Monty Jacobs, der eigentlich Montague Jacobsohn hieß, wurde am 5.1.1875 in Stettin
geboren. Sein Vater Henry Jacobsohn war ein aus Liverpool stammender Schiffsmakler, der
in Deutschland die Hamburger Kaufmannstochter Laura Salomon heiratete.
Nach dem Tod seiner Mutter 1883 wurde auch sein Vater 1888 schwer krank und konnte sich
fortan nicht mehr um die Kinder kümmern. Verwandte übernahmen ihre Erziehung. Monty
Jacobs kam zunächst in ein Berliner Schülerpensionat, bevor sein Onkel Nathan Samuel und
dessen Frau Fanny ihn zu sich nahmen und auf das Falk-Realgymnasium in Berlin schickten.
Im Sommer 1893 begann er sein Studium der Philologie und Literaturgeschichte in München.
Ab dem Wintersemester wechselte er zwischen Berlin und Heidelberg. Er bekannte sich
nachdrücklich zu der bei Erich Schmidt empfangenen germanistischen Ausbildung. Unter
anderem wirkte er bei Theateraufführungen der Studenten der Germanistenkneipe unter der
Leitung Erich Schmidts mit. 1898 promovierte er in Heidelberg mit einer Arbeit über
Gerstenbergs Ugolino.
Im Sommer desselben Jahres fing er als Volontär bei der Berliner Zeitung an, wechselte
jedoch bereits im September zu der Berliner Morgenpost, wo er als Theaterkritiker arbeitete.
Diese Stellung behielt er bis zum März 1900.
1901 heiratete er seine Jugendfreundin Dora, Tochter des Verlagsbuchhändlers Ulrich
Levysohn, die ihm drei Kinder schenkte.
[...]
Inhaltsverzeichnis
1. Lebensläufe der beiden Kritiker
Monty Jacobs
Arthur Eloesser
2. Die Kritiker als Herausgeber, Germanisten und Schriftsteller
Monty Jacobs als Herausgeber
Arthur Eloesser als Schriftsteller
3. Theaterkritiker der Vossischen Zeitung und der Weltbühne
a) Vossische Zeitung und Weltbühne in der Presselandschaft der Weimarer Republik
b) Theaterbegriffe und Stil der Kritiker
Monty Jacobs
Arthur Eloesser
4. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Wirken und die methodischen Ansätze der beiden bedeutenden Theaterkritiker Monty Jacobs und Artur Eloesser im Kontext der Weimarer Republik. Das primäre Ziel ist es, deren spezifische Herangehensweise an die Theaterkritik sowie ihren publizistischen Einfluss auf das Berliner Kulturleben der 1920er Jahre zu analysieren und ihre kritischen Profile gegenüberzustellen.
- Biografische Einordnung von Monty Jacobs und Artur Eloesser
- Die Rolle der Theaterkritik in der Vossischen Zeitung und der Weltbühne
- Vergleichende Analyse der Theaterbegriffe und des Schreibstils beider Kritiker
- Auseinandersetzung der Kritiker mit zeitgenössischen Regisseuren wie Max Reinhardt und Erwin Piscator
- Das Selbstverständnis des Kulturjournalismus in der Weimarer Republik
Auszug aus dem Buch
Monty Jacobs als Herausgeber
Publizistisch hat sich Jacobs vor Allem für Kleist eingesetzt. Kleist bleibt der einzige Dramatiker zu dem er sich eindeutig bekennt. Dies liegt wohl auch an dem Einfluß seines Professors Erich Schmidt, der Kleist seinen Schülern ans Herz legte. Zu Kleists 100. Geburtstag verfaßte er den Aufsatz „Kleist und die Gegenwart“, der für den Dramatiker wirbt. In der Einleitung zu seiner 1925 veröffentlichten Kleistausgabe erklärt er, warum er sich für dessen Dramen so einsetzt:“ Wir haben, als der Naturalismus in seiner Sünden Maienblüte stand, nach dem Befreier sehnsüchtig ausgeschaut, der die Wirklichkeit durch den Humor zu besiegen wisse(...)Wir sehnen uns danach, daß Männer und Helden in Macht und Fülle thronender Kraft wieder auf die Bühne herniedersteigen(...) Wir fliehen vor der Enge und Nüchternheit des Alltags ins Märchenland der Wunder und Träume (...) Wir spähen begierig in die finsteren Abgründe des Menschenherzens; Kinder einer Zeit, die der geheimnisreichen Psyche ihre letzten Schleier rauben möchte.“
An Kleists Dramen gefällt ihm besonders, daß sie mit seelischem Erlebnis arbeiten, welches nicht durch Worte ausgedrückt wird:“ (...) Das Glück ist stumm.“ Dieser Stil gefällt Jacobs auch bei Ibsen, so dass er 1920 eine Untersuchung zu „ Ibsens Bühnentechnik“ veröffentlicht. Dennoch ist die Haltung gegenüber beiden Dichtern unterschiedlich. Während er Kleist in den höchsten Tönen lobt und somit für ihn wirbt, ist „Ibsens Bühnentechnik“ völlig wertfrei. Die Arbeit über Ibsen soll vor Allem zum Verständnis beitragen. Für Jacobs ist Ibsen ein Schüler Kleists.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Lebensläufe der beiden Kritiker: Dieser Abschnitt bietet einen biografischen Überblick über die Herkunft, Ausbildung und berufliche Laufbahn von Monty Jacobs und Artur Eloesser.
