Die Theodizee-Frage. Warum erlaubt Gott Leid?


Seminararbeit, 2022

8 Seiten, Note: 1,4


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Die „Theodizee-Frage“

III. Ein Losungsansatz nach Gottfried Wilhelm Leibniz
3.1. Die beste aller moglichen Welten
3.2. Die Rechtfertigung des Ubels

IV. Fazit

V. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

In den Medien wird taglich uber neue furchtbare Ereignisse berichtet, welche sich sowohl auf regionaler als auch weltweiter Ebene ereignen. Naturkatastrophen, Terroranschlage, aber auch Unfalle und Krankheiten haben oftmals gravierende Auswirkungen auf den Menschen und dessen Umwelt. So sieht sich die Menschheit beispielsweise seit 20191 mit einer neuen Bedrohung konfrontiert: Das Coronavirus hat bereits in den ersten Jahren nach seinem Auftreten verehrende Auswirkungen auf die Gesundheit sowie das soziale Leben der Menschen und forderte zahlreiche Todesopfer. Solche Leiden scheinen aus moralischer Sicht nicht bestehen zu durfen und dienen keinem hoheren Zweck.2 Die Frage, warum diese schrecklichen Ereignisse trotzdem eintreten, wurde sich immer wieder gestellt und findet auch heute noch Beachtung. Unter allgemeiner theologischer Betrachtung und der Bibel zufolge gilt Gott als die Liebe selbst und charakterisiert sich durch seine Vollkommenheit, Allmacht, Allgute und seine Allwissenheit. Die gottliche Schopfung spiegelt die Charakterisierung Gottes wider und wirft daher einige Fragen auf: Wie kann ein gottlicher Schopfer Leid, Krankheit und Tod zulassen? Musste Gott nicht in der Lage sein solche Ubel abzuwenden? Die Theodizee-Frage wird sowohl in der Philosophie als auch in der Theologie thematisiert und gewann wahrend der Aufklarung erneut zunehmend an Aufmerksamkeit und Bedeutung. Das vermehrte Auftreten dieser Frage steht in enger Verbindung mit dem Erdbeben von Lissabon im Jahre 1755, welches den Tod von uber 60.000 Menschen verschuldete3 und Zweifel am Optimismus der Fruhaufklarung sowie des christlichen Vorsehungsglauben intensivierte.4

Thema der vorliegenden Hausarbeit ist die Theodizee-Frage. Die Arbeit wird in drei grundlegende Bereiche aufgeteilt: Einleitung, Hauptteil und Schluss. In der Einleitung wird das Thema dieser Arbeit kurz prasentiert und die Gliederung vorgestellt. Der Hauptteil bildet das Kernstuck dieser Arbeit und setzt sich aus zwei Teilen zusammen. Der erste Abschnitt besteht in der Darlegung der Theodizee-Problematik. Der anschlieBende Abschnitt skizziert einen von Gottfried Wilhelm Leibniz ausgearbeiteten Losungsvorschlag aus seinem Werk „Essais de Theodicee, Sur la bonte de Dieu, la liberte de l'homme et l'orgine du mal". Das Fazit setzt sich aus einer Zusammenfuhrung der behandeltet Punkte zusammen. Ziel dieser Arbeit ist es nicht auf die Theodizee-Frage zu antworten, sondern ausschlieBlich die darin enthaltene Problematik vorzustellen und einen von zahlreichen Losungsversuchen zu prasentieren.

