Die Personalisierung der Bundestagswahl am Beispiel Gerhard Schröder


Seminararbeit, 2003

18 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Kanzlerkandidatensuche bei CDU/CSU und SPD
2.1 Vor der Wahl 1998
2.2 Vor der Wahl 2002

3. Die Personalisierung der Bundestagswahl
3.1 Helmut Kohl versus Gerhard Schröder
3.2 Edmund Stoiber versus Gerhard Schröder
3.3 Der Medieneinfluss auf den Wahlkampf: Amerikanisierung

4. Zusammenfassung

5. Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

„Ich will hier rein.“ - Nach durchzechter Nacht rief Jungpolitiker Gerhard Schröder an dem Zaun des Kanzleramtes rüttelnd diese Worte und es sollte ihm gelingen, die Spitze Deutschlands zu erobern. Nach einem beschwerlichen Weg unter anderem als Ministerpräsident Niedersachsens schaffte er 1998 als 7. Bundeskanzler Deutschlands den Einzug ins Kanzleramt.[1]

Gerhard Schröder als Mensch und Politiker und der Kampf um die Spitze Deutschlands soll Gegenstand der Hausarbeit sein. Die Ausarbeitung soll sich mit den Bundestagswahlen 1998 und 2002 auseinandersetzen. Im Rahmen dessen soll speziell auf die Rolle Gerhard Schröders einerseits als Kanzlerkandidat 1998 und als amtierender Kanzler 2002 eingegangen werden. Ausgehend von der jeweiligen Suche des Kanzlerkandidaten bei den Parteien SPD und CDU/CSU vor den Bundestagswahlen, wird sich die Ausarbeitung in ihrem Verlauf auf das Verhältnis Helmut Kohl / Gerhard Schröder und auf das Verhältnis Edmund Stoiber / Gerhard Schröder konzentrieren.

Des Weiteren soll die Frage nach dem Einfluss der Medien auf eine Wahl näher beleuchtet werden. Inwieweit nutzen die Parteien den medialen Einsatz zur Verdeutlichung und Durchsetzung ihrer politischen Interessen? Was bedeutet Amerikanisierung der Wahlkämpfe? Inwieweit werden sie in Deutschland angewandt? Können die Medien das Wahlergebnis und den Verlauf eines Wahlkampfes beeinflussen? Auch soll aufgezeigt werden, welchen Medien sich die Parteien bedienen, um ihre Strategie möglichst erfolgreich zu gestalten.

2. Die Kanzlerkandidatensuche bei SPD und CDU/CSU

2.1 Vor der Wahl 1998

Vor der Bundestagswahl 1998 stellte sich die Frage nach dem Spitzenkandidaten, der für die SPD bzw. für die CDU/CSU antreten sollte. Für die SPD standen Oskar Lafontaine – damaliger Parteivorsitzender – oder Gerhard Schröder – damaliger Ministerpräsident Niedersachsens – zur Debatte. Bei der CDU/CSU sollte es sich zwischen dem amtierenden Bundeskanzler Helmut Kohl und dem Fraktionsvorsitzenden Wolfgang Schäuble entscheiden.

Das Verhältnis zwischen Lafontaine und Schröder war zu dieser Zeit strittig. Lafontaine wurde als „Traditionalist“, Schröder als „Modernisierer“ gehandelt. Vor allem auf dem Gebiet der Wirtschaftspolitik kam es zu deutlich differenzierten Akzentsetzungen der beiden.[2] Die Mehrheit der SPD-Mitglieder befürwortete eine Kandidatur Schröders, da er als risikobereiter und medienwirksamer Stratege bekannt war. Oskar Lafontaines geringe Erfolgsaussichten wurden ihm innerhalb der Partei immer wieder vor Augen geführt. Das Wettrennen zwischen den beiden sollte sich nach der niedersächsischen Landtagswahl entscheiden. Gerhard Schröder, der sich zur Wahl des niedersächsischen Ministerpräsidenten aufstellen ließ, betonte im Vorfeld, dass er „bei einem Verlust der SPD von mehr als zwei Prozent nicht mehr für die Kandidatur zur Verfügung“[3] stehe. Dieses gewagte Manöver war erfolgreich. Gerhard Schröder übertraf seine selbstgesteckte Marke bei weitem, da die Landtagswahl mit einem Zugewinn der SPD von 3,5 Prozent und mit zwei zusätzlichen Mandaten für die SPD endete. Somit entschieden die Wähler die Kandidatenfrage zu Gunsten Gerhard Schröders. Kurz nach der ersten Hochrechnung erklärte der damalige Bundesgeschäftsführer Franz Müntefering Gerhard Schröders Kanzlerkandidatur für die Sozialdemokraten. Am Tag danach wurde er offiziell von den Führungsgremien der SPD dazu benannt.[4]

