Das Konzept der personenzentrierten Beratung und dessen Umsetzung in der beraterischen Praxis ist Inhalt der vorliegenden Arbeit. Zugrunde gelegt werden demnach zunächst zentrale Aussagen einer klientenzentrierten Gesprächsführung. Darauf aufbauend folgt im zweiten Teil die Analyse eines 30-minütigen Beratungsgesprächs. In beispielhaften Sequenzen werden Verhaltensweisen und Aussagen seitens der Beraterin und der Klientin erörtert sowie der Bezug zur personenzentrierten Grundhaltung hergestellt. Gelungene bzw. förderliche Verhaltensweisen werden beschrieben und Alternativen für verbesserungswürdige Passagen vorgeschlagen. Abschließend soll anhand einer Selbstreflektion das persönliche Kommunikationsverhalten der Beraterin untersucht werden. Anhand dessen können mögliche Ursachen für bestimmte Reaktionen und Äußerungen im Beratungsgespräch ergründet werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Auseinandersetzung mit dem Thema
3 Analyse der Gesprächssequenzen
4 Ausschnitt 1
5 Selbstreflektion
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Hausarbeit befasst sich mit der praktischen Anwendung des personenzentrierten Beratungsansatzes nach Carl Rogers sowie der Integration ausgewählter kreativer Gesprächstechniken. Zentral ist dabei die Untersuchung, inwieweit die therapeutische Grundhaltung – bestehend aus Empathie, Kongruenz und bedingungsfreier Wertschätzung – in einem realen, moderierten Beratungsgespräch umgesetzt werden kann und wie sich das Kommunikationsverhalten der Beraterin in diesem Prozess kritisch reflektieren lässt.
- Grundlagen der personenzentrierten Gesprächsführung nach Carl Rogers.
- Analyse und Transkription von Gesprächssequenzen zur Überprüfung der Beratungsqualität.
- Einsatz kreativer Methoden wie Metaphern, Skalierungsfragen und der Wunderfrage.
- Reflexion des eigenen Kommunikationsverhaltens und der methodischen Kompetenz.
Auszug aus dem Buch
Ausschnitt 2
Im zweiten Ausschnitt wurde zunächst Vieles von der Beraterin verbalisiert. Mithilfe bildlicher Verdeutlichungen wurde die noch lange Studienzeit bis zum nächsten Jahr und die Kompensation mit Süßigkeiten beleuchtet. Das verbleibende Studium wurde mit einem Tunnel verglichen, dessen Licht am Ende zwar vorhanden ist, aber von der schwarzen Farbe im Tunnel „überdeckt“ wird (vgl. Zeile 44 ff.). Dadurch wurde die Hoffnungslosigkeit und Perspektivlosigkeit zum Ausdruck gebracht. In Zeile 42 ist eine lange Pause zu erkennen. Die Klientin J. wirkt dort sehr nachdenklich, was von der Beraterin hätte aufgegriffen und angesprochen werden können. Es ist wichtig, Gesprächspausen zuzulassen und diese auch auszuhalten. Klienten können ihre Gedanken ordnen oder Gesagtes verarbeiten. „Mitschweigen ist z. B. dann angebracht, wenn das Schweigen Ausdruck einer intensiven, aber stummen Suche nach einem passenden Ausdruck für eine bestimmte Erfahrung ist. Auch durch Schweigen kann der Berater angemessen auf das Erleben des Ratsuchenden und auf die Gesamtsituation antworten“ (Eckert et al. 2012, S. 303). In Zeile 56 ff. und 63 f. wurden Erzählungen von J. kurz zusammengefasst. Dabei wurde allerdings nur auf die Inhaltsebene eingegangen, nonverbal oder indirekt ausgedrückte Emotionen wurden vernachlässigt (vgl. Zeilen 56 ff., 63 f., 68). Eine alternative Antwort seitens der Beraterin in Zeile 56 ff. könnte lauten: „Du hast dich aufgrund der Anforderungen und des Drucks sehr kraftlos gefühlt und wolltest dies mithilfe des Essens kompensieren, was aber nichts nutzte. Trotzdem ist es mittlerweile eine Angewohnheit geworden, die du jetzt nicht mehr ablegen kannst“. In Zeile 73 wurde eine Metapher eingesetzt, der sog. „Schweinehund“. Die Klientin J. bezeichnete ihre zu geringe Motivation zur gesunden Ernährung und zum Sport sogar als „Schweineelefant“. Metaphern können als kreative Bildmalereien zum besseren empathischen Verstehen beitragen und verschiedene Selbstaspekte ausdrücken (vgl. Eckert et al. S. 305). Aufgrund des witzigen Ausdrucks mussten beide lachen, was die Beratungssituation auflockerte. Darüber hinaus spiegelt es auch die kongruente Haltung der Beraterin, da sie in dem Moment ebenso ihre echten Emotionen zeigt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die personenzentrierte Haltung nach Carl Rogers ein und skizziert das Ziel der Arbeit, diese in einem 30-minütigen Beratungsgespräch zu analysieren und kritisch zu reflektieren.
