Die Sozialfigur Model - Didaktische Bausteine für den Realschulunterricht


Examensarbeit, 2002
127 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Problemstellung

1 Zielsetzung

2 Vorgehensweise

3 Begriffserklärungen
3.1 Sozialfigur Model
3.2 Model
3.3 Mannequin
3.4 Körper
3.5 Schönheit
3.6 Attraktivität
3.7 Schönheitsideale
3.8 Mode

I. Teil: Vorgänger der Models
1 Verbreitung der Mode vom 14. Jahrhundert bis zum Ende des 19. Jahrhunderts
1.1 Modepuppen
1.2 Papierpuppen
1.3 Stiche inModejournalen
2 Zusammenfassung: VorgängerderModels

II. Teil: Models der Vergangenheit
1 Verbreitung der Mode ab Ende des 19. Jahrhunderts bis heute
1.1 Verkäuferinnen als Vorführdamen
1.2 Damen der Gesellschaft und Theaterstars
1.3 Die ersten professionellen Models
2 Models und Schönheitsideale im Wandel der Jahrzehnte
2.1 Models der 30er Jahre
2.2 Models der 40er und 50er Jahre
2.3 Models der 60er Jahre
2.4 Models der 70er und 80er Jahre
3 Zusammenfassung: Models der Vergangenheit

III. Teil: Models der Gegenwart
1 Verbreitung derMode inderGegenwart
2 Schönheitsideale derGegenwart
3 Bedeutung von Schönheit in der modernen Gesellschaft
3.1 Bundesweite Umfrage zum Thema Schönheit und Schlankheit durch das Umfrageinstitut EMNID
4 Models als Superstars
4.1 Das Ph änomen des Top Models
4.2 Models auf dem Laufsteg
4.3 Models in derWerbung
4.4 Models im Film
4.5 Stellung der Models in der modernen Gesellschaft
5 Der Beruf des Models
5.1 Voraussetzungen
6 Barbie - wie Models ein Vorbild?
7 Zusammenfassung: Models der Gegenwart

IV. Teil: D idaktische Überlegungen
1 Bildungsgehalt
1.1 Sinn- und Sachzusammenhang sowie exemplarischer Gehalt der Unterrichtsbausteine
1.2 Gegenwartsbedeutung
1.3 Zukunftsbedeutung
1.4 Struktur des Inhalts
1.5 Zugang
2 Entwicklungspsychologischer Ansatz zu der idealisierten Lerngruppe einer 9. Klasse
3 Ideen zur Einführung in das Thema
4 Bausteine
4.1 Was ist „Schönheit“
4.2 Körpermaße
4.3 Video: Traumjob Model?
4.4 Kehrseiten des Modelberufes
4.5 Models indenMedien
4.6 Mode undSchönheitsideale im Wandel der Jahrzehnte
4.7 Schnitte zur Schönheit
4.8 Talkshow: Ich will genauso sein wie mein Model-Vorbild

Schluss

Literatur
1 Bücher
2 Zeitschriften
3 Broschüre
4 Reader
5 Websites

Anhang

Umfrage: Schön und superschlank sein zu wollen hat seinen Preis

Des weiteren wurde der Arbeit ein Videoband beigelegt, das einen Modenschauausschnitt für eine der Einstiegsmöglichkeiten und den Film „Schnitte zuSchönheit“ für den vorletzten Unterrichtsbaustein beinhaltet.

Einleitung

Models. Sie sind schön, reich, schlank und haben alles, was man sich im Leben erträumt. Ein Trugschluss, der sich in unseren Köpfen bereits breit gemacht hat und sich nicht mehr verbannen lässt?

Seit langem verkörpern gerade Models, neben anderen Prominenten wie Filmstars, Schönheitsideale und gelten als Inbegriff unserer traditionellen Vorstellungen von physischer Schönheit. Die Medien nutzen das Image der Berühmtheiten und setzen Produkte mit ihnen in Verbindung. Bei Models sind diese Produkte mittlerweile nicht mehr nur Kleidung, wie es einst einmal der Fall war. Heute sehen wir in den Medien eine Claudia Schiffer, die mit ihrer blonden Haarpracht den Neid der Frauen auf sich zieht, während sie für die Marke L’OREAL und ihre Haarprodukte wirbt - „weil ich es mir wert bin“. Augenblicke später erscheint eine Heidi Klum, die Joghurt-Gums als Zehenspreizer zum Nägellackieren verwendet. Ihr Gesicht allein bescherte dem Süßigkeitenhersteller Katjes ein Absatz-Plus von 32 Prozent.1

Es ist ersichtlich, dass nicht nur das Äußere zählt. Auch die inneren Werte der Stars, ihr Konsum- und Lebensstil sind am Aufbau ihres Images beteiligt. Als verführerische Schönheiten sorgen die Stars und Models für die nötige Glaubwürdigkeit.2

Dies gilt allerdings nicht nur für die Werbung. Auch in den Präsentationen von Kleidung, und das muss nicht unbedingt in einer Haute Couture Show sein, verkörpern sie ein Idealbild, das von vielenjungen Frauen nachgeeifert wird. Augrund der Darstellung vieler konstruierter Idealbilder, die Einfluss auf die Gesellschaft und nicht mehr viel mit der Wirklichkeit zu tun haben, scheint es mir wichtig, das Thema „Models“ und mit ihnen die verbundenen Schönheitsideale in der Schule anzusprechen.

Meine Arbeit handelt, das möchte ich vorwegnehmen, ausschließlich von der weiblichen Sozialfigur Model. Im Hinblick auf die historische Ausdifferenzierung dieser Sozialfigur soll nur am Rande die des männlichen Models dargestellt werden. Dennoch wäre es interessant, auch dieses Phänomen, das des männlichen Models oder Dressman, zu untersuchen.

Problemstellung

Das Thema „Models“ ist ein Sachverhalt, der vor allem auf Jugendliche, und im Besonderen auf dem Lebensstil junger Mädchen, stark einwirkt. Gerade durch die Medien wird der Öffentlichkeit tagtäglich ein Schönheitsideal vorgelebt, dem sich viele Heranwachsende nicht entziehen können. Durch Kleidung, Make-up und vor allem mit Hilfe von Gewichtsreduktion versuchen viele Jugendliche, diesem Idealbild immer näher zu kommen. Da Schönsein gleichzeitig Schlanksein bedeutet (zumindest in unserer europäischen und auch in der nordamerikanischen modernen Gesellschaft), scheint es mir wichtig, dieses Thema im Unterricht zu behandeln. Allerdings gibt es im Lehrplan der Realschule kaum Unterrichtsvorschläge, weshalb ich es als Herausforderung empfinde, Unterrichtsbausteine bezüglich des Sachverhaltes zu entwerfen. Diese können im Unterricht eingesetzt werden, damit Schülerinnen lernen, sich „selbst zu akzeptieren, andere zu tolerieren, die gesellschaftlichen Zwänge als solche zu erkennen und zwischen unberechtigten und berechtigten Wünschen nach Gestaltung und Veränderung der Person zur Identitätsfindung, Erhöhung der Attraktivität und Steigerung des körperlichen Wohlbefindens zu unterscheiden“.3

1 Zielsetzung

Im ersten Teil der vorliegenden Arbeit geht es um die Vorgänger der Models. Hierbei soll gezeigt werden, dass es das Phänomen „Model“ noch nicht immer gab und es soll dargestellt werden, auf welche Art und Weise modische Erscheinungen an die Frau gebracht wurden und welche Möglichkeiten man zu früherer Zeit hatte, die Verbreitung der Mode in Gang zu halten.

