Begriffe wie Politische Kultur und Wertewandel sind in aller Munde, doch was genau ist darunter zu verstehen? Wertewandel wird in Deutschland sehr oft mit Werteverfall gleichgesetzt. Vor allem für die Jugendlichen seien Maßstäbe wie Recht und Unrecht sowie Gut und Böse kaum noch zu erkennen. Als Ursache hierfür wird oft die zunehmende Selbstverwirklichung genannt, zu deren Gunsten Tugend, Anstand und Stil auf der Strecke geblieben seien. Viele Politiker sind laut Klages (Klages 1994:35) der Auffassung, dass der Wertewandel in Deutschland schief gelaufen ist. So sterben ihrer Meinung nach Tugenden wie Mitmenschlichkeit und Gemeinsinn aus, und es herrschten Materialismus, Egoismus, Geld, Politikverdrossenheit sowie Unverständnis für die politische Arbeit vor. Weiterhin sei der Wertewandel die Ursache der ansteigenden Kriminalität und Gewaltneigung der Jugendlichen. Ob jedoch all diese Erscheinungen, die uns sehr wohl zu denken geben sollten, allein auf den Wertewandel zurückgeführt werden können, ist fraglich.
Hierzu bedarf es einer differenzierteren Betrachtung. Im Zentrum dieser Arbeit steht deshalb die Frage, inwiefern sich der Wertewandel auf die politische Kultur Deutschlands auswirkt. Hierfür müssen zunächst einmal die Begriffe „Politische Kultur“ und „Wertewandel“ genauer definiert werden. Danach werden am Beispiel der Jugendgenerationen seit den 50er Jahren Formen und Auswirkungen des Wertewandels in Deutschland dargestellt. Auf die veränderten Bedingungen seit der Wiedervereinigung Deutschlands werde ich in dieser Arbeit nicht ausführlich eingehen, da dies den vorgegebenen Rahmen sprengen würde. Abschließend wird der Frage nachzugehen sein, welche, oder ob sich überhaupt Gefahren durch den Wertewandel für die Demokratie in Deutschland ergeben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Politische Kultur, Werte und Wertewandel – Begriffsklärungen
2.1 Politische Kultur
2.2 Werte
2.3 Wertewandel
2.3.1 Träger des Wertewandels
3. Wertewandel bei Jugendlichen seit der Nachkriegszeit
3.1 Die 50er Jahre
3.2 Die 60er Jahre
3.3 Die 70er Jahre
3.4 Die 80er Jahre
3.5 Die 90er Jahre
4. Auswirkungen des Wertewandels
4.1 Auswirkungen des Wertewandels im politischen Bereich
5.Schlussbemerkungen
6. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen des Wertewandels auf die politische Kultur in Deutschland, wobei der Fokus insbesondere auf den Jugendgenerationen seit der Nachkriegszeit liegt. Es soll analysiert werden, welche Formen der Wertewandel annahm, wie diese sich auf das politische System und die Demokratie auswirken und ob dadurch Gefahren für das demokratische Gefüge entstehen.
- Grundlagen von politischer Kultur, Werten und Wertewandel
- Chronologische Analyse des Wertewandels bei Jugendlichen von den 1950er bis zu den 1990er Jahren
- Theoretische Ansätze zum Wertewandel (u.a. Inglehart und Klages)
- Auswirkungen des Wertewandels auf das politische System und Partizipationsformen
Auszug aus dem Buch
3.2 Die 60er Jahre
Die 60er Jahre waren ein Jahrzehnt des unbegrenzten Fortschrittglaubens und die Mondlandung war wohl der größte Triumph von Wissenschaft und Technik. In der Politik war immer noch die Konfrontation des Kalten Krieges prägend. Der Mauerbau und die Teilung Deutschlands, die Kubakrise und die Niederschlagung des Prager Frühlings führten erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg wieder an den Rand einer atomaren Auseinandersierung (Ebert, Schmid 2000: 754).
Im Gegensatz zur Generation der 50er Jahre zeichnet sich die Jugend der 60er Jahre aufgrund dieser gewaltigen Umwälzungen durch eine aktive Rolle im Wertewandelprozess aus (Hammes 2002:76).
