Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publicación mundial de textos académicos
Go to shop › Historia de Europa - Edad Media, Edad Moderna

Die Agrarkrise im Überblick

Historiker, Standpunkte, Meinungen

Título: Die Agrarkrise im Überblick

Trabajo Escrito , 2007 , 15 Páginas , Calificación: 2,3

Autor:in: Philipp Berner (Autor)

Historia de Europa - Edad Media, Edad Moderna
Extracto de texto & Detalles   Leer eBook
Resumen Extracto de texto Detalles

Selten wurden Quellen zu einem so wichtigen, aber irgendwie nicht greifbaren Abschnitt spätmittelalterlicher Geschichte so heftig diskutiert wie jene, welche sich mit der Zeit nach der großen Pest von 1348 bis 1351 beschäftigen. Wilhelm Abel gab diesem Abschnitt den Namen Agrarkrise und prägte mit seiner Theorie, dass die Pest eine spätmittelalterliche Agrarkrise oder, wie er es später selbst nannte, Agrardepression mit ausgelöst hätte, eine ganze Generation von Historikern. War das Material, welches Abel gesammelt hatte, doch umfangreich und die Schlüsse, welche er daraus gezogen hat, in weiten Strecken nachvollziehbar. Immer mehr Autoren aber zeigen, dass man nicht von einem allumfassenden Krisenphänomen sprechen kann. Abels Material erstreckt sich zum einen über einen zu langen Zeitraum und ist dabei gleichzeitig zu grob, auch fehlen lokale Studien, wie sie etwa Ursula Hauschild am Beispiel Rostocks erstellt hat.
Tatsache ist, dass eine Reihe von (im Vergleich zu Abel) jungen Autoren neue Erkenntnisse hervorgebracht hat und zum Teil auch alte Materialien anders deutet. Das alles macht es notwendig, sich mit dem Thema Agrarkrise, ihrer Existenz oder eben Nichtexistenz sowie ihrem Verhältnis zur Pest zu befassen, diese Arbeit wird ein paar der renommierten Forschungsstandpunkte vorstellen und diese auch teilweise in Bezug zu einander bringen, um so eventuelle Schwachpunkte in der Argumentation aufzuzeigen. Abschließend wird aus den gewonnenen Erkenntnissen ein Fazit gezogen, welches zusammenfassend eine mögliche Deutung der wirtschaftlichen Ereignisse der Zeit nach der Pest darstellt.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Pest und ihre Bedeutung als Katalysator

3. Die Agrarkrise

3.1 Die Agrarkrise aus Sicht der Wirtschaft

4. Die Pest und die Agrarkrise am Beispiel England

5. Die Pest, die Krise und der Klerus

6. Kritik

7. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch das historiographische Konzept der spätmittelalterlichen „Agrarkrise“ und analysiert deren Verhältnis zur Pestepidemie von 1348 bis 1351. Dabei wird hinterfragt, inwieweit die Pest tatsächlich als alleiniger Auslöser für wirtschaftliche Veränderungen gelten kann oder ob es sich um ein komplexes Zusammenspiel verschiedener struktureller Faktoren handelt.

  • Historische Debatte um die sogenannte „Agrarkrise“ und „Agrardepression“.
  • Malthusianische versus biologistische Erklärungsmodelle für Bevölkerungsrückgänge.
  • Die Rolle der Lohn-Preis-Schere und ihre Kritik durch lokale Studien.
  • Strukturelle Auswirkungen der Pest auf Landwirtschaft, Klerus und Sozialgefüge am Beispiel Englands.
  • Kritische Reflexion über die wissenschaftliche Konstruktion von Krisenbegriffen.

Auszug aus dem Buch

3. Die Agrarkrise

Der Mann, an dem man nicht vorbeikommt, wenn man sich mit der Wirtschaftswelt in den Jahren nach der großen Pest beschäftigt, ist Wilhelm Abel. War er es doch, der in seiner Habilitationsschrift „Agrarkrisen und Agrarkonjunktur in Mitteleuropa vom 13. bis zum 19. Jahrhundert“ den Begriff der Agrarkrise für das Spätmittelalter formulierte:

Bei einer Agrarkrise handelt es sich demnach um ein „langfristiges Missverhältnis zwischen den Erlös- und Kostenpreisen des Landbaues, den Rückgang des Getreideanbaus und den Abfall der Grundrenten, verbunden mit einem verstärkten Anstieg leer werdender Dörfer und unbewirtschafteter Fluren.“

Auch wenn Abel den Begriff der „Agrarkrise“ wenige Jahre später revidierte und in „Agrardepression“ änderte, prägte der Begriff die Geschichtsforschung und wurde zu einem so genannten „terminus technicus“, der auch heute noch weit verbreitet ist. Abel untersuchte als einer der ersten Historiker die Entwicklung von Getreidepreisen und Löhnen und entwickelte den Begriff der „Lohn-Preis-Schere“, der ein weiterer Grundbegriff der Abelschen Forschung geworden ist. Diese „Lohn-Preis-Schere“ umfasst die Beobachtungen von Abel, dass sich die Löhne in der Landwirtschaft während bzw. nach der Pest exorbitant erhöht hatten. Grund hierfür ist der hohe Verlust an Humankapital, es fehlten ganz einfach die nötigen Arbeitskräfte. Auf der anderen Seite dagegen steigen die Preise nur in gewissen Bereichen der Wirtschaft und in der Landwirtschaft fielen sie sogar. Dies habe, vermutet Abel, die Landwirtschaft unrentabler gemacht und zur Aufgabe von Dörfern und von bisher noch landwirtschaftlich genutzten Flächen geführt, in diesem Zusammenhang sprach er von „Wüstungen“. Abels Erklärung für die von ihm prognostizierte konjunkturelle Depression in der Landwirtschaft im 14. und 15. Jahrhundert lag also in den fehlende Absatzmöglichkeiten für landwirtschaftliche Produkte, die er wiederum auf eine mangelnde Nachfrage zurückführte. Der Grund für eben diese mangelnde Nachfrage war laut Abel ein durch Hungersnöte, seit Beginn, und durch Pestepidemien, seit der Mitte des 14. Jahrhunderts, verursachter Bevölkerungsrückgang gewesen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Vorstellung der wissenschaftlichen Debatte um die spätmittelalterliche Agrarkrise und die Notwendigkeit einer kritischen Neubewertung der Thesen Wilhelm Abels.

