Während die Funktionen und der Gegenstand des Doppelgängermotivs in der modernen Belletristik, wie in "Der Insasse", meist durch pathologische Gründe entschlüsselt werden, bieten ältere Werke häufig vielfältige Ansätze zur Interpretation des Motivs. Das Ziel dieser Forschungsarbeit ist, die Verwendungen, Funktionen und Wirkungen des literarischen Doppelgängermotivs anhand eines Textkorpus zu analysieren und auf Tölles Versuch der Kategorisierung von Doppelgängermotiven einzugehen. Der Textkorpus enthält unter anderem die Werke "Der Sandmann" und "Die Elixiere des Teufels" von E.T.A. Hoffmann, welche als klassische Vertreter der Schauerliteratur bekannt sind. Als Kontrast zu den beiden Werken wird "Der Runenberg" von Ludwig Tieck, als Märchen der Romantik mit ästhetischen Elementen der Schauerliteratur, zur Analyse in den Textkorpus hinzugefügt.
Das Doppelgängermotiv ist ein typisches Motiv der Schauerliteratur und E.T.A. Hoffmanns Roman "Die Elixiere des Teufels" präsentiert ein komplexes Konstrukt an Doppelgängermotiven, die die Beweggründe der literarischen Figuren gestalten. Motive gestalten Texte der heutigen Belletristik, hauchen literarischen Figuren Leben ein und sind als wesentlicher Kern (Nukleus) oder Baustein von Texten zu verstehen. Die Frage "Wer bin ich"?, die den Protagonisten Mönch Medardus in "Die Elixiere des Teufels" beschäftigt, ist auch in der modernen Belletristik aktuell. So gestaltet der Autor Sebastian Fitzek beispielsweise seinen Psychothriller "Der Insasse" mit dem literarischen Motiv des Doppelgängers und lässt seine Figur Patrick Winter unbewusst einen Doppelgänger im Hochsicherheitstrakt einer Psychiatrie suchen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Aufbau der Forschungsarbeit
3. Zum Begriff der Romantik
3.1 Die Romantik: Zwischen Epoche und Stil
3.2 Literaturhistorische Einordnung der Romantikepoche
4. Zum Begriff der Schauerliteratur
5. Zum Begriff des literarischen Motivs
6. Zum Begriff des Doppelgängermotivs in der Schauerliteratur
6.1 Definition und Varianten des Doppelgängermotivs
6.2 Kategorisierung des Doppelgängermotivs
7. Das Doppelgängermotiv in Die Elixiere des Teufels und Der Sandmann von E.T.A. Hoffmann sowie in Der Runenberg von Ludwig Tieck
7.1 Analyse des Doppelgängermotivs in Der Sandmann
7.2 Analyse des Doppelgängermotivs in Die Elixiere des Teufels
7.3 Analyse des Doppelgängermotivs in Der Runenberg
8. Zusammenfassung der Ergebnisse
9. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht das Doppelgängermotiv in den Werken "Die Elixiere des Teufels" und "Der Sandmann" von E.T.A. Hoffmann sowie "Der Runenberg" von Ludwig Tieck. Ziel der Forschungsarbeit ist die Analyse der Funktionen, Verwendungen und Wirkungen dieses Motivs in den genannten Texten unter Berücksichtigung literaturwissenschaftlicher Kategorisierungsversuche.
- Theoretische Grundlagen zur literarischen Romantik und Schauerliteratur
- Definition und Kategorisierung des literarischen Doppelgängermotivs
- Analyse der Doppelgängererscheinungen und Identitätskrisen in E.T.A. Hoffmanns Schauerliteratur
- Untersuchung des Liminalitätskonzepts und der Charakterprüfung in Ludwig Tiecks "Der Runenberg"
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
„Ich bin das, was ich scheine, und scheine das nicht, was ich bin, mir selbst ein unerklärlich Rätsel, bin ich entzweit mit meinem Ich.“ - Die Elixiere des Teufels von E.T.A. Hoffmann.
Während der Mönch Medardus diese Worte dachte, wusste er noch nicht, für welche höfischen Ränkespiele er bereits eingeplant wurde, welchem wahnsinnigen Wiedergänger er begegnen wird und welche Lügen seine Identität infrage stellen werden. Das Doppelgängermotiv ist ein typisches Motiv der Schauerliteratur und E.T.A. Hoffmanns Roman Die Elixiere des Teufels präsentiert ein komplexes Konstrukt an Doppelgängermotiven, die die Beweggründe der literarischen Figuren gestalten. Motive gestalten Texte der heutigen Belletristik, hauchen literarischen Figuren Leben ein, „stellen Spannungsbögen […] her, wirken direkt auf die Handlungen zurück“ und sind als wesentlicher Kern (Nukleus) oder Baustein von Texten zu verstehen. Die Frage Wer bin ich?, die den Protagonisten Mönch Medardus in Die Elixiere des Teufels beschäftigt, ist auch in der modernen Belletristik aktuell.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese führt in das Thema ein, stellt die Relevanz des Doppelgängermotivs innerhalb der Schauerliteratur heraus und definiert die zentrale Forschungsfrage.
