Die Ertebølle – Kultur erstreckt sich im Bereich von Westdänemark über die dänischen Inseln und Westschweden bis in den norddeutschen Küstenbereich. In Schleswig-Holstein und im westlichen Mecklenburg lässt sie sich ab etwa 5250 v. Chr., im Dänemark erst ab etwa 4900 v. Chr. fassen (Abb. II). Im Inventar finden sich keine geometrischen Mikrolithen mehr; im Bereich der Lithik tendiert die Entwicklung hin zu Großsteingeräten wie Kern- und Scheibenbeile sowie Klingengeräte und Querschneider. Die erste Phase ist akeramisch; Keramik taucht erst in der zweiten Phase auf, in Norddeutschland frühestens ab etwa 5200 v. Chr., in Dänemark ab etwa 4700 v. Chr. Das Keramikrepertoire umfasst zwei Formen: die dickwandige Spitzbodenware und flachovale Lampenschalen, welche allerdings vermehrt erst in der letzten Phase auftauchen.
Bei günstigen Erhaltungsbedingungen sind Gegenstände des alltäglichen Lebens überliefert, die aus organischen Materialen bestehen und einen Einblick in das alltägliche Leben der Ertebølle – Kultur, wie z.B. Fischfang und Jagd geben können. Unter günstigen Erhaltungsbedingungen im Bereich der Muschelhaufen haben sich auch Körperbestattungen in gestreckter Rückenlage und Beigaben erhalten.
Inhaltsverzeichnis
1. Forschungsgeschichte
2. Fundmaterial und Chronologie
a. lokal
b. Importe
3. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit gibt einen detaillierten Überblick über die Sachgüter der Ertebølle-Kultur und beleuchtet deren chronologische Einordnung sowie regionale Unterschiede im nordeuropäischen Raum. Im Zentrum steht dabei die Analyse von Fundmaterial, das sowohl lokale Siedlungsspuren als auch alokale Artefakte umfasst, um ein besseres Verständnis der kulturellen Entwicklung und der Kontaktbeziehungen am Übergang zum Neolithikum zu ermöglichen.
- Historische Entwicklung der Ertebølle-Forschung seit dem 19. Jahrhundert
- Chronologische Differenzierung und regionale Gliederung der Fundplätze
- Typologie und technologische Analyse des lithischen und organischen Fundmaterials
- Bedeutung alokaler Artefakte (Importe) als Indikatoren für kulturelle Interaktion
- Der Übergang zur Trichterbecherkultur und der damit verbundene kulturelle Wandel
Auszug aus dem Buch
1. Forschungsgeschichte
Die Erforschung der Ertebølle – Kultur setzt zu Beginn des 19. Jhs. im Bereich der Fjordküsten Norddänemarks ein. Durch den einsetzenden Straßenbau wurden die ersten Muschelhaufen angeschnitten; diese bestanden primär aus Schalenhaufen von Austern, Mies und Herzmuscheln und ließen sich daher als Materialspender für Baumaterial und Dünger kommerziell nutzen.
Die ersten archäologischen Fundstücke wurden 1837 durch Dalsgaard ins Oldnordisk Museum in Kopenhagen eingeliefert und stammten aus dem Muschelhaufen von Krabbesholm bei Skive (Nordjütland); jedoch galten diese Muschelhaufen als natürliche Meeresablagerungen. Ihre korrekte wissenschaftliche Einordnung als Nahrungs- und Abfallreste prähistorischer Menschen erfolgte durch die erste Køkkenmødding – Kommission in der Mitte des 19. Jhs. Diese Kommission bestand aus Experten unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen mit der Zielsetzung, die Entstehung der Muschelhaufen in einen deutbaren Kontext zu bringen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Forschungsgeschichte: Dieser Abschnitt bietet einen chronologischen Überblick über die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Ertebølle-Kultur, von den ersten zufälligen Entdeckungen im 19. Jahrhundert bis zu den modernen interdisziplinären Projekten.
2. Fundmaterial und Chronologie: Hier wird die materielle Hinterlassenschaft der Kultur, unterteilt in lokales Material und alokale Artefakte, systematisch analysiert und in eine zeitliche Abfolge eingeordnet.
3. Zusammenfassung: Dieses Kapitel fasst die wesentlichen Erkenntnisse zur Verbreitung, Chronologie und materiellen Kultur zusammen und beschreibt den kulturellen Bruch hin zur Trichterbecherkultur.
Schlüsselwörter
Ertebølle-Kultur, Mesolithikum, Neolithisierung, Muschelhaufen, Køkkenmødding, Chronologie, Lithik, Importe, Rössener Horizont, Trichterbecherkultur, Nordeuropa, Archäologie, Siedlungsgeschichte, Artefakte, Küstenbevölkerung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Ertebølle-Kultur, einer spätmesolithischen Küstenkultur in Nordeuropa, und untersucht deren materielle Sachgüter sowie deren zeitliche Einordnung.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der Forschungsgeschichte, der typologischen Analyse des Fundinventars sowie der Bedeutung von Importen für das Verständnis kultureller Kontakte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, einen strukturierten Überblick über die kulturelle Entwicklung der Ertebølle-Kultur zu geben und die technologische Entwicklung vom Mesolithikum bis zum Übergang zum Neolithikum aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewandt?
Der Autor nutzt eine Kombination aus historischer Quellenanalyse, typologisch-technologischer Untersuchung des archäologischen Fundmaterials und vergleichender Chronologie.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die geographische Verbreitung, die chronologische Phasenunterteilung und das spezifische Inventar an Steinwerkzeugen, Keramik und organischen Artefakten detailliert analysiert.
Durch welche Schlagworte lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind Ertebølle-Kultur, Neolithisierungsprozess, Fundplatzanalyse und kulturelle Interaktion im Ostseeraum.
Warum wird der Begriff „Import“ im Text kritisch hinterfragt?
Der Autor weist darauf hin, dass „Import“ eine aktive Handelsintention suggeriert, die empirisch schwer nachweisbar ist, weshalb er den neutraleren Begriff „alokale Artefakte“ bevorzugt.
Welche Rolle spielt die Trichterbecherkultur für die Schlussfolgerungen der Arbeit?
Die Trichterbecherkultur markiert das Ende der Ertebølle-Kultur; ihr Erscheinen geht mit einem signifikanten kulturellen Bruch im Inventar und der Einführung von Ackerbau und Viehzucht einher.
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- Marco Chiriaco (Author), 2008, Die Sachgüter der Ertebølle-Kultur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122258