2. Die Pest und ihre Bedeutung als Katalysator: Analyse der Pest als demografisches Ereignis und Vorstellung malthusianischer sowie biologistischer Erklärungsmodelle für den Bevölkerungsrückgang.

3. Die Agrarkrise: Detaillierte Betrachtung der Theorie Wilhelm Abels über die Agrardepression und die Lohn-Preis-Schere sowie deren allgemeine fachliche Einordnung.

3.1 Die Agrarkrise aus Sicht der Wirtschaft: Darstellung der strukturellen Analyse Karl Georg Zinns, der den Fokus von mangelnder Nachfrage auf Produktivitätsgewinne und fehlenden technischen Fortschritt verlagert.

4. Die Pest und die Agrarkrise am Beispiel England: Untersuchung der wirtschaftshistorischen Thesen von James E. Thorold zur englischen Entwicklung und deren Kritik durch spätere Historiker.

5. Die Pest, die Krise und der Klerus: Analyse der Auswirkungen der Pest auf das Einkommen und die Pfründensituation des europäischen Klerus basierend auf Bernd Zaddachs Forschungen.

6. Kritik: Wissenschaftstheoretische Auseinandersetzung mit dem inflationären Gebrauch des Krisenbegriffs und den methodischen Schwächen älterer Forschungsansätze.

7. Fazit: Zusammenfassende Einschätzung, dass die „Agrarkrise“ ein komplexes, regional stark differenziertes Phänomen ist, dessen pauschale Einordnung als Krise kritisch zu hinterfragen bleibt.

Schlüsselwörter

Agrarkrise, Pest, Spätmittelalter, Agrardepression, Lohn-Preis-Schere, Wüstungen, Bevölkerungsrückgang, Wirtschaftsgeschichte, Historik, Wilhelm Abel, Krisenbegriff, England, Klerus, Humankapital, Produktivität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der wirtschaftshistorischen Analyse des Spätmittelalters, speziell mit der umstrittenen These der „Agrarkrise“ als Folge der Pestepidemien des 14. Jahrhunderts.

Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?

Die zentralen Themen sind demografische Entwicklungen, die Entstehung der Lohn-Preis-Schere, strukturelle Veränderungen in der Landwirtschaft und der Einfluss der Pest auf soziale Schichten wie den Klerus.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, verschiedene renommierte Forschungsstandpunkte zur Agrarkrise vorzustellen, diese kritisch zu vergleichen und zu untersuchen, ob die Pest als alleiniger Ursprung für eine ökonomische Depression gelten kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine historiographische Literatur- und Quellenanalyse, die verschiedene wirtschaftshistorische Erklärungsmodelle einander gegenüberstellt und deren Argumentationslogik prüft.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Thesen von Wilhelm Abel, Gegenpositionen wie die von Karl Georg Zinn, Fallbeispiele aus England sowie eine Analyse der Auswirkungen der Pest auf den Klerus und eine allgemeine methodische Kritik.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen gehören Agrarkrise, Pest, Lohn-Preis-Schere, Wüstungen, Historikerstreit und der kritische Krisenbegriff des 20. Jahrhunderts.

Warum wird speziell das Beispiel England angeführt?

England wird gewählt, da es über eine der weltweit umfangreichsten Quellensammlungen zur Zeit der Pestepidemien verfügt, was eine fundiertere Untersuchung ermöglicht als in vielen anderen Regionen.

Wie bewerten die untersuchten Historiker das Konzept der Lohn-Preis-Schere?

Die Existenz einer allgemeinen Lohn-Preis-Schere ist in der Forschung umstritten; während Abel sie als zentrales Element sah, konnten lokale Studien (wie in Rostock) oft eine parallelere Entwicklung von Löhnen und Preisen nachweisen.

Was bedeutet der Begriff „Imagination des 20. Jahrhunderts“ im Fazit?

Damit wird kritisiert, dass der Begriff der „Krise des Spätmittelalters“ weniger durch historisch eindeutige Fakten belegt ist, sondern eher eine wissenschaftliche Konstruktion darstellt, die rückblickend auf diese Epoche projiziert wurde.

Final del extracto de 15 páginas  - subir

Detalles

Título
Die Agrarkrise im Überblick
Subtítulo
Historiker, Standpunkte, Meinungen
Universidad
http://www.uni-jena.de/  (Hostorisches Institut)
Curso
Übung
Calificación
2,3
Autor
Philipp Berner (Autor)
Año de publicación
2007
Páginas
15
No. de catálogo
V122447
ISBN (Ebook)
9783640278411
ISBN (Libro)
9783656210085
Idioma
Alemán
Etiqueta
Agrarkrise
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Philipp Berner (Autor), 2007, Die Agrarkrise im Überblick, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122447
Leer eBook
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
Extracto de  15  Páginas
Grin logo
  • Grin.com
  • Envío
  • Contacto
  • Privacidad
  • Aviso legal
  • Imprint