Im zweiten Teil soll die allmähliche Entwicklung des Berufes als Model aufgezeigt werden, die mit dem Auftreten er Haute Couture ihre Anfänge fand. Des Weiteren möchte ich darlegen, wie sich mit dem aufkommenden Beruf des Models auch Schönheitsideale entwickelt haben, zwei Dinge, die reziprok zueinander stehen und mit den Neuerungen der Mode sich stets mitverändert haben. Hierbei soll, jedoch in nicht zu sehr ausschweifendem Maße, auf einzelne berühmte Persönlichkeiten eingegangen werden, die die entsprechenden Idealvorstellungen personifiziert haben.

Des Weiteren gehe ich kurz auf die Fotografie ein, die einen entscheidenden Einfluss auf ein neues Gebiet, nämlich das der abgelichteten Modedarstellungen, hatte.

Wie eine regelrechte Vermarktung von Frauen, ausgehend von Amerika, stattgefunden hat, erläutert der Abschnitt, in dem ich mich mit der Entstehung von Model-Agenturen befasst habe.

Der dritte Teil meiner Arbeit handelt vor allem von den Models der Gegenwart und von den durch sie verbreiteten Schönheitsidealen. Zudem soll dem heutigen Model-Business Beachtung geschenkt werden, der nicht immer unbedingt ein Traumberuf sein muss. Wie vielfältig jedoch der Beruf eines Models sein kann, und sich nicht ausschließlich auf die Präsentation exklusiver Designerkleidung beschränkt, soll außerdem nachgewiesen werden.

Besondere Aufmerksamkeit möchte ich auf die Bedeutung von Schönheit in unserer modernen Gesellschaft lenken, die offensichtlich ihre Beständigkeit durch bekannte Persönlichkeiten wie Models oder andere Stars aus den Medien findet. Welche Bedeutung solche Vorbilder haben und welche Position sie in unserer Gesellschaft einnehmen möchte ich zusätzlich erörtern.

Fernerhin möchte ich mich mit BARBIE auseinandersetzen, die Puppe, die jahrzehntelang nicht nur Kinderspielzeug darstellt, sondern auch entscheidenden Einfluss auf das Körperverhalten vieler Frauen hatte und bis heute noch hat und oft als das Weiblichkeitsstereotyp deklariert wird.

Wie Mode in unserem Zeitalter ihre Verbreitung findet und welche Möglichkeiten es in unserer multimedialen Welt gibt, soll außerdem ein Punkt in dem letzten theoretischen Teil meiner Arbeit sein.

Im ^vierten und letzten Teil meiner Arbeit stellt von mir erarbeitete Unterrichtsbausteine zum Thema „Die Sozialfigur Model“ dar, die in der Realschule durchgeführt werden könnten. Diese von mir entworfene Vorschläge

sind für die neunte Klasse gedacht, in der der Bildungsplan am ehesten die Verbindung aufweist.

2 Vorgehensweise

Im ersten Teil orientiere ich mich an der zeitgeschichtlichen Entwicklung der Vorgänger der Models. Die dargelegten Ergebnisse basieren auf einer eingehend durchgeführten Literaturrecherche. Hauptsächlich entstammen die Erkenntnisse aus Literatur, die sich im speziellen um das Phänomen des Models beschäftigt haben und in denen die geschichtliche Entwicklung und die Ausdifferenzierung dieser Figur in einzelnen Kapiteln dargestellt wird.

Die Literatur, an der ich mich im zweiten Teil orientiert habe, ist sehr vergleichbar mit der des ersten Teils. Außerdem wurde noch Literatur verwendet, die sich auf den zeitgeschichtlichen Wandel der Mode bezieht und mit ihr die parallel dazu verlaufenden Schönheits- und Körperideale wiederspiegelt.

Im dritten Teil greife ich sowohl auf sozialwissenschaftliche als auch sozialpsychologische Befunde zurück. Auch eine Untersuchung aus dem Jahr 2000 durch das Umfrageinstitut EMNID, die ich aus dem Internet herausgezogen habe, soll Teil meiner Arbeit darstellen.

Im vierten Teil wird vor allem auf meine eigenen Gedanken zurückgegriffen. Dennoch habe ich auch hier viel mit Literatur gearbeitet, die vor allem Jugendliche anspricht und fachkundliche Einsichten gibt, jedoch nicht unbedingt für den wissenschaftlichen Teil zu verwenden war.

Den Abschluss dieser Arbeit bildet die Zusammenfassung und der Ausblick.

3 Begriffserklärungen

Im folgenden sollen sieben Begriffe erklärt werden, die eine zentrale Rolle in meiner Arbeit spielen und unmissverständlich mit meinem Thema „Die Sozialfigur Model“ zusammenhängen.

3.1 Die Sozialfigur Model

Die Sozialfigur Model definiere ich als eine Person, die mittels ihrer Bekanntheit durch außergewöhnliche physische Attraktivität und beruflichen Erfolges in der modernen Gesellschaft und im sozial-öffentlichen Leben eine zentrale Rolle als Idol, Vorbild und Schönheitsideal einnimmt.

Sozialfiguren sind historisch zu betrachten und bieten die Möglichkeit zur Auseinandersetzung mit ihrer Geschichte und ihrer Funktion. Gemäß dieser Definition nutzt die Sozialfigur Model ihre gesellschaftliche Position und Bekanntheit, um im öffentlichen Raum einer gegebenen Gesellschaft persönlichen Erfolg zu erlangen. Das Model als Sozialfigur wird aufgrund seines Bekanntheitsgrades wahrgenommen und wirkt daher auf viele Themen des öffentlichen Diskurses ein. Das Model wird gemäß dieser Definition somit nicht ideologisch, sondern als Sozialfigur verstanden, das situativ in einem historisch­gesellschaftlichen Kontext handelt. Sie ist von den Denk- und Verhaltensdispositionen ihrer Zeit geprägt und wirkt auch auf diese als Art Vorbild ein. Dabei ist es interessant zu untersuchen, welche Funktion und Rolle die Sozialfigur Model in der Gesellschaft eines jeweiligen Landes hat.

Die Rolle, die den Sozialfiguren anhaftet, definieren Hartfiel und Hillman folgendermaßen: sie ist „die Summe der Erwartungen und Ansprüche einer Gruppe, umfassenderer sozialer Beziehungsbereiche oder der gesamten Gesellschaft an das Verhalten und das äußere Erscheinungsbild (Rollenattribute) eines Inhabers einer sozialen Position (Status)“.4

Sozialfiguren nehmen eine bestimmte Rolle in einem Gesellschaftssystem ein. Als „Persönlichkeitstypen abstrahieren, idealisieren und generalisieren [sie] personengebundene Fähigkeiten, Fertigkeiten und Verhaltensstrategien. Auch sie werden von den Sinnzusammenhängen, in denen sie entstanden sind, losgelöst und auf andere Situationen übertragen“.5 Im Sozialisationsprozess ist der /die einzelne dazu gezwungen, sich mit propagierten und angebotenen Rollen gleichzustellen oder es sich als Ziel zu setzen, in der Zeit der Identitätsfindung Rollen zu übernehmen, die im Sozialisationsprozess auf die Ich-Findung, dem Klassenindividuum, einfließt.6

Die Rollentheorie eignet sich dazu, humane Verhaltungsweisen zu veranschaulichen, zu erläutern, oder vorherzusagen.7

