Emilia Pardo Bazán - Los Pazos de Ulloa

Wie lässt sich die Hauptfigur Julián charakterisieren und deuten und wie entwickelt sie sich mit Fokus auf die Beziehung zu Nucha?


Hausarbeit, 2008

15 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG

2 LOS PAZOS DE ULLOA
2.1 Zur Autorin
2.2 Historischer Kontext des Romans
2.3 Literaturwissenschaftliche Einordnung des Romans
2.4 Kurze Zusammenfassung des Romaninhalts

3 ENTWICKLUNG DER HAUPTFIGUR JULIÁN
3.1 Charakterisierung und Versuch einer tiefenpsychologischen Deutung
3.2 Entwicklung von Julián im Handlungsverlauf mit Fokus auf seine Beziehung zu Nucha
3.4 Die Hauptfigur Julián am Ende des Romans

4 FAZIT UND AUSBLICK

5 LITERATUR

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 EINLEITUNG

Der Roman „Los Pazos de Ulloa“ von der spanischen Autorin Emilia Pardo Bazán wird vielfach als ihr Meisterwerk bezeichnet.[1] Die Zuordnung des Romans zum Naturalismus ist bis heute umstritten.[2] Mehrere Autoren weisen hingegen auf die facettenreiche und psychologisch fundierte Darstellung der Hauptfigur Julián hin.[3]

Einige der Handlungen und Gedanken Juliáns werden von der auktorialen Erzähl- instanz – teilweise ironisch – kommentiert und bewertet. Bis auf diese an den impli- ziten Leser gerichteten Kommentare wird die Handlung des Romans durch die Gedanken und Empfindungen der Hauptfigur vermittelt, die Gedanken der anderen Figuren kann der Leser hauptsächlich durch deren Aussagen und Handlungen er- ahnen.[4]

Die Tragik und der psychologische Tiefgang der Figur Julián, vor allem in Bezug auf ihre Beziehung zur Figur Nucha, haben mich von Anfang an beim Lesen faszi- niert, weshalb ich sie in den Mittelpunkt dieser Arbeit gestellt habe. Um sowohl dem Roman als Gesamtwerk gerecht zu werden als auch ihn kontextualisieren zu kön- nen, werden zunächst biographische Aspekte der Autorin sowie zeithistorische und literaturwissenschaftliche Aspekte beleuchtet. Hier sind vor allem die Zugehörigkeit zum bzw. Abgrenzung gegenüber dem Naturalismus zu nennen sowie das gesell- schaftskritische und mitunter feministische Engagement der Autorin unter Berück- sichtigung ihres lebensgeschichtlichen Hintergrundes.

Nach der Zusammenfassung des Handlungsverlaufs des Romans und Nennung der thematischen Schwerpunkte wird die Hauptfigur charakterisiert, psychologisch gedeutet und in ihrer Entwicklung, unter besonderer Berücksichtigung ihrer Bezie- hung zur Figur Nucha, untersucht. Im Anschluss wird die Darstellung Juliáns am Ende des Romans zusammengefasst und die Figur abschließend bewertet.

2 LOS PAZOS DE ULLOA

2.1 Zur Autorin

Emilia Pardo Bazán wurde 1851 als einzige Tochter von José Pardo Bazán y Mos- quera und Amelia de la Rúa Fuguerosa y Somoza in La Coruña, Galizien, geboren. Ihre Eltern waren wohlhabende Aristokraten, erzogen sie für die damalige Zeit sehr frei und unterstützten ihren Lerneifer. Ihr Vater sagte zu ihr:

Denk daran, Tochter, die Männer sind Egoisten, und wenn sie dir sagen, es gebe Din- ge, die ein Mann tun dürfe, eine Frau aber nicht, dann sage ihnen, dass das eine Lüge ist, denn es gibt keine unterschiedliche Moral für beide Geschlechter.[5]

Sehr früh begann Emilia, sich für Literatur zu interessieren und veröffentlichte als 16-jährige erste Gedichte. Nach ihrem Besuch einer französischen Schule in Mad- rid und ihrer Heirat 1868 mit dem Jurastudenten José Fernando Quiroga y Pérez de Deza beschäftigte sich Emilia im Selbststudium unter anderem mit Byron und Shakespeare sowie Kant, Descartes, Goethe, Schiller und Heine. 1876 veröffent- lichte sie ihren ersten Gedichtband „Jaime“, benannt nach ihrem im selben Jahr geborenen Sohn sowie verschiedene Artikel in Madrider Zeitungen, zwei Jahre später brachte sie eine Tochter zur Welt.