Hierbei muss jedoch auch auf die seit den 50er Jahren stark veränderten Ausgangbedingungen der Jugendlichen eingegangen werden. Es handelt sich nun hauptsächlich um nach 1945 Geborene, die als erste von der Bildungsexpansion sowie den florierenden Wirtschaftsbedingungen profitieren. Die Sorge um die materielle Existenz, wie sie zu Beginn der 50er noch verherrschend war, steht also nun nicht mehr im Zentrum der Lebensführung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik ein, dass Wertewandel oft mit Werteverfall gleichgesetzt wird, und skizziert die Fragestellung nach den Auswirkungen auf die politische Kultur.
2. Politische Kultur, Werte und Wertewandel – Begriffsklärungen: Dieses Kapitel definiert die zentralen Begriffe, diskutiert theoretische Ansätze zum Wertewandel (Inglehart, Klages) und identifiziert Jugendliche als Träger dieses Prozesses.
3. Wertewandel bei Jugendlichen seit der Nachkriegszeit: Ein chronologischer Überblick beleuchtet die Wandlungsprozesse bei Jugendlichen von den 1950er bis zu den 1990er Jahren unter Berücksichtigung sozio-ökonomischer Bedingungen.
4. Auswirkungen des Wertewandels: Hier werden die Konsequenzen des Wertewandels auf das politische System, insbesondere hinsichtlich Loyalität, Wahlverhalten und Partizipationsformen, analysiert.
5.Schlussbemerkungen: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, relativiert die Gefahr für die Demokratie und betont die Bedeutung einer an die neuen Verhältnisse angepassten Gesellschaftspolitik.
6. Literatur: Verzeichnis der verwendeten Quellen und Forschungsliteratur.
Schlüsselwörter
Wertewandel, Politische Kultur, Jugendliche, Demokratie, Partizipation, Postmaterialismus, Wertesynthese, Moderne, Institutionen, Sozialisation, Generation, Bildungsexpansion, Politisches System, Wahlverhalten, Gesellschaftspolitik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie sich Werthaltungen in Deutschland seit der Nachkriegszeit verändert haben und welche Einflüsse dieser Wertewandel auf die politische Kultur und das demokratische System hat.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder umfassen die Begriffsklärung von politischer Kultur und Werten, die chronologische Entwicklung jugendlicher Wertorientierungen seit den 1950er Jahren sowie die Auswirkungen dieser Entwicklungen auf politische Institutionen und Partizipation.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Wertewandel bei Jugendlichen differenziert darzustellen und die Frage zu beantworten, ob der Wertewandel Gefahren für die Demokratie in Deutschland birgt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und einem chronologischen Vergleich von Jugendgenerationen, unter Rückgriff auf soziologische und politikwissenschaftliche Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine begriffliche Fundierung, eine detaillierte chronologische Analyse der Jugendgenerationen (von den 50er bis zu den 90er Jahren) sowie eine Untersuchung der Auswirkungen des Wertewandels auf die Politik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Wertewandel, politische Kultur, Jugend, Postmaterialismus, Partizipation, Wertesynthese und gesellschaftliche Pluralisierung.
Welche Rolle spielt die Generation der 68er im Kontext des Wertewandels?
Die 68er Generation wird als eine Phase aktiver Politisierung beschrieben, die sich kritisch mit den Verhältnissen der liberal-parlamentarischen Demokratie auseinandersetzte und neue Formen der Partizipation sowie postmaterielle Werte einbrachte.
Wie bewertet die Autorin die Gefahr für die Demokratie?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass die Demokratie in Deutschland aktuell nicht in Gefahr ist, sofern die etablierte Politik angemessen auf die veränderten Bedürfnisse und Erwartungen der Bürger reagiert.
Was unterscheidet den Wertewandel bei Klages von dem bei Inglehart?
Während Inglehart von einem linearen Wertewandel (Werteumsturz) ausgeht, kritisiert Klages diese Sichtweise und postuliert eine multidimensionale Wertesynthese, bei der ältere und neuere Werte koexistieren können.
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- Alexandra Mörz (Author), 2003, Wertewandel bei Jugendlichen und dessen Auswirkungen auf die politische Kultur Deutschlands, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122427