Mediation an Schulen


Studienarbeit, 2009

30 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.0 Vorwort

2.0 Definitionen
2.1 Mediation
2.2 Konflikt
2.3 Gewalt
2.4 Prävention
2.5 Intervention

3.0 Geschichtlicher Hintergrund der Schulmediation

4.0 Was ist Schulmediation?

5.0 Ziele und Grenzen von Mediation an Schulen
5.1 Ziele
5.2 Grenzen

6.0 Mediation - Die Sprache
6.1 Das Sprechen der Klienten-Sprache
6.2 Das Sprechen der Mediationssprache
6.3 Der Sinnbezug
6.4 Die Körpersprache des Medianten
6.5 Kunst des Fragens
6.5.1 Refokussierende Fragen
6.5.2 Hypothetische Fragen
6.5.3 Hypothetische Denkstilveränderung
6.5.4 Umkehrung zeitlicher Reihenfolgen
6.5.5 Lösungsorientierte Fragen
6.5.6 Antwort zurückstellen
6.5.7 Gestaltung der Mediation
6.6 Refraiming
6.7 Die Metaphern

7.0 Der Mediator und seine Rolle

8.0 Eskalationsdynamik
8.1 Die Provokation (1. Stufe)
8.2 Der Gesichtsverlust (2. Stufe)
8.3 Die Suche nach Verbündeten (3. Stufe)
8.4 Einsatz von Gewalt (4. Stufe)
8.5 Zerstörung des „Gegners“ (5. Stufe)

9.0 Verknüpfung mit dem Schulprogramm

10.0 Schülerstreitschlichtung - Welche Konflikte eignen sich?

11.0 Streitschlichtung verankern?

12.0 Ausbildung und Betreuung
12.1 Lehrerausbildung
12.2 Rahmenbedingungen für die Schülerausbildung
12.2.1 Ausbildungszeitmodell
12.2.2 Unterrichtszeit
12.2.3 Wahlpflichtkurs
12.2.4 Fehlzeiten während der Ausbildung
12.2.5 Kriterien für Kompetenzen in der Streitschlichtung
12.3 Auswahl der Streitschlichter
12.3.1 Auswahlkriterien

13.0 Durchführung der Streitschlichtung
13.1 Raum
13.2 Zeit
13.3 Ablauf einer Streitschlichtung
13.3.1 Mediationsvereinbarung (1. Phase)
13.3.2 Themensammlung und Konfliktfeldklärung (2. Phase)
13.3.3 Bearbeitung der Konfliktfelder (3. Phase)
13.3.4 Einigung (4. Phase)
13.3.5 Abschlussvereinbarung (5. Phase)

14.0 Die Perspektiven
14.1 Entwicklung einer Konfliktkultur
14.2 Potential der Peer-Education
14.3 Streitschlichtung und Methoden als Bestandteile der Lehrerausbildung
14.4 Entlastung für aktive Lehrkräfte
14.5 Lehrkräfte anderer Schulen
14.6 Vernetzung in Kommune und Stadtteil
14.7 Mediation verankern und Veränderungen verdeutlichen

15.0 Resümee

16.0 Literaturverzeichnis

1.0 Vorwort

In meiner Studienarbeit verwende ich ausschließlich die männliche Form.

In der vorliegenden Studienarbeit stelle ich die Mediation an unterschiedlichen Schulen vor. Durch Mediation wird eine zivilisierte Streitkultur an Schulen gefördert. Mediation hat das Ziel, eine einvernehmliche Konfliktlösung zu finden.

Zu Beginn der Arbeit definiere ich die Begriffe Mediation, Konflikt, Gewalt, Prävention und Intervention, gehe auf den geschichtlichen Hintergrund der Schulmediation und die Ziele und Grenzen von Mediation an Schulen ein. Anschließend stelle ich die Sprache der Mediation und die Stufen der Eskalationsdynamik dar. Außerdem schreibe ich über die notwendigen Schritte, um Streitschlichtung zu verankern, ich schreibe über die Ausbildung und Betreuung der Streitschlichter und die Durchführung der Streitschlichtung. Am Ende der Studienarbeit gehe ich auf die verschiedenen Perspektiven der Streitschlichtung ein.

