Entgegen der allgemeinen Annahme, die jüdische Bevölkerung hätte sich im Holocaust wie die „Lämmer zur Schlachtbank“ führen lassen, soll in dieser Arbeit gezeigt werden, dass es viele verschiedene Gruppen und Organisationen gab, die auf unterschiedliche Weise dem faschistischem Regime Widerstand geleistet haben. Der Grund, Frankreich in den Mittelpunkt dieser Arbeit zu stellen, ist die wenig bekannte, aber dennoch große Widerstandsbewegung der Juden während der deutschen Besatzung in diesem Land. Die Fragen, um die es gehen soll, sind: wie sich der jüdische Widerstand in Frankreich entwickelt hat, welche Organisationen es gab und welche Bedeutung ihnen beigemessen wurde.
Der erste Abschnitt beschäftigt sich mit dem Widerstandsbegriff, einem geschichtlichen Abriss mit den Entwicklungen in Deutschland und Frankreich, vor und während des Krieges. Um einen Überblick zu schaffen, wird kurz auf die politischen und gesellschaftlichen Umstände in den beiden Ländern sowie den Begriff des jüdischen Widerstandes in Bezug auf den Nationalsozialismus eingegangen.
Des Weiteren folgt ein Einblick in die Résistance und die Armee Juive, die in Frankreich bekanntesten Widerstandsbewegungen.
Den Hauptteil der Arbeit macht das Kapitel über die „Main-d`Oeuvre Immigrée“ – M.O.I. aus. Die Wahl für diesen Schwerpunkt begründet sich darin, dass es sich bei der M.O.I. um eine Organisation handelte, die mehrheitlich aus kommunistischen Juden bestand und weitestgehend unbekannt ist. Dieser Teil der Arbeit beschäftigt sich mit der Entwicklung und Bedeutung der M.O.I. und wird eingebettet in die geschichtlichen Entwicklungen des Krieges.
In Kapitel 5 wird die wichtige, aber bis heute weitestgehend verleugnete und vergessene Rolle der Frau im jüdischen Widerstand in Frankreich thematisiert, wofür die einzelnen Tätigkeitsfelder der Widerständlerinnen aufgezeigt werden.
Im letzten Abschnitt geht es um jüdische Hilfsorganisationen, die tausende Kinder vor der Deportation gerettet haben.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. EINFÜHRUNG
2.1. Der Widerstandsbegriff
2.2. Der Jüdische Widerstand
2.3. Beginn und Verlauf des Zweiten Weltkrieges
Das Hossbach-Protokoll
2.4. Der Holocaust
2.5. Frankreich auf dem Weg in den Zweiten Weltkrieg
2.6. Entjudaisierung im Literarischen Bereich
3. DIE RÉSISTANCE UND DIE ARMEE JUIVE
3.1. Die Résistance
Jüdische Führer der Résistance
Jean Moulin
Jacques Bingen und Lazare Rachlin
3.2. Die Armee Juive
4. DIE M.O.I.
4.1. Die Anfänge der M.O.I. in Paris
4.2. Die F.T.P. – M.O.I.
4.3. Die Anfänge des bewaffneten Widerstandes
4.4. Die Razzia vom Vélodrome d´River
4.5. Die 1. Grosse Fahndung
4.6. Die 2. Grosse Fahndung und der Aufstand im Warschauer Ghetto
4.7. Sommer 1943
4.8. Die 3. Grosse Fahndung und der Zusammenbruch der F.T.P.-M.O.I.
4.9. Ursachen für das Scheitern der F.T.P.-M.O.I.
4.10.Die M.O.I. bis zur Befreiung Frankreichs
4.11.Organisationsschema der M.O.I. (Nationale und Pariser Leitung)
5. FRAUEN IM JÜDISCHEN WIDERSTAND
5.1. Der Bewaffnete Widerstand
Die Carmagnole von Lyon
5.2. Der Verbindungsdienst
5.3. Der Kurierdienst
6. DIE RETTUNG VON KINDERN UND JUGENDLICHEN
6.1. Marianne Cohn
6.2. Die „Eclaireurs Israélites de France“ (EIF)
6.3. Rettung über die Schweizer Grenze
7. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung und Bedeutung des jüdischen Widerstands gegen die nationalsozialistische Gewaltherrschaft in Frankreich. Ziel ist es, der weit verbreiteten Annahme entgegenzuwirken, die jüdische Bevölkerung habe sich passiv in ihr Schicksal ergeben, und stattdessen die vielfältigen Formen des aktiven, organisierten Widerstands jüdischer Gruppen und Individuen aufzuzeigen.
- Historische Einordnung des Widerstandsbegriffs und des jüdischen Widerstands.
- Die Rolle der Résistance und der Armee Juive innerhalb Frankreichs.
- Detaillierte Analyse der kommunistischen M.O.I. als Sprachrohr der immigrierten Juden.
- Die spezifische, oft unterschätzte Rolle von Frauen im jüdischen Widerstand.
- Die Rettung von Kindern und Jugendlichen als humanitärer Widerstandsaspekt.
