Insekten in Hans Henny Jahnns „Fluss ohne Ufer“

Untersuchungen zu einem disharmonikalen Weltbild


Referat (Ausarbeitung), 2002

12 Seiten, Note: 2,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Der Lebensweg Hans-Henny Jahnns
1. Seine Jugend
2. Die Glaubensgemeinschaft Ugrino
3. Emigration nach Dänemark
4. Nach dem 2. Weltkrieg

II. Inhaltlicher Überblick des „Fluss ohne Ufer“
1. Das Holzschiff
2. Die Niederschrift des Gustav Anias Horn, nachdem er 49 Jahre alt geworden war
3. Epilog

III. Hans Henny Jahnns Weltbild
1. Die Biopolarität der Welt
1.1 Die harmonikale Weltlehre
2. Die Insekten
3. Der neue Mensch

Literaturangaben
Primärliteratur:
Sekundärliteratur:

I. Der Lebensweg Hans-Henny Jahnns

In der folgenden Arbeit soll Hans-Henny Jahnns Verständnis vom „Bösen“ beziehungsweise die seiner Weltsicht zu Grunde liegende Beschäftigung mit dem Verhalten von Insekten untersucht werden.

Hans-Henny Jahnn setzte sich nicht nur literarisch, wie in seinem Werk „Fluss ohne Ufer“, mit seinem eigenen Weltbild auseinander. Sein Lebenslauf zeigt, dass er stets nach den Maximen handelte und lebte, die er aus seiner Weltanschauung herleitete.

1. Seine Jugend

Hans-Henny Jahnn, am 17. Dezember 1894 in Hamburg geboren, wuchs als jüngster Sohn eines Schiffbauers im bürgerlichen Milieu auf. Daß er nach dem Abitur im Sommer 1914 keine konkreten Berufsziele hatte, irritierte die Eltern, die, auf materielle Sicherheit bedacht, seinen Wunsch, Schriftsteller zu werden, mit Skepsis aufnahmen. Eine noch größere Enttäuschung bereitete Jahnn ihnen, als er 1915 aus Furcht vor drohender Einberufung Deutschland verließ und mit seinem Freund Gottlieb Harms nach Norwegen ging. Dort beschäftigte er sich mit Schriften zum Orgelbau und mit Architektur.

2. Die Glaubensgemeinschaft Ugrino

Im Jahr 1918, nach der Rückkehr aus dem norwegischen Exil, gründete er zusammen mit Freunden die „Glaubensgemeinschaft Ugrino“, eine Religionsgemeinschaft und Vereinigung von Künstlern und Kunstfreunden, die die in den Grundfesten erschütterte Gesellschaft reformieren sollte. Wie viele andere lebensreformerische Vereinigungen aus dieser Zeit verfolgte auch „Ugrino“ hochgesteckte Ziele, die allerdings scheiterten. Die wirtschaftliche Situation in Deutschland stand dem ebenso entgegen wie der Unwille der Mehrheit, sich die übersteigerten Reformbestrebungen solcher Künstlergruppierungen anzueignen. Der „Neue Mensch“, den Jahnn und seine Freunde herbeisehnten, blieb Traum.

3. Emigration nach Dänemark

1933 emigrierte Jahnn mit seiner Frau, Ellinor Philips, und der vierjährigen Tochter Signe, in die Schweiz und ein Jahr später auf die dänische Insel Bornholm. Dort bewirtschaftete er zusammen mit Verwandten einen Bauernhof. Von den Nationalsozialisten nie ausgebürgert mied er den Kontakt mit anderen Emigranten. Er erhielt den Status eines Auslanddeutschen, konnte aber zwischen 1933 und 1945 kein einziges Werk veröffentlichen. Im Spätsommer 1935 begann er mit dem Roman „Das Holzschiff“, der sich im Laufe der Jahre zu einer Trilogie ausweitete. Diese Trilogie mit dem Titel „Fluss ohne Ufer“ blieb unvollendet.

4. Nach dem 2. Weltkrieg

Nach Ende des Krieges bereitete Jahnn bei mehreren Deutschlandreisen seine Rückkehr vor, die endgültig jedoch erst 1950 erfolgte. Von nun an widmete er sich kulturpolitischen Aufgaben, so im gesamtdeutschen PEN-Club, in der Friedenspolitik und im Austausch zwischen West- und Ostdeutschland und wurde Gründungsmitglied der Freien Akademie der Künste in Hamburg und deren Präsident bis zu seinem Tod.

