Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit verschiedenen Schwerpunkten ästhetischer Erziehung im Alltag von geistig behinderten Menschen. Hierzu ist es zunächst notwendig die Personengruppe der geistig behinderten Menschen näher zu umschreiben, da sich die weiteren Ausführungen in dieser Arbeit auf sie beziehen. Im Anschluss an diese Umschreibung werde ich den Begriff der ästhetischen Erziehung erläutern, um den Rahmen für eine differenzierte Betrachtung der Möglichkeiten ästhetischer Erziehung in der Behindertenhilfe zu veranschaulichen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Begriffsbestimmung
1.1 Menschen mit geistiger Behinderung
1.2 Ästhetische Erziehung
2. Schwerpunkte ästhetischer Erziehung
2.1 Ästhetische Erziehung als basale Pädagogik
2.2 Ästhetische Erziehung als Kunstpädagogik
2.3 Ästhetische Erziehung als Pädagogische Kunsttherapie
3. Zum Therapiebegriff in der Heilpädagogik
4. Relevanz der drei Schwerpunkte im Alltag von geistig behinderten Menschen
4.1 Zur Bedeutung ästhetische Erziehung als basale Pädagogik in der schulischen und außerschulischen Bildung von geistig behinderten Menschen
4.2 Zur Bedeutung der Kunstpädagogik im Alltag von geistig behinderten Menschen
4.3 Zur pädagogischen Kunsttherapie bei geistig behinderten Menschen
5. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den Stellenwert und die theoretische Fundierung ästhetischer Erziehung im Kontext der Heilpädagogik für Menschen mit geistiger Behinderung, wobei sie aufzeigt, wie unterschiedliche pädagogische Ansätze gezielt zur Lebensqualität und Entwicklung beitragen können.
- Grundlagen der Begriffsbestimmung im heilpädagogischen Kontext
- Differenzierung zwischen basaler Pädagogik, Kunstpädagogik und Kunsttherapie
- Kritische Reflexion des Therapiebegriffs in der Heilpädagogik
- Anwendungsmöglichkeiten ästhetischer Erziehung im Alltag und in der Bildung
- Förderung von Selbstverwirklichung und Identitätsstärkung durch Kunst
Auszug aus dem Buch
Zur pädagogischen Kunsttherapie bei geistig behinderten Menschen
Das Feld der pädagogischen Kunsttherapie schließt sich an die psychohygienisch-therapeutische Funktion der ästhetischen Erziehung innerhalb der basalen Pädagogik an ( s. Kapitel 2.1). Dieser Bereich wird betreten, wenn herkömmliche heilpädagogische Konzepte, wie z.B. das der basalen Kommunikation nach Mall, zu kurz greifen und den betroffenen Menschen nicht erreichen. Dies ist häufig der Fall, wenn die jeweiligen Adressaten ästhetischer Erziehung, neben ihrer intellektuellen Beeinträchtigung psychische Störungen oder Verhaltensauffälligkeiten zeigen, die einer therapeutischen Intervention bedürfen.
Künstlerischen Medien kommt in diesem Zusammenhang eine besondere Bedeutung zu, da sie dem betroffenen Menschen eine Möglichkeit bieten, innere Konflikte durch Kommunikation zu lösen, auch wenn sie nicht über das Medium der Verbalsprache verfügen. Dieses kommunizierte Konfliktmaterial wird dann Gegenstand der pädagogischen Kunsttherapie mit dem Ziel, den psychischen Grundkonflikt, der einer angemessenen Entwicklung scheinbar im Wege steht, zu verringern, ihn aufzuheben oder zu kompensieren.
