraft, Solarenergie und Kraft-Wärme-Kopplung.[6]

Die Energiegewinnung durch Wasserkraft ist jedoch sehr standortabhängig und somit nicht generell einsetzbar.[7]

Die Gewinnung von Energie durch die Sonne kann auf zwei verschiedene Arten geschehen. Zum einen gibt es die sogenannte Photovoltaik-Technik, wobei die Solarzellen des Solargenerators Strom erzeugen. Jedoch liegt der Nutzungsgrad dieser Anlagen bei gerade 10 %. Bei der Kollektortechnik wird die Strahlungsenergie der Sonne absorbiert und die dabei entstehende Wärme an einen Wärmeträger abgegeben. Hierbei liegt der Nutzungsgrad um einiges höher, der Warmwasserbedarf kann bis zu 60 % gedeckt werden. Diese Solaranlagen sind jedoch sehr kapitalintensiv, weswegen sie meist nur mit Hilfe eines Finanzierungsmodells realisierbar sind.[8]

Für die Gastronomie bzw. Hotellerie lässt sich am effizientesten die Kraft-Wärme-Kopplung nutzen. Das Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung wird in sogenannten Blockheizkraftwerken umgesetzt. Sie werden zur Erzeugung von Wärme und Strom eingesetzt und arbeiten mit Verbrennungsmotoren, die einen Generator zur Stromerzeugung antreiben. Die dabei anfallende Wärme wird zu ca. 90 % direkt in die Heizung und Warmwasserbereitung des Gebäudes geleitet. Diese Form der Energiegewinnung reduziert die CO2-Emissionen erheblich und auch Stromkosten können signifikant gesenkt werden.[9] Das Vier-Sterne-Superior-Hotel „Thalfried“ in Thüringen zeigt, dass dieses Prinzip in der Praxis erfolgreich angewandt werden kann. Die Heizungsanlage des Hotels wurde um zwei gasbetriebene Mini-Blockheizkraftwerke erweitert. Da diese effiziente Energieerzeugung im Rahmen der ökologischen Steuerreform gefördert wird, wurde das Hotel von der Stromsteuer befreit und die Mineralölsteuer für Erdgas und Flüssiggas wurden erstattet. Folgende Kosten-/Nutzenaufstellung verdeutlicht die Rentabilität dieser Investition:[10]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Kosten-/Nutzenaufstellung Mini-BHKWs

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an: o. V., Blockheizkraftwerk kontra Stromspitzen, in: Hotel & Technik, 15. Jahrgang 6/2005, S. 53.

1.3 Kennzahlen zum Energieverbrauch

Kennzahlen sind Messgrößen, die die Fülle an Informationen in einem Unternehmen konzentriert darstellen. Mit Hilfe von Kennzahlen werden diese Informationen strukturiert und in Zusammenhänge gebracht.[11] Die Kennzahlen im Energiemanagement vergleichen die energetische Qualität der Hotelbetriebe.

Die Energiekennzahl stellt den Energieverbrauch in einem Gebäude innerhalb eines Jahres dividiert durch die Energiebezugsfläche des Gebäudes dar. Die Einheiten sind entweder MJ/m²a oder kWh/m²a. Die Energiebezugsfläche (EBF) stellt dabei die Summe der Geschossflächen dar (ober- und unterirdisch), die bei Nutzung beheizt oder klimatisiert werden müssen. Die Innen- und Außenwände sind bei diesem Wert mit eingeschlossen. Die Energiekennzahl kann noch aufgeteilt werden in die Energiekennzahl Wärme und in die Energiekennzahl Elektrizität, die jeweils den Wärmeenergieverbrauch (Heizwärme, Warmwasser) beziehungsweise den Elektrizitätsverbrauch erfassen.[12]

Laut Perincioli[13] ist der Vergleich anhand dieser Energiekennzahlen jedoch schwierig, da Hotelbetriebe meist sehr unterschiedlich sind. So ist zum Beispiel ein Hotel Garni schwer vergleichbar mit einem Hotel mit großem, und somit stromintensivem, Restaurant. Um dennoch eine Aussagefähigkeit zu erhalten, werden verschiedene Kennwert-Arten genutzt, die den Energieverbrauch entweder auf den Umsatz oder die erbrachte Dienstleistung beziehen. Die Energiekosten in Prozent vom Umsatz stellen die wichtigste Kennzahl dar, da selbst unterschiedliche Betriebe durch diese Größe vergleichbar werden. Als Richtwert für ein effizientes Energiemanagement gelten Energiekosten zwischen 2 % und 3 % des Umsatzes.[14] In Deutschland geben die Hotels, wie bereits in der Einführung erwähnt, im Schnitt 6 % des Umsatzes für Energie aus, was bedeutet, dass noch ein erhebliches Sparpotential in den Hotelbetrieben vorhanden ist.

1.4 Verbrauchsanalysen

Mit Hilfe von Verbrauchsanalysen lässt sich der Energieverbrauch des Hotelbetriebes ermitteln, um Sparpotentiale sowie Handlungsbedarf aufzuzeigen. In der Praxis werden zwei Analysearten angewandt, zum einen die Selbstanalyse und zum anderen die Kennwertberechnung.[15]

Bei der Selbstanalyse soll der Energiekostenanteil am Umsatz überprüft werden. Diesen Kennwert können die Hoteliers selbst aufgrund von buchhalterischen Zahlen ermitteln und erhalten somit einen groben Überblick, ob ihr Betrieb energieeffizient arbeitet. Wie bereits im vorhergehenden Punkt erwähnt, beträgt der Richtwert der Energiekosten am Umsatz zwischen 2 % und 3 %. Weist ein Hotelbetrieb einen geringeren Anteil auf, so lässt dies auf ein effizientes Energiemanagement schließen und umgekehrt.[16]

