Reproduktion sozialer Ungleichheit in der Schule und Möglichkeiten zur Bekämpfung von Faktoren sozialer Herkunft


Hausarbeit, 2022

14 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Soziale Herkunft und Bildungsungleichheit
2.1 Kapital nach Bourdieu
2.2 Boudon
2.3 Andere Theorien zur herkunftsbezogenen Bildungsungleichheit

3. Aufgaben der Schule im Allgemeinen

4. Beeinflussung durch die soziale herkunft

5. Handlungsoptionen

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ein oft genanntes und wichtiges Ziel der Bildungspolitik ist es, die Chancengleichheit der Kinder zu gewährleisten. Damit soll erreicht werden, dass durch die, meist staatlichen, Schulen alle Schüler gleichermaßen auf die Herausforderungen des Berufslebens vorbereitet werden, egal wie die Herkunftsfamilie ökonomisch oder sozial dasteht. Dies entspricht auch dem humanistischen Bildungsideal von Bildung als Grundrecht. Gleichzeitig bekommt aber gerade Deutschland immer wieder in internationalen Studien bescheinigt, eines der sozial ungleichsten Bildungssysteme zu besitzen, welches dazu noch die vorherrschenden Zustände für die Zukunft zementiert. Zum Teil vergrößert sich der Unterschied auch immer weiter (Bundesregierung, 2019).

In dieser Arbeit möchte ich darauf eingehen, wie Soziale Herkunft den Bildungserfolg beeinflusst, beziehungsweise wie Schule selbst dazu beiträgt, die soziale Ungleichheit zu reproduzieren und zu zementieren. Zum Schluss sollen Gegenmaßnahmen vorgestellt werden, die gerade als angehender Lehrer für den eigenen späteren Beruf essentiell sein können.

Im folgenden Kapitel möchte ich zunächst genauer darauf eingehen, wie der Begriff Soziale Herkunft in dieser Arbeit definiert ist und angewandt wird. Dabei sollen verschiedene Theorien, vor allem auch in ihrem Bezug zur Schule und Bildungsungleichheit vorgestellt werden. Anschließend werden die Aufgaben, welche der Schule gesellschaftlich zugeschrieben werden, besprochen. In Kapitel vier soll dann verknüpft und der Einfluss der Sozialen Herkunft auf diese Funktionen der Schule aufgezeigt werden, woran sich im fünften Kapitel mögliche Handlungsoptionen für Lehrer anschließen, wie sich die Bildungsungleichheit vermindern lässt. Im letzten Kapitel soll rekapituliert und zusammengefasst werden.

2. Soziale Herkunft und Bildungsungleichheit

2.1 Kapital nach Bourdieu

Bourdieu definierte den Kapitalbegriff als ein grundlegendes Prinzip der Regelmäßigkeit, was dafür sorgt, dass Trägheit in das Wirtschaftssystem kommt und nie alles gleich möglich oder unmöglich ist (Bourdieu, 2012, S. 230). Kapital schafft damit eine gewisse Vorhersagbarkeit von Ereignisabläufen und schafft die Möglichkeit, dass diese Grundlagen den sterblichen Teil eines Menschen überleben und an die nächste Generation weitergegeben werden können. Für Bourdieu ist der rein wirtschaftswissenschaftliche Rahmen des Begriffes Kapital dabei allerdings zu begrenzt, welcher sich ausschließlich auf die ökonomische Sichtweise beschränkt. Für ihn gibt es drei Arten von Kapital: ökonomisches Kapital, kulturelles Kapital und soziales Kapital, welches Verpflichtungen oder Beziehungen im gesellschaftlichen Gefüge darstellt (Bourdieu, 2012, S. 230). Diese drei Kapitalarten lassen sich jeweils ineinander mehr oder weniger gut umwandeln, sodass auch alle drei Arten mehr oder weniger direkt finanzielle Mittel darstellen.

Für Bourdieu ist das ökonomische Kapital all jenes, was direkt und unmittelbar in Währungsäquivalente eingetauscht werden kann und schon vorher als Kapital an sich beschrieben war (Bourdieu, 2012, S. 230). Die zweite Kapitalvariante stellt das kulturelle Kapital dar. Dies kann wiederum in drei Formen vorliegen: in einem inkorporiertem, einem objektivierten und einem institutionalisierten Zustand. Der inkorporierte Zustand umschreibt die Geisteshaltung eines Menschen und den verinnerlichten Wissensschatz. Im objektivierter Form lieg kulturelles Kapital vor, indem es zum Beispiel in Büchern oder Kunst festgehalten ist. Gleichzeitig sind auch Maschinen eine Form kulturellen Kapitals, da sich in ihnen ja eine Ingeniuersidee manifestiert hat. Die institutionelle Form macht das kulturelle Kapital eines Menschen, welches sonst kaum für andere ersichtlich ist, in der Ausprägung von schulischen Graden oder Zeugnissen sichtbar (Bourdieu, 2012, S. 237). Jede fremde Person kann am Grad erkennen, was ein Mensch leistungstechnisch kann.

