Im Zuge der kürzlich durchgeführten Rechtschreibreform ist die deutsche Orthographie und deren Prinzipien sowohl von theoretischer wie auch von praktischer Seite verstärkt auch in der Öffentlichkeit „heiß diskutiert“ worden. Dabei standen sich im Allgemeinen zwei Lager gegenüber: die einen kritisieren die Überbewertung der Rechtschreibung (Steinig 2004: 128) und bewerten die deutsche Orthographie als ein „in sich stimmiges System“. Die andere Seite sieht die deutsche Rechtschreibung als eine Aneinanderreihung von Andersschreibungen und Chaos an (vgl. Ossner 2006: 147). Besonders Lehrer geraten bei solchen Diskussionen in Bedrängnis, vor allem wenn sie danach gefragt werden, wie viele Prinzipien oder Grundsätze der Schreibung es eigentlich gebe bzw. wie diese zu erläutern seien (vgl. Rahnenführer 1980: 231). Dass manche Unsicherheiten von Seiten der Lehrer eigentlich gar nicht ihr Verschulden ist und dass sogar die Theorie selbst gar keine genaue Definition zu den orthographischen Prinzipien aufweisen kann und damit die auf letztere aufbauende Praxis erst recht ins Schwanken geraten muss, soll an dieser Stelle bereits schon einmal angedeutet werden. Welche der beiden Meinungen zur deutschen Orthographie – stimmiges System oder Chaos – nun zutrifft, soll in dieser Hausarbeit geklärt werden. Den Fokus dabei bilden die orthographischen Prinzipien des Deutschen, die in einem ersten Teil unter theoretischen Aspekten und in einem zweiten Teil unter praktischen unterrichtsbezogenen Gesichtspunkten betrachtet werden sollen. Bei der folgenden Betrachtung der orthographischen Prinzipien kommt es mir vor allem darauf an, deren wesentlichste Eigenschaften exemplarisch zu erläutern und nicht bis ins letzte Detail alle Einzelheiten darzustellen. Dies würde den Rahmen dieser Hausarbeit erheblich sprengen. Daher muss diese Betrachtung leider unvollständig bleiben.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. DIE ORTHOGRAPHISCHEN PRINZIPIEN IN DER THEORI
1.1 Kurzer wissenschaftsgeschichtlicher Abriss zur Entwicklung der orthographischen Prinzipien
1.2 Definitionen zu „Prinzipien der Schreibung“, „orthographische Prinzipien“ und „orthographische Regeln“
1.3 Die einzelnen orthographischen Prinzipien des Deutschen
1.3.1 Das phonographische Prinzip
1.3.2 Das silbische Prinzip
1.3.3 Das morphologische Prinzip
1.3.4 Weitere Mittel der Wortschreibung
1.4 Zusammenfassung, Problematisierung und Bewertung
2. DIE ORTHOGRAPHISCHEN PRINZIPIEN IN DER PRAXIS
2.1 Didaktische Standpunkte zu den orthographischen Prinzipien
2.2 Zur kindlichen Aneignung der orthographischen Prinzipien: Kurzer Abriss zum kindlichen Schriftspracherwerb
2.3 Didaktische Konsequenzen für die Unterrichtung der orthographischen Prinzipien
2.3.1 Didaktische Konsequenzen für die Unterrichtung des phonographischen Prinzips
2.3.2 Didaktische Konsequenzen für die Unterrichtung des silbischen Prinzips
2.3.3 Didaktische Konsequenzen für die Unterrichtung des morphologischen Prinzips
3. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Hausarbeit untersucht, ob die deutsche Rechtschreibung als ein stimmiges System oder als chaotische Ansammlung von Regeln betrachtet werden muss. Das Ziel ist es, durch die Analyse der orthographischen Prinzipien – unter Berücksichtigung theoretischer sowie schulpraktischer Aspekte – ein tieferes Verständnis für die Funktionsweise und die Vermittlung der deutschen Orthographie zu schaffen.
- Theoretische Einordnung und geschichtliche Entwicklung der orthographischen Prinzipien.
- Detaillierte Erläuterung der basalen Prinzipien: phonographisch, silbisch und morphologisch.
- Analyse des kindlichen Schriftspracherwerbs und relevanter Stufenmodelle.
- Ableitung didaktischer Konsequenzen für den Rechtschreibunterricht in der Schule.
- Diskussion der Bedeutung von prozessorientierten Methoden und Fehlerdiagnostik.
