Grenzen und Möglichkeiten von digitalen Medien im Kunstunterricht am Beispiel der Vermittlung von kunsthistorischen Inhalten

"Von der Leinwand aufs Tablet"


Hausarbeit, 2021

21 Seiten, Note: 2.7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Transformationsprozesse in der Schule
2.1 Auswirkung des digital geprägten Wandels auf Schule und Unterricht...
2.2 Das Potential für den Kunstunterricht
2.2.1 Fachspezifische Unterrichtsgegenstände
2.2.2 Zielperspektiven

3. Die Rolle der Kunstgeschichte im Kunstunterricht
3.1 Das Interesse der Schülerinnen und Schüler an der Kunstgeschichte
3.2 Die Rollevon kunstgeschichtlichen Inhalten

4. Ideen und Anregungen zur Vermittlung der Kunstgeschichte mit digitalen Medien

5. Fazit

Literatur- und Quellenverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

„Eine zeitgemäße Schule muss sich an den großen Veränderungen der Welt orientieren und ihre Inhalte und Methoden entsprechend anpassen." [1]

Moderne Medien haben in der heutigen Zeit schon längst die Welt erobert. Sie werden überall eingesetzt: Zum einfachen bezahlen, zum Erstellen einer Einkaufsliste, zum Kommunizieren und vieles mehr. Sie sind aus unserem All­tag nicht wegzudenken. Da die modernen Medien durch das digitale Zeitalter immer mehr Bedeutung finden, soll nun in immer mehr Schulen mit moderns­ten Medien gearbeitet werden, um die Schülerinnen und Schüleran die digital geprägte Welt heranzuführen. Darüber hinaus stellt sich die Frage, wie in un­terschiedlichsten Fächern mit dieser Herausforderung gearbeitet werden kann.

Auf dem ersten Blick erscheint es schwer in musischen und künstlerischen Fä­chern digitale Medien einzubauen und das didaktische Potenzial zielführend im Unterricht herauszuarbeiten. Besonders schwierig erscheint es im Fach Kunst, da in diesem Themenbereich die Ästhetik, die Kreativität und der Um­gang mit Materialien gefördert werden sollen.

In dieser Hausarbeit werden die Grenzen und Möglichkeiten der digitalen Me­dien im Kunstunterricht analysiert und mit kunstpädagogischen Erfahrungen gestützt. Die Ausarbeitung setzt sich mit derThese auseinander, dass digitale Medien das Potenzial haben, ein fachspezifischer Unterrichtsgegenstand zu sein und als didaktische Methoden eingesetzt werden können. Des Weiteren soll die Frage geklärt werden, ob digitale Medien das Potenzial haben, kunst­geschichtliche Inhalte im Handlungsfeld der Rezeption zu vermitteln.

Eine kurze Einführung in Bezug auf die Transformationsprozesse der Schule von analogen zu digitalen Medien soll zur Einführung in den Hauptteil der Ar­beit dienen. Dabei sollen Auswirkungen des digital geprägten Wandels auf Schule und Unterricht erläutert werden und das Potenzial für den

Kunstunterricht differenziert auf fachspezifische Unterrichtsgegenstände und Zielperspektiven analysiert werden. Als nächster Punkt soll die Rolle der Kunstgeschichte im Kunstunterricht dazu beitragen, dass das didaktische Po­tenzial zur Vermittlung von kunsthistorischen Inhalten in Bezug auf digitale Medien zu einem zukunftsorientiertem Kunstunterricht beitragen kann.

Ziel dieser Hausarbeit ist es, die Grenzen und Möglichkeiten der Nutzung der digitalen Medien im Kunstunterricht zu repräsentieren und das methodenori­entierte Potenzial zur Vermittlung der Kunstgeschichte anzuregen. Diese Hausarbeit setzt voraus, dass das Wissen und der Umgang mit digitalen Me­dien vorhanden sind.

2. Transformationsprozesse in der Schule

Zum jetzigen Zeitpunkt findet ein Umdenken auf bundesweiter Ebene in Deutsch­land in Bezug auf Mediennutzung in der Schule statt, um einen modernen und zukunftsorientierten Unterricht zu gestalten. Dieser Paradigmenwechsel wird je­doch von Studien und Publikationen in Bezug auf die Nutzung von digitalen Me­dien im Unterricht begleitet und erforscht. Dadurch können wir auch von einem Transformationsprozess reden, indem von „analogen Medien" wie Kreidetafeln, Papierzettel oder Plastikmappen zu „modernsten Medien" wie Tablets und PCs, gewechselt wird. Dieses Kapitel soll sich mit der Frage auseinandersetzen, welche Auswirkung der Medienwechsel auf die Schule und den Unterricht hat und wie sich dieser auf das Potential für einen digitalisierten Kunstunterricht auswirkt.

