Die Ausarbeitung befasst sich mit dem Ansatz der biographischen Diagnostik nach Hanses sowie der narrativ-biographischen Diagnostik nach Fischer und Goblirsch. Des Weiteren werden Ziele und Bedeutung biographischer Diagnostik näher beleuchtet.
Diese Methode der Fallrekonstruktion basiert auf einem sog. rekonstruktiv-hermeneutischen Ansatz. Zentral sind die Begriffe der verstehenden Diagnostik sowie das kontrollierte Fremdverstehen. Umsetzbar wird dies dadurch, indem der Therapeut die Erzählungen des Klienten, seine Erfahrungen und eventuelle Zusammenhänge widerspiegelt. Somit kann beim Klienten ein positives Umdenken in Bezug auf seine Selbstwahrnehmung stattfinden und er erhält einen anderen Blick auf seine individuelle Lebensgeschichte. Darüber hinaus werden die Erfahrungen und Lebenseinstellungen des Klienten mit dessen psychosozialen Problemlagen in Verbindung gesetzt. Als Form der Gesprächsführung dient das narrative Interview in abgewandelter Form. Hierbei soll nicht frei erzählt werden, sondern es steht eine bestimmte Lebensphase bzw. ein prägendes Ereignis im Mittelpunkt. Das Verfahren gibt deshalb einen abgekürzten Rahmen vor, da es beispielsweise in Kliniken verwendet wird und den Zweck hat, Zeit zu sparen. Jedoch ist trotz dieser Einschränkungen von großer Bedeutung, dass z.B. der Umfang oder die Aneinanderreihung der Erzählungen dem Klienten überlassen werden. Nur dadurch erhält man einen Einblick seine Erlebnis- und Gefühlswelt.
Inhaltsverzeichnis
1 Verfahren in der biographischen Diagnostik nach Hanses
2 Verfahren in der narrativ-biographischen Diagnostik nach Fischer/Goblirsch
2.1 Ziele der narrativ-biographischen Diagnostik
2.2 Bedeutung der narrativ-biographischen Diagnostik
2.3 Fazit zu den Ansätzen der biographischen und narrativ-biographischen Diagnostik
3 Biographische Ressourcen
3.1 Ressourcendimensionen
3.2 Anwendung der Ressourcenorientierung in der Praxis
4 Das ungelebte Leben
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich mit verschiedenen Ansätzen der biographischen Diagnostik in der Sozialen Arbeit auseinander. Zentrales Ziel ist es, die theoretischen Rahmenbedingungen rekonstruktiver Verfahren zu beleuchten und aufzuzeigen, wie durch eine ressourcenorientierte Betrachtung der Lebensgeschichte sowie die Einbeziehung des sogenannten "ungelebten Lebens" neue Erkenntnisse für die diagnostische Praxis und Interventionsplanung gewonnen werden können.
- Vergleichende Analyse biographischer vs. narrativ-biographischer Diagnostik
- Die zentrale Bedeutung von Ressourcen und deren Dimensionen
- Anwendung der Ressourcenorientierung in der fallbezogenen Praxis
- Konzeptualisierung des "ungelebten Lebens" als Teil der Biographie
- Zusammenhang zwischen Lebensbewegungen, Wahlfreiheit und Krankheitsentstehung
Auszug aus dem Buch
1 Verfahren in der biographischen Diagnostik nach Hanses
Diese Methode der Fallrekonstruktion basiert auf einem sog. rekonstruktiv-hermeneutischen Ansatz. Zentral sind die Begriffe der verstehenden Diagnostik sowie das kontrollierte Fremdverstehen.1 Umsetzbar wird dies dadurch, indem der Therapeut die Erzählungen des Klienten, seine Erfahrungen und eventuelle Zusammenhänge widerspiegelt. Somit kann beim Klienten ein positives Umdenken in Bezug auf seine Selbstwahrnehmung stattfinden und er erhält einen anderen Blick auf seine individuelle Lebensgeschichte. Darüber hinaus werden die Erfahrungen und Lebenseinstellungen des Klienten mit dessen psychosozialen Problemlagen in Verbindung gesetzt. Als Form der Gesprächsführung dient das narrative Interview in abgewandelter Form. Hierbei soll nicht frei erzählt werden, sondern es steht eine bestimmte Lebensphase bzw. ein prägendes Ereignis im Mittelpunkt. Das Verfahren gibt deshalb einen abgekürzten Rahmen vor, da es beispielsweise in Kliniken verwendet wird und den Zweck hat, Zeit zu sparen.