3.2 Model

Der Begriff „Model“ trat erstmals in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts auf8 und ist die „moderne internationale Bezeichnung für ein Mannequin, vor allem wenn es vor der Kamera arbeitet (Fotomodell)“.9 Abgeleitet von dem englischen „model“ (= Modell, Vorbild, Muster),10 wird diese Wortbedeutung in unserer Zeit sowohl für Männer und Frauen verwendet, die im Dienste der Haute Couture oder auch weniger bekannten Modedesignern stehen, für Kataloge oder Zeitschriften arbeiten etc. Zu unterscheiden im Modell - Business sind folgende Bereiche:11
- Laufsteg (Präsentation von Designerkleidern aufdem Catwalk)
- Covershooting (Posieren für das Titelbild einer Zeitschrift).
- Editorial (Präsentation von Modehighlights, Schminkvarianten, Frisuren, Anwendung von Körperpflegeprodukten).
- Katalogaufnahmen (Präsentation der saisonalen Modetrends).
-Showroom - Laufen (Präsentation von übriggebliebenen und nicht verkauften Modestücken in größeren Boutiquen und Designerläden). Meist vor ausgewähltem Publikum.
- Werbung - Foto (Werbung für ein bestimmtes Produkt, eine Idee oder Firmenphilosophie. Das Themenspektrum ist unbegrenzt).
- Werbung - Film (vor laufender Kamera für ein neues Produkt, eine Idee oder Firmenphilosophie werben).
-Statist in einem Musikvideo (zur besseren optischen Präsentation der Clips der Popstars)
-Test (Mode- oder Beautyfotos, Shootings zu bestimmten Themen)
- Teilkörpermodel (für Beauty- oder Werbeproduktionen mit einem ganz bestimmten Körperteil (z.B. Nagellack = Hände) Modell stehen)

3.3 Mannequin

Als Mannequin definiert L0SCHEK die zunächst im 18. Jahrhundert aufkommende Bezeichnung für die Modellpuppe der Maler. Abstammend vom mittelniederländischen Wort mannekijn, das „Männchen“ bedeutet, wurden später auch Schneider- und Schaufensterpuppen dementsprechend bezeichnet. Erst im 20. Jahrhundert bürgerte sich der Begriff „Mannequin“ für Vorführdamen ein, dann auch für Fotomodelle. Wo anfangs die Mannequins anonyme, in der Gesellschaft unbekannte und namenlose, meist aus niederen Schichten stammende Frauen waren (Vorführdamen), entwickelte sich das Mannequin im Laufe der Zeit zur bekannten, ja sogar berühmten Persönlichkeit. Seit den 1950er Jahren wird es immer üblicher, dass auch Damen der Gesellschaft den Beruf des Mannequins anstreben. Bis zu dieser Zeit war der Herr nur die Begleitung der Dame auf dem Laufsteg, nach und nach setzte sich aber auch für die Männer der Beruf zu dem des Dressman („Anzieh-Mann“) durch. Seit Ende der 80er Jahre hat sich für den Begriff des Mannequins auch die Bezeichnung „Model“ durchgesetzt.12

3.4 Körper

„Der Körper ist unser Medium zur Welt“, so schreibt es Elisabeth Redler (1994) in ihrer Einleitung in dem fast gleichnamigen Buch: „Der Körper als Medium zur Welt“. Weiter schreibt sie, dasjeder Mensch nur den einen, seinen Körper besitzt, „in dem oder gegen den er sein Leben lebt“. Mit unserem Körper drücken wir unsere Identität aus, wobei Redler angibt, dass das physische Erscheinungsbild dabei eine große Rolle spielt und zur zwischenmenschlichen Kommunikation beiträgt.13 Im Gegensatz zu vergangenen Zeiten, als der menschliche Körper nur die Funktion als Arbeitsgerät hatte und die Menschen immer mehr Abstand zu ihrem eigenen und auch dem fremden Körper nahmen, entstand nach der Wende zum 20. Jahrhundert eine neue Einstellung dazu, die durch die Psychoanalyse mit der Vorstellung einer Verbindung zwischen Körper und Geist, entwickelt wurde. Der Körper wird in der modernen Gesellschaft nicht mehr als Hindernis oder als lebenserhaltendes „Arbeitsgerät“ betrachtet, er symbolisiert vielmehr ein Medium, das durch Körperlichkeit, Wohlgeformtheit, Ästhetik und Gesundheit an gesellschaftlichen Wert erlangt.14

Mit den wandelnden Schönheitsvorstellungen einer Gesellschaft in einer bestimmten Zeit, ändern sich auch die Idealvorstellungen von Körperbildern. Dauschek charakterisiert das Idealbild beider Geschlechter in bezug auf den Körper in der modernen Gesellschaft als „athletisch, schlank und groß“ (S. 59). Frauen, so schreibst sie, wollen „dünner und hauptsächlich von der Taille abwärts schlanker sein. Männer dagegen sind mit sich selbst zufriedener, ihr Ideal ist eher breiter und hat einen wesentlich breiteren Oberkörper“.15

3.5 Schönheit

Schönheit ist in unserer Zivilisation und Psyche allgegenwärtig und ist daher eine unanfechtbare Größe unserer Sicht auf die anderen und auf uns selbst.16 Da Menschen einander visuell wahrnehmen, formuliert Redler (1994) die These, dass physische Attraktivität „die Türen zu befriedigendenprivaten Kontakten und zu erfolgsversprechenden beruflichen Positionen“17 öffne. Sehnsucht und Streben nach Schönheit sind allerdings nicht nur auf die gegenwärtige Zeit und ganz und gar nicht nur auf unsere Kultur beschränkt. Zu allen Zeiten und in allen Kulturkreisen gab und gibt es schon das Streben nach Schönheit. Viele Menschen bauen darüber ihr Selbst-Bild auf oder ab. Für viele bedeutet sie Macht, die erlebt wird als „Medium zu Befriedigung von Grundbedürfnissen: nach Anerkennung und Würde, nach Teilhabe und Kommunikation, nach Erotik und Liebe“.18 Guggenberger beschreibt in seinem Buch „Einfach schön“ die soziale Macht der Schönheit und erwähnt das tagtägliche Wettbewerbsarrangement, dem wir gnadenlos durch immer wiederkehrende Musterungssituationen ausgesetzt sind.19 Wenige Kapitel weiter erklärt Guggenberger den sogenannten Nimbus-Effekt: „Wer schön ist, dem fallen, wie reife Früchte, auch noch eine Vielzahl anderer positiver Zuschreibungen in den Schoß: charaktervoll, persönlichkeitsstark, charmant, aufgeschlossen, sympathisch, umgänglich, witzig, gefühls- und überzeugungsmächtig, interessant, potent, erotisch, kultiviert, beruflich erfolgreich, gut situiert - und manche mehr“.20 Diese pauschalisierten Nebeneffekte von Schönheit, die sich unter anderem auch durch den Einfluss der Medien in unseren Köpfen breit gemacht hat, bilden das Ideal eines glücklichen Ich, das wohl von allen Menschen erreicht werden möchte.

3.6 Attraktivität

Physische Attraktivität, die sowohl die Gesichtsschönheit als auch die Körpergestalt einschließt, ist ein von vielen Personen erwünschtes und begehrtes Merkmal. Sie kann sowohl zur Entstehung und Aufrechterhaltung von Sympathie bis hin zur Liebe beitragen. Das Schöne verkörpert außerdem das Gute und findet sich in jeglichen Mythologien und Märchen wieder. Wir fassen mit ihr sowohl Reinheit und Unschuldigkeit als auch Verruchtheit und Verführung auf. Vor allem bei Frauen ist die Schönheit ein wichtiges Kriterium und wird mit Jugend gleichgesetzt.