2.1 Auswirkung des digital geprägten Wandels auf Schule und Unterricht

Die Änderung zu den digitalen Medien beeinflusst das Lernen der Schülerinnen und Schüler in jeglicher Hinsicht, da die Digitalisierung in der Schule deutlich ei­nen großen Spielraum des digitalen Lernens und somit des zukunftsorientierten Erwachsenwerdens einnimmt. Beat Döbeli Honegger geht in seinem Buch Mehr als 0 und 1 - Schule in einer digitalisierten Welt auf fünf wichtige Aspekte ein, die die Nutzung von digitalen Medien im Unterricht beeinflussen und welche Auswir­kungen diese auf den Leitmedienwechsel haben.2

Als erstes nennt Honegger den Aspekt, dass die Sozialisation der Kinder und Ju­gendlichen sich durch den Leitmedienwechsel verändert, da die digitalen Medien gewöhnlich zur Informationsrecherche und zur Kommunikation in unsererGesell- schaft genutzt werden.3 Die ständige personelle Verfügbarkeit und somit auch die lexikalische Verfügbarkeit von Wissen durch die neuen Medien, können dazu führen, dass im Extremfall die persönliche Kommunikation innerhalb der Peer­group in der Institution Schule verloren gehen kann, da die Kommunikation über die digitalen Medien erfolgt. Deshalb sollte die Mediennutzung im Unterricht differenziert und aufgabenbezogen eingesetzt werden und aufdem Schulhofun­tersagt werden, sodass eine persönliche analoge Kommunikation erfolgen kann. Der zweite Punkt Honeggers ist, dass die Digitalisierung und die damit einherge­hende Automatisierung eine Vernetzung in unserer Gesellschaft schafft, die die Berufswelt reformiert. Laut Honegger verändern sich bestimmte Arbeitsprozesse aufgrund von Informationsfluten, des Verschwindens bisheriger Berufe und der zunehmenden Globalisierung. Dadurch wird von Arbeitgebern eine gewisse Me­dienkompetenz von den zukünftigen Arbeitnehmern abverlangt. Durch diese For­derungen der zukunftsorientierten Berufswelt sollten die Schülerinnen und Schü­ler in der Schule schon früh lernen, mit neusten Medien umzugehen, um Medi­enkompetenzen zu erlernen und im Verlaufe ihrer Schulzeit zu erweitern, sodass sich die Lernenden nach ihrerSchulzeit in der Berufswelt behaupten können und sich in ihrem Beruf perfektionieren.4

Ein weiterer Punkt Honeggers ist, dass das schulische Informationsmonopol durch den Leitmedienwechsel verloren gehen kann. Mit dem schulischen Infor­mationsmonopol ist das alleinige Vorrecht der Institution Schule als Zugang zur Informationsbeschaffung, der für die freie Meinungsbildung notwendig ist, ge­meint. „Mit der zunehmenden Verfügbarkeit von Informationen im Internet ver­liert die Schule zunehmend ihr Informationsmonopol", so Honegger. Grund dafür sei, dass interessierte Schülerinnen und Schüler alle Themen, Informationen oder Anleitungen im Netz finden würden. Darüberhinausgehend gewinnt das außer­schulische, informelle Lernen bei älteren Schülerinnen und Schülern an Bedeu­tung. Dieser Aspekt der individuellen Ansammlung von Wissen von Schülerinnen und Schülern durch digitale Medien und der Verlust des schulischen Informati­onsmonopols lässt sich kontrovers diskutieren. Dennoch wird durch diese Argu­mente nachvollziehbar, dass die Schule unter einen stärkeren Legitimationsdruck gerät, da das „Moderne Lernen" spannender wird als das „Lernen-von-gestern". Dadurch sollten Fachcurricula speziell auf Aspekte des digitalen Lernens ausge­baut werden.5

Honegger nennt außerdem den Aspekt, dass durch die Digitalisierung neue Werk­zeuge für das Lernen und Arbeiten im Unterricht zur Verfügung gestellt werden, um einen zukunftsorientierten Unterricht aufkeimen zu lassen.[6] Laut Honegger erleichtern die digitalen Werkzeuge die Zusammenarbeit und stärken das Ver­ständnis von nichttextuellen Informationen und Kommunikationsweisen durch Töne, Bilder und Videos. Durch diesen Leitmedienwechsel werden Arbeitsweisen in unterschiedlichen Sozialformen verändert und ggf. optimiert. Voraussetzung für den Einsatz der neuen Medien muss jedoch ein klarer schulinterner Leitfaden sein, welcher die Nutzungsbedingungen von Tablets in der Institution beschreibt, erläutert und erklärt, sodass die Schülerinnen und Schüler das Medium korrekt nutzen können und das Stundenziel mit besonderem Erfolg erreicht werden kann. Darüber hinaus sollten sich ebenfalls auch pädagogische Maßnahmen überlegt werden, falls die Nutzung des digitalen Werkzeuges zu einem falschen Zweck ge­nutzt wird.

