In der folgenden Arbeit sollen die gesellschaftlichen und politischen Zusammenhänge der Geschichte Deutschlands, im chronologischen Verlauf dargestellt werden, welche die Grundlage für einen Integrations- oder Nicht-Integrationsprozess von Ausländern lieferten und liefern und die Handlungsbasis für Soziale Arbeit im Bereich Integration von Ausländern bilden. Die Auseinandersetzung mit dieser Problematik erfährt gerade heute durch die immer wieder stattfindenden öffentlichen Diskussionen zum Thema „Integration“ ihre besondere Aktualität. Da ich privat sehr viel Kontakt mit ausländischen Mitmenschen pflege, ist es mir möglich nicht nur die tagtäglichen politischen Diskussionen in Radio und Fernsehen zu verfolgen, sondern auch die Realität der Betroffenen mit zu erleben. Für mich besteht daher zu diesem Thema ein ganz persönlicher Bezug und hat aus diesem Grund ein ganz besonderes Interesse bei mir hervorgerufen. Selbstverständlich wird sich jedoch um eine faktenreiche, wissenschaftliche Darstellung bemüht worden.
Da dieses Thema sehr komplex ist, wird sich auf eine Auswahl von Daten und Fakten beschränkt, die jedoch genügend Aufschluss darüber bietet, wie es zu der heutigen Haltung und Problematik im Umgang mit Ausländern gekommen ist. Im Folgenden wird mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges begonnen und die Problematik der Ostvertriebenen geschildert, wie auch Seiten beleuchtet, die einen teilweise gelungenen Integrationsprozess erkennen lassen, welchem ganz bestimmte Umstände zu Grunde lagen. Anhand dessen soll gezeigt werden, dass Integrationsprozesse immer von vielen unterschiedlichen Faktoren abhängig sind und je nach diesen ganz unterschiedlich verlaufen. Besonders verwiesen werden soll auf die Geschichte der Arbeitsemigranten, da hier die Verbindung zu unser heutigen Integrationsproblematik zu sehen ist, welche explizit in diesem Zusammenhang heute zu zahlreichen Diskussionen führt. Anschließend wird der besondere Verlauf unter der Regierung Kohl dargestellt, um dann einen Überblick über die gegenwärtige Situation bezüglich des Themas zu geben. Abgeschlossen wird mit einer eigenen Stellungnahme.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Integration von Flüchtlingen nach Ende des 2. Weltkrieges
2.1 Kriegsende
2.2 Flüchtlinge und Vertriebene als Ersatz für Gefallene und Kriegsgefangene
2.3 Soziale Diskrepanzen und Unterschiede
2.3.1 Vertriebenenverbände
2.4 Soziale Arbeit nach Kriegsende
2.5 Nicht- Integration nicht möglich?
3. Die Massenbeschäftigung von „Gastarbeitern“ und deren massiven Folgeprobleme
3.1 Neue Arbeitskräfte braucht das Land
3.2 Das Leben eines Arbeitsemigranten
3.2.1 Erlebnis eines „Gastarbeiters“
3.3 Der Umgang mit „Gast - oder Fremdarbeitern“
3.4 Die Rolle der Gewerkschaften
3.5 Anwerbestopp
3.6 Die Entwicklung der „Ausländerpolitik“ nach dem „Anwerbestopp“ 1973
4. Die „Ausländerpolitik“ unter Bundeskanzler Kohl
4.1 „Das Boot ist voll“
4.2 Versuche der Zielumsetzung oder die (Endlos)Debatten
4.3 Die Asylbewerberproblematik
4.4 Ein neues Ausländergesetz
4.5 Nach der Wende
4.6 Der Wandel in der Zusammensetzung der Ausländerpopulation
4.7 Die Asylrechtsänderung oder Abschaffung des Asylrechts
5. Wie es heute ist…
5.1 Das Zuwanderungsgesetz
6. Fazit
Zielsetzung und thematische Ausrichtung
Die vorliegende Arbeit untersucht die geschichtliche Entwicklung der Integrations- und Migrationspolitik in Deutschland seit 1945. Ziel ist es, die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und politischen Entscheidungen zu analysieren, die das Zusammenleben mit Flüchtlingen, sogenannten „Gastarbeitern“ und Asylsuchenden geprägt haben, um ein besseres Verständnis für die heutige Situation und die Aufgaben der Sozialen Arbeit in diesem Bereich zu schaffen.
- Chronologische Aufarbeitung der Migrationsgeschichte in Deutschland ab 1945.
- Analyse der Bedingungen für den Integrationsprozess von Flüchtlingen und Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg.
- Untersuchung der ökonomischen und sozialen Hintergründe der „Gastarbeiter“-Anwerbung sowie deren langfristige Folgen.
- Darstellung der „Ausländerpolitik“ unter der Regierung Kohl, insbesondere im Hinblick auf Asylrecht und Gesetzgebung.
- Kritische Reflexion heutiger Integrationsdebatten und des Zuwanderungsgesetzes.
