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Das Frauenstudium im Angesicht der nationalsozialistischen Bildungspolitik

Titel: Das Frauenstudium im Angesicht der  nationalsozialistischen Bildungspolitik

Hausarbeit , 2022 , 24 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Sebastian Hellwig (Autor:in)

Geschichte Deutschlands - Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Angesichts eines Frauenanteils von 49,9% unter allen Studierenden im Wintersemester 2020, der weniger als 1% unter dem Anteil aller Frauen an der deutschen Gesamtbevölkerung lag , scheint die Gesellschaft Studieninteressierten des weiblichen Geschlechts heutzutage keine oder lediglich marginale Hürden aufzuerlegen. Diese erfreulichen Zahlen mögen darüber hinwegtäuschen, dass die Gleichberechtigung von Frau und Mann in Fragen des Hochschulzugangs ein Produkt der jüngsten Vergangenheit deutscher Geschichte ist und als solches erst seit einem vergleichsweise kurzen Zeitraum existiert. Dem subjektivem Empfinden nach kann es daher unwirklich erscheinen, dass sich das Frauenstudium erst zu Beginn des letzten Jahrhunderts zögerlich und unter teils großen Widerständen in der Gesellschaft etablierte. In besonderem Kontrast zur heutigen Bildungspolitik steht die Bildungspolitik während der Zeit des Nationalsozialismus (NS), die insbesondere in ihren Anfängen aktiv versuchte, die Fortentwicklung des Frauenstudiums zu hindern. Eben jene NS-Bildungspolitik (NS-BP) , die auf das Studium von Frauen Bezug nimmt, soll Gegenstand dieser Arbeit sein. Vorrangig gilt es daher die nachfolgende Forschungsfrage zu beantworten: Wie reagierten die Nationalsozialisten während der NS-Zeit auf die Beteiligung von Frauen an der höheren Bildung?

Um einen geordneten Gang der Untersuchung sicherzustellen und die Voraussetzungen für eine adäquate Beantwortung der Forschungsfrage zu schaffen, wird im Zuge der Arbeit zunächst geklärt, wie sich das Frauenstudium bis zum Beginn der Machtergreifung der Nationalsozialisten entwickelte und auf welchen daraus resultierenden Ist-Zustand die NS-Bildungspolitik reagierte. Die NS-BP wurde darüber hinaus maßgeblich durch die NS-Ideologie beeinflusst. Das ihr zugrundeliegende Frauenbild definierte die an Studentinnen adressierte Politik maßgeblich, weshalb auch dieses näher beleuchtet werden muss. Im Anschluss soll die NS-BP mit ihren gesetzten Zielen und den zur Zielerreichung getroffenen Maßnahmen betrachtet werden. Dabei müssen insbesondere die dynamische Veränderung über die Zeit und die für die
Veränderung ursächlichen Gründe analysiert werden. Schlussendlich gilt es auch Auswirkungen der NSBP unter Zuhilfenahme empirischer StudentInnen-Zahlen zu beurteilen, um so Rückschlüsse auf die Effektivität bildungspolitischer Maßnahmen ziehen zu können.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Hinführung zur Thematik

2. Entwicklung des Frauenstudiums bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten

3. Frauen und das Frauenstudium in der NS-Ideologie

4. Die nationalsozialistische Bildungspolitik

4.1. Die erste Phase der NS-Bildungspolitik

4.2. Die zweite Phase der NS-Bildungspolitik

5. Wirksamkeitsuntersuchung der NS-Bildungspolitik

5.1. NS-Politik und Entwicklung der StudentInnen-Zahlen

5.2. Alternative Erklärungsansätze

6. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen der nationalsozialistischen Ideologie und der tatsächlichen Beteiligung von Frauen am universitären Studium. Hierbei wird analysiert, wie das NS-Regime durch bildungspolitische Maßnahmen versuchte, den Zugang von Frauen zur höheren Bildung zu steuern, und ob die realen Schwankungen der Studentinnenzahlen tatsächlich auf diese Politik zurückzuführen sind oder durch externe ökonomische und demografische Faktoren bestimmt wurden.

