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Zur Nikomachischen Ethik VIII bis IX: Freundschaft (philia)

Ein kurzer, hermeneutischer Umriss

Title: Zur Nikomachischen Ethik VIII bis IX: Freundschaft (philia)

Essay , 2008 , 10 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: André Mandel (Author)

Philosophy - Philosophy of the Ancient World
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Summary Excerpt Details

Freundschaft nimmt einen großen Teil gesellschaftlichen Lebens ein. Gern laden wir unsere
Freunde zum essen ein, ermahnen unsere Kinder stets freundlich gegenüber Fremden zu sein
und helfen unseren Freunden, wenn sie Probleme haben.
Es ist ein sehr abstraktes System von einander mögen bis hin zu Abhängigkeiten und
Hilfeleistungen. Wir bezeichnen viele Menschen in unserem Kreis als Freunde, der Nachbar
ist ein Freund, der kleine Junge hat davon besonders viele – jeder Bekannte ist Freund. Und
dennoch ist der Schwager Schwager und nicht Freund, der Vater ist Vater, die Cousine erst
recht nicht die Freundin eines jungen Mannes.
Die Abgrenzung ist schwierig und auch die Definition eines besten Freundes ist kaum
möglich. Brauchen wir denn Freunde; ist jemand besser, desto mehr Freunde er hat; was darf
ich von meinen Freunden erwarten?
Bei genauerer Betrachtung wird eine Einordnung des Begriffes und aller konnotativen Werte
schwierig.
Die Breite des Begriffes spiegelt sich auch in der Nikomachischen Ethik, in den Büchern VIII
bis IX, wider (hier die deutsche Übersetzung in der Reclam-Ausgabe von Franz Dirlmeier).
Im Folgenden sollen die Ausführungen Aristoteles’ konzentriert werden. Die verschiedenen
Arten der Freundschaft und deren Bedingungen sind noch greifbar, doch bereits bei der Frage,
was die Freundschaft (philia) ist, der Definition, oder gar die Frage ob sie als oberstes Gut
fungieren kann oder eben doch nicht autark ist, treten Schwierigkeiten auf.
Die nachfolgende hermeneutische Textinterpretation befolgt die Stringenz der Nikomachischen
Ethik (NE) und versucht einen kurzen Überblick des Begriffes darzustellen.

[...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Definition und Weite des Wortes Freundschaft

II. Die Arten der Freundschaft

III. Wer kann einander Freund werden?

IV. Grenzen der Freundschaft, Proportionalität und Gerechtigkeit

V. Das Strebenswerte/Schlussbemerkungen

Zielsetzung und Themen

Diese Arbeit untersucht das Konzept der Freundschaft (philia) auf Basis der Bücher VIII und IX der Nikomachischen Ethik von Aristoteles, mit dem Ziel, eine systematische Einordnung des Begriffs sowie dessen Bedingungen, Arten und Grenzen hermeneutisch zu erschließen.

  • Definition und Bedingungen von Freundschaft bei Aristoteles
  • Differenzierung der Freundschaftstypen (Nutzen, Lust, Vollkommenheit)
  • Soziale und ethische Voraussetzungen für die Entstehung von Freundschaft
  • Zusammenhang von Gerechtigkeit, Proportionalität und Freundschaft
  • Philosophische Reflexion über die Erreichbarkeit und das Wesen vollkommener Freundschaft

Auszug aus dem Buch

I. Definition und Weite des Wortes Freundschaft

Der Begriff der Freundschaft (philia) ist in der Nikomachischen Ethik (NE) sehr weit gefasst und berührt vielerlei Bereiche. Eine Typologie der Freundschaft ist schwer und dem Wort eigen auch nur im Umriss möglich.

Die Freundschaft ist „irgendwie eine Trefflichkeit“1, die Hilfe bietet und ein natürlicher wechselseitiger Trieb zwischen Erzeuger und Erzeugtem ist, und zu edlen Taten anspornt. Zentrale Begriffe sind die des „Wohlwollens“2 und des „Wohltuns“3 auf gegenseitige Weise. Dabei bezieht sich das Wohlwollen und Wohltun auf zweierlei: Einerseits ist nicht nur der Gedanke des Wollens angesprochen, sondern auch die Tätigkeit es nach außen zu zeigen und zu leben. Dieses Zeigen wird Hilfe genannt, Pflege oder auch Zusammenhalt. Trotzdem ist weder Wohlwollen noch Wohltun allein Freundschaft (, wenn dann nur als passive Form4).

