Welche Chancen versprechen sich Jugendliche mit Hauptschulabschluss vom Besuch dieser Klasse des Übergangsbereiches für ihren weiteren (Aus-)Bildungsverlauf? Wie möchten die Jugendlichen die von diesem verpflichtenden Berufsschuljahr gebotenen Chancen wahrnehmen? Welche Rolle kommt der Berufsschule bei dieser möglichen Transformation von Pflicht zu Chance zu?
Das erste Kapitel befasst sich mit der definierenden und formalen Einordnung des Übergangssektors und weiterer verwendeten begrifflichen Bestimmungen, den der Untersuchung zugrundeliegenden Annahmen und Theorien sowie dem Stand der Forschung und den vielfältigen kritischen Stellungnahmen zum Übergangsbereich. Das zweite Kapitel stellt die verwendeten Erhebungsmethoden dieses Forschungsprojektes vor, erläutert die Spezifika des Feldzugangs sowie des praktischen Erhebungsprozesses und begründet die Auswertungsmethoden. Im Kapitel drei werden die herausgearbeiteten Ergebnisse des Forschungsprozesses interpretiert und diskutiert. Im vierten Kapitel werden der vorliegende Forschungsbericht und durchgeführte Forschungsprozess kritisch reflektiert sowie ein Ausblick auf weitere Forschungsdesiderata und auf praktische Verwertungszusammenhänge der Forschungsergebnisse gegeben.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Begrifflichkeiten, Theorierahmen und Diskurse
1.1 Erläuterung der verwendeten Begriffe
1.2 Zugrundeliegende Theorien und Annahmen
1.3 Forschungsstand und Diskurse
2 Methoden der Erhebung und Auswertung
2.1 Vorstellung und Begründung der Erhebungsmethoden Gruppeninterview und Kurzfragebogen
2.2 Feldzugang und Durchführung der Datenerhebung
2.3 Auswertungsmethoden
3 Interpretation und Diskussion der Ergebnisse
4 Reflektion, Fazit und Ausblick
5 Literaturverzeichnis
6 Anhang
6.1 Kurzfragebogen und Interviewleitfaden
6.2 Postskriptum-Notizen zum Gruppeninterview
6.3 Auswertung Kurzfragebogen
6.4 Transkriptionsregeln
6.5 Transkript des Gruppeninterviews
6.6 Regeln der Reduktion und der Kategorienerstellung
6.7 Entwickelte Kategorienschemata für das Gruppeninterview
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht aus der Perspektive jugendlicher Schülerinnen und Schüler, ob und wie innerhalb des berufsschulischen Übergangssystems eine verpflichtende Berufsschulzeit als echte Bildungs- und Entwicklungschance wahrgenommen werden kann, anstatt lediglich als rein formale Pflichtaufgabe zu gelten.
- Erforschung der subjektiven Wahrnehmung von Chancen durch Jugendliche im Übergangssystem
- Analyse der Erwartungen an die Institution Berufsschule und ihre Rolle im Transformationsprozess von Pflicht zu Chance
- Methodische Untersuchung mittels Gruppeninterviews und Kurzfragebögen zur Exploration von Handlungsmotiven
- Kritische Reflexion der Diskrepanz zwischen institutionellen Anforderungen und jugendlichen Lebenswelten
- Evaluation von Lösungsansätzen zur pädagogischen Unterstützung bei der Berufs- und Lebenswegplanung
Auszug aus dem Buch
Einleitung
„Was sollen wir hier eigentlich?“, das fragen sich viele minderjährige Jugendliche, die ihren Hauptschulabschluss zwar erlangt haben, aber aus verschiedenen Gründen nicht den Übergang in eine schulische oder berufliche Ausbildung leisten konnten und nun ihre gesetzliche Berufsschulpflicht im „Übergangssystem“ noch erfüllen. Ob freiwillig oder als Notlösung, ist umstritten.
Das sogenannten „Übergangssystem“ (KBB 2006) besteht aus vielen sehr heterogenen berufsschulischen Bildungsgängen, „die zu keinem berufsqualifizierenden Abschluss führen, sondern auf eine Chancenverbesserung der Teilnehmenden ausgerichtet sind. Sie sollen nach erfolgreicher Beendigung des Ausbildungsganges bessere Chancen zur Aufnahme einer dualen oder schulischen Berufsausbildung haben.“ (Schultheis, Sell 2014). Der Begriff „Übergangssystem“ wird vielfach kritisiert (s. 1.3) und wird daher in diesem Bericht als „Übergangssektor“ oder „Übergangsbereich“ (vgl. auch ABB 2018) bezeichnet.