2.0 Definitionen

2.1 Mediation

Unter Mediation (lateinisch Vermittlung) versteht man ein freiwilliges, strukturiertes Verfahren, welches zur konstruktiven Vermeidung oder Beilegung eines Konfliktes dient. Die Konfliktparteien (Medianten) erarbeiten mit Hilfe eines Mediators (eine dritte unparteiische Person) eine einvernehmliche Vereinbarung, welche den Interessen und Bedürfnissen beider Konfliktparteien entspricht (http://de.wikipedia.org/wiki/Mediation).

2.2 Konflikt

Bedeutet (lateinisch confligere ) zusammenprallen, zusammenschlagen. In der Soziologie und Psychologie steht der Konflikt für das Zusammentreffen von unterschiedlichen Interessen, die nicht in einer gleichrangigen Weise befriedigt werden können. Die Psychologie meint mit dem Begriff einen Zustand, in dem widersprüchliche Handlungsmotive- oder tendenzen zur gleichen Zeit empfunden werden. Hier wird unter Vermeidungskonflikten (unter Problemen, die man am liebsten alle beseitigen würde, wird eines ausgesucht) und Zielkonflikten (zum Beispiel, wenn zwischen zwei oder mehreren Möglichkeiten gewählt werden muss) unterschieden. Die Soziologie bezeichnet mit dem Begriff Konflikt alle Arten nichtmilitärischer Streitigkeiten (Microsoft Encarta 2006, 1993-2005 Microsoft Corporation).

2.3 Gewalt

Unter Gewalt versteht man sowohl die psychische, als auch die physische Gewalt.

2.4 Prävention

Unter Prävention versteht man in der Mediation die Verhütung beziehungsweise die Vorbeugung, das Zuvorkommen der Gewalttat selbst durch die Streitschlichtung (Microsoft Encarta Enzyklopädie 2006, 1993-2005 Microsoft Corporation).

2.5 Intervention

Darunter versteht man das Einmischen, die Vermittlung, das Dazwischentreten oder das Eingreifen in eine Konfliktsituation (Microsoft Encarta Enzyklopädie 2006, 1993-2005 Microsoft Corporation).

3.0 Geschichtlicher Hintergrund der Schulmediation

Die Konfliktlösungsverfahren der Schulmediation werden in Deutschland mit zunehmender Beliebtheit angewandt. Die Ursprünge der Schulmediation liegen im Collective Bargaining (gemeinsamen Verhandeln). Die Verhandlungsarbeit der Quäker hatte sehr großen Einfluss auf die Anerkennung des Mediationsverfahrens. Diese waren an verschiedenen politischen Verhandlungen der USA mit dem Nahen Osten sehr erfolgreich. In den 60er-Jahren verbreitete sich die Mediation als außergerichtliche Einigung (oftmals in Scheidungs- oder Trennungsfällen). Ab dem Anfang der 70er-Jahre wurden in den USA für Lehrer und Schüler Trainingsprogramme konzipiert. 1972 führten die Quäker an öffentlichen Haupt- und Grundschulen in New York ein Programm („Children´s Creative Response to Conflict“, kurz CCRC) ein. Dieses Programm versuchte „die Abhängigkeit von Konkurrenz und Gewalt auf der physischen, verbalen und auf der psychischen Ebene zu reduzieren. Um das Programm effektiv einzubinden, wurden Schulklassen der interessierten Lehrer über einen bestimmten Zeitraum beobachtet. Das CCRC-Programm war ein einstündiger Workshop, der wöchentlich im Klassenzimmer von ca. drei Trainern durchgeführt wurde. Dort wurden Übungen und Spiele zum Thema Selbstwertgefühl, Kommunikation, Konfliktlösung und Bestätigung durchgeführt. Das aus den Übungen entstandene Gemeinschaftsgefühl und Selbstbewusstsein hat die Schüler zur Anwendung von konstruktiven Konfliktlösungsstrategien befähigt.

Die Kingston-Friends-Workshop-Group (London) hat die Idee der Schulmediation weiterentwickelt. Um erfolgreiche Teamarbeit sicher zu stellen, wurden in ihren Seminaren zum Einstieg Kennenlernspiele gespielt. Anschließend wurde das „Eisberg-Prinzip“ der Problemlösung ausführlich erklärt. Die notwendigen Fähigkeiten des Selbstwertgefühls, der Bestätigung, der Kommunikation und der Kooperation versuchte die Kingston Friends-Workshop-Group durch Übungen, Spiele, Diskussionen und Rollenspiele den Seminarteilnehmern beizubringen. 1982 wurde in San Franciscos das „Conflict-Management-Program“ als Testprojekt (an öffentlichen Schulen) eingeführt. Das „Conflict-Management-Program“ ist der Vorreiter der Peer-Mediations-Programme (vgl. „Streitschlichtung in Schule und Jugendarbeit“, das Trainingshandbuch für Mediationsausbildung, Diemut Hauk-Thorn, Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 2002, S.13-14).