Der letzte Aspekt Honeggers ist, dass durch die Digitalisierung in der Schule neue Themenbereiche in den jeweiligen Fächer entstehen. Diese sollen dazu dienen, dass die Schülerinnen und Schüler über Grundverständnisse des Digitalen im je­weiligen Fach verfügen, sodass sie ein besseres „Verständnis der heutigen Welt" erlangen können. Honegger merkt jedoch an, dass weder Lehrerinnen und Lehrer noch Schülerinnen und Schüler über das Grundverständnis der Digitalisierung verfügen. Dadurch wird deutlich, dass sich die Lehrerbildung stärker auf das Ar­beiten mit digitalen Medien im Unterricht fokussieren muss, sodass ein nachhal­tiger, zukunftsorientierter Unterricht in der Schule stattfinden kann.[7]

Aus diesen Aspekten kann schlussgefolgert werden, dass das Bildungssystem vor einer großen Herausforderung steht, um die Schule digital zu reformieren. Die Institution Schule muss daher lernen „mit, über und trotz digitaler Medien" im Unterricht umzugehen, sodass dem Bildungsauftrag zukunftsorientiert nachge­kommen werden kann.[8] Darüber hinaus muss bedacht werden, dass in den Lern­gruppen ein heterogenes Wissen über digitale Medien vorhanden bzw. nicht — vorhanden sein kann, da die Schülerinnen und Schüler unterschiedlich mit digita­len Medien wie zum Beispiel dem Handy oder dem Tablet aufgewachsen sind, sodass es schwer werden kann, passende Aufgabenstellungen für die jeweilige Lerngruppe zu erstellen. Eine einwöchige Schulung zur Nutzung derTablets in den jeweiligen Schulfächern wäre daher wünschenswert, um so die Nutzung digitaler Lernsoftwares in den Unterrichtsfächern einzuführen. Des Weiteren muss in den Fachschaften der Schulen über den spezifischen Einsatz der digitalen Medien nachgedacht werden, sodass das jeweilige Potenzial und die damit einherge­hende Kompetenz der Mediennutzung in den Unterrichtsreihen im schulinternen Lehrplan verankert werden kann.

2.2 Das Potential für den Kunstunterricht

Interessant ist in diesem Zusammenhang die Perspektive von Klaus Haeffner, Uni­versitätsprofessor für ,,Computerunterstützte[n] Hochschulunterricht". Haeffner ist der Meinung, dass sich die Schule auf die Vermittlung von Kompetenzen kon­zentrieren sollte, die nicht automatisierbar sind, wenn schon der Computer Tä­tigkeiten wie Recherchieren selbstständig erledigt. Gemäß dem Universitätspro­fessor sollten künstlerisch-musische Kompetenzbereiche explizit gefördert wer­den, da sie die Sozialisation einer Gruppe verbessern, sodass die Lerngruppe die Kompetenz der Kreativität, der Teamfähigkeit und die soziale Kompetenz, die Kompetenz in Interaktionssituationen mit anderen Personen effektiv zu handeln, erlangen und verbessern kann. Damit einher geht die Forderung nach Spontani­tät, Intuition, Ordnung und Auswendiglernen.9

Dadurch stellt sich für viele Kunstfachschaften die Frage, wie digitale Medien im Kunstunterricht sinnvoll eingesetzt werden können, um die oben genannten Kompetenzen im Kunstunterricht zukunftsorientiert und zielführend den Lernen­den anzupassen, um somit den Kunstunterricht zu optimieren.

Im weiteren Verlauf dieser Arbeit sollen drei kunstpädagogische Perspektiven zum digitalen Lernen im Kunstunterricht auf ihre fachspezifischen Unterrichtsge­genstände im Fach Kunst und deren Potenzial analysiert werden. Es handelt sich dabei um eine aspektorientierte Analyse, die sich auch mit den Zielperspektiven des digital geprägten Kunstunterricht auseinandersetzt. Die Zielperspektive soll dabei die angestrebten Ergebnisse der längerfristigen Bemühung durch die Nut­zung der digitalen Medien im Kunstunterricht repräsentieren.

