Der Stakeholder-Value-Ansatz in Unternehmen. Erwartungen, Ziele und Strategien


Hausarbeit, 2018

18 Seiten, Note: 1,7

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einführung

1. Definition Stakeholder

2. Ansätze der Stakeholder Theorien
2.1 Normative Stakeholder Theorie
2.2 Deskriptive Stakeholder
2.3 Instrumentelle Stakeholder Theorie

3. Erfassung der Stakeholder

4. Segmentierung der Stakeholder

5 Anspruchsgrundlage der Stakeholder

6. Implizite und Explizite Ansprüche der Stakeholder

7. Konzeption des Stakeholder Ansatzes

8. Stakeholder Management im Unternehmen

5. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Zusammenfassende Darstellung der Stakeholder Interessen

Einführung

Vor dem Hintergrund zunehmender Internationalisierung und Kapitalmarktorientierung gewinnt die wertorientierte Unternehmensführung seit Jahren an Bedeutung. Die wach­sende Relevanz privater und institutioneller Investoren sowie der Markt für Unterneh­menskontrolle stellen die Maximierung des Unternehmenswertes immer mehr in den Mit­telpunkt und machen die Verwendung eines geeigneten Controlling Instruments unab­dingbar.

Das Konzept des Shareholder Value Managements passt sich erfolgreich dieser voran­schreitenden Situation an und schafft eine aussagefähige, vergleichbare Kennzahl für Fi- nanzanalysten.1 Nach dem Shareholder Value Prinzip handelt ein Unternehmen im Sinne der Anteilseigner, mit der Zielsetzung den Unternehmenserfolg langfristig durch Gewinn­maximierung und Erhöhung des Eigenkapitals zu maximieren. Doch die alleinige Aus­richtung eines Unternehmens, auf Steigerung des Unternehmenswerts im Interesse der Anteilseigner greift zu kurz. In Zeiten von gesättigten Märkten, wegbrechender Nach­frage und veränderten Kundengewohnheiten ist die Fokussierung auf einzig den monetä­ren Wert eines Unternehmens nicht ausreichend.2

Erfolgreiches Beziehungsmanagement ist zentraler Erfolgsfaktor des 21. Jahrhunderts. Intensive Kundenbeziehungen, engagierte Mitarbeiter, innovative Produkte, eine gute Reputation und erfolgreiche Beziehungen zu Händlern, Anteilseignern und anderen Sta­keholder Gruppen machen die Gewinner der wettbewerbsintensiven Märkte von heute aus.

Das Konzept des Stakeholder Value Management greift dieses Thema auf, mit dem Ziel einer ausbalancierten Integration sämtlicher Anspruchsgruppen des Unternehmens.

Ziel dieser Arbeit ist eine kritische Analyse des Stakeholder Value-Ansatzes im Unter­nehmen. Zunächst werden die relevanten Stakeholder bestimmt. Im Anschluss an die Identifizierung der relevanten Stakeholder erfolgt die Analyse ihrer Erwartungen und

Ziele. Nachdem die Beeinflussungsstrategien der Stakeholder analysiert worden sind, wird das Stakeholder Management im Unternehmen näher beschrieben.

1. Definition Stakeholder

Der Begriff „Stakeholder“ entstand 1963 am Stanford Research Institute und wurde ur­sprünglich als Gegenpol zu dem schon damals aktuellen Shareholder Value-Ansatz kon- zipiert.3 Neben der etymologischen Begriffsdeutung, die den Stakeholder als jemanden betrachtet, für den etwas auf dem Spiel steht („at stake“) bzw. als jemanden, der ein Inte­resse („stake“) an einer Sache hat, lassen sich verschiedene weit- und enggefasste Defi­nitionen unterscheiden.4 So definiert FREEMAN einen Stakeholder als „..any group or individual who can affect or is affected by the achievement of the organisation's objec­tives...“5. Diese Definition schließt also nur jene Personen, Gruppen oder Institutionen aus, welche die Unternehmung nicht beeinflussen können. Enger gefasste Definitionen, wie z.B. jene des Stanford Research Institutes aus dem Jahr 1963 schränken den Begriff des Stakeholders insofern ein, als dass sie Stakeholder Gruppen als jene Gruppen defi­nieren, die eine direkte Relevanz für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und deren Fortbestand des Unternehmens haben, indem sie diese als „those groups, without whose support the organisation would ceaseto exist.“6 normieren.