II. Die Theodizee-Frage

Der Begriff „Theodizee“ wurde von Gottfried Wilhelm Leibniz gepragt und setzt sich aus den beiden griechischen Wortern theos (Gott) und dike (Gerechtigkeit) zusammen.5 Sie bezeichnet, nach dem gegenwartigen Verstandnis, nicht die Rechtfertigung Gottes selbst, sondern die Rechtfertigung des Glaubens an Gott sowie der Gerechtigkeit Gottes. Gott selbst benotigt, im Gegensatz zum Glauben an ihn, keine Rechtfertigung.6 Die Notwendigkeit einer Rechtfertigung des Glaubens tritt durch einen offenkundigen Widerspruch, der den Mittelpunkt des Theodizee- Problems darstellt, hervor. Dieser Widerspruch entsteht durch, die in der Einleitung, angedeuteten Pramissen: (i) Es besteht und entsteht standig Ubel bzw. sinnloses Leid in der Welt. (ii) Gott ist vollkommen, gut, allmachtig und allwissend. So lassen sinnlose Leiden an der logischen Widerspruchsfreiheit und der Plausibilitat des Glaubens an ein allgutiges und allmachtiges Schopferwesen zweifeln. „Die Theodizee hat also die Frage zu beantworten, wie der Glaube an einen guten und allmachtigen Gott angesichts des Ubels in der Welt vor der Vernunft verantwortet werden kann.“7 Wenn unser Schopfer allmachtig ist, warum lasst er zu, dass uns Leid widerfahrt? Unter der Annahme, dass ein gutes, allwissendes und allmachtiges Wesen durch diese Eigenschaften sowohl das zukunftige Leid erkennen kann als auch aufgrund seiner Allmacht und Gutheit nicht erlauben wurde und der Tatsache, dass sich sinnloses Ubel trotzdem taglich ereignet, gerat der Glaube an ein solches gottliches Wesen stark ins Wanken. Hier setzt die Theodizee an und versucht die Plausibilitat des Glaubens an ein gottliches Geschopf zu verteidigen.8

III. Ein Losungsansatz nach Gottfried Wilhelm Leibniz

Gottfried Wilhelm Leibniz prasentiert in seinem Werk „Essais de theodicee, Sur la bonte de Dieu, la liberte de l'homme et l'origine du mal“ aus dem Jahre 1710 eine Losung fur die Problematik der Theodizee: Wir leben in der besten aller moglichen Welten, die Gott aus einer unendlichen Anzahl moglicher Welten geschaffen hat. Diese These liegt seinem Losungsansatz zugrunde und soll im anschlieBenden Abschnitt erlautert werden.

[...]


1 Pandemie der Coronavirus-Krankheit (COVID-19) In: https://www.euro.who.int/de/health-topics/health- emergencies/coronavirus-covid-19. Eingesehen am: 29.12.2021.

2 Vgl. Klaus von Stosch: Theodizee. Grundwissen Theologie. Von Stosch, Klaus: Theodizee. In: Grundwissen Theologie. 2. rev. Auflg. Stuttgart: Schoningh utb GmbH, 2018. S. 8.

3 Vgl. Lissabon 1755 - das Erdbeben, das die Welt veranderte. Hrg.: Neue Zurcher Zeitung. In: https://www.nzz.ch/articleD8ZKG-1.179484?reduced=true. Eingesehen am: 10.01.2022.

4 Vgl. Weber, Jean-Marie : Religion in Europa. Seminar Unterlagen: PowerPoint 9. S. 12.

5 Vgl. Von Stosch, Klaus: Theodizee. Grundwissen Theologie. 2., uberarbeitete Auflage. Ferdinand Schoningh, 2018. S. 7.

6 Vgl. Ebd. S. 10.

7 Ebd.

8 Vgl. Ebd.

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Die Theodizee-Frage. Warum erlaubt Gott Leid?
Hochschule
Université du Luxembourg  (Philosophie)
Veranstaltung
Religion in Europa
Note
1,4
Autor
Jahr
2022
Seiten
8
Katalognummer
V1223233
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Religion, Leibniz, Theodizee, Zweifel, Leid, Warum, Gott, Allmächtig
Arbeit zitieren
Liz Meyers (Autor:in), 2022, Die Theodizee-Frage. Warum erlaubt Gott Leid?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1223233

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