Der Begriff grotesk entstand bereits im späten Mittelalter. Im Laufe der Zeit hat sich seine Bedeutung allerdings mehrfach gewandelt. Beispielsweise unterlief derGroreskbegriff Veränderungen, indem er neue Bedeutungen annahm oder alte allmählich ablegte, Peter Fuß bezeichnet das Groteske treffenderweise als ein "Medium des kulturellen Wandels". Das Groteske spielt vorrangig in Kunst und Literatur eine wichtige Rolle. Im Folgenden soll speziell auf die Bedeutung des Grotesken in der Literatur eingegangen werden, insbesondere wie es in Relation zum Begriff des Komischen steht und wie es das scheinbar Unvereinbare, Lachen und Grauen zu gleichen Teilen verkörpert.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Zwischen Lachen und Erschauern: Das Phänomen des Grotesken
2.1 Herkunft und Analyse des Begriffs
2.2 Das Groteske und die Komödie bei Dürrenmatt
2.3 Das Groteske in Dürrenmatts Die Physiker
2.4 Das Groteske in Kafkas Der Prozeß
2.5 Groteske Elemente in Sternheims Die Hose und Manns Zauberberg
3 Fazit
4 Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen des Grotesken in ausgewählten literarischen Werken, um dessen ambivalente Wirkungsweise zwischen komischem Lachen und existenziellem Erschauern zu analysieren. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie das Groteske als Mittel der Gesellschaftskritik und zur Darstellung widersprüchlicher Realität eingesetzt wird.
- Historische Herkunft und semantische Entwicklung des Groteskbegriffs
- Die Funktion des Grotesken als distanzschaffendes Element in der Komödie
- Analyse von Paradoxien und der "schlimmstmöglichen Wendung" bei Friedrich Dürrenmatt
- Die Darstellung des Unheimlichen und Absurden in Franz Kafkas Werk
- Vergleich der grotesken Verzerrung gesellschaftlicher Normen in der Literatur
Auszug aus dem Buch
2.1 Herkunft und Analyse des Begriffs
Das Wort grotesk stammt von dem italienischen Begriff grotta ab, welches wörtlich übersetzt Höhle bedeutet. Ende des 15. Jahrhunderts entdeckte man in Italien antike Höhlenmalereien und bezeichnete diese als grottesche. Bei den Motiven der antiken Wandornamente handelte es sich um kuriose Gestalten, Fabel- und Mischwesen aus Pflanzen, Tieren und Menschen. Man kann hier schon ein wesentliches Merkmal des Grotesken feststellen, nämlich die Verzerrung der Realität. Die antiken Künstler verwendeten bekannte Vorlagen des realen Lebens und fügten sie zu seltsamen Gebilden zusammen: Proportionen und Symmetrien des Bekannten stellen sich...verzerrt dar. Diese Verzerrung war aber nicht im Sinne einer angsteinflößenden Entstellung zu verstehen, sondern vielmehr als ulkiges Phantasieprodukt, das zum Lachen anregt. Erst in den Malereien der Renaissance wirkten groteske Motive abstoßend und befremdlich. Johann Fischart dichtete 1575 seine Affentheuerlich Nauupengeheuerliche Geschichtklitterung. In Bezug auf dieses Werk führte er den Neologismus grubengrottisch ein, der Vorläufer für das heutige Wort grotesk ist. Somit hatte sich der Begriff des Grotesken über das Künstlerisch-bildhafte auf das Sprachlich-literarische erweitert.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Entwicklung des Groteskbegriffs ein und erläutert die Zielsetzung der Untersuchung anhand ausgewählter literarischer Beispiele.
2 Zwischen Lachen und Erschauern: Das Phänomen des Grotesken: Dieses Hauptkapitel analysiert die theoretischen Grundlagen, die Etymologie sowie die verschiedenen Erscheinungsformen des Grotesken in der Literatur.
2.1 Herkunft und Analyse des Begriffs: Dieser Abschnitt beleuchtet den historischen Ursprung des Begriffs und definiert die zentralen Merkmale wie die Verzerrung der Realität.
2.2 Das Groteske und die Komödie bei Dürrenmatt: Das Kapitel untersucht die enge Verbindung zwischen dem Grotesken und Dürrenmatts Verständnis von Komödie als Mittel zur distanzierten Weltdarstellung.
2.3 Das Groteske in Dürrenmatts Die Physiker: Es wird analysiert, wie Dürrenmatt das Paradoxe und groteske Situationen nutzt, um die Absurdität wissenschaftlicher Verantwortung darzustellen.
2.4 Das Groteske in Kafkas Der Prozeß: Dieser Teil widmet sich den kafkaesken Elementen, die Josef K.s verzweifelte Lage und die Willkür einer undurchsichtigen Machtstruktur unterstreichen.
2.5 Groteske Elemente in Sternheims Die Hose und Manns Zauberberg: Das Kapitel vergleicht punktuelle groteske Elemente, die bei Sternheim der Satire auf das Bürgertum und bei Mann der Morbidität im Sanatorium dienen.
3 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass das Groteske keine einheitliche Definition besitzt, aber stets eine ambivalente emotionale Wirkung beim Rezipienten erzielt.
4 Bibliographie: Ein Verzeichnis der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Grotesk, Lachen, Erschauern, Komödie, Dürrenmatt, Kafka, Verzerrung, Paradoxon, Literaturwissenschaft, Gesellschaftskritik, Absurdität, Entfremdung, Realität, Thomas Mann, Sternheim
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Phänomen des Grotesken in der Literatur und analysiert, wie Autoren damit die Grenzen zwischen Komik und Grauen überbrücken.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themenfelder umfassen die historische Begriffsgenese, die Funktion des Grotesken in der Komödie, die Darstellung von Machtstrukturen und den Einfluss auf die menschliche Wahrnehmung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Wirkungsweise des Grotesken aufzuzeigen und zu demonstrieren, wie verschiedene literarische Werke durch groteske Verzerrungen gesellschaftliche Missstände kritisieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse von Primärtexten unter Einbeziehung relevanter fachwissenschaftlicher Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsbestimmung und eine detaillierte Textanalyse der Werke von Dürrenmatt, Kafka, Mann und Sternheim.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind das Groteske selbst, Paradoxon, Verzerrung, Komödie und die spezifische Wirkung auf den Leser bzw. Zuschauer.
Wie unterscheidet Dürrenmatt seine Form des Grotesken?
Er unterscheidet zwischen einem klassischen, Angst erzeugenden Grotesken und einer Form, die als distanzschaffendes Mittel innerhalb der Komödie fungiert.
Warum ist das Groteske bei Kafka für den Leser so irritierend?
Es ist irritierend, da es das Unmögliche in den Alltag integriert und Josef K.s Unfähigkeit, darauf vernünftig zu reagieren, die Absurdität der Situation verstärkt.
- Arbeit zitieren
- Ilona Gaul (Autor:in), 2005, Zwischen Lachen und Erschauern: Das Phänomen des Grotesken, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122327