Wesentliches Merkmal des Stakeholder Value-Ansatzes ist es, dass die Unternehmungs­führung nicht länger nur den Eigentümern gegenüber als einziger Anspruchsgruppe ver­antwortlich ist und deshalb ihre Aktivitäten auch nur einseitig an den Interessen dieser Gruppe ausrichtet. Vielmehr verdeutlicht der Stakeholder Value-Ansatz, dass unterschie­dliche unternehmungsexterne und -interne Personen, Gruppen und Institutionen das Ges­chehen in einer Unternehmung und deren wirtschaftliche Leistungsfähigkeit beeinflus- sen7: „The stockholders are only one of many competing and diverse groups that impact the modern corporation, organization, or institution and must increasingly be considered by it if it is to survive, that is, if it is to assume control of its destiny. “8

Im Gegensatz zum Shareholder- fordert der Stakeholder Value-Ansatz, dass das Manage­ment einer Unternehmung eine erheblich größere Zahl an Einflussnehmern in ihren Hand­lungen berücksichtigen muss, will sie erfolgreich agieren. Der Stakeholder Value-Ansatz analysiert deshalb diese Einfluss Nehmer und leitet daraus mögliche Strategien für eine langfristig orientierte Sicherung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit einer Unterneh­mung ab.9

2. Ansätze der Stakeholder Theorien

Für das Konzept des Stakeholder Ansatzes ist die Beziehung des Unternehmens zu seinen strategischen Anspruchsgruppen aus drei verschiedenen Blickwinkeln zu analysieren. Diese sind jedoch nicht als Gegensatz, sondern als eine gegenseitige Ergänzung anzuse­hen. Nach Donaldson und Preston ist eine Unterteilung der Stakeholder Theorie in drei Ausprägungsformen sinnvoll:

- Normative Stakeholder Theorie
- Deskriptive Stakeholder Theorie
- Instrumentelle Stakeholder Theorie10

2.1 Normative Stakeholder Theorie

Die Normative Stakeholder Theorie befasst sich mit der Frage aus welchen Gründen sich ein Unternehmen mit den Ansprüchen seiner Stakeholder befassen sollte. In diesem Zu- sammenhang stehen vor allem moralische Verpflichtungen zu einem Stakeholder orien­tierten Management im Mittelpunkt. Donaldson und Pretston sehen den normativen An­satz als Grundlage für die deskriptive und instrumentelle Stakeholder Theorie.11

2.2 Deskriptive Stakeholder Theorie

Der deskriptive Aspekt bietet ein Modell zur Erklärung und Beschreibung der Beziehun­gen zwischen den Anspruchsgruppen und Organisationen.12 Der deskriptive Stakeholder Ansatz, reflektiert und erklärt die vergangene, gegenwärtige und zukünftige Konstellation der Organisation und ihrer Anspruchsgruppen13, wobei der Fokus der Analyse auf den unterschiedlichen Interaktionen liegt. Laut de Colle ist das Hauptziel des deskriptiven Ansatzes, einen Erklärungsansatz für die komplexen Interaktionen zwischen den vielfäl­tigen Interessensgruppen zu bieten, indem deren hauptsächliche Interessen ermittelt wer­den. Der deskriptive Ansatz bietet ebenfalls einen Rahmen zur Überprüfung des empiri­schen Anspruchs der Theorie wie auch der Prognosen.14

2.3 Instrumentelle Stakeholder Theorie

Der instrumentelle Aspekt des Stakeholder Ansatzes, wie ihn Jones vorgeschlagen hat, geht von der Annahme aus, dass „The firm will gain competitive advantage if it is able to develop relationships with its stakeholders based on mutual trust and cooperation. “15 Bei Nichtbeachtung der Ansprüche ginge die Organisation hingegen ein großes Risiko ein. Infolgedessen wird ein Unternehmen erfolgreicher, wenn es den Interessen seiner Stake­holder gerecht wird und es die Stakeholder Perspektive teilt. Der instrumentelle Ansatz bietet den Rahmen zur Untersuchung von Beziehungen zwischen der Unternehmungslei- tung und unterschiedlichen Anspruchsgruppen und zur Überprüfung der Wechselwirkun­gen beispielsweise zwischen der Organisationspraxis und der Erreichung der Aufgaben­ziele. Dabei werden die Anspruchsgruppen instrumentalisiert, sie werden also als Mittel zur Verbesserung unternehmerischer Performance betrachtet.16

3. Erfassung der Stakeholder

Stakeholder sind all diejenigen Individuen, Gruppen und Institutionen, welche die Ziele und das Handeln eine Unternehmung durch Ihre Ansprüche aktiv beeinflussen können, aber auch durch die Zielerreichung und das unternehmerische Handeln selbst beeinflusst werden.17 Demnach kommen als Stakeholder folgende Gruppen und Individuen in Be- tracht18:

- Das Top-Management
- Die Mitarbeiter mit Führungsverantwortung
- Alle weitern Mitarbeiter
- Die Eigentümer der Unternehmung
- Die Kunden
- Die Lieferanten
- Die Fremdkapitalgeber
- Die Wettbewerber
- Der Staat
- Verbände und Organisationen (falls sie ein besonderes Interesse an den Aktivitä­ten der betreffenden Unternehmung haben) sowie
- Die allgemeine Öffentlichkeit, oftmals vertreten durch die Medien
- Aktionäre (Innerhalb der Gruppe der Aktionäre wird zwischen institutionellen In­vestoren, Groß- und Kleinaktionären differenziert. Die Gruppe der institutionellen