„Attraktivität bedeutet“, so Dauschek, „zunächst nur zwischenmenschliche Anziehung“.21 Das physische Erscheinungsbild wirkt ganz besonders in der Wahrnehmung anderer ein. Attraktivität und Schönheit sind schwer definierbare Begriffe, da sie kultur- und epochengebunden sind und somit unterschiedlich aufgefasst werden und wurden. In unserer westlichen Welt, vor allem in Nordamerika und Westeuropa, ist die Auslegung von Schönheit durch die Medien homogen geworden.22

Der Mythos um Attraktivität und Schönheit hat Forscher seit den 60er Jahren dazu angeregt, vor allem in den USA dessen Einfluss auf die Gesellschaft zu untersuchen. Und auch im psychologischen Bereich dringt das Thema immer weiter nach vorne.23

3.7 Schönheitsideale

Im Verlauf der Geschichte gab es vor allem im Verständnis femininer Schönheit starke Schwankungen entsprechend den ästhetischen Standards des jeweiligen Zeitalters.24 Schönheitsideale hängen außerdem von der jeweiligen Zeit und Kultur ab25 und „sind somit zu allen Zeiten konstruierte Ideale“.26 Die heute vorherrschenden Schönheitsideale werden vor allem von der Mode gemacht27 und erreichen die Bevölkerung hauptsächlich durch die Medien. Der vollkommene Körper einer Zeit richtet sich an einem Ideal, das stets Veränderungen unterlag und unterliegt.28

3.8 Mode

Bereits im 15. Jahrhundert ist der Begriff „Mode“ von französischen Schriftstellern verwendet worden. Wahrscheinlich vom lateinischen Begriff modulus abgeleitet, bedeutet er soviel wie „Muster“ oder „Vorbild“ und wurde auch gebraucht für die Art, sichje nach Geschmack (oder Vorschrift) zu kleiden.29 „Mode ist Ausdruck und Medium der sozialen Anpassung und Normierung ebenso wie der individuellen Selbstdarstellung, Abhebung und Exklusivität“.30 Die charakteristischen sozialen Ausdrucksweisen und Wesensgehalte der Mode sind dem historischen Zeitenwandel unterworfen. Besondere soziologische Beachtung findet die Mode als „Einfluss-, Führungs- und Herrschaftsmittel und als Ausdruck des Verhältnisses der sozialen Schichten zueinander“.31 Mode hat ihre große Bedeutung erst dadurch erhalten, als die beginnende Industriegesellschaft soziale Mobilität, Anonymität und Massenwohl stand geschaffen hatte. War z.b. in vergangenen herkömmlichen Gesellschaften das äußere Erscheinungsbild (Kleidung, Benehmen) ein Kennzeichen für die Standeszugehörigkeit, so kann gegenwärtig, in gewissem Maße, die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gesellschaftsklasse oder Gruppe durch die Wahl des äußeren Erscheinungsbildes erreicht werden. Mode ist damit eine Art Auslöser, der den sozialen Wettbewerb ankurbelt, Aufstiegs- u. Auszeichnungsstreben hervorruft.32 „Unterhalb der sozialen Oberschichten, die nach wie vor, entsprechend den ständischen Traditionen, auf langfristig gültige Konventionen u. auf Schutz ihrer Exklusivität vor Nachahmung achten, sind die Angehörigen der oberen Mittelschichten zu Modeführern geworden. In dem Maße, wie eine Breitenwirkung gelingt, wird die Besonderheit und der Führungsanspruch der Mode verschlissen, und es beginnt eine neue Modewelle“.33 Spätestens dann, wenn eine Linie "...has 'trickled down' through all levels, the fashion must change".34

Weiter beschreiben Hartfiel und Hillmann: „Sowohl das Nachahmungs- (Konformitäts-) als auch das Differenzierungs- (Individualisierungs-) Streben in der Mode werden Triebkraft der Massenproduktion von Gebrauchs- u. Verbrauchsgütern, die darum weniger um der individuellen Bedürfnisbefriedigung als um des sozialen Prestiges willen konsumiert werden, wobei solcher Konsum durch werbepsychologische Methoden der Produzentenseite noch verstärkt wird“.35

I. Teil: Vorgänger der Models. Vorbemerkungen

Models, so wie wir sie heute aus den Medien her kennen, gab es noch nicht immer in der sozio-historischen Entwicklung. Dies lag zum einen daran, dass die Vermittler der Mode, die heute auch Werbeträger für andere Konsumartikel verkörpern, vor ein paar Jahrhunderten noch nicht die Funktion innehatten, wie sie es heute haben. Um die Mode zu verbreiten und neueste „Trends“ an „den Mann oder an die Frau“, das heißt, wohlhabende Schichten, zu übermitteln, bediente man sich in früheren Jahrhunderten anderer Mittel. Werbung durch Printmedien, Radio, Werbeplakate oder Ähnliches gab es noch nicht. Wie die Menschen damals dafür gesorgt haben, dass neue Moderichtungen beachtet und Anklang gefunden haben, das soll in dem ersten Teil - Vorgänger der Models - verdeutlicht werden.

1 Verbreitung der Mode vom 14. Jahrhundert bis zum 18. Jahrhundert

Lange bevor es lebende Models oder Abbildungen in Modezeitschriften gab, waren Chroniken, Hausbücher, Graphiken, Gemälde, Sitten- und Tagebücher für die Verbreitung der Mode verantwortlich.36

Seit dem 14. Jahrhundert wurde die Kleidermode auch durch Modepuppen vermittelt. Die Aufgabe dieser plastischen Modepuppen und den späteren Papierpuppen zum Ankleiden war, die neuesten modischen Erscheinungen, die vor allem von Frankreich aus ausgingen, den europäischen Höfen und dem Adel näherzubringen. „Mode“ war bis zur Französischen Revolution ein Privileg, das nur wohlhabende soziale Schichten innehatten und denen es „gegönnt“ war, durch das Tragen von exklusiver Kleidung die Standeszugehörigkeit zu demonstrieren.37 Die niederen Schichten hatten weder Zeit noch Geld für modische Ausgefallenheiten. Je nach den finanziellen Mitteln und je nach Arbeit war die Kleidung einfach und praktisch. Auf Grund dessen wurde die Kleidung auch sehr lange getragen und wenn nötig geflickt. Vielfach wurde getragenen Kleidung auch an die nächste Generation weitergegeben.38 Hier ist deutlich zu erkennen, dass Mode nur denjenigen gegönnt war, die es sich auch leisten konnten.

Nachjahrhundertlanger Werbung für modische Stile durch Puppen, Sammlungen einzelner Modekupfer und Modestiche, Modesatiren und Modekarikaturen (moralische Wochenzeitschriften) wurden schließlich die ersten Modezeitschriften im 18. Jahrhundert ins Leben gerufen, die sich ausschließlich mit Mode befassten. Vorgänger solcher neuen Modezeitschriften waren Kostümbücher, die seit dem 16. Jahrhundert jedoch nur die Trachten anderer Kulturen oder vergangener Epochen aufzeigten.39 Im letzten Viertel des 17. Jahrhunderts werden die kostümgeschichtlichen Quellen durch das eigentliche Modejournal ergänzt. In den 1670er Jahren war es dann so weit: die ersten Modejournale erschienen. D as Modejournal gab Auskunft über Neuerungen des Kostüms einer Stadt oder Region. Oft wurden die Journale mit gleichem Inhalt aber anderem Arrangement in verschiedenen Städten herausgegeben. Die französische Bezeichnung von Modejournalen wurde bevorzugt. D as ist verständlich, da zu Ende des 17. Jahrhunderts Frankreich wieder die Modeherrschaft an sich gezogen hatte.

Als das erste Modejournal gilt der zwischen 1672 und 1717 sporadisch erschienene „Mercure galant“, herausgegeben in Paris. Allerdings kann man dieses Journal noch nicht wirklich als das bezeichnen, worunter wir heute ein Modejournal verstehen. Es wurde lediglich darüber berichtet, was chic und modern zur damaligen Zeit war, was man am Hofe trug und womit man sich amüsieren konnte.40 Es folgte 1777 die „Galerie des Modes“ und ab 1785 das „Magasin des Modes“. D as deutsche Pendant zu den französischen Modezeitschriften bildete das 1786 von Friedrich Justin Bertuch veröffentlichte „Journal des Luxus und der Moden“.41 Künstlerisch in Stahl gestochene Modeillustrationen propagierten die neuesten Moden, die „en vogue“ waren. Außerdem wurden französische und englische Moden ausführlich darin beschrieben und besprochen. Doch nicht nur modische Neuerungen in Sachen Kleidung wurden weitervermittelt. Wie der Name des Journals schon andeutet, wurden auch weitere Accessoires des Luxus angepriesen. Alles, was die Damenwelt interessierte konnte man darin lesen: Berichte über Möbel, Tapeten und andere Inneneinrichtungen, außerdem Musikkompositionen, Tänze und Spiele.42

Seit Anfang des 19. Jahrhunderts ist die Mode-Fachpresse bekannt, die sich an Experten der Modebranche, an Modisten, Händler, Stofferzeuger, Schneider usw. wendet. Weitere Modezeitschriften, die sich noch bis in unser Jahrhundert gehalten haben wären „Harpers Bazar“ (gegründet 1867 in Amerika), die „Vogue“ und die deutsche „Madame“. Während ihre Vorgänger ausschließlich Modebilder gezeigt haben wird heute eher die Fotografie bevorzugt, die sehr ästhetisch und geschickt in Szene gesetzt wird.43 Im 20. Jahrhundert hat sich der Journalismus auf die neuen Medien wie Film, Fernsehen, CD -Rom, Computernetzwerke und vielleicht schon bald in die virtuelle Welt des Cyberspace verbreitet.

