Beschreibungen im Film nach Seamour Chatmans What is Description in the Cinema anhand von Kafkas Prozess und dessen Verfilmung von Orson Welles von 1962


Hausarbeit, 2002

14 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Hauptteil:
2.1 Analyse von expliziten und stillschweigenden Beschreibungen im Film unter Zuhilfenahme des Textes „What is Description in Cinema“ von Seymour Chatman
2.1.1 Chatmans „What is Description in Cinema
2.1.2 Beschreibung in der Verfilmung
2.2 Franz Kafka, der Prozess. Vergleich der Beschreibungen anhand des Buches und des Films von Orson Welles und Analyse der Transformation

3 Abschluss

4 Literaturverzeichnis

Einleitung:

Die allgemeine Einstellung zu Literaturverfilmungen hat sich im Laufe der Zeit geändert. Früher war es bei Kritikern und Regisseuren üblich, die Verfilmung eines literarischen Werkes dann als besonders gut zu loben, wenn die Verfilmung möglichst nah an der Vorlage war. Mittlerweile hat sich hier der Begriff der Transformation durchgesetzt, d.h. anstatt das Augenmerk vor allem auf die Werktreue zu richten, wird vielmehr die gelungene Verwandlung des Werkes von dem einen Medium in das andere als Kriterium für die Güte einer Literaturverfilmung angesehen.

In dieser Arbeit werde ich besonderen Wert auf die Umsetzung der Beschreibungen legen. Seymour Chatman unterscheidet in seinem Aufsatz „What is Describtion in the Cinema“ zwischen tacit und explicit description, also stillschweigender und expliziter Beschreibung. Anhand dieses Aufsatzes werde ich den Roman „Der Prozess“ von Franz Kafka und die Verfilmung von Orson Welles aus dem Jahre 1962 untersuchen und feststellen wie Welles die Umsetzung der Beschreibungen der literarischen Vorlagen im Film und darüber hinaus die Transformation des (nie vervollständigten Werkes Kafka) in ein eigenständiges filmisches Kunstwerk erreicht hat.

2.1 Analyse von expliziten und stillschweigenden Beschreibungen im Film unter Zuhilfenahme des Textes „What is Description in Cinema“ von Seymour Chatman

2.1.1 Chatmans „What is Description in Cinema

Chatman unterscheidet in seinem Artikel What is Description in the Cinema zwei verschiedene Arten von Beschreibungen. Zum einem die express description, oder explizite Beschreibung, zum anderen die tacit description oder stillschweigende Beschreibung. Die explizite Beschreibung fokussiert auf das Beschriebene, wohingegen die Aufmerksamkeit des Rezipienten bei der stillschweigenden Beschreibungen primär auf etwas anderes gerichtet ist (z.B.: die aktuelle Handlung) und die Beschreibung sekundär aufgenommen wird. Die Handlung der Geschichte wird weitererzählt und nebenbei nimmt der Rezipient Charaktereigenschaften, Objekte, usw. wahr, auf die nicht weiter eingegangen wird. Die stillschweigende Beschreibung gibt es in fast jedem Satz einer Geschichte.

Prinzipiell kann jeder Textyp in jedem Medium dargestellt werden so Chatman, wobei Filme natürlich mehr auf das visuelle als auf das verbale fixiert sind und somit die stillschweigende Beschreibung bevorzugen. Aus diesem Grund stellte Claude Ollier die These auf, dass die Beschreibung wie sie in der Literatur zu finden ist, im Kino kein Äquivalent finde. Er gibt dafür 2 Gründe an:

1. Wegen der Vielzahl an Bildern gibt es keine wirklich Notwendigkeit zur Beschreibung, es werden nur ganze Bilder gezeigt. Nach Ollier brauche es eine Auswahl an visuellen Details um ein Bild eines Objektes oder einer Person im Geist des Rezipienten zu erzeugen.
2. In der Literatur stoppt die Handlung für eine Beschreibung und geht nach der Beschreibung weiter. Im Film sei dies aber unmöglich, da der Film in einer vorgeschriebenen Zeit weiterlaufe. Die Beschreibung im Film ist deshalb immer bloßes Nebenprodukt der Handlung und hat keine gesonderte Existenzberechtigung.