1882 erschien ihre Artikelserie „la cuestión palpitante“, in der sie sich kritisch mit dem französischen Naturalismus auseinandersetzte und sich um eine Abgrenzung gegenüber diesem und um eine eigene, in ihren Augen angemessenere Definition des Naturalismus in Spanien bemühte. Ein Skandal war die Folge, weil sie einer- seits als Frau ihre Meinung kundtat und sich andererseits mit einem Thema der Literatur befasste, das in Spanien zu dieser Zeit als anstößig galt.[6] Nach der Tren- nung von ihrem Mann, der sie im Kampf gegen ihre Kritiker nicht mehr unterstützte und versuchte, ihr das Schreiben zu untersagen, ging sie ihren Weg selbstbewusst allein weiter und veröffentlichte zahlreiche Romane, Erzählungen, Novellen, Artikel und Essays, darunter 1886 den Roman „Los Pazos de Ulloa“.

Die Autorin unterhielt Kontakte zu zahlreichen Intellektuellen und Schriftstellern und führte ab etwa 1888 eine 20 Jahre dauernde Liebesbeziehung mit dem bekannten spanischen Autor Benito Pérez Galdós. Sie setzte sich zeitlebens für die Gleichbe- rechtigung der Frau ein und beschrieb in mehreren Essays, Erzählungen und Ro- manen die ungleiche Behandlung von Männern und Frauen, unter anderem auch in „Los Pazos de Ulloa“.

Als erste Frau in Spanien wurde sie 1916 als Professorin an die Universität Madrid für „Literatura Contemporánea de Lenguas Neolatinas“ berufen. Emilia Pardo Ba- zán starb 1921 in Madrid.

2.2 Historischer Kontext des Romans

Der Roman spielt etwa in den Jahren zwischen 1865 und 1881 in Galizien. Die ersten 29 Kapitel beziehen sich etwa auf die Jahre zwischen 1865 und 1870, die Handlung des letzten Kapitels findet nach einem Zeitsprung von 10 Jahren statt. Im Roman finden sich keine genauen Zeitangaben, nur die Erwähnung des Sturzes der Königin Isabella im 13. Kapitel zeigt an, dass die Handlung an dieser Stelle im Jahr 1868 angesiedelt ist.

Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts war in Spanien geprägt durch politische und soziale Umbrüche, es fanden mehrere Wechsel zwischen liberaler und absolutisti- scher Verfassung statt. In der „Era Isabelina“ bis 1868 hatte neben dem Hochadel das Finanzbürgertum die Macht im Staat, die Kirche verlor, zumindest ökonomisch gesehen. Nach dem Sturz der Königin Isabella 1868 wurde 1873 die erste Republik in Spanien ausgerufen, doch aufgrund interner Meinungsverschiedenheiten zwi- schen Liberalen und Republikanern existierte diese nur 10 Monate lang.[7]

Die Autorin nimmt in „Los Pazos de Ulloa“ immer wieder kritisch Bezug auf die poli- tische Situation. Diese zeichnete sich vielfach durch anarchistische Zustände und Korruption aus und ist insofern wichtig für die Handlung des Romans, als dass die Figur Don Pedro de Moscoso für ein politisches Amt kandidiert und aufgrund kor- rupter Machenschaften verliert, was sich entscheidend auf den weiteren Verlauf der Handlung auswirkt. Die Autorin übt durch ihre offenen Beschreibungen Kritik an den politischen Ereignissen um 1868 in Galizien und „[...] inventarisiert und analy- siert [...] eine stagnierende, rückwärts gewandte politische Situation.“[8]

Daneben schildert sie eingehend die Rolle der Frau zu dieser Zeit. Es wird deutlich, dass die Frau, ob adelig, bürgerlich oder bäuerlich, Opfer der patriarchalischen Ge- sellschaft war. Sie konnte ihr Leben nicht selbst bestimmen, sondern wurde vom Mann nicht nur gelenkt, sondern ausgebeutet, erniedrigt und missbraucht.[9]

2.3 Literaturwissenschaftliche Einordnung des Romans

„Los Pazos de Ulloa“ wird, wie oben erwähnt, in der Literaturwissenschaft unter- schiedlich eingeordnet und bewertet. Es wird vor allem die Zuordnung zum Realis- mus diskutiert: Ist diese korrekt und wenn ja, inwieweit?