Investoren umfasst Investmentfonds, Versicherungen sowie Kapitalanlagegesell- schaften.19 Großaktionäre sind Anteilseigner, die mindestens 5% des Grundkapi­tals besitzen20. Als Kleinaktionäre werden solche bezeichnet, die einen ver­gleichsweise geringen relativen Anteil am Grundkapital einer Aktiengesellschaft haben. Entscheidend für die Differenzierung der Stakeholder ist jedoch deren Möglichkeit zur Einflussnahme auf die Unternehmung bzw. deren Machtgrund- lage.21 )

4. Segmentierung der Stakeholder

Um der Heterogenität der Stakeholder gerecht zu werden, werden diese in interne und externe Anspruchsgruppen segmentiert. Interne Anspruchsgruppen sind bspw. Eigentü­mer, Management und Mitarbeiter, während es sich bei den externen Anspruchsgruppen z.B. um Lieferanten, Fremdkapitalgeber, Kunden, Gesellschaft oder Staat handelt. Interne Anspruchsgruppen sind direkt an der Unternehmensführung beteiligt, externe Stakehol­der können nur indirekten Einfluss auf die Unternehmensaktivitäten nehmen.22

5. Anspruchsgrundlage der Stakeholder

Der Anspruch des Stakeholders an der Unternehmung ist primär durch das Bereitstellen von materiellen oder immateriellen Ressourcen begründet. Diese Ressourcen setzen sich nach Figge/ Schaltegger folgendermaßen zusammen:

- „Kapitalressourcen wie Finanz- (Eigen- und Fremdkapital), Real- (Grundstücke, Gebäude usw.) und Human (Arbeitskräfte) oder Naturalkapital (Erze, Wasser, De­ponieraum usw.);
- Vertrauensressourcen wie gesellschaftliche Akzeptanz und gutes Arbeitsklima in der Unternehmung;
- Information und Know-How.23

Diese materiellen und immateriellen Ressourcen werden aber nur solange dem Unterneh­men zur Verfügung gestellt, solange das Verhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung positiv ist. Ein wesentliches Merkmal der Stakeholder Beziehungen ist die „gegenseitige Abhängigkeit, das heißt, dass Anspruchsgruppen im Erreichen ihrer Ziele vom Unterneh­men abhängen und das Unternehmen von ihnen abhängt.“24

[...]


1 Vgl. Stührenberg, Lutz: Werteorientierte Unternehmensführung, S. 1 f.

2 Vgl. Matzler, Kurt: Werte schaffen, S. 6 ff.

3 Vgl. Eberhardt, Stefan: Wertorientierte Unternehmungsführung, S. 145

4 Vgl. Poeschl, Hanno: Strategische Unternehmensführung zwischen Shareholder-Value und Stakeholder­Value, S. 129

5 Vgl. Freeman, R. Edward: Stockholders and Stakeholders, S. 84

6 Vgl. Stanford memo, zitiert nach Freeman, R. Edward: Stockholders and Stakeholders, S. 31

7 Vgl. Freeman, R. Edward: Stockholders and Stakeholders, S. 89

8 Vgl. Mitroff, Ian: Stakeholders, S. 4

9 Vgl. Eberhardt, Stefan: Wertorientierte Unternehmungsführung, S. 145

10 Vgl. Donaldson, Thomas, Preston, Lee E.: The stakeholder Theory of the Corporation, S. 74

11 Vgl. Donaldson, Thomas, Preston, Lee E.: The stakeholder Theory of the Corporation, S. 72

12 Vgl. Schaltegger, Stefan: Bildung und Durchsetzung von Interessen zwischen Stakeholdern der Unter­nehmung, S. 3

13 Vgl. Donaldson, Thomas, Preston, Lee E.: The stakeholder Theory of the Corporation, S. 71

14 Vgl. Donaldson, Thomas, Preston, Lee E.: The stakeholder Theory of the Corporation, S. 66

15 Vgl. Jones, Thomas M.: Instrumental Stakeholder Theory: A Synthesis of Ethics and Economics, S.

16 Vgl. Blohm, Maria Cristina: Zugang zu humangenetischen Ressourcen, S. 25

17 Vgl. Fink, Dietmar: Strategische Unternehmensberatung, S. 145

18 Vgl. Gomez, Peter: Wertmanagement, S. 8 ff.

19 Vgl. Reilly, Frank K., Brown Keith C.: Investment Analysis, S. 51 ff.

20 Vgl. Portisch, Wolfgang: Überwachung, S. 36

21 Vgl. Duss, Arne: Wertorientierte Unternehmungstranformation, S. 55 f.

22 Vgl. Janisch, Monika: Das strategische Anspruchsmanagement. Vom Shareholder Value zum Stake­holder Value, S. 131

23 Vgl. Figge, Frank, Schaltegger, Stefan: Stakeholder Value, S. 11

24 Vgl. Figge, Frank, Schaltegger, Stefan: Stakeholder Value, S. 11

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Der Stakeholder-Value-Ansatz in Unternehmen. Erwartungen, Ziele und Strategien
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, München früher Fachhochschule
Note
1,7
Jahr
2018
Seiten
18
Katalognummer
V1224878
ISBN (Buch)
9783346654618
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kritische, analyse, stakeholder, value-ansatzes
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Der Stakeholder-Value-Ansatz in Unternehmen. Erwartungen, Ziele und Strategien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1224878

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