2. Aufbau der Forschungsarbeit: Hier wird der methodische Vorgehensweise und der Aufbau der Untersuchung dargelegt, beginnend bei der theoretischen Verortung bis zur abschließenden Beantwortung der Forschungsfrage.
3. Zum Begriff der Romantik: Dieses Kapitel nähert sich der Epoche der Romantik sowie dem Begriff des Schauerromans, um eine theoretische Grundlage für die Untersuchung zu schaffen.
4. Zum Begriff der Schauerliteratur: Hier werden Definitionen und Gattungsmerkmale der Schauerliteratur sowie deren Abgrenzung und Verbindung zur Romantik erläutert.
5. Zum Begriff des literarischen Motivs: Dieses Kapitel klärt die theoretischen Grundlagen des Motivbegriffs und dessen Funktionen als gestaltendes Element in der Literatur.
6. Zum Begriff des Doppelgängermotivs in der Schauerliteratur: Hier findet die detaillierte Einführung in das Doppelgängermotiv statt, einschließlich Definitionen verschiedener Varianten und Kategorisierungsansätze.
7. Das Doppelgängermotiv in Die Elixiere des Teufels und Der Sandmann von E.T.A. Hoffmann sowie in Der Runenberg von Ludwig Tieck: Dies bildet den Hauptteil, in dem die drei ausgewählten Werke anhand der zuvor erarbeiteten Kategorien auf das Doppelgängermotiv hin analysiert werden.
8. Zusammenfassung der Ergebnisse: Hier werden die Erkenntnisse aus der Analyse des Textkorpus zusammenfassend dargestellt und die Forschungsfrage beantwortet.
9. Fazit: Das Fazit bewertet die Gesamtergebnisse und reflektiert die Anwendbarkeit der Kategorien auf die untersuchten Werke.
Schlüsselwörter
Doppelgängermotiv, Schauerliteratur, Romantik, E.T.A. Hoffmann, Ludwig Tieck, literarisches Motiv, Identitätskrise, Ich-Spaltung, Liminalität, Revenant, Realer Doppelgänger, Doppelgänger-Wahn, Der Sandmann, Die Elixiere des Teufels, Der Runenberg.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem literarischen Motiv des Doppelgängers in ausgewählten Werken der deutschen Romantik und Schauerliteratur.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretische Bestimmung von literarischen Motiven, die Gattung der Schauerliteratur sowie die verschiedenen Ausprägungsformen der Doppelgängerthematik inklusive ihrer psychologischen Hintergründe.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es zu untersuchen, wie das Doppelgängermotiv in den Werken von E.T.A. Hoffmann und Ludwig Tieck erscheint und welche spezifischen Funktionen es innerhalb der jeweiligen Erzählungen erfüllt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die auf aktueller Forschungsliteratur basiert und diese in ein Kategorisierungsschema (insbesondere nach Tölle) zur Untersuchung des selbst gewählten Textkorpus überführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der konkreten Analyse der Texte "Der Sandmann", "Die Elixiere des Teufels" und "Der Runenberg", wobei die Doppelgängererscheinungen in den Kontext der jeweiligen Handlung gestellt und interpretiert werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben dem zentralen Begriff "Doppelgängermotiv" prägen Fachbegriffe wie "Liminalität", "Ich-Spaltung" und "Revenant" sowie die Namen der analysierten Autoren und Werke die Arbeit.
Wie unterscheidet sich der Doppelgänger in E.T.A. Hoffmanns Werken von dem bei Ludwig Tieck?
Während bei Hoffmann das Doppelgängermotiv oft eng mit traumatischen Erfahrungen und pathologischen Zuständen der Protagonisten verknüpft ist, fungiert es in Tiecks "Der Runenberg" stärker als Prüfstein für die Charakterentwicklung im Kontext einer scheiternden Liminalität.
Was bedeutet "Realer Doppelgänger" in dieser Untersuchung?
Als "Realer Doppelgänger" werden Figuren bezeichnet, die einander zum Verwechseln ähnlich sehen oder identisch erscheinen, wodurch die Handlung des Werkes maßgeblich vorangetrieben oder verkompliziert wird.
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- Anonym (Author), 2021, Das Doppelgängermotiv in „Die Elixiere des Teufels“ und „Der Sandmann“ von E.T.A. Hoffmann sowie in „Der Runenberg“ von Ludwig Tieck, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1225453