Einen Realismus in „Reinform“ hat es in Spanien im Gegensatz zu Frankreich nicht gegeben. Stattdessen entwickelte sich eine eigene Form, mit der sich Emilia Pardo Bazán in ihrem Werk „La Cuestión palpitante“ auseinandersetzt. Hierbei berück- sichtigt sie unter anderem die naturwissenschaftlich-positivistische Herangehens- weise an das Schreiben, die Zola in seiner Konzeption des „roman experimental“ entwickelte sowie die Lehre der drei Faktoren „race, milieu, moment“ von Hippolyte Taine, gestützt auf den Positivismus von Auguste Comte.[10] Die Autorin besaß weit reichende Kenntnisse unter anderem in Philosophie, Literatur und Naturwissen- schaften und bezog sämtliche wichtigen zum damaligen Zeitpunkt neuesten Er- kenntnisse mit ein. Sie bevorzugte den Realismus gegenüber dem Naturalismus:

„Si es real cuanto tiene existencia verdadera y efectiva, el realismo en el arte nos ofrece una teoría más ancha, completa y perfecta que el naturalismo.“[11] Außerdem sprach sie sich dafür aus, in der spanischen Literatur stärker die Traditionen des eigenen Landes zu berücksichtigen und vereinbarte ihre Idee vom „realismo nacio- nal“ mit ihrer christlichen Haltung, wodurch auch der Begriff „katholischer Realis- mus“ in der Literatur für ihre Auffassung geprägt wurde.[12]

Insgesamt plädierte Pardo Bazán für die offene Auseinandersetzung mit den neuen literarischen Strömungen, sah sich selbst jedoch nicht als Naturalistin.[13]

[...]


[1] Vgl. u.a. Pardo Bazán/Frackowiak 1993, S. 389; Torrico Gil 1990, S. 78 sowie Villanueva 1984, S. 121

[2] Vgl. u.a. Bravo Villasante 1962, S. 132; Gerli 1977, S. 56 ff.; Lott 1969, S. 11; Varela Jácome 1973, S. 47, 49; Villanueva 1984, S. 122, 138

[3] Vgl. Feal Deibe 1987, S. 214; Gerli 1977, S. 57 sowie Lott 1968, S. 5

[4] Vgl. Feal Deibe 1987, S. 214

[5] Pardo Bazán/Frackowiak 1993, S. 379

[6] Vgl. Ebda., S. 381

[7] Vgl. Neuschäfer 1997, S. 233

[8] Mathis 1995, S. 188

[9] Vgl. Mathis 1995, S. 201 sowie Pardo Bazán/Frackowiak 1993, S. 392

[10] Vgl. Wolfzettel 1990, S. 153

[11] Pardo Bazán/Kirby 1973, S. 582

[12] Vgl. Wolfzettel 1990, S. 165, 168 sowie Lott 1969, S. 3

[13] Vgl. Wolfzettel 1990, S. 160

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Emilia Pardo Bazán - Los Pazos de Ulloa
Untertitel
Wie lässt sich die Hauptfigur Julián charakterisieren und deuten und wie entwickelt sie sich mit Fokus auf die Beziehung zu Nucha?
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Institut für Romanische Philologie)
Veranstaltung
Proseminar: Der realistisch-naturalistische Roman in Spanien
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
15
Katalognummer
V122512
ISBN (eBook)
9783640278732
Dateigröße
592 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Emilia, Pardo, Bazán, Pazos, Ulloa, Proseminar, Roman, Spanien
Arbeit zitieren
Kendra Hirnstein (Autor), 2008, Emilia Pardo Bazán - Los Pazos de Ulloa, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122512

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