1.1 Modepuppen

Bereits seit dem Mittelalter sind Modepuppen als beliebte Botschafter der Mode von Frankreich aus an europäische Höfe verschickt worden, um für die neueste französische Kleidermode zu werben.44 Die Existenz dieser Modepuppen geht schon im 14. Jahrhundert aus den Rechnungsbüchern des französischen Königs Charles VI. hervor.45

Modepuppen wurden teilweise auch in Lebensgröße aus Holz, später aus Porzellan oder Wachs, mit beweglichen Gliedern hergestellt, mit der neuesten Mode eingekleidet, auf Marktplätze aufgestellt (zum Beispiel Markusplatz in Venedig) und zur Verbreitung der Mode und Modeinformation im 14. Jh. von Italien und Frankreich an den englischen Hof auf die Reise geschickt.46 Die Modepuppe wurde zwar Mitte des 18. Jahrhunderts von der Pandora abgelöst, hat sich nach 1900 dennoch in der Schaufensterpuppe erhalten. Um den Vertrieb französischer Güter, besonders der Kleidung, zu erhöhen, sandte man ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts jeweils zwei Modepuppen aus Wachs, die Pandora, nach London, um die neuesten Modeerscheinungen in detailliertester Genauigkeit vorführen zu können.47 Im mythologischen Sinne symbolisiert die Pandora, entsprungen aus einer griechischen Sage, eine schöne, verführerische Frau, die von Zeus, der die Menschen für den Raub des Feuers durch Prometheus bestrafen wollte, die Büchse der Pandora erhielt, ein Gefäß, in dem alle Übel eingeschlossen sind. Als Pandora es öffnete, flogen die Übel heraus; nur die Hoffnung blieb zurück. „Pandora, die Puppe, wird zum Inbegriff aller Schrecken, die sie über die Menschen bringen kann. Aus ihrer Büchse kommen nur Modetorheiten... Schon damals also war [...] die Auseinandersetzung über Sinn und Unsinn der Mode an der Tagesordnung“.48

Zum einen gab es die „große Pandora“ mit der neuesten Staatstoilette, und die „kleine Pandora“, die immer das neueste auf dem Gebiet der Negligés vorführte. Negligés waren zu dieser Zeit alle Kleider, die nicht in die Kategorie der Staatstoilette fielen. Anfangs reisten diese Puppen nur nach England. Später erreichte sie andere europäische Großstädte und Nordamerika. Auch in Kriegszeiten durften sie mühelos feindliche Grenzen passieren, um die französische Mode in europäische Länder mit genauen Modebeschreibungen zu bringen. Als Napoleon jedoch erfuhr, dass diese Puppen als Versteck für Spionagenachrichten benutzt wurden, wurde die Ausfuhr verboten.49

Nach und nach wurden die Puppen Modebotschafterinnen, die man bestellen konnte, um sich auf dem neuesten Stand der Mode zu halten. Aber auch als Geschenke fanden sie große Beliebtheit. So sandte beispielsweise König Henri IV. von Frankreich eine Modepuppe nach Italien zu seiner zukünftigen Frau Maria von Medici, damit sie sich vor der Heirat entsprechend nach dem Muster der französischen Mode ausstaffieren konnte.50 Im 18. Jahrhundert war die Ausfuhr von Modepuppen bereits zu einem lukrativen Geschäft vieler Pariser Modehäuser geworden und waren quasi das Werbemittel für die französische Textilbranche. Sogar nach Amerika gelangten die Botschafterinnen der Mode, wo man sie in Schneidereien gegen Bezahlung sehen oder zu sich mit nach Hause nehmen konnte.51

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1.2 Papierpuppen

Um 1790 wurden schließlich die flachen Puppen aus Papier oder Karton auf den Markt gebracht, Anziehpuppen zum Ausschneiden und denen man ihre Papierkleider einzeln anheften konnte. Sie waren zugleich Spielzeug und Mannequin und selbstverständlich viel kostengünstiger als die plastischen Puppen. Dennoch wurden die früheren Modepuppen nicht völlig ersetzt. Durch das Aufkommen der Anziehpuppen wurden lediglich nun die Schichten erreicht, denen es vorher aus finanziellen Gründen nicht möglich war, Pandora zu kaufen oder sie sich ins Haus bringen zu lassen.52 Es gab auch etliche Ausschneidebögen mit typischen Vertretern der einzelnen Stände, die aus kolorierten Holzschnitten bestanden:

In den Jahren 1786 bis 1827 erschien in Weimar die erste deutsche Modezeitschrift „Journal des Luxus und der Moden“, die die vornehme Gesellschaft über die neuste Mode informierte. In einem Artikel wird über die neue Erfindung der Anziehpuppen berichtet:51

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

„Es ist eigentlich ein Kinderspiel für kleine Mädchen, aber dabey so artig und geschmackvoll, dass auch wohl Mütter und erwachsene Frauenzimmer gern damit spielen, zumal da man den guten oder schlechten Geschmack sich zu kleiden und zu coeffiren sinnlich daran zeigen und sozusagen studieren kann. [...] D ieß an- und Ausziehen, Richten und Verändern der Englischen Puppe ist es eigentlich, was bey diesem Spielwerke [...] ins Unendliche verändern kann. Das Ganze liegt in einem sauberen Papierumschlage und kann leicht zum Amusement in Gesellschaften und für Kinder in jedem Portefeuille und Arbeitsbeutel bey sich getragen werden“.52

Solche Papierpuppen haben sich bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts gehalten und stellen heute noch ein nostalgisches Spielzeug oder Sammlerstück dar.53 Doch nicht nur Mädchen- oder Frauenabbildungen zierten die Bögen. Nach und nach wurden, immer mehr zum spielerischen Zwecke, auch männliche Figuren abgebildet wie „August’s Verwandlungen oder der Knabe in sechs Gestalten“ (als Stutzer, Geologe, Einsiedler, Ulan, Minnesänger und Gärtner). Im Verlauf des 19. Jahrhunderts wurden auch häufig Wohnaccessoires auf den Bögen abgebildet.54

1.3 Stiche in Modejournalen

Modezeitschriften zeigten und beschrieben nun unter anderem die neueste Mode bis ins aller kleinste Detail und demonstrierten diese mit Kupferstichen und Lithographien (s. Abb. 4). Ausgehend von Frankreich und seinen Modezeitschriften ,, Galerie des Modes “ und dem „Courrier des Modes “ wurden die Abbildungen von Taschenbüchern und Almanachen kopiert und auch unter die deutschen D amen der damaligen Zeit gebracht.55 So erreichte die französische Mode auch andere Länder. D ieses Prinzip ist bis heute noch erhalten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Die Modewelt vom 10. April 1 876 mit Holzstich­Illustrationen (LEHNERT 1996, S. 59)