  • Historische Entwicklung des Frauenstudiums bis 1933
  • Die Rolle der nationalsozialistischen Frauenideologie
  • Differenzierung der NS-Bildungspolitik in zwei Phasen (1933–1935 und 1935–1939)
  • Empirische Analyse der Studentinnenzahlen und Stipendienvergabe
  • Bewertung der Effektivität bildungspolitischer Steuerung im Vergleich zu sozio-ökonomischen Einflüssen

Auszug aus dem Buch

Die erste Phase der NS-Bildungspolitik

Das Gesetz gegen die Überfüllung der deutschen Schulen und Hochschulen vom 25.04.1933 ist eines der ersten Gesetzgebungsinitiativen, die die Nationalsozialisten auf den Weg brachten und die zentrale Maßnahme im Kampf gegen das Frauenstudium. Der Name des Gesetzes als auch §1 des selbigen („bei den Hochschulen ist die Zahl […] der Studenten soweit zu begrenzen, daß [!] […] dem Bedarf der Berufe genügt ist“) implizieren, dass das Gesetz verabschiedet wurde, um die Überfüllungskrise als auch die Akademikerarbeitslosigkeit zu bekämpfen. Hierdurch wurden geschickt die Befürchtungen und Vorbehalte der Akademiker aufgegriffen, um diese für die NS-BP zu gewinnen. Zeitgleich wird mit dem gewählten Wortlaut die eigentliche Intention der Gesetzesinitiative, namentlich die Ausgrenzung von Minderheiten zur Verwirklichung der NS-Ideologie, kaschiert. Dies beweist bspw. die ursprünglich angedachte Bezeichnung („Gesetz gegen die Überfremdung der deutschen Schulen und Hochschulen“) oder ein Blick in §4 I S. 1 und §4 II S. 1 des Gesetzes, die ausdrücklich den Hochschulzugang für nicht-arische Studierende beschränken.

In dem Gesetz selbst lassen sich keine Sonderbestimmungen für Frauen finden. Dies ändert sich jedoch mit dem das Gesetz konkretisierenden Erlass des Reichsinnenministeriums vom 28.12.1933 mit Bekanntgabe zum 12.01.1934 unter Federführung von Reichsinnenminister Frick: Demzufolge durften im Jahr 1934 nur die 15.000 besten der insgesamt 40.000 AbiturientInnen die zum Studium berechtigende Hochschulreife erhalten, unter denen sich jedoch maximal 10 % (bzw. 1.500) Frauen befinden durften. Dieser Numerus Clausus (NC) realisierte erstmals die ideologisch motivierte Diskriminierung von studierwilligen Frauen, da von den voraussichtlich 10.000 Abiturientinnen nur in etwa jede Siebte, von den voraussichtlich 30.000 Abiturienten dahingegen jeder Zweite eine Hochschulzugangsberechtigung erhalten würde. Beim Test, der durch die Entkopplung von Abitur und Hochschulzugangsberechtigung vor dem Studium zum Erhalt einer Immatrikulationsbescheinigung abgelegt werden musste, mussten Frauen in der Folge eine höhere Punktzahl (163 Pkt.) als ihre Schulkameraden (153 Pkt.) erzielen, um eine entsprechende Zulassung zu erhalten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Hinführung zur Thematik: Einführung in die Forschungsfrage hinsichtlich der Reaktion des NS-Regimes auf die akademische Bildung von Frauen sowie die methodische Vorgehensweise.

2. Entwicklung des Frauenstudiums bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten: Darstellung der Etablierung des Frauenstudiums in Deutschland und der prekären Ausgangslage der Hochschulen durch die Überfüllungskrise zu Ende der Weimarer Republik.

3. Frauen und das Frauenstudium in der NS-Ideologie: Analyse des antifeministischen Menschenbildes im Nationalsozialismus, das das Studium als Bedrohung für die biologische Zukunft der "Rasse" ansah.