4.0 Was ist Schulmediation?

Übersetzt bedeutet Mediation „Vermittlung“, damit ist die Vermittlung in Konfliktsituationen durch unbeteiligte Dritte gemeint. Die Schulmediation ist eine Verhandlungsführung zwischen zwei oder mehreren Personen, die sich in einer Konfliktsituation befinden und nicht verständigen können. In der Fachsprache bezeichnet man Schülermediatoren als Peer-Mediatoren (Peers sind die Gleichaltrigen oder Gleichrangigen). An Schulen bezeichnet man die Mediation als Streitschlichtung. Eine Mediationssitzung dauert 30 bis 45 Minuten. Haben die Streitpartner große Probleme, so werden mehrere Mediationssitzungen durchgeführt. Die Teilnahme an der Streitschlichtung ist immer freiwillig, sie wird in vielen Bereichen eingesetzt (zum Beispiel bei verbalen und körperlichen Konflikte, bei Diebstahl, übler Nachrede und so weiter). Der Mediator unterliegt der Schweigepflicht und muss alle Informationen vertraulich behandeln. Strafende Maßnahmen von Eltern- oder Schulseite werden ausgesetzt. Das Ziel jeder Mediationssitzung ist eine gemeinsame Erarbeitung einer Win-Win-Lösung. Bei dieser Lösungsart sind beide Streitpartner Gewinner, niemand soll die Situation als Verlierer verlassen. Mit einer schriftlichen Vereinbarung, die zum Beispiel eine Entschuldigung beinhaltet, wird die Mediation beendet. Circa zwei Wochen später werden die Vereinbarungen überprüft. In den meisten Fällen werden die ausgehandelten Verträge eingehalten (dies zeigten amerikanische Untersuchungen) (vgl. „Streitschlichtung in Schule und Jugendarbeit“, das Trainingshandbuch für Mediationsausbildung, Diemut Hauk-Thorn, Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 2002, S.24).

5.0 Ziele und Grenzen von Mediation an Schulen

5.1 Ziele

Die Schülerstreitschlichter erlernen durch das Streitschlichterprogramm wichtige soziale Schlüsselkompetenzen (wie zum Beispiel den konstruktiven Umgang mit Konfliktsituationen, Teamarbeit, und so weiter). Das gesamte Schulklima wird gefördert. Eine einheitliche Konfliktkultur entsteht, wenn eine Schule den Umgang mit Problemen und Konflikten zu einem zentralen Punkt des Schulprofils macht. Durch Streitschlichtung wird die Identifizierung und Partizipation von Jugendlichen mit ihrer Schule verstärkt. Durch die Übernahme der Eigenverantwortung für ihre Konflikte, werden die Lehrkräfte entlastet. Somit haben Lehrer mehr Zeit für pädagogische Aufgaben. Darüberhinaus fördert es die Integration von verhaltensauffälligen Kindern, es trägt zur Förderung des Selbstvertrauens der Kinder und Jugendlichen bei und schont das Verhältnis (zum Beispiel die Freundschaft) der Streitenden.

5.2 Grenzen

Streitschlichtung eignet sich nur für einfache Konflikte.

