Der 2. Libanonkrieg 2006: Israel - Hizbollah

Warum die Hizbollah politisch gegen die Militärmacht Israel gewinnen konnte


Facharbeit (Schule), 2008

12 Seiten, Note: 1.0


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Inhaltsverzeichnis

Historische Einführung

Verlauf

Problemskizze

Hizbollah

Israel

Libanon

Iran

Syrien

Stellungnahme

Quellen- und Literaturverzeichnis

Anhang

Selbstständigkeitserklärung

Historische Einführung:

Als Antwort auf syrisch-ägyptische Terroranschläge, Truppenkonzentrationen entlang der israelischen Grenzen und syrischem Artilleriebeschuss, führte Israel am 5. Juni 1967 einen Präventivschlag gegen beide arabisch-islamische Staaten und eroberte binnen sechs Tagen den gesamten Sinai, die bis dato syrischen Sheeba-Farmen und Golanhöhen sowie den Gazastreifen und das Westjordanland[*].

Die PLO(Palästinensische Befreiungsorganisation) verlor in Palästina damit ihre territoriale Basis für den Kampf um einen autonomen palästinensischen Staat auf israelischem Boden. Die PLO verlegte ihre Basis in den Libanon und richtete in Beirut ihr Hauptquartier ein. Von der israelisch-libanesischen Grenze sickerten palästinensische Terroristen in Israel ein und verübten weiterhin Anschläge.

Israel sah sich gezwungen, militärisch gegen diese Infiltration vorzugehen. Im März 1978 intervenierte die israelische Armee gegen die PLO im Südlibanon, konnte aber keine signifikante Schwächung oder gar eine Niederlage der PLO herbeiführen.

Daraufhin eroberte Israel 1982 große Teile des Libanons inklusive der Hauptstadt Beirut. Der israelische Angriff destabilisierte den Zedernstaat und führte zum Ausbruch eines Bürgerkrieges. Der multikonfessionelle Staat zerbrach und versank in brutale Kämpfe zwischen Milizen der verschiedenen Glaubensgruppen.

Israel verstrickte sich bis zum Ende des Bürgerkriegs 1990 tief in die ethnischen Konflikte des Landes. 1983 zieht sich Israel bis auf eine eingerichtete Sicherheitszone an der israelisch-libanesischen Grenze im Südlibanon zurück. Die Situation der israelischen Besatzer verbesserte sich dadurch aber nicht.

Die als Antwort auf die israelische Invasion 1982 gegründete libanesisch-schiitische und anti-israelische Terror- und Widerstandsgruppe Hizbollah verstrickte Israel in einen kräftezehrenden und blutigen Guerrilla-Krieg. Nach insgesamt 18 Jahren der Besatzung verlässt die israelische Armee im Mai 2000 den Südlibanon und zieht sich bis auf die von der UN anerkannte „Blaue Linie“ zurück. Laut UN bestehen zwischen Israel und dem Libanon keine territorialen Ansprüche mehr.

Verlauf:

Mit der Entführung zweier israelischer Soldaten durch die Hizbollah, entzündete sich am 12. Juli 2006 ein 33-tägiger Krieg zwischen Israel und der schiitisch-libanesischen Miliz im Südlibanon. Unter Raketenbeschuss Nordisraels wurde der Konvoi der Israelis in einem zentralen Abschnitt der israelisch-libanesischen Grenze nahe der israelischen Siedlung Zar’it* überfallen[1]. Die von der Hizbollah getaufte Operation „Gehaltenes Versprechen“[2] kostete acht israelischen Soldaten das Leben, Ehud Goldwasser und Eldad Regev wurden als Geiseln genommen und verschleppt[1]. Durch die Aktion sollte die Freiheit von inhaftieren Libanesen in Israel erpresst werden[2].