Modezeichnungen oder Modestiche zeigten zuerst nur einen Typus, keine individuelle Frau als Trägerin der Mode, obwohl wahrscheinlich eine bestimmte Frau Modell gestanden haben mag. Es ist deutlich eine Idealisierung und Verallgemeinerung der zur damaligen Zeit herrschenden Schönheitsmaßstäbe erkennbar. Nicht die abgebildete Frau, sondern das Kleid bzw. die Kleiderkombination, die Stoffe, Frisuren und Accessoires spielen die Hauptrolle. D ie Nebenrolle der Trägerin in dem Stich stellt nur das idealtypische Bild des femininen Geschlechts dar.56 D ies sollte sich im Wandel der Jahrhunderte ändern. An den Modeabbildungen in dem amerikanischen Journal „Harpers Bazar“ kann deutlich beobachtet werden, wie sich die Schönheitsideale mit dem Wechsel der Mode und mit ihnen das Frauenbild geändert haben:

Im Zeitalter der Biedermeiermode scheint es die kindliche und mädchenhafte Frau zu sein, die das ideale Frauenbild prägt. D ie indifferent und gleichgültig erscheinenden Gesichter der Frauenabbildungen stehen für die unschuldige und unerfahrene Kindfrau, die ohne jeden koketten Reiz das Leitbild der damaligen

Gesellschaft darstellte. Sie ist sanft, natürlich und unverbraucht, zurückhaltend und bescheiden.57

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In Abbildung 6, am Ende des Jahrhunderts, hat sich das Blatt gewendet: Die Gesichter weisen mehr Ausdruck und Charakter auf. Die Körper sind wohlgeformter durch die Kleidung hervorgehoben und auch der Charakter der Frau scheint selbstbewusster und erotischer zu wirken seit die schmale Silhouette der Kleider und das erotische, tief ausgeschnittene D ekolleté ihren Durchbruch fanden. D as Leitbild ist nun die elegante D ame mit erotischen Reizen und nicht mehr das sittenreine, zarte und sanfte Mädchen. Die „Femme fatale“ tritt in den Vordergrund als unwiderstehliche, erfahrene und rätselhafte Frau.58

2 Zusammenfassung: Vorgänger der Models

Da vor dem späten 19. Jahrhundert „Mode“ ein Phänomen war, das nur in höchsten Gesellschaftsschichten existierte, war es noch nicht nötig, einer weiten Verbreitung mit Hilfe von Modellen den Anstoß zu geben. Man bedenke, dass es zu dieser Zeit auch noch keine Couturiers gab, die ihre Kleider der Bevölkerung anpreisen wollten. Vielmehr wurden modische Erscheinungen Schneidern und Schneiderinnen in Auftrag gegeben, die diese dann an den maßgeschneiderten Kleidern der Kundinnen versuchten, zu verwirklichen.

Modepuppen und Papierpuppen stellten immer stilisierte Frauen dar, die nur die Aufgabe hatten, modischen Tendenzen in bezug auf Kleidung auch überregional verbreiten zu können. Mit dem Aufkommen der Presse und den abgebildeten Frauendarstellungen in den veröffentlichten Zeitschriften und Zeitungen war dies anfangs allerdings auch zu erkennen. Erst als sich die Mode wandelte und die Erotik begann, eine wesentlich bedeutendere Rolle zu spielen, die auch demonstrativ in der Öffentlichkeit gezeigt wurde, wandelten sich mit der Mode auch die Frauendarstellungen in der Presse. Indessen ist noch keine wirkliche Persönlichkeit in den Abbildungen zu entdecken, wie sie zu einem späteren Zeitpunkt deutlich heraustreten wird. D as Ideal der damaligen Zeit wurde durch Abbildungen demonstriert, die sich alle ähnelten und denen der persönliche Touch noch weitgehend fehlte.

II. Teil: Models der Vergangenheit. Vorbemerkungen

Bevor es professionelle Models gab, wurden neueste Modeerscheinungen hauptsächlich von „Laien“ wie Verkäuferinnen, Damen der Gesellschaft und vor allem von weiblichen Theaterstars verbreitet. Nachdem jedoch die Modehäuser immer mehr auf sich und ihre Kollektionen die Konzentration lenken wollten und die Theaterdamen und die der Gesellschaft nicht bereit waren, ihre Persönlichkeit in den Schatten zu stellen, wurde nach anderen Möglichkeiten gesucht und gefunden: für die lebende Präsentation vor einzelnen Kundinnen, seit 1914 gibt es den Laufsteg, setzte man nun Vorführdamen ein. Nicht selten kam es vor, dass Frauen aus dem Rotlichtmilieu geholt wurden und für die Designer arbeiten sollten. Diese hatten, anders als die Damen der Gesellschaft, keine Probleme damit, sich zur Schau stellend in der Öffentlichkeit zu zeigen.41 Mit der Entwicklung der individuellen Modeentwürfe der einzelnen Designer und Designerinnen bildeten sich auch zunehmend immer mehr verschiedenen Frauen- und Rollenbilder, die natürlich auch auf die damaligen Schönheitsideale Einfluss hatten. Nachdem Patou 1925 eine sportlich orientierte, neue Mode für die Frauen kreiert hatte und als erster Models, noch dazu aus Amerika, für sich laufen ließ, war das Frauenbild nicht mehr geprägt von der vornehmen Dame der Gesellschaft. Vorbild war nun die „neue Frau“, die sportlich, selbständig und berufstätig auf den Laufstegen stolzierte.42

Wie sich die Mode im historischen Kontext des 20. Jahrhunderts und mit ihr die Schönheitsideale geändert haben, das soll auf den folgenden Seiten dargestellt und anhand von exemplarisch gewählten „Models“ der jeweiligen Zeit verdeutlicht werden.

1 Verbreitung der Mode ab dem 19. Jahrhundert bis heute

Das Aufkommen illustrierter Zeitschriften am Beginn des 20. Jahrhunderts bedeutet auch fast gleichzeitig den Beginn der Modefotografie. Anfangs sind die Grenzen zwischen Porträtfotografie und Modefotografie allerdings noch fließend. Noch sind es nicht professionelle Modelle, von denen die neuesten Kreationen59 60 präsentiert werden, sondern Damen der High Society oder allenfalls noch Schauspielerinnen, die ein exklusives Standesbewusstsein zur Schau tragen.61 Nachdem eine Zeitlang auch Prostituierte für Modepräsentationen Modell gestanden hatten, war Patou der erste, der professionelle Models, die seine Kollektion präsentieren sollten, aus den USA einfliegen ließ. Vorführmänner und -damen waren nun gefragt. Und diese Marktlücke erkannte als erster der Amerikaner John Robert Powers, der selbst als Model für Aufnahmen posiert hatte und nun an der Vermittlung sein Geld verdiente. Der Beruf, der nach und nach als solcher angesehen wurde, gewann langsam an Prestige. Wenig später erkannten auch andere das boomende Geschäft, und so bildeten sich auch in Großbritannien Model-Agenturen, gegründet von Lucile Clayton Ende der 20er Jahre, und abermals in den Vereinigten Staaten Ende der 30er Jahre, gegründet von Harry Conover. Letzterer brachte jedoch den respektabel gewordenen Beruf wieder in Verruf, nachdem sich herausgestellt hatte, dass er und viele seiner Geschäftsfreunde Affären mit seinen Models hatten.62