Bereits in der Streitschlichterausbildung lernen die Schüler welcher Arten von Problemen sie selbst übernehmen können und dürfen. Sie lernen auch, dass Straftaten und körperliche Gewalttaten von Lehrern bzw. von Erwachsenen übernommen werden müssen. Es ist ein Schülerzentriertes Verfahren. Da einige Konfliktpartner ihren Mitschülern nicht zutrauen ihren Streit zu schlichten, wünschen sie sich für die Mediation einen erwachsenen Streitschlichter. In einigen Fällen ist dies sogar angemessen. Jedoch sollte eine nicht all zu starke Verantwortung durch Lehrer oder andere Erwachsene herrschen, da den Schülern sonst die Möglichkeit genommen wird den richtigen Umgang mit Konflikten zu erlernen. Kinder und Jugendliche sollen in der eigenen Konfliktlösekompetenz gestärkt werden, dies geschieht indem sie sich für ihre eigenen Interessen einsetzten. Schülerstreitschlichter sind ausschließlich für die Lösung von Schüler-Schüler-Konflikten zuständig. Konflikte die zwischen Schülern und Lehrern stattfinden, werden von der Schulleitung, Sozialpädagogen oder Vertrauenslehrern übernommen. Da die Streitschlichtung auf freiwilliger Basis beruht, kann keiner der Streitpartner zu einer Streitschlichtung gezwungen werden. Es kann viele verschiedene Gründe geben (zum Beispiel aus Angst vor der Konfrontation mit den Problemen, oder aus Schamgefühl), warum jemand nicht zur Streitschlichtung geht (vgl. „Mediation an Schulen verankern“ Ein Praxishandbuch, Peer Kaeding; Jens Richter; Anke Siebel; Silke Vogt (Hrsg.), Beltz Verlag, Weinheim und Basel 2005, S. 16-17).

6.0 Mediation - Die Sprache

Die Sprache spielt im Mediationsprozess eine sehr wichtige Rolle und wird deshalb als Handwerk der Mediatoren betrachtet. Im folgenden Text gehe ich auf die allgemeinen Stile der Sprache, die Kernwörter und auf die verschiedenen Wirkungen der Sprache ein.

6.1 Das Sprechen der Klienten-Sprache

Sobald der Mediator auf die Sprache der Medianten (zum Beispiel, ein alltagsnaher Sprachstil) eingeht, entsteht zwischen ihnen ein gutes Verständnis (vgl. Mecke, A. (2004). In J.M. Haynes et al., S. 278-330). Hierbei muss der Mediator auf den Sprachstil beider Schüler eingehen, so sind beide Konfliktpartner gleichberechtigt.

Der Mediator sollte wichtige Begriffe (die für die Medianten wichtig sind) erkennen und diese in seiner Zusammenfassung verwenden, um so zu zeigen, dass er die wichtige Bedeutung verstanden hat. Emotional geladene Begriffe sollte der Streitschlichter jedoch umgehen oder diese umschreiben. Der Mediator soll außer den Sprachstilen der beiden Schüler, zusätzlich die Sprache der Mediation sprechen.

6.2 Das Sprechen der Mediationssprache

Die Basis der Mediation ist die Bedürfnisorientierung und die Autonomie. Der Mediator muss im Mediationsprozess einige Begriffe der Medianten durch eigene ersetzten, da diese besser geeignet sind. Auf diese Weise wird der Verlauf der Mediation gefördert und eine Lösung schneller gefunden (vgl. Mecke, A. (2004). In J.M. Haynes et al., S. 278-330).

6.3 Der Sinnbezug

Jeder Mensch beschreibt seine Erlebnisse unterschiedlich (Sprachunterschiede). Es gibt zwei verschiedene Verarbeitungsstile des Erlebten, die visuellen und die auditiven. Treffen diese zwei unterschiedlichen Stile aufeinander, entsteht oft das Gefühl aneinander vorbeizureden, oder nicht verstanden zu werden. Der Mediator muss deshalb beiden Parteien das Gefühl geben, sie zu verstehen. Nur so werden sich die Medianten auf die Mediation einlassen (vgl. Mecke, A. (2004). In J.M. Haynes et al., S. 278-330).

6.4 Die Körpersprache des Medianten

Das Eingehen auf die Körpersprache des Medianten kann zu positiven Ergebnissen führen und unterschiedliche Reaktionen bewirken. Hierbei darf der Mediator die Körpersprache des Schülers nicht nachahmen, sondern muss versuchen diese in die eigene Körpersprache zu integrieren (vgl. Mecke, A. (2004), In J.M. Haynes et al., S. 278-330).

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Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Mediation an Schulen
Hochschule
Universität Kassel
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
30
Katalognummer
V122645
ISBN (eBook)
9783640295524
ISBN (Buch)
9783640301515
Dateigröße
472 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mediation, Streitschlichtung, Schülerstreitschlichtung, Geschichte der Mediation, Ausbildung zum Streitschlichter, Eskalationsdynamik
Arbeit zitieren
Anna Olenberg (Autor:in), 2009, Mediation an Schulen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122645

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