Die Entscheidung zwischen Wolfgang Schäuble und Helmut Kohl war weitaus weniger aufregend. Helmut Kohl galt in der Rolle des Bundeskanzlers und Parteivorsitzenden als unersetzlich, da er schon seit 1982 in diesem Amt tätig war und sich bewies. Für ihn gab es viele Gründe das Amt nicht aufzugeben, unter anderem die Vollendung der Deutschen Einheit, das Streben nach einem vereinten Europa und die Verlegung des Regierungssitzes nach Berlin.[5] Wolfgang Schäuble wurden Zweifel dahingehend entgegen gebracht, er könne den Belastungen im Amt des Bundeskanzlers aufgrund seiner Behinderung nicht gewachsen sein. Er versuchte diese zu zerstreuen, indem er seine Behinderung öffentlich thematisierte.[6] Innerhalb der Union wurden indes Stimmen gegen Helmut Kohl laut, die mit der Unzufriedenheit der Regierung und der Koalition begründet wurden. Dennoch erklärte sich Helmut Kohl im April 1997 mit den Worten „Ich will es noch mal wissen“ für seinen sechsten Bundestagswahlkampf bereit.

Die Gründe für diese Entscheidung waren von unterschiedlicher Natur. Zum einen führte Kohl seine persönliche Motivation an, indem er der Meinung war, dass nur er als erfolgsversprechender Kandidat in Frage käme. Zum anderen war dieser Entschluss „eine Machtdemonstration gegenüber der Partei, die seinen Entschluss nur hinnehmen konnte und gegenüber der Öffentlichkeit, der er zeigte, wie unangefochten seine innerparteiliche Stellung war.“[7] Des Weiteren schien die Auswahl der Kandidaten als alternativlos. Wolfgang Schäuble wäre als Kanzlerkandidat nur die Rolle des Ersatzkandidaten zuteil geworden. Das wollte man vermeiden, da die CDU/CSU wusste, dass sie der SPD einen starken Kontrahenten entgegenstellen musste.

Die Umfragen innerhalb der Bevölkerung zu dieser Zeit sprachen für Schröder und gegen Kohl als Bundeskanzler. Der amtierende Kanzler wurde ab August 1997 schlechter bewertet als seine Partei. Schröder führte in der Sympathiewertung mit großem Abstand vor Kohl und Lafontaine. Nur Schäuble konnte in den Umfragen annähernd die Beliebtheit Schröders erreichen.[8] Gerhard Schröder wurde von den Medien systematisch als der beim Volk beliebte Macher aufgebaut, Lafontaine wurde auf die Rolle des Zuchtmeisters in der Partei verwiesen. Die Medienlandschaft beschäftigte sich nicht unmittelbar mit der Politik Schröders, sondern thematisierte seine Person. Das durch die Medien suggerierte Bild vom „Mann wie du und ich“ brachte ihm große Sympathiebekundungen bei der Bevölkerung ein. Am 27. September 1998 wurde Gerhard Schröder zum Bundeskanzler gewählt, was er nicht nur seiner Politik, sondern auch der Inszenierung der Medien zu verdanken hatte.

[...]


[1] Vgl. Financial Times Deutschland „Gerhard Schröder – Der Aufsteiger“ vom 01.07.2002
<http:// www.ftd.de/sp/ak/1014399223939.html> am 4.3.2003.

[2] Vgl. Bergmann, Knut, Der Bundestagswahlkampf 1998. Vorgeschichte, Strategien, Ergebnis,
Wiesbaden 2002, S. 19.

[3] Ebd., S. 23.

[4] Vgl. ebd., S. 24 ff.

[5] Vgl. ebd., S. 29 ff.

[6] Vgl. ebd., S. 32.

[7] Ebd., S. 35.

[8] Vgl. Das Parlament, Machtwechsel und rot-grüne Koalition 1998 bis 2002
<http://www.das-parlament.de/2002/21/Beilage/005.htm> am 1.11.2002.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Personalisierung der Bundestagswahl am Beispiel Gerhard Schröder
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Proseminar Bundestagswahl 2002
Note
2,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
18
Katalognummer
V12239
ISBN (eBook)
9783638181709
Dateigröße
649 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Personalisierung, Bundestagswahl, Beispiel, Gerhard, Schröder, Proseminar
Arbeit zitieren
Eileen Schott (Autor), 2003, Die Personalisierung der Bundestagswahl am Beispiel Gerhard Schröder, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12239

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