Zu den wichtigsten und einflussreichsten Model-Agenturen, die bis heute noch zu den Bedeutendsten und Größten zählt, gehört Elite. Gegründet in den 70er Jahren von John Casablancas, wies diese Agentur, anders als bisher Gegründete, ein neues Konzept auf: nicht die Mädchen kamen zu ihm, er ging vielmehr zu ihnen.63 Auf der Suche nach neuen Gesichtern entwickelte er sich zum Model-Scout, der in vielen Mädchen den Traum vom Aschenputtel erweckte. Die Möglichkeit des Entdecktwerdens, ohne sich in einer Agentur bewerben zu müssen um Model werden zu können, verlieh und verleiht bis heute noch dem Beruf eine gewisse Faszination, dass aus einem Traum Wirklichkeit werden könnte.64 Neben den Laufsteg-Präsentationen faszinierte auch immer mehr die Modefotografie, deren Entwicklung in ein eigenständiges Gewerbe immer selbständiger wurde. „Ihr Job ist es, Wünsche zu wecken, Emotionen zu schüren, Reaktionen zu provozieren“.65 Modefotografien, wenn sie gut sein sollen, spiegeln die Gesellschaft der jeweiligen Zeit wieder, zeigt ihre Gewohnheiten und gemeinsamen Bedürfnisse. Sie sind die Spiegel der Gesellschaft, reflektieren diese wieder und schreiben Geschichte auf visueller Ebene.66 In den 20er und 30er Jahren wurden Cecil Beaton und Norman Parkinson durch ihre Porträt- und Modefotografie bekannt, die jedoch ein Jahrzehnt später durch eine mehr künstlerische Fotografie abgelöst wurde.67 Die 40er und 50er Jahre gelten beispielsweise als eine große Zeit der Modefotografie. Bekannte Modefotografen sind z. B. Richard Avedon und Irving Penn, die damals ihre Karriere begannen und schnell ihren eigenen Stil entwickelt hatten.68 Avedon entwickelte einen neuartigen, sehr individuellen Stil: „Er besitzt ein außerordentliches Gespür für den sozialen Wandel und die sich damit verändernden kulturellen Wunschbilder, die er ins Bild bannt“.69 In seinen Aufnahmen sind nur die besten und bekanntesten Fotomodelle zu sehen, die in dramatischen Inszenierungen von Mode die Blicke des Betrachters fesseln. Eines der berühmtesten Fotos ist sein Bild von Dovima mit Elefanten, das im Pariser Cirque d'Hiver im Jahr 1955 aufgenommen wurde:

In einem Abendkleid von Dior steht Dovima zwischen mehreren mächtigen Elefanten, die in Bewegung sind. Sie selbst „bildet gerade aufgrund ihrer Zartheit das eigentliche Kraftzentrum des Bildes.

Ihr gesamter Körper ist eine einzige Linie von vollkommener Harmonie.

Kein statisches Moment, kein Bruch stört diese Linie und deren Einklang mit der auf einmal geradezu tänzerisch anmutenden Bewegung der Riesen um sie herum: Eleganz und Kraft sind in vollkommener Balance“.70 Auch Penn kann einen eigenen Stil vorweisen. Anders als Avedons lebendige, spontan erscheinenden Aufnahmen spiegeln Penns Bilder eine gewisse Monumentalität und verhaltene Bewegungen wieder, die er mit gekonnten schwarz-weiß Kontrasten zum Ausdruck gebracht werden.71 In den 60er Jahren erregten diejungen englischen Fotografen David Bailey, Brian Duffy und Terence Donovan mit ihrer derben, groben und direkten sexuellen Darstellungsweise das Aufsehen. Das eigentliche Motiv, die Mode, rückt in den Hintergrund. Dargestellt wird ein bestimmter Lebensstil oder ein L ebensgefühl, auf das die Mode Einfluss hat.72 Auch in den 70er Jahren herrscht Sex und Gewalt in der Modefotografie vor.73

1.1 Verkäuferinnen als Vorführdamen

Als Begründer der Haute Couture wird Charles Frederik Worth genannt, der Mitte des 19. Jahrhunderts nicht mehr als anonymer Dienstleistender zu den Kundinnen ins Haus ging, sondern den Spieß einfach umdrehte, und die Folgen der Industrialisierung für sich nützlich machte: eine neue bürgerliche Oberschicht hatte sich herausgebildet, „die sich ausschließlich durch materiellen Besitz auszeichnete und die anders als die alte Aristokratie noch keinen festen kulturellen Maßstäbe hatte [...]“.74 Diese neue Oberschicht waren demnach gewinnerbringenden Kunden, durch die sein Geschäft immer mehr florierte.

Worth ließ die Damen zu sich kommen und führte auch halbjährlich seine neuen Kollektionen von seinen Verkäuferinnen vor. Unter seinen Mannequins war auch seine Frau Marie Vernet, die entscheidend zu seinem Erfolg mitgeholfen hatte. Durch eine geschickte Selektion seiner Kundinnen hatte er es geschafft, sich einen Namen zu machen und als konkurrenzloser Herrscher über die Mode in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine solch hohe gesellschaftliche Stellung zu erlangen, die kein Schneider vor ihm jemals erreicht hatte. Schneider in diesem Sinne war er freilich auch gar nicht. Vielmehr entwarf er selbst nur seine Kleidermodelle und ließ sie von schlecht bezahlten Schneiderinnen oder Näherinnen anfertigen. So kam es, dass sein Name für exklusive Luxuskleidung für eine erlesene Kundschaft stand, zu dessen Kunden auch das englische Königshaus zählte.75

Da es noch keine Konfektion gab und die Modelle nur einmal auf einen Frauenkörper zum Vorfuhren zugeschnitten und genäht wurden, war eine Anprobe schon deshalb nicht möglich. Außerdem war es moralischer- und auch praktischerweise nicht vorstellbar, dass sich eine Dame außerhalb ihres Hauses aus- und umzog. Einmal war es unter ihrer Würde und außerdem war das An- und Auskleiden zur damaligen Zeit ohne Zofe unvorstellbar bei den Mengen an Stoffen, aus denen die Kleider waren. Für die Verkäuferinnen, die gleichzeitig auch als Vorführdamen fungierten, war diese Aufgabe eine willkommene Abwechslung. Da sie in den Augen der reichen Damen nicht mehr als Frauen niedriger Klassen waren, ohne Namen und Persönlichkeiten (mit.

Ausnahme der Gattinnen der Modeschöpfer), waren die Verkäuferinnen umso glücklicher, wenn sie die Gelegenheit hatten, als Vorführdame die neuesten Modelle präsentieren zu dürfen. Es bedeutete zum einen für sie ein sozialer Aufstieg und zum anderen eine willkommene Abwechslung in ihrem harten Arbeitsalltag. Vor allem aber hatten sie die Möglichkeit, sich für wenige Augenblicke als Art Prinzessin zu fühlen, wie es in dem Märchen um Aschenputtel geschildert wird. Es war die einzige Möglichkeit, jemals ein solch exklusives Kleid anziehen zu dürfen, da es ihnen aus finanziellen Gründen unmöglich war, sich derartige Luxusartikel leisten zu können.76

1.2 Damen der Gesellschaft und Theaterstars

Schon zu Beginn des letzten Jahrhunderts stellten Modeaufnahmen fast ausschließlich Gesellschaftsdamen und Schauspielerinnen dar. Diese waren schließlich daran gewöhnt, vor dem Publikum zu posieren und waren fur die noch wenig vorhandenen Modehäuser willkommene Modelle und Kundinnen. Vor künstlichen, auch künstlerischen Kulissen, stellten sie die Mode zur Schau und wurden abgelichtet. Da die Fotographie damals noch nicht so fortgeschritten war, als dass sie hätte Bewegungen festhalten können, nahmen die Modelle oft Haltungen ein, die die Bewegung vortäuschen sollten. Zur Hilfe wurden auch oft Körperstützen verwendet, da die Bewegung eines flüchtigen Moments noch nicht möglich war. Auch Möbel oder echte Treppen wurden gerne als Accessoires im Raum platziert, an denen sich die Modelle festhalten konnten. Diese Art von Modefotographie weitete sich in den Dreißigern soweit aus, dass bühnenreife Inszenierungen immer mehr an Gefallen fanden und auf Modeaufnahmen immer häufiger zu finden waren.77

Jedoch wurde die Kleidung der Designer nicht nur auf Fotos durch Modelle abgelichtet.