Trotz des klaren Bekenntnisses zu dieser Entführung seitens der Hizbollah[3], betrachtete die israelische Regierung unter Ministerpräsident Ehud Olmert den Vorfall als „Kriegshandlung des libanesischen Staates gegen den israelischen Staat auf dessen souveränem Territorium“[4]. Israel berief sich auf das Selbstverteidigungsrecht der UN-Charta[5] und ging daraufhin mit einer hohen militärischen Intensität an Bodentruppen und Luftangriffen gegen Ziele im Libanon vor[6].

Die Hizbollah setzte den begonnen Raketenbeschuss Nordisraels über die gesamte Dauer des Waffengangs fort. Israel verfolgte das Ziel, die Geiseln zu retten, den Raketenbeschuss Nordisraels zu beenden, sowie die Hizbollah aus dem Südlibanon zu vertreiben, um ihre Rückkehr zur israelisch-libanesischen Grenze anschließend zu verhindern[7]. Eine signifikante Schwächung der Hizbollah bildete hierbei die Voraussetzung. Während des gesamten Waffenganges schaffte es Israel nicht, seine erklärten Kriegsziele zu erreichen. Am 14. August 2006 trat Waffenstillstand ein. Die israelische Armee rückte parallel mit der Stationierung von libanesischen Truppen aus dem Südlibanon ab.

Problemskizze:

Überall auf der Welt galt das hochgerüstete, sogar über Nuklearwaffen verfügende Israel als militärische Vormacht im gesamten Nahen und Mittleren Osten. Das Land hatte bis 2006 alle fünf Kriege gegen seine arabischen Nachbarn seit seiner Staatsgründung 1948 gewonnen, und zwei palästinensische Intifadas zumindest erfolgreich eindämmen können.

Nun schaffte es eine kleine Miliz, dass der hochgerüsteten israelischen Armee militärisch weit unterlegen war, durch intelligente Guerrilla-Taktiken und vor allem durch iranisch-syrische Unterstützung, Israel weit länger als allen seinen bisherigen Gegnern, die Stirn zu bieten, und sie zum Rückzug zu zwingen[8]. Israels 30.000 eingesetzte Soldaten, seine exzessiven Luftangriffe nicht nur auf die Hizbollah, sondern auf zivile libanesische Infrastruktur, befähigten Israel trotzdem nicht, die ca. 3.000-Mann umfassende Hizbollah mit ihren simplen Raketen zu vernichten[9].

Indem ein Sieg Israels trotz massiv eingesetzter militärischer Mittel von der Hizbollah verhindert werden konnte, glaubte man vor allem im islamisch-arabischen Raum an einen Sieg der Hizbollah[1]. Eine „totale Niederlage“ Israels und ein „totaler Sieg“ der Hizbollah haben den „Mythos der Unbesiegbarkeit Israels“ zerstört[2]. Die Hizbollah habe es als einzige „muslimische Armee“ geschafft, Israel eine Niederlage zu bereiten[3], und habe somit „die Würde des islamischen Widerstandes“ wiederhergestellt[4].

Wie aber schaffte es die Hizbollah, der übermächtigen und bis dato erfolgsverwöhnten Armee Israels erfolgreich Widerstand zu leisten? Welche Gründe lassen sich dafür in der Sicherheitspolitik Israels finden? Welche Rolle spielen in der Hizbollah diesbezüglich soziale Aktivitäten, Organisation, Taktik, Ideologie sowie militärische und politische Verbindungen? Welche Rolle nehmen Syrien, vor allem aber Iran ein? Welchen Beitrag leistete die libanesische Regierung?

Diese Arbeit betrachtet also die politischen und militär-strategischen Gründe für den Sieg der Hizbollah nicht nur auf der Seite der unmittelbar beteiligten Konflikt-Parteien, Hizbollah und Israel, sondern ebenfalls bei den mittelbaren - aber dennoch einflussreichen - Akteuren Iran, Syrien und Libanon.

Da ausschließlich Akteure aus dem Nahen und Mittleren Osten entscheidenden Einfluss auf den 2. Libanon-Krieg hatten (ausgenommen die UNO), wird hier ausdrücklich die Betrachtungsgrenze dieser Arbeit gezogen. Die Rolle und Meinungen externer Akteure(z.B. USA, EU, NATO) bilden keinen Bestandteil dieser Arbeit.