Auszug aus dem Buch
Die M.O.I.
Frankreich hat seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert Arbeitskräfte, die aus dem Ausland kamen, in großer Zahl aufgenommen. Unter diesen Arbeitern entstand bald das Bedürfnis, sich zu organisieren, um ihre kulturelle Identität zu bewahren, und um Rechte geltend machen zu können. Dieses Bedürfnis entstand aufgrund einer Isolation, die das Gastland vermittelte. Jüdische Arbeiter, die als politische Flüchtlinge aus dem zaristischen Russland kamen, gründeten 1882 die erste Vereinigung.
In Deutschland ist die M.O.I. bis heute weitgehend unbekannt, und in Frankreich versuchte man lange zu vergessen, dass es diese Partei gab. Denn sie bestand nicht aus „richtigen“ Franzosen, sondern aus Ausländern bzw. Arbeitsimmigranten, von denen die meisten Juden waren. Sie alle waren sowohl Ausländer, als auch Juden, als auch Kommunisten und saßen daher zwischen allen Stühlen. „Sie hatten nur sich selbst. Ihren erbitterten Kampf gegen den Faschismus. Ihre Entschlossenheit, die ermordeten Juden zu rächen.“ In der französischen Geschichtsschreibung wird die M.O.I. gar nicht erwähnt, denn in der Résistance kämpften nur die echten Franzosen, keine immigrierten Juden und italienische Fremdarbeiter.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in die Thematik des jüdischen Widerstands in Frankreich mit der Zielsetzung, den aktiven Kampf jüdischer Gruppen gegen den Nationalsozialismus hervorzuheben.
2. EINFÜHRUNG: Historische Kontextualisierung durch Definition des Widerstandsbegriffs, Abriss des Holocaust sowie der politischen Lage in Frankreich während des Zweiten Weltkriegs.
3. DIE RÉSISTANCE UND DIE ARMEE JUIVE: Überblick über die zentralen Widerstandsbewegungen in Frankreich und die spezifisch jüdische Organisation "Armee Juive".
4. DIE M.O.I.: Umfassende Untersuchung der "Main-d’Oeuvre Immigrée", ihrer Strukturen, der Rolle in der F.T.P. und der Auswirkungen von Verfolgung und politischem Druck.
5. FRAUEN IM JÜDISCHEN WIDERSTAND: Analyse der essenziellen, oft verkannten Rolle von Frauen als Kämpferinnen, Kuriere und Verbindungsleute im jüdischen Widerstand.
6. DIE RETTUNG VON KINDERN UND JUGENDLICHEN: Dokumentation der lebensrettenden Arbeit jüdischer Hilfsorganisationen und Einzelpersonen, die Tausende Kinder vor der Deportation bewahrten.
7. FAZIT: Zusammenfassende Würdigung des jüdischen Widerstands und der Bedeutung der M.O.I. sowie der Rolle der Frau für die historische Aufarbeitung.
Schlüsselwörter
Jüdischer Widerstand, Frankreich, Résistance, M.O.I., Nationalsozialismus, Holocaust, F.T.P., Frauen im Widerstand, Rettung von Kindern, U.J.R.E., Armee Juive, Emigration, Kollaboration, Partisanen, Kommunismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der bislang wenig beachteten Rolle des jüdischen Widerstands gegen die nationalsozialistische Besatzung in Frankreich während des Zweiten Weltkriegs.
Welche sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den Schwerpunkten gehören die politische Organisation der Immigranten (M.O.I.), die Rettung jüdischer Kinder sowie die Beteiligung jüdischer Frauen am bewaffneten und humanitären Widerstand.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Annahme einer passiven Haltung der jüdischen Bevölkerung im Holocaust zu widerlegen und den aktiven Kampf jüdischer Gruppen in Frankreich historisch zu würdigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine historische Analyse durch Auswertung von Fachliteratur, zeitgenössischen Dokumenten und Berichten von Zeitzeugen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die kommunistische Organisation M.O.I., deren Strukturen, Aktionen und die spezifischen Herausforderungen, denen sich die jüdischen Widerstandskämpfer gegenübersahen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind "jüdischer Widerstand", "M.O.I.", "Résistance", "Holocaust" und "Kollaboration".
Warum spielt die M.O.I. eine so zentrale Rolle für die Autorin?
Die M.O.I. ist für die Autorin von besonderem Interesse, da diese Organisation mehrheitlich aus kommunistischen Juden bestand, in der französischen Geschichtsschreibung jedoch lange Zeit kaum Beachtung fand.
Welche Schlussfolgerung zieht die Arbeit über die Rolle der Frau?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Rolle jüdischer Frauen im Widerstand – sei es als Kurierinnen, Verbindungsfrauen oder Kämpferinnen – maßgeblich war, aber bis heute oft nicht ausreichend honoriert oder gar geleugnet wird.
- Quote paper
- Nicole Bär (Author), 2008, Entwicklung und Bedeutung des jüdischen Widerstandes gegen die nationalsozialistische Gewaltherrschaft in Frankreich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122525