2. Die Kritiker als Herausgeber, Germanisten und Schriftsteller: Hier wird das publizistische Werk der beiden Kritiker beleuchtet, insbesondere ihr Einsatz für bedeutende Dramatiker und ihr fachlicher Hintergrund als Germanisten.
3. Theaterkritiker der Vossischen Zeitung und der Weltbühne: Dieses Kapitel analysiert das mediale Umfeld der Weimarer Republik und vergleicht detailliert die Theaterbegriffe, Stile sowie die Haltung der Kritiker gegenüber zeitgenössischen Regisseuren.
4. Zusammenfassung: Abschließend wird die Rolle des Feuilletons und der Kulturjournalisten im Berlin der 1920er Jahre reflektiert und ein Fazit zur Kritikertypologie der beiden Protagonisten gezogen.
Schlüsselwörter
Monty Jacobs, Artur Eloesser, Theaterkritik, Weimarer Republik, Vossische Zeitung, Weltbühne, Feuilleton, Max Reinhardt, Erwin Piscator, Theaterästhetik, Kulturjournalismus, Literaturgeschichte, Drama, Rezension, Berliner Theaterleben.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse und dem Vergleich der theaterkritischen Tätigkeit von Monty Jacobs und Artur Eloesser, zwei prägenden Persönlichkeiten des Berliner Feuilletons während der 1920er Jahre.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen die journalistische Praxis im Feuilleton, die Auseinandersetzung mit verschiedenen Theaterstilen sowie die Haltung der Kritiker gegenüber bedeutenden Regisseuren ihrer Zeit.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Das Ziel ist es, die spezifischen methodischen Ansätze von Jacobs und Eloesser herauszuarbeiten und zu zeigen, wie sie als Kritiker die Theaterentwicklung der Weimarer Republik begleiteten und beeinflussten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Arbeit nutzt die Analyse von Rezensionen und publizistischen Schriften der beiden Kritiker, um deren individuelle Theaterbegriffe und Bewertungskriterien systematisch zu rekonstruieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der Verankerung der Kritiker in der Presselandschaft, ihrem Stilverständnis sowie ihrer konkreten Kritik an den Inszenierungspraktiken von Regisseuren wie Reinhardt, Piscator und Jessner.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Schlüsselbegriffe sind Theaterkritik, Feuilleton, Weimarer Kultur, Dramenanalyse und die spezifische Kritikertypologie des Kulturjournalismus der damaligen Zeit.
Wie unterschieden sich die Herangehensweisen von Jacobs und Eloesser bei der Kritik?
Während Jacobs eher als "rasender Reporter" mit Nachtkritiken arbeitete, brachte Eloesser stärker seine theaterpraktische Erfahrung als ehemaliger Dramaturg ein und verband seine Urteile häufiger mit Bezügen zum menschlichen Leben.
Warum lehnten beide Kritiker Erwin Piscator weitestgehend ab?
Beide empfanden Piscators stark technisch orientiertes Agitationstheater als eine Abkehr vom eigentlichen Geist der Dichtung; sie forderten, dass das Drama und das Wort gegenüber der Technik Vorrang behalten sollten.
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- Magister Artium Jennifer Moos (Author), 1999, Die Journalisten Monty Jacobs und Arthur Eloesser als Kritiker, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122581