Hizbollah:

Seit ihrer Gründung 1982 galt der Kampf der libanesisch-schiitischen Miliz der israelischen Okkupation im Libanon. Syrien, aber vor allem der Iran traten seit Beginn als verlässliche und spendable Financiers auf. Mit ca. 1 Milliarde US $ Jahresbudget war die Hizbollah in der Lage, ihre Arsenale mit modernsten Waffen zu füllen (z.B. mit Schusswesten, Nachtsichtgeräten und Anti-Panzer-Waffen) und ihre Unterstützung in der libanesisch-schiitischen Bevölkerung zu festigen.

Dazu ist die Hizbollah seit ihrer Gründung sozial massiv tätig. Sie betreibt z.B. Kranken- und Waisenhäuser, Schulen und Kindergärten, aber auch Tankstellen, Supermärkte, Moscheen und einen eigenen TV-Sender[5]. Sie gilt, im Gegensatz zu staatlichen Institutionen der libanesischen Regierung, als korrekt und korruptionsfrei[6]. Im Vergleich zu Syrien, kommt dem Iran nicht nur eine finanziell-materielle Unterstützerrolle zu. Der Iran fungiert so nicht nur als ideologischer Lenker, sondern ist ebenfalls für das Parteiprogramm der seit 1992 im Libanon politisch aktiven „Partei Gottes“(arab.) verantwortlich. Gewohnte anti-israelische Rhetorik aus Teheran findet man deshalb auch bei der Hizbollah[1]. Der Iran hilft ebenso aktiv bei der militärischen Entwicklung der Hizbollah, in dem es Waffen liefert und eigene Ausbilder entsendet[2]. Bis heute reichen enge persönliche Verbindungen bis in die iranische Führungsschicht[3]. Wegen dieser massiven finanziellen, militärischen und personellen Unterstützung Irans, gilt die Hizbollah als „Brückenkopf“ Teherans an der israelischen Grenze[4]. Sie ist mit 5 Ministern und 35 Abgeordneten in der libanesischen Regierung nicht nur politisch gewichtig[5], sondern unterscheidet sich in ihrem höheren militärischen Niveau deutlich von palästinensischen Gruppen, mit denen es die Israelis normalerweise zu tun haben[6].

Die „Partei Gottes“ ist also nicht nur eine Mischung aus hoch-budgetierter islamistischer Kampftruppe, Partei und Sozialverband, sondern im Südlibanon quasi ein „Staat im Staate“. Die Stärke der Hizbollah liegt in der Kombination von modernsten Techniken mit klassischer Guerrilla-Taktik.

„[…]Auf dem Boden behalten wir die Oberhand. Dort wird sich der Feind zerreiben, weil wir nicht mit den Methoden einer regulären Armee kämpfen[…]“, so der Leiter der streng hierarchisch gegliederten Miliz, Sheikh Hassan Nasrallah. Ihre Zellen arbeiten unabhängig voneinander und kommunizieren möglichst wenig[7]. Die Hizbollah- Kämpfer wohnen und leben im Südlibanon. Dort haben sie ihre Häuser, die sie zugleich als Waffenverstecke benutzten. Ihr Kern besteht aus 300-400 Kämpfern, kann aber binnen Stunden auf ca. 3.000 Kämpfer aufgestockt werden[8]. Aus Angst vor Infiltration durch israelische Geheimdienste, operieren die Kämpfer geheim von ihrer Heimatregion aus[9]. In Gefechten verstecken sich Kämpfer teilweise in Wohnhäusern hinter Zivilisten[10].

Die Hizbollah bediente sich also klassischen Mitteln der asymmetrischen Kriegsführung. Israel traf auf einen einheimischen Gegner, der von ausländischen Sponsoren unterstützt wurde, das Terrain sehr gut kannte und Zivilisten als Deckung benutzte[11].

[...]


[1] Wunder, Simon: Israel-Libanon-Palästina. Berlin: Dr. Köster 2007. S.26.

[2] Vgl. Quelle 1. S. 1.

