Was ist Bewusstsein?


Hausarbeit, 2008

16 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Bewusstes

Unbewusstes Wissen

Erinnerung an die Gegenwart

Qualia

Das Leib-Seele-Problem

Geist ohne Materie

Multiples Bewusstsein

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

In dieser Arbeit werde ich versuchen zu analysieren was dazu führt, dass etwas bewusst ist und warum bestimmte Prozesse dem Bewusstsein entzogen zu sein scheinen.

Ich beginne den Text mit einer kurzen Darstellung des Bewusstseins als einen geringen Teil aller Gehirnprozesse und werfe die Frage auf, wie man erklären kann, dass offensichtlich eben nur dieses eine Fragment eine so gravierende Eigenschaft aufweist.

Im darauffolgenden Kapitel beschreibe ich einige neurologische Funktionsweisen, insbesondere solche die das Gedächtnis betreffen, und nenne Analogien mit denen diese Prozesse veranschaulicht werden können. Ich will damit deutlich werden lassen, dass Bewusstes und Unbewusstes sehr eng miteinander verflochten ist und vor allem im Bereich der Erinnerung in einem ständigen Austausch steht. Anschließend gehe ich noch genauer auf das Kurzzeitgedächtnis ein, welches durch seine Präsenz allem Anschein nach die Basis für bewusstes Erleben bildet.

Um nun die Schwierigkeit besser zu beschreiben, die trotz dieser naturwissenschaftlichen Eingrenzung des Bewusstseins immer noch besteht, erkläre ich was Qualia sind und warum ihre Existenz nicht befriedigend von der materialistischen Sichtweise auf das Bewusstsein begründet werden kann. Das damit eng verbundene Leib-Seele-Probleme versuche ich im anschließenden Kapitel aufzulösen. Dazu bediene ich mich Chalmers Theorie eines jeder Informationsverarbeitung zugrunde liegenden Bewusstseins und Görnitz’ Interpretation der Quanteninformation. Der dann folgende Abschnitt beschäftigt sich noch einmal präziser mit der Versöhnung von Geist und Materie. Ich führe dort aus, warum es sinnvoller ist dem Geist tatsächlichen Realitätscharakter zuzusprechen anstatt der Materie.

Im letzten Kapitel gehe ich zuerst auf sogenannte Split-Brain-Patienten ein, die getrennte Gehirnhälften haben, welche jeweils ein separates Bewusstsein besitzen, und komme darüber zu Menschen mit Multipler Persönlichkeitsstörung. Diese Beispiele sollen noch einmal meine These verdeutlichen, dass Prozesse, die unserem Bewusstsein nicht zugänglich sind, nicht zwangsläufig ohne Bewusstsein sein müssen.

Abschließend beschreibe ich in einem Fazit meine eigenen Überlegungen und Schlüsse und verknüpfe sie mit den relevanten Darstellungen im Text.

Bewusstes

Um sich über die Problematik, welche sich aus dem Vorhandensein des Bewusstseins ergibt, klar zu werden, muss man sich erst einmal vor Augen führen, dass die Menge der Information, die im Gehirn zwar verarbeitet wird, aber unbewusst bleibt, ein gewaltiges Übergewicht hat und derjenige Anteil, der ins Bewusstsein dringt eine außerordentlich hohe, gefilterte Komprimierung darstellt. Der überwiegende Teil dieses bewussten Erlebens wird von einem summarischen Lagebericht des Befindens und von verhaltenstauglichen Konstrukten und Interpretationen der Umwelt und des eigenen Körpers gebildet. Auch bei logisch-kausalen Sonderleistungen des Bewusstseins, wie dem Denken oder dem geplanten Handeln, bleiben Eigenschaften ihrer unbewusste Herkunft merklich bestehen (vgl. Oeser/Seitelberger 1995: 95-96). Umgekehrt besteht in der kognitiven Psychologie auch allgemeine Einigkeit darüber, dass es rein mentale Vorgänge gibt, die unbewusst sind. Wahrnehmungsbilder beruhen auf einem Konstruktionsprozess, der durch begriffliche Kategorien, Erfahrungswissen und gestalthafte Organisation gebildet wird. Beim Sprechen bilden wir ständig mehr oder weniger komplizierte Sätze nach bestimmten grammatikalischen Regeln. Das alles geschieht, ohne dass wir uns dessen bewusst sind (vgl. Gadenne 1996: 90).

Angesichts dieser Tatsachen kann sich einem nun durchaus die Frage stellen, ob Bewusstsein denn überhaupt notwendig sei. Die Entstehung des Bewusstseins in der Evolution des Menschen scheint jedenfalls keinen Einschnitt und keine Emergenz darzustellen, sondern ist vielmehr die Konsequenz einer kontinuierlichen Entwicklung. Sie ist aber dennoch auch keine Vorraussetzung für Handeln im Sinne einer informationsverarbeitenden Gehirnleistung. Laut Turing kann jede logische Aufgabe auch von einem Automaten gelöst werden (vgl. Oeser/Seitelberger 1995: 96-97).