4. Die nationalsozialistische Bildungspolitik: Untersuchung der zwei Phasen der NS-Bildungspolitik, von der restriktiven Eindämmung bis hin zur notgedrungenen Öffnung aufgrund von Fachkräftemangel.

5. Wirksamkeitsuntersuchung der NS-Bildungspolitik: Empirische Gegenüberstellung von bildungspolitischen Maßnahmen und den tatsächlichen Studentinnenzahlen sowie Einordnung demografischer und ökonomischer Variablen.

6. Schlussbetrachtung: Fazit zur begrenzten tatsächlichen Wirksamkeit der NS-Bildungsmaßnahmen und Hinweis auf die übergeordnete Bedeutung sozio-ökonomischer Faktoren.

Schlüsselwörter

Frauenstudium, Nationalsozialismus, Bildungspolitik, NS-Ideologie, Akademikerarbeitslosigkeit, Überfüllungskrise, Numerus Clausus, Arbeitsdienst, Frauenquote, Geschlechterrollen, Stipendienpolitik, demografischer Wandel, Fachkräftemangel, Weimarer Republik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie das nationalsozialistische Regime Einfluss auf das Frauenstudium nahm und welche bildungspolitischen Instrumente hierfür eingesetzt wurden.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Zentrum stehen die NS-Ideologie, die chronologische Entwicklung der Bildungspolitik zwischen 1933 und 1939 sowie die empirische Entwicklung der Studentinnenzahlen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Untersuchung?

Die Forschungsfrage lautet, wie die Nationalsozialisten während der NS-Zeit auf die Beteiligung von Frauen an der höheren Bildung reagierten und inwieweit bildungspolitische Maßnahmen dabei wirksam waren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine historische Analyse, die Primärdaten, insbesondere StudentInnenzahlen und Gesetzestexte, sowie eine breite fachwissenschaftliche Literatur auswertet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Aufarbeitung des historischen Kontextes (Weimarer Republik), die ideologische Fundierung, die zwei Phasen der NS-Bildungspolitik sowie die kritische Wirksamkeitsprüfung anhand empirischer Daten.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Neben dem Frauenstudium sind Fachkräftemangel, NS-Ideologie und Überfüllungskrise zentrale Begriffe, um die Dynamik jener Jahre zu verstehen.

Warum wird die NS-Bildungspolitik in zwei Phasen unterteilt?

Aufgrund der Zäsur um 1935, in der von einer restriktiven, frauenfeindlichen Politik zu einer Politik der aktiven Förderung des Frauenstudiums gewechselt wurde, um den kriegsbedingten Fachkräftemangel zu decken.

Konnte das NS-Regime das Ziel der Verdrängung von Frauen aus den Universitäten erreichen?

Die Analyse zeigt, dass das Regime zwar starke diskriminierende Maßnahmen wie den Numerus Clausus einführte, die tatsächlichen Studentinnenzahlen jedoch maßgeblich von anderen Faktoren wie der allgemeinen Wirtschaftskrise und demografischen Gegebenheiten beeinflusst wurden.

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Details

Titel
Das Frauenstudium im Angesicht der nationalsozialistischen Bildungspolitik
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg  (Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Historische Perspektiven auf den Bildungsraum Universität zwischen 1800 und heute
Note
1,0
Autor
Sebastian Hellwig (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2022
Seiten
24
Katalognummer
V1225109
ISBN (PDF)
9783346651549
ISBN (Buch)
9783346651556
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frauenstudium Bildungspolitik Nationalsozialismus NS-Ideologie Frauenquote NC Gesetz gegen die Überfüllung der deutschen Schulen und Hochschulen Wirksamkeit Wirksamkeitsuntersuchung
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Sebastian Hellwig (Autor:in), 2022, Das Frauenstudium im Angesicht der nationalsozialistischen Bildungspolitik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1225109
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  24  Seiten
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