Zur Abgrenzung nennt Aristoteles mehrere Bedingungen der Freundschaft:

a) GEGENSEITIGKEIT - Die Freundschaft soll gegenseitig sein. Bei Aristoteles bedeutet dies also, dass jeder dem Freund als Person Gutes wünschen soll, „um der Person des Freundes willen“5;

b) LEBENDIGKEIT - sie kann daher nicht zwischen leblosen Dingen und Menschen entstehen. Ein Freund des Weines, oder des Wortes ist im eigentlichen Sinne kein Freund, den Wort und Wein sind leblose Gegenstände.

c) SICHTBARKEIT - Freundschaft muss auch nach außen hin sichtbar werden. Es genügt nicht, das bloße Wohlempfinden jemanden gegenüber, den man vielleicht noch gar nicht gesehen hat.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Definition und Weite des Wortes Freundschaft: Dieses Kapitel erläutert die Vielschichtigkeit des Freundschaftsbegriffs bei Aristoteles und definiert zentrale Bedingungen wie Gegenseitigkeit, Sichtbarkeit und Einheitlichkeit.

II. Die Arten der Freundschaft: Hier werden die drei Typen der Freundschaft – Nutzen-, Lust- und vollkommene Freundschaft – analysiert und voneinander abgegrenzt.

III. Wer kann einander Freund werden?: Dieser Abschnitt untersucht die soziale und charakterliche Voraussetzung für Freundschaften, insbesondere die Rolle von Gleichheit und Trefflichkeit.

IV. Grenzen der Freundschaft, Proportionalität und Gerechtigkeit: Dieses Kapitel beleuchtet den Zusammenhang zwischen Gerechtigkeit, dem proportionalen Ausgleich von Leistungen und den Bedingungen, unter denen Freundschaften zerbrechen können.

V. Das Strebenswerte/Schlussbemerkungen: Eine abschließende philosophische Reflexion über die Schwierigkeit, Freundschaft als oberstes Gut zu definieren, und die grundsätzlichen Spannungsfelder der aristotelischen Lehre.

Schlüsselwörter

Aristoteles, Nikomachische Ethik, Freundschaft, Philia, Trefflichkeit, Wohlwollen, Gerechtigkeit, Proportionalität, Tugend, Eudaimonia, Gegenseitigkeit, Nutzenfreundschaft, Lustfreundschaft, Vollkommene Freundschaft, Hermeneutik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit befasst sich mit der philosophischen Untersuchung des Freundschaftsbegriffs (philia) innerhalb der aristotelischen Nikomachischen Ethik, speziell in den Büchern VIII und IX.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Arbeit analysiert die Definition, die Typologisierung von Freundschaftsformen sowie die ethischen und sozialen Voraussetzungen, die Aristoteles für Freundschaften aufstellt.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist eine hermeneutische Textinterpretation, um einen strukturierten Überblick über die komplexen Bedingungen und Grenzen der Freundschaft bei Aristoteles zu geben.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit nutzt die Methode der hermeneutischen Textinterpretation, um die Stringenz der Argumentation in den entsprechenden Büchern der Nikomachischen Ethik nachzuvollziehen.

Was umfasst der inhaltliche Hauptteil?

Der Hauptteil gliedert sich in die Bestimmung des Freundschaftsbegriffs, die Differenzierung nach Arten, die Frage der Gleichheit und Eignung der Akteure sowie die Verbindung von Gerechtigkeit und proportionaler Gegenleistung.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Philia, Trefflichkeit, Gegenseitigkeit, Proportionalität und Gerechtigkeit geprägt.

Warum unterscheidet Aristoteles zwischen Nutzen- und vollkommener Freundschaft?

Die Unterscheidung erfolgt aufgrund der Zielwertigkeit; während Nutzen- und Lustfreundschaften akzidentiell und an Bedingungen geknüpft sind, beruht die vollkommene Freundschaft auf der Tugend der Beteiligten und deren Wesensgleichheit.

Welche Rolle spielt die Gerechtigkeit für die Freundschaft?

Gerechtigkeit dient als Maßstab für das Zusammenleben; sie bestimmt durch das Prinzip der Proportionalität, wie Gegenleistungen erbracht werden müssen, damit eine Freundschaft trotz unterschiedlicher Positionen der Akteure stabil bleibt.

Was meint der Autor mit der abschließenden Aussage „O meine Freunde, es gibt keinen Freund“?

Dieses Zitat verdeutlicht die existenzielle Schwierigkeit und den hohen Anspruch an eine vollkommene Freundschaft, die laut Aristoteles nur wenigen vorbehalten bleibt und permanenten ethischen Reflexionsbedarf erfordert.

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Details

Title
Zur Nikomachischen Ethik VIII bis IX: Freundschaft (philia)
Subtitle
Ein kurzer, hermeneutischer Umriss
College
University of the Federal Armed Forces München
Course
Aristoteles - Ethik und Politik
Grade
1,0
Author
André Mandel (Author)
Publication Year
2008
Pages
10
Catalog Number
V122224
ISBN (eBook)
9783640270699
ISBN (Book)
9783640270859
Language
German
Tags
Nikomachischen Ethik VIII Freundschaft Aristoteles Ethik Politik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
André Mandel (Author), 2008, Zur Nikomachischen Ethik VIII bis IX: Freundschaft (philia), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122224
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