Zunehmend bitter und verzweifelt, kämpfte er mit Vorträgen, Resolutionen, Zeitungsartikeln und Aufrufen gegen die restaurative Politik der Adenauer-Ära, gegen das atomare Wettrüsten.

Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich, und am 29. November 1959 erlag er in einem Hamburger Krankenhaus seinem Herzleiden.

„ Wer Jahnn nur nach seinen in Form und Thematik oft ungeheuerlichen Werken beurteilen wollte, musste annehmen, hier schreibe ein Mensch, der mit bitterer Entschlossenheit gewillt sei, außerhalb unserer Welt und gegen unsere gesamte Gesellschaft zu leben. In Wirklichkeit blieb Hans Henny Jahnn stets ein Hamburger Bürgerssohn, der es sich herzlich angelegen sein ließ, in der Gesellschaft nützlich zu sein und Leistungen zu vollbringen, die einem – nach seiner Meinung – besseren Leben der Gattung Mensch dienen sollten.“[1]

II. Inhaltlicher Überblick des „Fluss ohne Ufer“

Der erste Teil „Das Holzschiff“ erschien 1949, der zweite Teil „ Die Niederschrift des Gustav Anias Horn“ in zwei Teilbänden 1949 und 1950. Der dritte Teil „Epilog“ wurde 1961 in fragmentarischer Form herausgegeben.

1. Das Holzschiff

Es wird die Ausfahrt eines Dreimasters namens „Lais“ beschrieben. Ein junger Mann, Gustav Anias Horn, macht die Reise als blinder Passagier mit, um seiner Verlobten Ellena Strunck, der Kapitänstochter, nahe zu sein. Nach deren mysteriösem Verschwinden kommt es zu einer Meuterei, weil die Mannschaft, die man darüber hinaus über Fracht und Ziel nicht informiert hat, beunruhigt ist.

Gustavs angestrengte Suche führt allerdings nur dazu, dass der Schiffsrumpf bei der durch ihn veranlassten Öffnung des Laderaumes beschädigt wird und das Schiff schließlich untergeht. Das Mädchen bleibt verschwunden, und der Erzähler teilt nur Mutmaßungen über die geheimnisvollen Vorgänge auf dem Schiff mit.

2. Die Niederschrift des Gustav Anias Horn, nachdem er 49 Jahre alt geworden war

„Die Niederschrift“ schildert in einem fortlaufenden Bewusstseinsstrom Vergangenheit und Gegenwart Gustav Anias Horns Leben.

Angesichts der Mumie seines einbalsamierten Freundes Alfred Tutein, der als Matrose auf dem Holzschiff gedient hatte, versucht er, ihn der Vergessenheit zu entreißen und er erinnert sich der Aufklärung der Geschehnisse auf dem Schiff „Lais“.

Alfred Tutein hatte Ellena ermordet, aber Gustavs Verzeihung und sogar seine Liebe erlangt. Die beiden schließen eine homoerotische Blutsfreundschaft, die bis zu Tuteins Tod anhält.

Die Flucht vor der Vergangenheit, Erlebnishunger und Freiheitsdrang treibt sie zu Reisen durch die Welt. Auf der Flucht kommen sie erst in Norwegen und Schweden zur Ruhe, Horn als Komponist und Tutein als Pferdehändler.

Nach Tuteins Tod zieht Horn Erkundigungen nach Überlebenden jenes zurückliegendes Schiffsunglücks ein. Ein junger Mann, Ajax von Uderi, gibt sich als Leidensgefährte Horns aus, versucht Tuteins Rolle zu übernehmen und wird schließlich zu seinem Mörder.

[...]


[1] Hans Mayer in „Die Zeit“, 27.November 1964

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Insekten in Hans Henny Jahnns „Fluss ohne Ufer“
Untertitel
Untersuchungen zu einem disharmonikalen Weltbild
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für Germanistik Bereich Literaturwissenschaft)
Veranstaltung
Seminar: „Mit Grauen und unter Qualen“ – Die Literatur und das Böse
Note
2,5
Autor
Jahr
2002
Seiten
12
Katalognummer
V122544
ISBN (eBook)
9783640278947
Dateigröße
408 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Insekten, Hans, Henny, Jahnns, Ufer“, Seminar, Grauen, Qualen“, Literatur, Böse
Arbeit zitieren
Magister Artium Jennifer Moos (Autor), 2002, Insekten in Hans Henny Jahnns „Fluss ohne Ufer“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122544

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