„Richtig ist, dass das Grundprinzip des Staates die Verfolgung der Gerechtigkeit
sein muss und dass es das Ziel einer gerechten Gesellschaftsordnung bildet,unter Berücksichtigung des Subsidiaritätsprinzips jedem seinen Anteil an den Gütern der Gemeinschaft zu gewährleisten.“
Viele kennen vielleicht das Prinzip der Wirkung, doch eine klare Definition gibt esdazu nicht.
Im Folgenden wird mit Sicherheit keine eindeutige und absolut schlüssige Definition hervorgebracht, aber im Vordergrund ist zu klären, warum dieses Prinzip so notwendig war und warum es das heute noch ist.
Natürlich wird das Prinzip heute vor allem in politischen Zusammenhängen gesehen und mit dem Föderalismus verglichen, vielleicht sogar vertauscht. Doch während der Föderalismus
eine klare politisch-rechtliche Struktur ist, ist Subsidiarität offen und heuristisch und bietet dadurch wesentliche größere Anwendungsgebiete, die von der Wirtschaft auch in die Gesellschaft reichen. Dies ist beachtlich, da die Entstehung vor allem mit wirtschaftlichen Problemen im Zusammenhang und mit der Ordnung der wirtschaftlichen Landschaft zur Zeit der Industrialisierung stand, in der wir uns, vielleicht nicht mehr in Europa, aber global betrachtet noch immer befinden.
Um das Prinzip der Subsidiarität besser zu fassen, wird mit einem Rückgriff auf die Anfängen der Katholischen Soziallehre, da diese
Ausgangspunkt und auch Anlass für die Enzyklika Pius XI. QUADRAGESIMO ANNO war.
Außerdem werden die Verbindungen zum Solidaritätsprinzip aufgezeigt, aber auf weitere Erklärungen zu diesem verzichtet.
[...]
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Anlass zur Enzyklika Quadragesimo Anno
2 Entstehungsgeschichte
2.1 Hintergründe zu Rerum Novarum
2.2 Totalitarismus als Forderung nach sozialer Ordnung
3 Quadragesimo Anno und das Subsidiritätsprinzip
3.1 Der Mensch als Wesen
3.2 Ursprünge des Subsidiaritätsprinzipes
3.3 Das Subsidiaritätsprinzip in Quadragesimo Anno
3.4 Dimensionen des Subsidiaritätsprinzips
3.5 Struktur der Einheitenbeziehung
3.6 Definitionsversuch
4 Schlussbemerkungen
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die historische Herleitung und theoretische Fundierung des Subsidiaritätsprinzips im Kontext der katholischen Soziallehre, insbesondere mit Bezug auf die Enzyklika Quadragesimo Anno. Ziel ist es, den Ursprung des Prinzips zu klären und dessen Bedeutung für eine moderne Gesellschaftsordnung unter Berücksichtigung individueller Verantwortung und staatlicher Rolle zu diskutieren.
- Historische Entwicklung der katholischen Soziallehre (Rerum Novarum bis Quadragesimo Anno).
- Analyse des Subsidiaritätsprinzips als ordnungspolitisches Instrument.
- Verhältnis zwischen dem Individuum, untergeordneten Gemeinschaften und dem Staat.
- Einfluss von Totalitarismus und sozialen Krisen auf die Entwicklung kirchlicher Soziallehren.
- Dimensionen und strukturelle Einordnung des Subsidiaritätsbegriffs.
Auszug aus dem Buch
3.1 Der Mensch als Wesen
Doch bevor ich die Struktur des Subsidiaritätsprinzips zu erklären versuche, möchte ich gern eine wichtige Grundlage mit dem Personenprinzip schaffen.
Aus dem Doppelgebot der Gottes- und Nächstenliebe, sowie der Goldenen Regel ist die Verantwortlichkeit und Nützlichkeit des Individuums noch nicht eindeutig ableitbar. Deswegen erlaube ich mir den zeitlichen Vorgriff auf die Enzyklika MATER ET MAGISTRA (1961) von Papst Johannes XXIII., in der es heißt, dass „nach oberstem Grundsatz dieser Lehre [...] der Mensch der Träger, Schöpfer und das Ziel aller gesellschaftlichen Einrichtungen“ sein muss. „Und zwar der Mensch, sofern er von Natur aus auf Mit-Sein angelegt und zugleich zu einer höheren Ordnung berufen ist“ (Artikel 219). „Dieses oberste Prinzip trägt und schützt die unantastbare Würde der menschlichen Person [...], nach ihr sollen die menschlichen Beziehungen gestaltet werden“ (Art 220). Auch in der Pastoralen Konstitution GAUDIUM ET SPES aus dem Jahr 1965 wird nach Thomas von Aquin deutlich, dass „Wurzelgrund nämlich, Träger und Ziel aller gesellschaftlichen Institutionen ist und muß auch sein die menschliche Person, die ja von ihrem Wesen selbst her des gesellschaftlichen Lebens durchaus bedarf“ (Punkt 25).