Auszug aus dem Buch
1.3.2 Das silbische Prinzip
Bei dem silbischen Prinzip handelt es sich um Schreibungen, die nicht „phonographisch“, sondern phonologisch bedingt sind. Das bedeutet, dass man durchaus noch durch ihre Lautstruktur phonologisch zu begründen sind, jedoch auf phonographisch segmentaler Ebene, aufgrund der Phonem-Graphem-Beziehungen nicht mehr! Zahlreiche Laute, die in der Sprechsilbe eine bestimmte Rolle einnehmen, werden in der Schreibung nicht entsprechend der GPK-Regeln wiedergegeben, sondern haben silbenbezogene Eigenschaften und liefern Informationen über die Schreib- oder die Sprechsilbe (vgl. Steinig 2004: 87; Duden Grammatik 2005: 71). Dies gilt noch konsequenter für die geschriebene als für die gesprochene Silbe (vgl. Fuhrhop 2006: 13). Damit weist die Schreibsilbe oft eine andere Gestalt als die Sprechsilbe auf und kann demnach als stärker regularisiert charakterisiert werden. Die Form der Schreibsilbe ist konstanter als die im Gesprochenen und strebt danach, die Silben gleich lang zu gestalten. Hierfür werden stets dieselben Ausgleichsmittel in Form von bestimmten Buchstaben-Graphem-Verbindungen verwendet, die das Auge sehr schnell als feste Muster wahrzunehmen lernt und dadurch in der Lage ist, Informationen der Silbenstruktur zu erschließen (vgl. Duden Grammatik 2005: 71).
Zusammenfassung der Kapitel
1. DIE ORTHOGRAPHISCHEN PRINZIPIEN IN DER THEORI: Dieses Kapitel liefert einen wissenschaftsgeschichtlichen Abriss und definiert die zentralen orthographischen Prinzipien, wobei die phonographischen, silbischen und morphologischen Ansätze differenziert werden.
2. DIE ORTHOGRAPHISCHEN PRINZIPIEN IN DER PRAXIS: Hier werden die didaktischen Ansätze diskutiert, wie Kinder Schriftsprache erwerben und welche Konsequenzen dies für die Vermittlung der Prinzipien im Unterricht hat.
3. Fazit: Das Fazit bestätigt, dass die deutsche Orthographie ein stimmiges System darstellt und der Lehrer die Aufgabe hat, Schülern die Prinzipien durch prozessorientierte Methoden zu vermitteln.
Schlüsselwörter
Deutsche Orthographie, Rechtschreibung, Rechtschreibreform, phonographisches Prinzip, silbisches Prinzip, morphologisches Prinzip, Schriftspracherwerb, Didaktik, Rechtschreibunterricht, Phonem-Graphem-Korrespondenz, Schreibstrategien, Sprachdidaktik, Fehlerdiagnostik, Lauttreue, Silbenstruktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den theoretischen Grundlagen und der schulpraktischen Vermittlung der orthographischen Prinzipien der deutschen Sprache.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Systematik der deutschen Rechtschreibung, ihre geschichtliche Herleitung, der kindliche Schriftspracherwerb sowie konkrete didaktische Vorgehensweisen im Unterricht.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es zu klären, ob die deutsche Rechtschreibung ein in sich stimmiges System bildet oder ein ungeordnetes Chaos darstellt, und dies für Lehrkräfte verständlich aufzubereiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender fachwissenschaftlicher und fachdidaktischer Studien zur Orthographie.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Darlegung der wesentlichen Schreibprinzipien sowie einen praktischen Teil, der den kindlichen Spracherwerb und unterrichtsbezogene Konsequenzen beleuchtet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie orthographische Prinzipien, Schriftspracherwerb, phonographisches, silbisches und morphologisches Prinzip sowie Deutschunterricht.
Welche Rolle spielt das silbische Prinzip bei Kindern?
Das silbische Prinzip gewinnt im aktuellen Schriftspracherwerb stark an Bedeutung, da Silben für Kinder eine natürlichere Einheit bilden als isolierte Phoneme.
Wie sollten Fehler von Kindern im Schrifterwerb bewertet werden?
Fehler werden als notwendige Zwischenschritte und Fenster in die Denkwelt der Lernenden verstanden, die Lehrkräften wertvolle Hinweise für die individuelle Beratung bieten.
Warum ist das morphologische Prinzip für das Lesen wichtig?
Das morphologische Prinzip hilft beim schnellen Wiedererkennen von Wortbausteinen (Stämmen), was das Verständnis der Bedeutung beim Lesen erheblich erleichtert.
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- Stefanie Müller (Author), 2008, Zu den orthographischen Prinzipien des Deutschen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122283