Die aktuelle Vorstellung von Bildung ist grundlegend von national geprägten, soziokulturellen Normen beeinflusst. Den Von Humboldt‘schen zweckfreien allgemeinen Bildungsbegriff können die Schülerinnen und Schüler (SuS) in dieser, dem allgemeinbildenden Schulbesuch anschließenden, Phase nicht (mehr) erwarten. Vorgaben durch Bildungspolitik und Bildungsinstitutionen (s. 1.1) sowie eine Eindeutigkeit in der Ausrichtung der zu vermittelnden Lerninhalte auf die gesellschaftlich normierte und erwartete Erwerbsarbeit und auf das dualistische Berufsausbildungssystem (zur Kritik s. 1.3) lassen wenig Spielraum für individuelle Bildungs-Vorstellungen. In dieser Untersuchung wird der Bildungsbegriff nach der Sichtweise von Faulstich (2010, S.311f.) herangezogen: Bildung als Selbst-Positionierung in der Gesellschaft und die Fähigkeit, angemessene Entscheidungen treffen zu können und wirkmächtig zu handeln.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problematik des Übergangssystems ein, definiert zentrale Begriffe, skizziert den theoretischen Kontext und formuliert die forschungsleitenden Fragen der Arbeit.
1 Begrifflichkeiten, Theorierahmen und Diskurse: Hier erfolgt eine detaillierte Erläuterung der verwendeten Begriffe, der zugrundeliegenden Theorien zur Bildungsbiographie sowie eine Analyse des aktuellen Forschungsstandes und bestehender kritischer Diskurse.
2 Methoden der Erhebung und Auswertung: Dieser Teil beschreibt die methodologische Ausrichtung des Forschungsprojektes, begründet die Wahl des Gruppeninterviews als Erhebungsinstrument und erläutert den Prozess der qualitativen Inhaltsanalyse.
3 Interpretation und Diskussion der Ergebnisse: Die erhobenen Daten aus Kurzfragebögen und Gruppeninterviews werden in diesem Kapitel ausgewertet, in Bezug auf die theoretische Rahmung diskutiert und in Hauptkategorien induktiv zusammengefasst.
4 Reflektion, Fazit und Ausblick: Das Abschlusskapitel reflektiert den gesamten Forschungsprozess kritisch, beantwortet die Forschungsfrage auf Basis der Ergebnisse und gibt einen Ausblick auf notwendige Weiterentwicklungen der pädagogischen Unterstützung.
5 Literaturverzeichnis: Umfassende Auflistung der verwendeten Literatur.
6 Anhang: Enthält ergänzende Materialien wie Interviewleitfäden, Transkriptionsregeln, das Transkript des Gruppeninterviews sowie die entwickelten Kategorienschemata.
Schlüsselwörter
Übergangssystem, Berufsschulpflicht, Berufsausbildungsvorbereitung, Bildungsbiographie, Übergangssektor, Qualitative Inhaltsanalyse, Gruppeninterview, Bildungsaspiration, Anschlussorientierung, Jugendliche, Schulabschluss, Pädagogische Unterstützung, Berufsorientierung, Handlungsfähigkeit, Sekundarbereich II.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Jugendliche, die nach dem Hauptschulabschluss nicht direkt in eine Ausbildung einmünden, die verpflichtende Zeit im berufsschulischen Übergangssystem erleben und ob sie diese als Chance begreifen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die pädagogische Begleitung im Übergangssektor, die subjektiven Wünsche und Ängste der Jugendlichen sowie die Diskrepanz zwischen schulischen Anforderungen und beruflicher Integrationserwartung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist zu klären, unter welchen Bedingungen und aus welcher Perspektive der Jugendlichen eine gesetzliche Berufsschulpflicht konstruktiv in eine echte Bildungschance transformiert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde ein qualitativer Forschungsansatz gewählt, der auf der zusammenfassenden qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring basiert; dabei wurden Gruppeninterviews durchgeführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung über Bildungsprozesse im Übergang, eine detaillierte methodische Darstellung der Datenerhebung sowie die Interpretation der Ergebnisse anhand entwickelter Kategorienschemata.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Übergangssystem, Berufsschulpflicht, Berufsausbildungsvorbereitung, Bildungsbiographie, Qualitative Inhaltsanalyse und Berufsorientierung sind zentrale Begriffe der Studie.
Warum wurde eine "Methodentriangulation" angewandt?
Durch die Kombination von Kurzfragebögen (quantitativ/qualitativ) und Gruppeninterviews sollte ein tieferes inhaltliches Verständnis ermöglicht werden, um die Jugendlichen zu einer ersten Auseinandersetzung mit dem Thema anzuregen.
Welche Rolle spielt die Klassenlehrerin laut der Arbeit?
Die Klassenlehrerin fungiert als zentrale Instanz für die notwendige individuelle und wertschätzende Unterstützung, um den Jugendlichen eine klare Anschlussorientierung zu ermöglichen.
Wie steht es laut der Analyse um die Motivation der Jugendlichen?
Die Untersuchung zeigt eine generelle institutionelle Skepsis seitens der Jugendlichen, die sich teils als „passive Verweigerungshaltung“ äußert, gleichzeitig aber auch Wünsche nach konkreter Unterstützung zur Berufsvorbereitung erkennen lässt.
- Arbeit zitieren
- Annette Andresen (Autor:in), 2019, Jugendliche im berufsschulischen Übergangssystem. Kann aus Berufsschulpflicht eine Bildungschance werden?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1225447