Jedoch ist trotz dieser Einschränkungen von großer Bedeutung, dass z.B. der Umfang oder die Aneinanderreihung der Erzählungen dem Klienten überlassen werden. Nur dadurch erhält man einen Einblick seine Erlebnis- und Gefühlswelt. Wichtig hierbei ist ebenfalls, dass der Therapeut nur aufmerksam zuhört und eigene Vorstellungen oder Einwände zunächst zurückstellt.2 Gegen Ende der Erzählungen darf er schließlich Fragen stellen. Das Gespräch wird aufgenommen, transkribiert und analysiert. Für die Rekonstruktion gibt es drei Varianten. Zum einen wird bei der Rekonstruktion der leitenden biographischen Themen ausschließlich auf das Hauptthema eingegangen, andere unwichtigere Ereignisse werden ausgeblendet. Eine weitere Methode der Auswertung stellt die Analyse der generativen Muster der Erzählung dar. Hierbei lassen sich u.a. Handlungs- oder Verlaufskurvenstrukturen rekonstruieren. Schließlich stellt auch die Ressourcenorientierung ein gewinnbringendes Rekonstruktionsvorgehen dar. Das Augenmerk liegt dabei auf sog. „Empowermentgeschichten“, d.h. auf positiven Ereignissen, Erfahrungen und Lebensstrategien, wodurch z.B. ein Wendepunkt im Leben erreicht wurde. Auch die Fähigkeit, seine Geschichte und Erlebnisse biographisch zu erzählen, stellt nach Hanses für sich alleine schon eine wesentliche Ressource dar.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Verfahren in der biographischen Diagnostik nach Hanses: Dieses Kapitel erläutert den rekonstruktiv-hermeneutischen Ansatz nach Hanses, der durch narrative Interviews auf die gezielte Erkundung prägender Lebensphasen fokussiert.
2 Verfahren in der narrativ-biographischen Diagnostik nach Fischer/Goblirsch: Hier wird ein Ansatz vorgestellt, der die gesamte Lebensspanne in den Blick nimmt, um durch die Identifikation von Strukturhypothesen das Verhalten des Klienten besser verstehen und stützen zu können.
3 Biographische Ressourcen: Dieses Kapitel definiert biographische Ressourcen als Fähigkeit zur narrativen Rekonstruktion von Erfahrungen und unterteilt diese in persönliche, lebensweltlich-soziale sowie sozioökonomische Dimensionen.
4 Das ungelebte Leben: Das Kapitel befasst sich mit dem Einfluss nicht realisierter Lebensentwürfe, verpasster Chancen und deren Bedeutung für die therapeutische Arbeit und die Entstehung von Krankheit.
Schlüsselwörter
Biographische Diagnostik, Ressourcenorientierung, Fallrekonstruktion, narratives Interview, biographische Ressourcen, Empowermentgeschichten, ungelebtes Leben, Lebensentwürfe, Fallarbeit, Soziale Arbeit, Krankheitsentstehung, Identität, Psychosomatik, Klienten, Lebensgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die theoretischen Grundlagen und methodischen Vorgehensweisen verschiedener biographischer Diagnoseverfahren innerhalb der Sozialen Arbeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf den Diagnosemodellen nach Hanses sowie Fischer/Goblirsch, der Ressourcentheorie und der heilsamen oder belastenden Wirkung von nicht gelebten Lebensentwürfen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist die wissenschaftliche Einordnung rekonstruktiver Verfahren, um deren Nutzen für eine ressourcenstärkende Praxis mit Klienten aufzuzeigen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturanalyse, die verschiedene Ansätze der biographischen Fallrekonstruktion und diagnostische Konzepte miteinander vergleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der spezifischen Diagnosemethoden, eine differenzierte Betrachtung von Ressourcenkategorien in der Fallarbeit sowie eine Diskussion zur Bedeutung des Konzeptes des "ungelebten Lebens".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Biographische Diagnostik, Ressourcenorientierung, narrative Interviews, Empowerment, Fallrekonstruktion und das ungelebte Leben.
Worin liegt der Hauptunterschied zwischen dem Verfahren von Hanses und dem von Fischer/Goblirsch?
Während Hanses das narrative Interview methodisch verkürzt und sich auf ausgewählte, prägende Lebensphasen konzentriert, zielt der Ansatz von Fischer/Goblirsch auf die Rekonstruktion des gesamten Lebenslaufs ab.
Was versteht die Autorin/der Autor unter dem "ungelebten Leben"?
Dies bezieht sich auf nicht realisierte Träume, Vorhaben, verpasste Chancen und Lebensmöglichkeiten, die aufgrund äußerer Umstände oder Entscheidungen nicht umgesetzt werden konnten und einen wesentlichen Bestandteil der Identitätsbildung darstellen.
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- Anonym (Autor), 2016, Biographische Diagnostik – Methoden, Ziele und Bedeutung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1225197