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Erlebnis eines „Gastarbeiters“
„Er zieht sich aus und stellt sich mit mehreren hundert anderen Emigrationsanwärtern in eine Reihe. Sie werfen schnelle Blicke (…) auf die Vorrichtungen und Maschinen die benutzt werden, um sie zu untersuchen. Ebenso hastige Blicke tauschen sie untereinander, jeder versucht die Chancen der Nebenmänner mit seinen eigenen zu vergleichen. Nichts hat ihn auf diese Situation vorbereitet. Sie ist beispiellos. Und doch ist sie bereits normal. Die demütigende Forderung, sich vor Fremden zu entblößen. Die unverständliche Sprache, die die verantwortlichen Funktionäre sprechen. Die Bedeutung des Tests. Die Nummern, die ihnen mit Filzstift auf den Körper geschrieben werden. Die strenge Geometrie des Raumes. Die Frauen, wie Männer in Overalls gekleidet. Der Geruch einer unbekannten medizinischen Tinktur. Das so vieler, die wie er selbst sind. Der nach innen gekehrte Blick der meisten, der dennoch kein Blick der Sammlung oder des Gebetes ist. Wenn dies bereits normal ist dann deshalb, weil das Folgeschwere ihnen allen ausnahmslos widerfährt.“ (Berger/Mohr 1976, S.52)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert den chronologischen Rahmen der Untersuchung und betont die Relevanz der Migrationsgeschichte für die heutige Soziale Arbeit.
2. Die Integration von Flüchtlingen nach Ende des 2. Weltkrieges: Dieses Kapitel behandelt die Eingliederung der Millionen Vertriebenen und Flüchtlinge und analysiert die sozialen sowie ökonomischen Faktoren, die diesen Prozess ermöglichten.
3. Die Massenbeschäftigung von „Gastarbeitern“ und deren massiven Folgeprobleme: Der Fokus liegt hier auf dem Arbeitskräftemangel, den Anwerbeabkommen, den Lebensbedingungen der Migranten sowie der Rolle von Gewerkschaften und der Politik bis zum Anwerbestopp 1973.
4. Die „Ausländerpolitik“ unter Bundeskanzler Kohl: Hier wird die restriktive Politik der 1980er Jahre, die Asylbewerberproblematik, die Wendezeit und das neue Ausländergesetz von 1991 beleuchtet.
5. Wie es heute ist…: Das Kapitel analysiert das Zuwanderungsgesetz von 2005 und setzt sich kritisch mit dessen Ausrichtung im Hinblick auf tatsächliche Integrationsbemühungen auseinander.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kritisiert das Fehlen politischer Weitsicht sowie den Fokus der Integrationsdebatte.
Schlüsselwörter
Migration, Integration, Gastarbeiter, Flüchtlinge, Vertriebene, Ausländerpolitik, Asylrecht, Zuwanderungsgesetz, Arbeitsemigranten, Soziale Arbeit, Parallelgesellschaften, Rassismus, Anwerbestopp, 2. Weltkrieg, Deutschland.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die historische Entwicklung der Einwanderungs- und Integrationspolitik in Deutschland von 1945 bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Arbeit behandelt die Integration von Vertriebenen, die Anwerbung von ausländischen Arbeitskräften („Gastarbeiter“), die politische Debatte um Asyl sowie die gesetzlichen Rahmenbedingungen der Zuwanderung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den historischen Kontext der heutigen Integrationsproblematik aufzuzeigen und die Grundlage für eine professionelle Soziale Arbeit in diesem Themenfeld zu schaffen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische und faktenbasierte Analyse unter Verwendung sozialwissenschaftlicher Literatur, ergänzt durch persönliche Stellungnahmen und eine kritische Auseinandersetzung mit tagespolitischen Entwicklungen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich chronologisch von der Nachkriegszeit über die Ära der „Gastarbeiter“ und die Politik unter Bundeskanzler Kohl bis hin zum Zuwanderungsgesetz von 2005.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Migration, Integration, „Gastarbeiter“, Asylpolitik, Ausländergesetz und soziale Verantwortung sind zentrale Begriffe.
Wie unterscheidet sich die Integration der Vertriebenen von der späteren Migration der „Gastarbeiter“?
Die Arbeit zeigt, dass die Vertriebenen aufgrund gemeinsamer Sprache und Nationalität schneller eingegliedert wurden, während „Gastarbeiter“ oft als Randgruppe in Parallelgesellschaften verblieben, da ihre dauerhafte Integration politisch lange nicht gewollt war.
Warum kritisiert die Autorin die Rolle der Politik in der Zuwanderungsfrage?
Die Autorin kritisiert eine fehlende politische Weitsicht und den Fokus auf Verhinderung statt Gestaltung, was zu einer Vernachlässigung der wirklichen Integrationsbedarfe in der Gesellschaft geführt habe.
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- Lea Dalldorf (Author), 2007, Die geschichtliche Entwicklung der (Nicht)Integration, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122515