2.2.1 Fachspezifische Unterrichtsgegenstände

„Computertechnik und Kunstunterricht, das scheint ein Widerspruch in sich selbst zu sein", so Henning Freiberg. Er plädiert dazu, dass Schülerinnen und Schü­ler informations- und kommunikationstechnische Grundbildung benötigen. In sei­nem Artikel Das Bild aus dem Computer. Zur Didaktik eines neuen Bildmediums beschäftigt sich Henning Freiberg mit der Frage, ob Kinder und Jugendliche im Kunstunterricht hinter Computer und Bildschirme gesteckt werden sollen, wobei der letzte Rest an Kreativität, Wirklichkeitsbezug, Sinnlichkeit und Unmittelbar­keit im Umgang mit Materialien und Werkzeugen verloren gehen kann. Freiberg definiert den Kunstunterricht der heutigen Zeit als ästhetische Erziehungsmaß­nahme im visuellen Bereich.[10] Er ist der Meinung, dass der Kunstunterricht als Anleitung zu sinnlichen Erkenntnissen, zur Gestaltung, Umgestaltung und zur Be­wertung der Wirklichkeit dienen soll. Darüber hinaus soll die Kunst der heutigen Zeit im Kunstunterricht im Fokus stehen und sich das digitale Medium zu Nutzen machen, nicht anders herum. Dennoch geht er davon aus, dass durch die Nutzung digitaler Medien im Unterricht technische Probleme stattfinden könnten, diese jedoch eine sekundäre Bedeutung bei der Planung des Unterrichts einnehmen sollten. Primär wäre daher eher der Mut, mit digitalen Medien im Kunstunterricht umzugehen. Denn „Tätigkeit formt das Bewusstsein", so Freiberg.[11] Dem Wissen­schaftler ist ebenfalls wichtig, dass den Lernenden bewusst werden soll, welche Wichtigkeit digitale Medien in der Zukunft einnehmen werden, sodass ein Er­kenntnisprozess über visuelle neue Technologien z.B. 3D-Druck Verfahren, Erstel­lung von Animationsfiguren, etc. durchlaufen werden kann. Dabei sollte die Re­flexion der Bildmittel ein zentraler Unterrichtsgegenstand sein, um Sinnhaftigkeit zu überprüfen.[12]

[...]


1 Vgl. Honegger, Beat Döbeli: Mehr als 0 und 1. Schule in einer digitalisierten Welt. 2., durgesehene Auflage. Bern 2017. S. 59

2 Vgl. Honegger, Beat Döbeli: Mehr als 0 und 1. Schule in einer digitalisierten Welt. 2., durgesehene Auflage. Bern 2017.

3 Vgl. Honegger, Beat Döbeli: Mehr als 0 und 1. Schule in einer digitalisierten Welt. S. 44.

4 Vgl. Honegger, Beat Döbeli: Mehr als 0 und 1. Schule in einer digitalisierten Welt. S. 44.

5 Vgl. Ebd.S.45.

6 Vgl. Honegger, Beat Döbeli: Mehr als 0 und 1. Schule in einer digitalisierten Welt. S. 47.

7 Vgl. Ebd.

8 Vgl. Ebd.

9 Vgl. Honegger, Beat Döbeli: Mehr als 0 und 1. Schule in einer digitalisierten Welt. S. 47.

10 Vgl. Freiberg, Henning: Das Bild aus dem Computer. Zur Didaktik eines neuen Bildmediums. S. 15.

11 Vgl. Ebd. S. 19-20.

12 Vgl. Ebd. S. 21.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Grenzen und Möglichkeiten von digitalen Medien im Kunstunterricht am Beispiel der Vermittlung von kunsthistorischen Inhalten
Untertitel
"Von der Leinwand aufs Tablet"
Hochschule
Universität Paderborn
Note
2.7
Autor
Jahr
2021
Seiten
21
Katalognummer
V1225158
ISBN (Buch)
9783346654175
Sprache
Deutsch
Schlagworte
grenzen, möglichkeiten, medien, kunstunterricht, beispiel, vermittlung, inhalten, leinwand, tablet
Arbeit zitieren
Cedric Niebrügge (Autor:in), 2021, Grenzen und Möglichkeiten von digitalen Medien im Kunstunterricht am Beispiel der Vermittlung von kunsthistorischen Inhalten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1225158

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