Unbewusstes Wissen

Wenn man aufmerksam und konzentriert denkt oder handelt findet eine kontrollierte Informationsverarbeitung statt. Man geht seriell vor. Jemand der gerade erklärt bekommen hat wie man ein Auto startet und das Handlungsprogramm nun ausführt, wird eine Teilhandlung nach der anderen ausführen, wobei viel bewusste Aufmerksamkeit nötig ist. Ein routinierter Autofahrer kann hingegen die entsprechende Bewegungsabfolge sehr schnell und automatisch ausführen, ohne sich auf die Einzelheiten konzentrieren zu müssen (vgl. Gadenne 1996: 107-108). Philip Johnson-Laird vertrat die Hypothese, dass spezielle Sinnes-, Erkenntnis- und Bewegungssysteme deshalb so schnell arbeiten könnten, weil sie parallel abliefen. Hingegen entsprächen bewusste Aktivitäten einer Art seriellem Betriebssystem. Dieses hätte keinen Zugang zu den Einzelheiten der Vorgänge des Systems, sondern nur zu den Ergebnissen, die diese lieferten (vgl. Crick 1994: 251).

Man geht allgemein davon aus, dass eine kontinuierliche neuronale Aktivität die Grundlage dafür bildet, dass wir uns etwas einprägen können (vgl. Calvin/Ojemann 1994: 149). Das gespeicherte Muster funktioniert wie ein Strichcode auf einer Supermarkt-Packung. Neue Erfahrungen könnten es also erforderlich machen einen neuen Code zu erzeugen. Ist dieses Muster generiert, bleibt es einfach vorhanden und wartet darauf, dass etwas in Resonanz mit ihm wieder ein raumzeitliches Muster hervorruft. Man kann also von einem passiven und einem aktiven Gedächtnis sprechen (vgl. ebd.: 154-156). Wenn man eine Sprache oder eine motorische Fertigkeit erlernt, dann verlangt dies beträchtliche Anstrengung und Konzentration, man muss die sprachliche Verknüpfung oder die Bewegungsabfolge viele Male wiederholen. Wenn das zu Lernende aber erst einmal im Langzeitgedächtnis gespeichert ist, fällt einem gar nicht mehr auf, dass man etwas neues gelernt hat, doch wenn man es abruft, ist es vorhanden. Ohne Übung könnte zwar ein Teil davon ins Langzeitgedächtnis gelangen, das meiste ginge allerdings verloren (vgl. Thompson 1994: 385-386).

Man kann also auch etwas wissen, ohne sich dessen bewusst zu sein. Die Unterscheidung zwischen explizitem und implizitem Gedächtnis macht dies klar. Das explizite Gedächtnis kann überprüft werden, indem man Personen ein Liste mit Worten auswendig lernen lässt und sie dann bittet diese zu wiederholen. Das implizite Gedächtnis hingegen wird überprüft, indem man den Probanten nach dem Auswendiglernen stattdessen eine Liste mit den ersten beiden Buchstaben der Wörter vorlegt und sie bittet das erste Wort zu nennen, das ihnen dazu einfällt. Patienten mit anterograder Amnesie können die implizite Aufgabe ohne Probleme lösen, während sie nicht im Stande sind die explizite zu lösen (vgl. ebd.: 429).

Wenn eine neue Information ins Gedächtnis eingebracht wird, steigert sich die Aktivität der Neuronen ein paar Sekunden lang und sinkt dann wieder auf einen Grundwert. Wird die gespeicherte Information zum ersten Mal wieder hervorgeholt, steigert sich die Aktivität wieder, diesmal aber nicht bei so vielen Neuronen und nicht so lang. Es scheint so als würde das Gehirn versuchen die ursprüngliche Aktivität zu rekonstruieren. Wird die Information weitere Male abgerufen dann ist jeweils noch weniger Aktivität zu beobachten als vorher. Man braucht weniger Gehirn um etwas zu tun, was man vorher gut geübt hat (vgl. Calvin/Ojeman 1994: 150-151).

Die meisten Forscher stimmen darin überein, dass die Reproduktion eines Gedächtnisinhaltes darin besteht, eine Sequenz von neuronalen Entladungen zu erzeugen, die zwar ein paar Details weglässt, aber dem Muster bei der Einprägung immer noch ähnelt. Dieser Mechanismus erinnert an den der Anzeigetafeln in Sportstadien. Dort erzeugen viele kleine Lichter, die an- und ausgehen, eine Botschaft. Und zwar unabhängig davon wo die Botschaft auf der Tafel erscheint. Ein Apfel ist beispielsweise immer ein Apfel, egal welche Lampen ihn erzeugen (vgl. ebd.: 153).