Daraus ist erkennbar, dass es sich hier um ein oberstes Prinzip handelt, dass den Menschen als Person verantwortlich für die gesellschaftliche Ordnung macht, wobei hier indirekt auch die Unterschiedlichkeit der Menschen, nämlich durch die individuelle Würde, anerkannt wird, trotz, aber mit den eingangs genannten Regeln. „Dieser doppelseitige Ansatz ,ihr Personenbegriff mit seinem ausgewogenem Gleichgewicht von Individualitas und socialitas’, trennt die Katholische Soziallehre in gleicher Schärfe von einem überstarken Individualismus wie von ausgeprägtem Kollektivismus.“
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Thematik des Subsidiaritätsprinzips und Darstellung der Forschungsabsicht anhand der Enzyklika Quadragesimo Anno.
2 Entstehungsgeschichte: Beleuchtung der historischen Hintergründe der Sozialenzykliken und der gesellschaftlichen Notwendigkeit einer neuen sozialen Ordnung.
3 Quadragesimo Anno und das Subsidiritätsprinzip: Analyse des Subsidiaritätsprinzips, dessen theologischer Verankerung sowie dessen Anwendung im kirchlichen Sozialverständnis.
4 Schlussbemerkungen: Zusammenfassende Reflexion über die Bedeutung des Prinzips als Heuristik für moderne politische und gesellschaftliche Ordnungen.
Schlüsselwörter
Subsidiaritätsprinzip, Katholische Soziallehre, Quadragesimo Anno, Rerum Novarum, Sozialethik, Personenprinzip, Gesellschaftsordnung, Solidarität, Totalitarismus, Gemeinwohl, Individuelle Verantwortung, Staat, Institutionen, christliche Gesellschaftslehre, soziale Gerechtigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen und historischen Entwicklung des Subsidiaritätsprinzips innerhalb der katholischen Soziallehre, besonders ausgehend von der Enzyklika Quadragesimo Anno.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den Kernpunkten gehören die soziale Frage des 19. Jahrhunderts, die Entstehungsgeschichte päpstlicher Enzykliken, das Verhältnis von Mensch und Gesellschaft sowie die ordnungspolitische Rolle des Staates.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, das Subsidiaritätsprinzip trotz fehlender einheitlicher Definition in seinen Grundzügen zu erklären und aufzuzeigen, warum es für eine gerechte Gesellschaftsordnung notwendig bleibt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine historisch-theologische Textanalyse der Enzykliken sowie eine ordnungstheoretische Betrachtung, um die Entwicklung des Subsidiaritätsbegriffs nachzuvollziehen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Einordnung (Rerum Novarum) und die systematische Untersuchung des Subsidiaritätsprinzips, inklusive seiner Dimensionen wie Autonomie und Assistenz.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Subsidiarität, Sozialethik, Personenprinzip, Gemeinwohl, Quadragesimo Anno und staatliche Verantwortung.
Warum bezieht sich der Autor explizit auf die Enzyklika Quadragesimo Anno?
Diese Enzyklika gilt als ein zentraler Bezugspunkt, in dem das Subsidiaritätsprinzip expliziter formuliert und in einen systematischeren Kontext der katholischen Soziallehre gestellt wurde.
Wie unterscheidet der Autor das Subsidiaritätsprinzip vom reinen Föderalismus?
Während Föderalismus eine klare politisch-rechtliche Struktur darstellt, betont der Autor, dass Subsidiarität offener, heuristischer ist und umfassendere Anwendungsgebiete in Wirtschaft und Gesellschaft bietet.
Welche Rolle spielt das "Personenprinzip" bei der Definition der Subsidiarität?
Das Personenprinzip bildet laut Arbeit das Fundament, da der Mensch als Träger und Ziel gesellschaftlicher Einrichtungen fungiert, was den Rahmen für die Subsidiarität als Schutz der menschlichen Würde absteckt.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor zur praktischen Anwendung des Prinzips?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass das Prinzip zwar kein universelles Rezept ist, aber als nützliches heuristisches Instrument dienen kann, um politische Ordnungen verantwortungsorientiert zu optimieren.
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- André Mandel (Author), 2008, Das Subsidiaritätsprinzip, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122220