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Der weibliche Vampir in der Literatur des 19. Jahrhunderts

Title: Der weibliche Vampir in der Literatur des 19. Jahrhunderts

Thesis (M.A.) , 2008 , 127 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Magistra Artium Carolin Miriam Küllmer (Author)

German Studies - Literature of History, Eras
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In der Anzahl von wissenschaftlichen Arbeiten, die sich mit der mythologischen und literarischen Erscheinung des weiblichen Vampirs, eine sehr spezielle Ausprägung einer körperlichen Wiedergängerin, auseinandersetzen, können wir ein breites Spektrum an Lesarten für dieses interessante Sujet entdecken: So wird die weibliche Ausprägung des (wie wir später noch sehen werden männlich konnotierten) Vampirs von einigen Autoren beispielsweise als Grenzgängerin verstanden, die sich zwischen den Bereichen belebt/unbelebt, beseelt/unbeseelt bewegt; als erotisches, aber grausames Wesen, welches als Allegorie oder Metapher tätig ist, die eigenen Ur-Ängste vor Tod, Natur und Sexualität personifiziert und umsetzt, und die Abgründe der Seele, ihre geheimen Wünsche, aufgreift.
Wo die eine Dissertation über weibliche Vampire die psychoanalytischen und sexuellen Komponenten des Motivs herausarbeitet, stellt die nächste über männliche Wiedergänger beispielsweise die sozialpolitische in den Vordergrund. Ohne die symbolische Kraft des Blutes zu erwähnen oder die menschliche Neigung, den Tod zu verleugnen und aus dem Leben zu verdrängen, kommt keine literarische Auseinandersetzung mit dem Vampirmotiv wirklich aus. Der auslegungsträchtige Kerngedanke des Vampirismus wird so durch seine literarische Bearbeitung in jede nur erdenkliche Phantasie aufgegliedert.
In der phantastischen Literatur des 19. Jahrhunderts hat sich die Vampirin nicht zuletzt auch durch die Sensationsgier nach immer ausgefalleneren Monstren, einer unterwanderten rigiden Sexualmoral und dem Hang der Schwarzromantiker nach düsteren Horrorgeschichten einen Platz gesichert, den sie eigentlich schon seit Jahrhunderten innehat: Vampirinnen aus Fernsehen und Büchern, wie wir sie kennen, sind letztendlich Inkarnationen der weiblichen Lamien aus der griechischen Antike. Ziel meiner Untersuchungen wird es sein, dem Gegenstandsbereich der Vampirin eine Aufwertung erfahren zu lassen, ferner ihren Emanzipationsweg anhand von Texten nachzuformen und voranzutreiben. Ihr soll damit zumindest geistig der Platz zukommen, den sie, prozentual nach ihrem Vorkommen in der Literatur betrachtet, im Gegensatz zu ihren männlichen „Artgenossen“, ohnehin schon innehätte.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

I.1. Einleitende Bemerkungen

II. Die Vampirin – (literarische) Anatomie eines unsterblichen Mythos

II.1. Die untote Epidemie oder die Faszination des Außenseiters – Vampir/innen und Hexen als Verdammte der Jahrhunderte

II.2. Liebe bis(s) zum Tod - Die (schwarze) Romantik und der Vampir

II.3. Eros und Thanatos – Die schöne Leiche oder der erotische Tod

II.4. Der dämonische Liebhaber wird zur Liebhaberin – Wandlung des Totenbrautmotivs oder: Die vampirische Emanzipation

III. Die Sünde ist eine Frau – Dämonisierte Weiblichkeit und ängstliche Männlichkeit im 19. Jahrhundert

III.1. Fragile, fatale oder fonctionelle? Frauenbilder des 19. Jahrhunderts zwischen Wunsch- und Schreckensvorstellung

III.2. Sex sells: Vampirinnen, Rabenmütter und doppelmoralische Bürger als Stilmittel des 19. Jahrhunderts

III.3. Rollentausch und „gender-Konflikte“ – Die Vampirexistenz als drittes Geschlecht

III.4. Wenn du zum Weibe gehst, vergiss den Pfahle nicht – Phallische Hinrichtungen und die Herstellung der „alten Ordnung“

IV. Resümee und Schlussbemerkungen

IV.1. Resümee

Zielsetzung & Themen

Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht die Figur der „Vampirin“ in der Literatur des 19. Jahrhunderts. Ziel ist es, die Entwicklung dieses Motivs als Ausdruck patriarchaler Ängste vor aktiver weiblicher Sexualität und Emanzipation zu analysieren, wobei die Vampirin als eine durch männliche Projektionen konstruierte Gegenfigur zum bürgerlichen Frauenideal verstanden wird.