Das Gehirn könnte eine Erinnerung dadurch verstärken, dass es sie ein paar Mal wiederholt, solange sie noch frisch ist. Der Hippocampus könnte den Kortex, dazu bringen Prozeduren zu wiederholen um sie zu verfestigen. Wenn der Hippocampus dem Kortex das Bruchstück eines Ereignisses von letzter Woche vorspielt, könnte dieser, wenn er gerade nicht anders beschäftigt ist, in eine Resonanz mit dem Muster geraten und dieses ergänzen. So könnte ein kortikales Muster wiederholt geübt werden. Dem Schlaf käme hierbei eine wichtige Rolle zu, da der Kortex dann nicht gleichzeitig äußere Reize verarbeiten müsste. Ein solcher Auffrischungskurs könnte sich als nächtlicher Traum bemerkbar machen. Diese Theorie würde auch erklären warum Schlafentzug die Gedächtnisleistung beeinträchtigt (vgl. ebd.: 160).

Für die Untersuchung des Bewusstseins ist vor allem das Ultrakurzzeitgedächtnis interessant, denn es scheint so, als ob wir kein Bewusstsein mehr hätten, wenn wir alle Formen von Erinnerung für neue Ereignisse verlören (vgl. Crick 1994: 95).

Erinnerung an die Gegenwart

Einige Forscher haben bereits vorgeschlagen das Bewusstsein mit dem Inhalt des Kurzzeitgedächtnisses gleichzusetzen. Ins Kurzzeitgedächtnis können Informationen sowohl über die Sinnesorgane als auch durch Abruf aus dem Langzeitgedächtnis gelangen (vgl. Gadenne 1996: 93).

„Das Kurzzeitgedächtnis ist kein Speicher an einem bestimmten räumlichen Ort, sondern eine Menge von gespeicherten Informationen in aktiviertem Zustand“ (Gadenne 1996: 97).

Es werden im Kurzzeitgedächtnis also die Strukturen aktiviert, die Träger von Informationen sind. Allerdings beinhaltet das Kurzzeitgedächtnis in einem Augenblick mehr als dem Bewusstsein in diesem Moment entspricht (vgl. Gadenne 1996: 97-98). Crick spricht deshalb von einem latenten Kurzzeitgedächtnis, das durch kurzfristige Synapsenänderungen entsteht, die es ermöglichen, dass ein Feuern der Neuronen schnell wieder aufgenommen werden kann (vgl. Crick 1994: 294).

Das aktive Kurzzeitgedächtnis wäre dann gleichzusetzen mit dem ikonischen Gedächtnis. Das ist eine Art fotografisches Gedächtnis, welches etwa 200 Millisekunden anhält (vgl. Thompson 1994: 381). Es könnte sein, dass seine Funktion darin besteht, ausreichend Zeit zur Verarbeitung sehr kurzer Signale zur Verfügung zu stellen (vgl. Crick 1994: 97). Nicht diese Verarbeitung, sondern das Resultat gelangt dann ins Bewusstsein. Das ikonische Gedächtnis würde praktisch die Einheiten des Bewusstseins bilden. Es ist der „Augenblick der Wahrnehmung“. Wird einer Person beispielsweise kurz ein roter Reiz gezeigt und unmittelbar darauf an der gleichen Stelle genauso kurz ein grüner, so sieht die Person einen gelben Reiz (vgl. ebd.: 99).

Qualia

Qualitative Unterschiede können also durch die Wissenschaft quantitativ beschrieben werden. Rot unterscheidet sich von blau aufgrund verschiedener Wellenlängen, süß von salzig aufgrund verschiedener Zusammensetzungen der Moleküle und Liebe von Hass aufgrund verschiedener räumlicher Anordnungen von Neuronen. Was aber nicht beschrieben werden kann sind die Qualia. Die Erfahrungen. Wenn zwei Personen eine rote Rose betrachten kann man niemals ausschließen, dass eine Person diese Rose in einer Farbe wahrnimmt, die die andere Person als blau beschreiben würde. Selbst wenn man über die bestmögliche Beschreibung der Vorgänge im Gehirn einer Person verfügen würde wenn diese rot sieht, könnte man mit all diesem Wissen nicht die Qualia dieser Person erfassen. Nicht nur das, man könnte nicht einmal sicher sein, dass diese Person überhaupt Qualia hat. Eine Maschine kann Farben mit größerer Genauigkeit benennen als irgendein Mensch. Hat deshalb diese Maschine Qualia? Es ist prinzipiell unmöglich Qualia nachzuweisen. Auch in der Zukunft wird niemand jemals beweisen können, dass irgendjemand Qualia besitzt. Es liegt einfach in deren Natur, dass sie sich nicht objektiv erfassen lassen (vgl. Elitzur 2006: 16-20).

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Was ist Bewusstsein?
Hochschule
Technische Universität Darmstadt  (Institut für Philosophie)
Veranstaltung
Die Verstofflichung des Denkens
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
16
Katalognummer
V122481
ISBN (eBook)
9783640278589
ISBN (Buch)
9783640282715
Dateigröße
410 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bewusstsein, Qualia, Denken, Leib-Seele-Problem, Geist, Unbewusstes, Panpsychismus, Quanteninformation, Chalmers
Arbeit zitieren
Patrick Zimmerschied (Autor:in), 2008, Was ist Bewusstsein?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122481

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