Pädagogische Kunsttherapie orientiert sich hierbei stets an den ästhetischen Kompetenzen des jeweiligen Adressaten, an seinen Interessen, Fähig- und Fertigkeiten sich künstlerisch auszudrücken. Neben der therapeutischen Intervention darf jedoch nicht der Bildungsauftrag, die Sensibilisierung für die Kunst, aus den Augen verloren werden. Zum einen ist es der hier genannte Bildungsauftrag, den pädagogische Kunsttherapie besitzt und die Orientierung an den Ressourcen des jeweiligen Adressaten, welche sie von anderen Formen der Therapie unterscheidet und pädagogische Kunsttherapie im Feld der Heilpädagogik legitimiert.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung stellt das Ziel dar, ästhetische Erziehung in der Behindertenhilfe durch eine theoretische Umschreibung der Zielgruppe und des Erziehungsbegriffs zu verorten.
Begriffsbestimmung: Hier wird ein ganzheitliches Verständnis von geistiger Behinderung als komplexes soziales Phänomen eingeführt und eine historische sowie wahrnehmungsorientierte Einordnung ästhetischer Erziehung vorgenommen.
Schwerpunkte ästhetischer Erziehung: Das Kapitel differenziert drei wesentliche Bereiche der ästhetischen Erziehung: die basale Pädagogik, die Kunstpädagogik und die pädagogische Kunsttherapie.
Zum Therapiebegriff in der Heilpädagogik: Dieser Abschnitt kritisiert den inflationären Gebrauch des Therapiebegriffs und betont die Notwendigkeit einer pädagogischen Verankerung künstlerischer Interventionen.
Relevanz der drei Schwerpunkte im Alltag von geistig behinderten Menschen: Die theoretischen Ansätze werden hier in die Praxis überführt, um deren Bedeutung für die schulische, außerschulische und therapeutische Arbeit zu verdeutlichen.
Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass eine stärkere Integration ästhetischer Konzepte in die Ausbildung von Fachkräften essentiell ist, um Vorurteile abzubauen und den Zugang zur Kunst zu erleichtern.
Schlüsselwörter
Ästhetische Erziehung, geistige Behinderung, basale Pädagogik, Kunstpädagogik, pädagogische Kunsttherapie, Heilpädagogik, Wahrnehmung, Selbstverwirklichung, künstlerischer Ausdruck, Therapiebegriff, Behindertenhilfe, Bildungsauftrag, Synkretismus, psychohygienische Wirkung, Inklusion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Bedeutung und den verschiedenen Schwerpunkten der ästhetischen Erziehung bei Menschen mit geistiger Behinderung im heilpädagogischen Alltag.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die basale Pädagogik zur Wahrnehmungsförderung, die Kunstpädagogik zur Wissensvermittlung und die pädagogische Kunsttherapie als Intervention bei psychischen Problemen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Berechtigung und die verschiedenen Intentionen ästhetischer Erziehung theoretisch fundiert darzulegen, um den Nutzen für die behindertenpädagogische Praxis zu verdeutlichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung, die auf der Analyse existierender Fachliteratur und heilpädagogischer Theoriekonstrukte basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Kategorisierung der ästhetischen Erziehung, eine kritische Betrachtung des Therapiebegriffs sowie die praktische Relevanz der Ansätze für den Alltag der Betroffenen erläutert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Ästhetische Erziehung, Heilpädagogik, Kunsttherapie, basale Stimulation und ganzheitliche Bildung.
Inwiefern unterscheidet sich die pädagogische Kunsttherapie von rein medizinischen Therapieformen?
Sie unterscheidet sich durch ihren Fokus auf den pädagogischen Bildungsauftrag und die strikte Orientierung an den individuellen Ressourcen und Interessen der Person statt an einer bloßen Defizit-Reparatur.
Warum spielt der Begriff der "Offenheit der ästhetischen Sache" eine Rolle?
Er beschreibt die Freiheit von festen Maßstäben, die es ermöglicht, ästhetische Materialien ohne "Richtig oder Falsch" für den individuellen Ausdruck zu nutzen.
- Citation du texte
- Kay Ullrich (Auteur), 2004, Ästhetische Erziehung bei geistig behinderten Menschen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12256