Das Soziale Kapital, welches Bourdieu als „Gesamtheit der aktuellen und potentiellen Ressourcen, die mit dem Besitz eines dauerhaften Netzes von […] Beziehungen gegenseitigen Kennens […] verbunden sind“ (Bourdieu, 2012, S. 238) beschrieben hat, ist die dritte Kapitalart. Man kann es auch als Form des Kapitals beschreiben, welches aus der Zugehörigkeit zu einer Gruppe resultiert und durch gemeinsame Namen institutionalisiert wird (Bourdieu, 2012, ebd.). Bei Schülern entspricht es vor allem dem sozialen Stand der Eltern, also der sozialen Herkunft der Familie. Geht es nach Hoenig, besitzt dieser Kapitalbegriff drei Implikationen. Zum einen impliziert es, dass in soziales Kapital zielgerichtet und strategisch investiert werden kann, zum anderen transportiert dies auch eine Idee von Haben und Nichthaben (Hoenig, 2017, S. 27). Die letzte Implikation, welche Hoenig dem Kapitalbegriff zuspricht, ist die Idee von Produktivität und Rendite sowie die „(Re-)Produktion [der] Ungleichheit“ (Hoenig, 2017, S. 28).

2.2 Boudon

Im Gegensatz zu Bourdieu bezieht sich Boudon auf keine Kapitalausstattung, sondern benennt Herkunftseffekte. Diese unterteilt er in zwei Gruppen, die primären sowie die sekundären Herkunftseffekte. Unter primären Effekten versteht Boudon die Bedeutung sozio-ökonomischer Ressourcen einer Familie (Relikowski et al., 2010, 143), welche quasi dem ökonomischen und kulturellem Kapital Bourdieus entsprechen. Diese primären Effekte sorgen für einen leichteren Start des Kindes in das Schulleben. Ein zweiter Mechanismus wirkt über diese „sozialschichtsabhängigen Leistungsniveaus“ (Relikowski et al., 2010, S. 144) hinaus und sorgt für eine unterschiedliche Bewertung von Kosten und Nutzen höherer Schulzweige je nach sozialem Hintergrund der Familie (Relikowski et al., 2010, S. 45). Dies ist der sekundäre Herkunftseffekt.

2.3 Andere Theorien zur herkunftsbezogenen Bildungsungleichheit

Allerdings gibt es neben der Kapitaltheorie von Bourdieu auch noch andere Theorien, wie sich die Herkunft auf die Bildungschancen auswirkt. Da wäre zum Beispiel die Modernisierungstheorie zu nennen, welche davon ausgeht, dass je entwickelter ein Land ist, desto wichtiger auch die Bildung für die Statuszuweisung in der Gesellschaft wird. Gleichzeitig kommt es zu einer Ausweitung des Bildungssystems, also einer Bildungsexpansion, welche automatisch zu einem meritokratischeren, also leistungsgerechteren Selektionsprozess führt (Blossfeld & Shavit 1993, S. 32). Wenn dann also immer stärker die individuelle Leistung der Schüler oder Studenten im Vordergrund steht, so spielt die soziale Herkunft eine immer kleinere Rolle.

Gleichzeitig zeigen Blossfeld und Shavit (1993, S. 32) noch zwei weitere, aufeinander aufbauende Thesen auf. Grundlegend ist hierbei die These der Kulturellen Reproduktion wie sie Collins (1971) aufstellte und welche besagt, dass jegliche Bildungszertifikate die Privilegien der herrschenden Gruppen aufrechterhalten sollen, dazu aber im nächsten Kapitel mehr.

[...]

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Details

Titel
Reproduktion sozialer Ungleichheit in der Schule und Möglichkeiten zur Bekämpfung von Faktoren sozialer Herkunft
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Institut für Pädagogik)
Veranstaltung
Adoleszenzkrise und Abitur - Schulische Sozialisation
Note
1,7
Autor
Jahr
2022
Seiten
14
Katalognummer
V1224059
ISBN (Buch)
9783346642974
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Reproduktion, Soziale Ungleichheit, Sozial, Herkunft, Soziale Herkunft, Bourdieu, Boudon, Fend, Schule, Bildungssoziologie
Arbeit zitieren
Tom Weber (Autor:in), 2022, Reproduktion sozialer Ungleichheit in der Schule und Möglichkeiten zur Bekämpfung von Faktoren sozialer Herkunft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1224059

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