2 Theoretische Auseinandersetzung mit dem Thema: Dieses Kapitel erläutert die zentralen Konzepte der personenzentrierten Beratung, insbesondere die Aktualisierungstendenz sowie die drei Grundhaltungen Empathie, Kongruenz und bedingungsfreie positive Beachtung.
3 Analyse der Gesprächssequenzen: Das Kapitel beschreibt den Rahmen des geführten Beratungsgesprächs, das Setting und die problemorientierte Ausgangslage der Klientin hinsichtlich ihres Studiums und ihres Essverhaltens.
4 Ausschnitt 1: Dieser Abschnitt widmet sich der Analyse des Gesprächsbeginns, bei dem durch eine offene Eingangsfrage die Grundlage für einen klientenzentrierten Prozess geschaffen und die Gefühlslage der Klientin strukturiert wird.
5 Selbstreflektion: Die abschließende Selbstreflektion bewertet das eigene Kommunikationsverhalten der Beraterin, identifiziert persönliche Entwicklungspotenziale bezüglich der Verbalisierung von Emotionen und stellt eigene Stärken wie aktives Zuhören heraus.
Schlüsselwörter
Personenzentrierte Beratung, Carl Rogers, klientenzentrierte Gesprächsführung, Aktualisierungstendenz, Empathie, Kongruenz, bedingungsfreie positive Beachtung, Nicht-Direktivität, Gesprächsanalyse, Wunderfrage, Skalierungsfrage, Selbstreflektion, Kommunikationsverhalten, Metaphern, Beratungspraxis
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die praktische Umsetzung des personenzentrierten Beratungsansatzes nach Carl Rogers in einem konkreten Beratungssetting unter Einbeziehung kreativer Methoden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder umfassen die personenzentrierte Grundhaltung, die Anwendung spezifischer Fragetechniken, die Analyse von Gesprächssequenzen sowie die Selbstreflexion beraterischen Handelns.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Anwendung personenzentrierter Prinzipien in der Praxis zu demonstrieren und das eigene Kommunikationsverhalten kritisch in Bezug auf die therapeutische Haltung zu untersuchen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode der transkriptionsbasierten Gesprächsanalyse, um das Beratungsgeschehen anhand theoretischer Kriterien des personenzentrierten Ansatzes auszuwerten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der Analyse verschiedener Gesprächsausschnitte, dem Einsatz kreativer Techniken wie Skalierungs- und Wunderfragen sowie der Überprüfung der Berater-Klienten-Beziehung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind personenzentrierte Beratung, Empathie, Kongruenz, Gesprächsanalyse, kreative Methoden und Selbstreflektion.
Welche Rolle spielen Metaphern im Beratungskontext dieser Arbeit?
Metaphern dienen als kreative Mittel, um das empathische Verständnis zu vertiefen, komplexe Gefühle bildhaft zu verdeutlichen und die Beratungssituation durch humorvolle Elemente aufzulockern.
Warum wird in der Nachbereitung der Selbstreflektion das Vermeiden von "Man-Ausdrücken" thematisiert?
Die Autorin erkennt in der Reflexion, dass verallgemeinernde "Man-Ausdrücke" eine emotionale Distanz erzeugen, während eine direkte Ansprache die Nähe und Authentizität im Beratungskontakt stärkt, was essenziell für den personenzentrierten Ansatz ist.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2017, Personenzentrierter Ansatz in der Beratung unter Einbeziehung kreativer Methoden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1225201