Sowohl die Bühne als auch die Tribünen in Theatern waren der Schauplatz von neuesten Modekreationen der Haute Couture.

Schauspielerinnen ließen sich aufwendige Kleider für die Bühne entwerfen, ja waren dazu verpflichtet. Es wurde ihre eigene Aufgabe, sich um die Kleidung zu ihren Auftritten zu kümmern, und auch in ihrem Leben in der Öffentlichkeit waren sie gewissermaßen verpflichtet, sich luxuriös, am besten ausgestattet von Pariser Couturiers wie Worth oder Paquin, zu kleiden, ansonsten bekamen sie meist keine Arbeit.78

1.3 Die ersten professionellen Models

Im Zusammenhang der immer stärker präsent werdenden Haute Couture, die ja von Worth gewissermaßen eingeleitet und am Anfang des 20. Jahrhunderts von Poiret und Lucile weiterentwickelt wurde, profilierte sich auch immer mehr der Beruf des Mannequins, das die Aufgabe hat, einer potenziellen Kundin die Kleider der Designer vorzuführen. Durch die Entstehung der Modefotographie und der weiteren Verbreitung der Modejournale konnte die neueste Mode, getragen von den Modellen, die dem Stil des Hauses entsprachen, auch überregional verbreitet werden. Durch publizierte Artikel in einschlägigen Zeitschriften wurde dafür gesorgt, dass das Leben der Createure und ihr Lebenswandel immer präsent waren. Dennoch gab es eine neue Herausforderung. Die neuesten Kollektionen sollten nicht nur in den Zeitschriften erscheinen: um den Kundinnen die Mode schmackhaft zu machen benötigten die Modemacher Modelle, die die Kleidung vorführen sollten. Meist waren es die Frauen der Modeschöpfer, die sich in den Kleidern ihrer Männer in der Gesellschaft zeigten und für Umsatz sorgten. Für Poiret beispielweise war seine Frau das bevorzugte Model, das sich, seine Kollektion und den Stil des Hauses perfekt wiederspiegelte. Auch andere Designer und Modeschöpferinnen suchten sich ein bestimmtes Modell aus, das ihr Haus repräsentieren sollte.79 Patou war insofern der erste, als dass durch ihn ein neues Berufsfeld in Europa geschaffen wurde: das professional modeling. Er verstand es durch effektvolle PR-Arbeit und ausgewählten Models, seine Modenschauen zu ausgefallenen gesellschaftlichen Begebenheiten zu machen.80

2 Models und Schönheitsideale im Wandel der Jahrzehnte

„Frauenbilder geben Auskunft über das Bild, das die Gesellschaft von der Frau hat. Das Bild von der Frau in einer Gesellschaft wird geprägt durch die jeweils geltenden Nomen und Wertvorstellungen und ist abhängig von politischen, sozialen und ökonomischen Rahmenbedingungen“.81 Schönheitsideale sind daher sehr subjektive Vorstellungen von Schönheit einer jeweiligen Zeit.

[...]


1 Vgl. HÖRZU 2002, Heft 24, S. 18

2 Vgl. MERSCHMANN 1998, S. 12

3 BEYER 1991, S. 149

4 HARTFIEL/HILLMANN 1982, S. 651

5 GELLER 1994, S. 75

6 Vgl. GRIESE 1976, S. 55

7 Vgl. GRIESE 1976, S. 1

8 Vgl. L0SCHEK 1999, S. 341

9 SEELING 1999, S. 635

10 Vgl. KLATT/R0Y 1991, S. 363

11 Vgl. das://blaue.buero GmbH 2000, S. 38 bis 43

12 Vgl. L0SCHEK 1999, S. 341

13 Vgl. REDLER 1994, S. 11

14 Vgl. DAUSCHEK 1994, S. 57

15 REDLER 1994, S. 59

16 Vgl. REDLER 1994, S. 21

17 REDLER 1994, S. 21

18 REDLER 1994, S. 22

19 Vgl. GUGGENBERGER 1995, S. 22

20 GUGGENBERGER 1995, S. 73

21 DAUSCHEK 1994,S. 60

22 Vgl. DAUSCHEK 1994, S. 60

23 Vgl. DAUSCHEK 1994, S. 61

24 Vgl. HASSEBRAUCK / NIKETTA 1993, S. 248

25 Vgl. REDLER 1994, S. 47

26 0TS 1994, S. 48

27 Vgl. 0TS 1994, S. 48

28 Vgl. BROWNMILLER 1984, S. 42

29 Vgl. MATHYS 1985, S. 85

30 HARTFIEL / HILLMANN 1982, S. 508

31 HARTFIEL / HILLMANN 1982, S. 509

32 Vgl. HARTFIEL / HILLMANN 1982, S. 509

33 HARTFIEL / HILLMANN 1982, S. 509

34 Unbekannter Autor, zitiert in DRENGWITZ 1994, S. 49

35 HARTFIEL / HILLMANN 1982, S. 509

36 Vgl. LOSCHEK 1999, S. 359

37 Vgl. LEHNERT 1996, S. 48

38 Vgl. LEHNERT 1996, S. 47

39 Vgl. LEHNERT 1998, S. 79

40 Vgl. MATHYS 1985, S. 87

41 Vgl. LEHNERT 1998, S. 79

42 Vgl. MATHYS 1985, S. 89

43 Vgl. MATHYS 1985, S. 90

44 Vgl. BACHMANN 1998, S. 37

45 Vgl. LEHNERT 1996, S. 45

46 Vgl. LOSCHEK 1999, S. 359

47 Vgl. THIEL 2000, S. 245

48 LEHNERT 1996, S. 46

49 Vgl. THIEL 2000, S. 245

50 LEHNERT 1996, S. 45

51 Vgl. METZGER 1998, S. 40

52 METZGER 1998, S. 40 und 41

53 Vgl. LEHNERT 1996, S. 46

54 Vgl. METZGER 1998, S.41

55 Vgl. LEHNERT 1996, S. 54

56 Vgl. LEHNERT 1996, S. 54

57 Vgl. LEHNERT 1996, S. 56

58 Vgl. LEHNERT 1996, S. 56

59 Vgl. LEHNERT 1994, S. 71

60 Vgl. LEHNERT 1994, S.72

61 Vgl. LEHNERT 1998, S. 147

62 Vgl. LEHNERT 1996, S. 74

63 Vgl. LEHNERT 1996, S.77

64 Vgl. LEHNERT 1996, S. 78

65 URBAUER 1999, S. 623

66 Vgl. URBAUER 1999, S. 623

67 Vgl. LEHNERT 1996, S. 96

68 Vgl. LEHNERT 1996, S. 85

69 LEHNERT 1996, S. 88

70 LEHNERT 1996, S. 88

71 Vgl. LEHNERT 1996, S. 90

72 Vgl. LEHNERT 1996, S. 96

73 Vgl. LEHNERT 1996, S. 97

74 LEHNERT 1996, S. 68

75 Vgl. LEHNERT 1998, S. 114und 115

76 Vgl. LEHNERT 1996, S. 70

77 Vgl. LEHNERT 1996, S. 64 und 66

78 Vgl. SEELING 1999, S. 49

79 Vgl. LEHNERT 1996, S. 71

80 Vgl. LEHNERT 1996, S. 72

81 ZINN-ZHOMAS, 1998, S. 67

Ende der Leseprobe aus 127 Seiten

Details

Titel
Die Sozialfigur Model - Didaktische Bausteine für den Realschulunterricht
Hochschule
Pädagogische Hochschule Heidelberg
Note
1,5
Autor
Jahr
2002
Seiten
127
Katalognummer
V122462
ISBN (eBook)
9783640292653
Dateigröße
16690 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sozialfigur, Model, Didaktische, Bausteine, Realschulunterricht
Arbeit zitieren
Diana Schmitt-Pozas (Autor), 2002, Die Sozialfigur Model - Didaktische Bausteine für den Realschulunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122462

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