Zu 1 erwidert Chatman, dass dies zwar richtig für literarische Vorlagen sei, da im Vergleich zum visuellen Bild des Films wenig gezeigt werde, die Beschreibung aber durch die Sprache präzisiert würde. Das Bild im Film sei so reich an visuellen Informationen, dass der Rezipient dieses in einer kurzen Szene gar nicht komplett aufnehmen könne. Also müsse auch hier eine Auswahl getroffen werden. Im Gegensatz zum zur Literatur gibt es im Film keine Lücke in der Beschreibung, trotzdem fehlen die präzisen Informationen die die Sprache (vor allem durch adjektivische Beschreibungen) bietet. Der Film, so Chatman, bietet eine Vielzahl an Bildern ohne diese zu spezifizieren, woraus folgt, dass der Film keine Garantie gibt, dass wir das Geschehene auch beschreiben können. Im Gegensatz dazu ist die Literatur sehr präzise, jedoch immer eingeschränkt durch den mehr oder weniger engen Blickwinkel des Erzählers. Gerade wegen dieser Möglichkeiten von Film und Buch könne man allerdings nicht sagen, dass der Film nicht beschreiben kann, im Gegenteil sei es eher so, dass der Film nichts anderes könne als zu beschreiben. Jedes visuelle Detail das er darstellt ist eine kleine Beschreibung, allerdings eine Stillschweigende und keine Explizite. Literatur kann keine mentalen Bilder vorgeben, sondern nur stimulieren. Wenn man einen Film gesehen hat, hat mein ein klares Bild vorgegeben. Beim Lesen des Buches schwankt die Kapazität und der Wunsch des Lesers im Geist ein Bild des Geschehenen zu kreieren, des Weiteren ändert sich das geschaffene Bild oft im Verlauf der Geschichte.

Eine literarische Vorlage hat, im Gegensatz zum Film die Möglichkeit einiges an Details im dunkelt zu lassen: Leser können über physische Details einer Figur so lange in Unkenntnis gehalten werden, wie es der Autor für richtig hält. Ein Film kann im Gegensatz dazu nicht vage sein.

Zu 2 sagt Chatman, dass der Film die Bilder zeigt, es aber am Publikum ist, diesen Bildern beschreibende Adjektive zu geben.

Beschreibung könne in verschiedenen Arten Auftreten:

- Ein Erzähler beschreibt und hierbei stoppt im Regelfall die Handlung.
- Ein Charakter beschreibt entweder im Geist oder im Dialog mit einem anderen Charakter; hierbei geht die Handlung notwendigerweise weiter, da ja auch die Aktion des Beschreibens zur Handlung gehört.

Chatman stellt nun 2 Fragen betreffend des Kinos:

1. Kann ein Erzähler im Film explizit beschreiben unabhängig vom Point of View eines Charakters?
2. Kann die Handlungszeit gestoppt werden um der Beschreibung Platz zu machen?

Zu 1: Dies bejaht Chatman eindeutig. Als Beispiel gibt er Hitchcocks „Rear Window“ von 1954 an, bei dem in der Anfangseinstellung die Kamera einzelne Szenen zeigt ohne einen bestimmten Blickwinkel einzunehmen und ohne etwas Bestimmtes zeigen zu wollen. Diese „beschreibenden Szenen“ leiten in Filmen oft Lokalitätenwechsel ein, indem sie noch unabhängig vom Blickwinkel des Charakters eine neue Lokalität zeigen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Beschreibungen im Film nach Seamour Chatmans What is Description in the Cinema anhand von Kafkas Prozess und dessen Verfilmung von Orson Welles von 1962
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Institut für allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft)
Veranstaltung
Literatur und Film
Note
2,3
Autor
Jahr
2002
Seiten
14
Katalognummer
V12227
ISBN (eBook)
9783638181631
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Literaturverfilmung, Kafka, Orson Welles, der Prozess
Arbeit zitieren
Arik Ott (Autor), 2002, Beschreibungen im Film nach Seamour Chatmans What is Description in the Cinema anhand von Kafkas Prozess und dessen Verfilmung von Orson Welles von 1962, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12227

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