Im Gegensatz zur Selbstanalyse ist die Kennwertberechnung recht aufwändig und kann deshalb nur von Energiefachleuten durchgeführt werden. Diese ermitteln Kennwerte zum Vergleich mit Durchschnittswerten, mit deren Hilfe das Sparpotential und Entscheidungsgrundlagen für das zukünftige Vorgehen ermittelt werden können. Zu ermittelnde Kennwerte sind dabei u. a. Raumwärme und Warmwasser, Produktionsenergie (Allgemeinstrom) und Wasserverbrauch.[17]

2 Maßnahmen des Energiemanagements

2.1 Sofortmaßnahmen

Sofortmaßnahmen stellen alle Energiesparmaßnahmen dar, die ein Betrieb ohne großen Aufwand sofort durchführen kann. Bereits bei diesen einfachen Vorkehrungen können die Einsparungen bis zu 10 % der Energie und Energiekosten betragen. Diese Maßnahmen müssen jedoch regelmäßig kontrolliert werden, damit ein dauerhafter Erfolg verzeichnet werden kann.[18]

2.1.1 Organisatorische Maßnahmen

Organisatorische Maßnahmen sollen die effiziente Nutzung von Energie steigern und können ohne Investitionen und großen Arbeitsaufwand durchgeführt werden. Ziel dabei ist es, dass nur soviel Energie wie nötig verbraucht wird.[19] Zum Beispiel sollen die Geräte, die abgestellt werden können, auch tatsächlich abgestellt werden. Das Best Western Premier Hotel Victoria in Freiburg konnte durch das Ausschalten von Fernsehgeräten in nicht bewohnten Zimmern durch das Reinigungspersonal ca. 160 € im Jahr einsparen.[20] Weitere Maßnahmen sind Reduzierung der Betriebszeiten der Lüftung auf das real Notwendige, Verbräuche von Strom, Gas und Wasser festhalten und große Abweichungen untersuchen usw.[21]

[...]


[1] Seitz, Georg: Hotelmanagement, Berlin, Heidelberg, New York, Springer-Verlag, 1997, S. 173

[2] Vgl. eigene Berechnung, in Anlehnung an: BBG-Consulting Kanig GmbH und Treugast Institute of Applied Hospitality Sciences: Hotellerie & Gastronomie, Betriebsvergleich 2004, 2004

[3] Vgl. http://energiekampagne-gastgewerbe.de/index.php?option=com_content&task=view&id=32,
Energiekampagne Gastgewerbe, 18.09.2006

[4] Vgl. Amstutz, Marc, Schegg, Roland: Hotel-Power. Energieeffizienz und CO2-Emissionen in der Schweizer Hotellerie. Schlussbericht der Phase I, BfE-Projekt „Energieeffizienz und CO2-Emissionen der Schweizer Hotellerie“, Lausanne/Luzern 2003, S. 25

[5] Vgl. ebenda, S. 27 f.

[6] Vgl. Adloff, Kerstin, Frings-Neß, Cornelia, Georg, Patricia, Schäl, Sabine: Strom – mal alternativ. Alternative Energieformen und deren Wirtschaftlichkeit für Hotellerie und Gastronomie, Bethge, Hans-Joachim, Groos, Werner H., Wolf, Kurt (Hrsg.), Heidelberger Handbuch für Hotellerie und Gastronomie, 2000, W5-1, S. 1

[7] Vgl. ebenda, S. 19

[8] Vgl. Adloff, Kerstin, Frings-Neß, Cornelia, Georg, Patricia, Schäl, Sabine, a. a. O, S. 13 ff.

[9] Vgl. ebenda, S. 7 ff.

[10] Vgl. o. V., Blockheizkraftwerk kontra Stromspitzen, in: Hotel & Technik, 15. Jahrgang 6/2005, S. 50 ff.

[11] Vgl. Jacobs, Otto H. (Hrsg.), Oestreicher, Andreas: Bilanzanalyse - EDV-gestützte Jahres- abschlußanalyse als Planungs- und Entscheidungsrechnung, 2. neubeabeitete und erweiterte Auf- lage, München, Verlag Franz Vahlen GmbH, 1994, S. 78 f.

[12] Vgl. Amstutz M., Schegg, R., a. a. O., S. 32

[13] Vgl. Perincioli, Lorenz: Energiemanagement in der Hotellerie, Bern, 2004, S. 10

[14] Vgl. ebenda, S. 13 f.

[15] Vgl. ebenda, S. 15 ff.

[16] Vgl. Perincioli, L., a. a. O., S. 16

[17] Vgl. ebenda, S. 17

[18] Vgl. ebenda, S. 26 f.

[19] Vgl. http://energiekampagne-gastgewerbe.de/index.php?option=com_content&task=view&id=9&itemid=88, Energiekampagne Gastgewerbe, 18.09.2006

[20] Vgl. http://energiekampagne-gastgewerbe.de/index.php?option=com_content&task=view&id=31,
Energiekampagne Gastgewerbe, 18.09.2006

[21] Vgl. Perincioli, L., a. a. O., S. 28

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Energiemanagement in der Hotellerie
Hochschule
Hochschule Heilbronn, ehem. Fachhochschule Heilbronn
Note
2,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
26
Katalognummer
V122191
ISBN (eBook)
9783640278305
ISBN (Buch)
9783640282364
Dateigröße
463 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Energiemanagement, Hotellerie
Arbeit zitieren
Diplom-Betriebswirtin (FH) Meike Lehmann (Autor:in), 2006, Energiemanagement in der Hotellerie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122191

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