[*] Vgl. Anlage 1

[1] Wunder, Simon: Libanon-Israel-Palästina. Berlin: Dr. Köster 2007. S. 26.

[2] Vgl. Quelle 1. S. 276.

[3] Vgl. Quelle 4.

[4] Bremer, Jörg: Israel marschiert in den Libanon ein. Aus: F.A.Z.. Nr. 160 - 13. Juli 2006. S. 1.

[5] Recht zur Selbstverteidigung – nicht schrankenlos. Aus: F.A.Z.. Nr. 161 - 14. Juli 2006. S. 2.

[6] Vgl. Quelle 1. S. 277.

[7] Angriffe Israels im Libanon. Aus: F.A.Z.. Nr. 161 - 14. Juli 2006. S. 1.

[8] Wunder, Simon: Libanon-Israel-Palästina. Berlin: Dr. Köster 2007. S. 82f.

[9] Busse, Nikolas: Wie eine moderne Armee. Aus: F.A.Z.. Nr. 183 – 9. August 2006. S. 5.

[1] Wunder, Simon: Israel-Libanon-Palästina. Berlin: Dr. Köster 2007. S. 81.

[2] „Totaler Sieg der Hizbullah“. Aus: F.A.Z.. Nr. 188 – 15. August 2006. S. 2.

[3] Bremer, Jörg: Verfehlte Kriegsziele. Aus: F.A.Z.. Nr. 188 – 15. August 2006. S. 3.

[4] Rößler, Hans-Christian: Panarabischer Aktionismus. Aus: F.A.Z.. Nr. 183 – 9. August 2006. S. 5.

[5] Wunder, Simon: Israel-Libanon-Palästina. Berlin: Dr. Köster 2007. S. 13ff.

[6] DER SPIEGEL. 11. Juli 2005. S. 126.

[1] Wunder, Simon: Israel-Libanon-Palästina. Berlin: Dr. Köster 2007. S. 244f.

[2] Busse, Nikolaus: Wie eine moderne Armee. Aus: F.A.Z.. Nr. 183 – 9. August 2006. S. 5.

[3] Hoffmann, Christiane: Iran will seinen Trumpf nicht spielen. Aus: F.A.S.Z.. Nr. 29 – 23.07.06. S. 3.

[4] Iran will seinen Trumpf nicht spielen. Aus: F.A.S.Z.. Nr. 29 – 23. Juli 2006. S. 3.

[5] Rößler, Hans-Christian: Stark wie selten zuvor. Aus: F.A.Z.. Nr. 161 – 14. Juli 2006. S. 2.

[6] Vgl. Quelle 4.

[7] DER SPIEGEL, 31. Juli 2006. S. 93.

[8] Busse, Nikolaus: Wie eine moderne Armee. Aus: F.A.Z.. Nr. 183 – 9. August 2006. S. 5.

[9] Cochrane, Paul: Jenseits aller Grenzen. Aus: F.A.Z.. Nr. 187 – 14. August 2006. S. 34.

[10] Borgstede, Michael: Israel hat die Hizbullah unterschätzt. Aus: F.A.S.Z.. Nr. 30 – 30. Juli 2006. S. 7.

[11] Frankenberger, Klaus-Dieter: Der verkeilte Konflikt. Aus: F.A.S.Z.. Nr. 30 – 30. Juli 2006. S. 8.

12 von 12 Seiten

Details

Titel
Der 2. Libanonkrieg 2006: Israel - Hizbollah
Untertitel
Warum die Hizbollah politisch gegen die Militärmacht Israel gewinnen konnte
Note
1.0
Autor
Jahr
2008
Seiten
12
Katalognummer
V122416
Dateigröße
518 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
israel, hizbollah, 2006, krieg, libanon, middle east, izrail, hizb, allah, syrien, iran, beirut, un, eu, usa, denis, blazanovic, denis blazanovic
Arbeit zitieren
Denis Blazanovic (Autor), 2008, Der 2. Libanonkrieg 2006: Israel - Hizbollah, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122416

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