  • Literarische Evolution und Diskursgeschichte der Vampirin im 19. Jahrhundert
  • Wechselwirkung zwischen Vampirismus, Weiblichkeitsbildern und christlicher Moral
  • Die Vampirin als Metapher für psychosoziale Ängste und gesellschaftliche Randexistenz
  • Darstellung von Körperlichkeit, Sexualität und Tod in der schwarzen Romantik
  • Analyse der Vernichtungsrituale als patriarchale Kontrollmechanismen

Auszug aus dem Buch

II.1. Die untote Epidemie oder die Faszination des Außenseiters – Vampir/innen und Hexen als Verdammte der Jahrhunderte

Um die Vampirin in ihrer literarischen und folkloristischen Darstellung zu begreifen, müssen wir sie wiederholt als Code für unsere Ängste und tiefsten Abneigungen dechiffrieren: Die vampirische Mutation des weiblichen Körpers zu einem amoralischen „Ding“ kann stellvertretend für den Sozialkörper gelesen werden, die Gesellschaft. Als ein Code für die sexuelle Perversion und Inversion finden wir in der Vampirin als Stigmatisierte eine permanente Gefahr für die Konventionen des Alltags. Sie ist das Schmutzige, Aussätzige (in uns), was marginalisiert und isoliert werden muss, um seiner habhaft werden zu können. Die Kulturanthropologin Michaela Schäuble beruft sich hier auf Julia Kristevas Abjektionstheorie, nach welcher die Vampirin als direktes „Abjekt“, Schmutz, Dreck, angesehen werden kann, was vom Subjekt abgegrenzt werden muss, um weiterhin bestehen zu können. Die Vampirin wird nach dieser Theorie als eine Opposition benutzt, um die Grenzen einer Gemeinschaft oder des Subjekts zu stabilisieren und zu erhalten.

Die Abjektion, die durch die Vampirin personifiziert wird, könne als Erkennungszeichen eines längst vergangenen oder von uns verdrängten Begehrens verstanden werden; als die Lust an der eigenen Nicht-Existenz. Abjekte stecken uns also demnach mit ihrer „Unreinheit“ an, infizieren unsere saubere Gemeinschaft mit ihrer „Krankheit“ und müssen aus diesem Grund folglich sozial und gesellschaftlich exkludiert werden.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Einführung in das Thema der mythologischen und literarischen Erscheinung des weiblichen Vampirs sowie Darlegung der Forschungsabsicht.

II. Die Vampirin – (literarische) Anatomie eines unsterblichen Mythos: Analyse der historischen und literarischen Genese der Vampirin sowie ihrer Einbettung in schwarzromantische Diskurse.

III. Die Sünde ist eine Frau – Dämonisierte Weiblichkeit und ängstliche Männlichkeit im 19. Jahrhundert: Untersuchung der gesellschaftlichen Konstruktion von Weiblichkeit und der damit einhergehenden Dämonisierung und Marginalisierung der Frau.

IV. Resümee und Schlussbemerkungen: Zusammenfassende Betrachtung der Entwicklung des Vampirmotivs und Ausblick auf die mediale Transformation der Vampirin.

Schlüsselwörter

Vampirin, 19. Jahrhundert, Weiblichkeit, schwarze Romantik, Sexualmoral, Patriarchat, Abjektion, Mythos, Geschlechterkonstruktion, Femme fatale, Dämonisierung, Literaturwissenschaft, Körperlichkeit, Sexualität, Untote.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der literarischen Darstellung des weiblichen Vampirs im 19. Jahrhundert und beleuchtet dessen Rolle als Spiegel gesellschaftlicher Ängste und Machtstrukturen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Im Fokus stehen die Verknüpfung von Sexualität, Tod und Macht, die patriarchale Dämonisierung weiblicher Selbstbestimmung sowie die literarische Adaption volkskundlicher Motive.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die Vampirin als eine durch männliche Autoren konstruierte Figur zu entlarven, die patriarchale Herrschaftsverhältnisse festigt und die „normale“ Weiblichkeit kontrastiert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Untersuchung basiert auf einer literaturwissenschaftlichen Analyse, die kulturwissenschaftliche Theorien wie die Abjektionstheorie und geschlechtertheoretische Ansätze (u.a. Judith Butler) integriert.

Welche Aspekte stehen im Hauptteil im Mittelpunkt?

Der Hauptteil analysiert die Verbindung von Weiblichkeit und Tod, das Phänomen der „schönen Leiche“ und die Rolle der Frau als „Sündenträgerin“ im viktorianischen und schwarzromantischen Kontext.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Vampirin, Weiblichkeit, schwarze Romantik, Patriarchat, Abjektion, Geschlechterkonstruktion und Femme fatale.

Wie unterscheidet sich die Vampirin im 19. Jahrhundert von früheren Mythen?

Während frühere Mythen oft existenzielle Ängste vor dem Tod thematisierten, wurde die literarische Vampirin im 19. Jahrhundert verstärkt mit zeitgenössischen Fragen der Moral, Syphilisangst und dem Aufkommen der „New Woman“ aufgeladen.

Welche Rolle spielt die „dritte Instanz“ bei der Darstellung der Vampirin?

Die Autorin zeigt auf, dass oft eine dritte Instanz – meist eine sittenstrenge Mutter oder ein patriarchaler Ordnungshüter – interveniert, um die (vampirische) Frau zu disziplinieren und die moralische Ordnung wiederherzustellen.

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Details

Title
Der weibliche Vampir in der Literatur des 19. Jahrhunderts
College
University of Kassel
Grade
1,0
Author
Magistra Artium Carolin Miriam Küllmer (Author)
Publication Year
2008
Pages
127
Catalog Number
V122326
ISBN (eBook)
9783640269488
ISBN (Book)
9783640268320
Language
German
Tags
Vampir Literatur Jahrhunderts
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Magistra Artium Carolin Miriam Küllmer (Author), 2008, Der weibliche Vampir in der Literatur des 19. Jahrhunderts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122326
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