Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › German Studies - Older German Literature, Medieval Studies

Das Verständnis der symbolischen Kommunikation für das Verständnis des Mittelalters

Title: Das Verständnis der symbolischen Kommunikation für das Verständnis des Mittelalters

Seminar Paper , 2008 , 12 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: Jessica Zapf (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

„Kommunikation“ beschreibt die Übermittlung einer Nachricht von einem Sender zu einem Empfänger. Diese Nachricht wird vom Sender verschlüsselt und muss vom Empfänger entschlüsselt werden. Dieser Vorgang kann aber nur dann erfolgreich sein, wenn den beiden Kommunikationspartnern die Regeln des Zeichensystems bekannt sind. Während in unserer Gesellschaft vor allem die verbale und schriftliche Kommunikation als vorherrschende Kommunikationsform gilt, kommt der nonverbalen, symbolischen Kommunikation im Mittelalter eine besondere Rolle zu. Natürlich findet diese Form auch heute noch Anwendung, jedoch war sie im Mittelalter die führende Form der öffentlichen Kommunikation und als solche ganz bestimmten Regelsystemen unterworfen.

1. Die symbolische Kommunikation

Symbolische Kommunikation beschreibt eine nonverbale Kommunikationsform, bei der Bedeutungen und Informationen mit Hilfe von Gestik, Mimik und rituellen Handlungen übermittelt werden sollen.
Im Mittelalter war der Zweck dieser Handlungen, dem Gegenüber deutlich zu machen, dass herrschende Zustände und gültige Regelsysteme akzeptiert und befolgt wurden.

„Dem Menschen stand ein differenziertes System von Zeichen, Symbolen und Verhaltensmustern zur Verfügung, mit dem er nonverbal Stand, Stellung und Rang, sein Verhältnis zum jeweiligen Gegenüber, Freundschaft und Freude, Feindschaft und Unwillen ausdrücken konnte.“

Den Menschen im Mittelalter waren diese Formen der Kommunikation so geläufig, dass ein Nicht-Einhalten dieser Gepflogenheiten deutlichen einen Konflikt anzeigte oder eine bewusste Provokation darstellte.
Die festgelegten Konventionen erleichterten die Verständigung und Konsensfindung der Herrschenden. Aktion und Reaktion wurden vorher verabredet und durch die öffentliche Ausübung legitimiert.

„Auf diese Weise konnte man Frieden und Freundschaft für die Zukunft ebenso versprechen, wie Unter- und Überordnung, Huld oder auch Dienstbereitschaft zum Ausdruck bringen.“

Im Folgenden sollen nun verschiedene Formen und Funktionen der symbolischen Kommunikation in der Öffentlichkeit des Mittelalters betrachtet und an Beispielen aus Heinrich von Veldekes Eneasroman aufgezeigt werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Die symbolische Kommunikation

2. Die öffentliche Bitte

Eneas Bitte an Dido

Eneas Bitte an Latinus

3. Das öffentliche Scherzen

4. Das Schenken als Zeichen der Macht und Sympathiebekundung

Eneas Geschenke für Dido

Eneas Geschenke für Latinus

Eneas beschenkt die Spielleute

5. Der öffentliche Unterwerfungsakt

Die öffentliche Unterwerfung von Turnus

6. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung und Funktion der symbolischen Kommunikation im Mittelalter, wobei die theoretischen Konzepte von Gerd Althoff auf den „Eneasroman“ von Heinrich von Veldeke angewandt und kritisch überprüft werden.

  • Grundlagen symbolischer Kommunikation als nonverbales Zeichensystem
  • Die rituelle Praxis des Bittens als politisches Instrument
  • Die soziale und politische Bedeutung des Schenkens
  • Strukturen und Funktionen öffentlicher Unterwerfungsrituale
  • Analyse und Vergleich literarischer Beispiele mit historischen Erkenntnissen

Auszug aus dem Buch

4. Das Schenken als Zeichen der Macht und Sympathiebekundung

Auch das Schenken hatte Symbolcharakter und folgte gewissen Regeln.

Mit dem Akt des Schenkens konnten im Mittelalter mehrere Ziele verfolgt werden. So sollten Geschenke zum einen Achtung und Sympathie ausdrücken. Zum anderen konnte der Schenkende durch Wert und Anzahl der Geschenke Macht, Reichtum und Überlegenheit ausdrücken.

Das Schenken hat einen viel höheren Stellenwert als verbale Sympathiebekundungen. Durch ein teures Geschenk mindert der Schenkende sein eigenes Vermögen und mehrt das Vermögen seines Gegenübers. Dadurch soll eine Vertrauensbasis geschaffen werden. Der Schenkende hat weniger Mittel um Waffen zu kaufen und verlässt sich darauf, dass auch der andere von seinem Geschenk keine Waffen kauft. Diese gegenseitige Versicherung des Friedens mittels materieller Werte wiegt mehr als verbale Vertrauensbezeugungen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Die symbolische Kommunikation: Dieses Kapitel erläutert die Grundlagen nonverbaler Kommunikation im Mittelalter als essenzielles, regelgeleitetes Zeichensystem zur Darstellung von Stand, Rang und sozialen Verhältnissen.

2. Die öffentliche Bitte: Hier wird die Bitte als normierte Form der politischen Verhandlung beschrieben, anhand derer Eneas durch den Einsatz von Boten Unterstützung bei Dido und Latinus sucht.

3. Das öffentliche Scherzen: Das Kapitel untersucht die rituelle Bedeutung des gemeinsamen Mahls und Scherzens als Friedenssymbol und weist darauf hin, dass entsprechende Beispiele im untersuchten Eneasroman fehlen.

4. Das Schenken als Zeichen der Macht und Sympathiebekundung: Dieses Kapitel analysiert das Schenken als materielle Vertrauensbasis und Demonstration von Macht, illustriert durch Eneas' Gaben an Dido, Latinus und die Spielleute.

5. Der öffentliche Unterwerfungsakt: Es wird die Planung und Struktur von Unterwerfungsritualen beleuchtet und die Bitte des Turnus um Gnade als (spontanes) Fallbeispiel analysiert.

6. Schlussbetrachtung: Zusammenfassend wird festgehalten, dass die Einordnung von Handlungen in den Kontext symbolischer Kommunikation stets einer präzisen Einzelfallprüfung bedarf.

Schlüsselwörter

Symbolische Kommunikation, Mittelalter, Eneasroman, Heinrich von Veldeke, Gerd Althoff, öffentliche Bitte, Schenken, Unterwerfungsakt, Rituale, nonverbale Kommunikation, Zeichensystem, politische Verhandlung, Machtdemonstration, Satisfactio, Verhaltensmuster.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Rolle und den Funktionen der symbolischen Kommunikation in der mittelalterlichen Gesellschaft.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder umfassen rituelle Handlungen wie die öffentliche Bitte, das Schenken als machtpolitisches Instrument und den Unterwerfungsakt.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die theoretischen Ansätze zur symbolischen Kommunikation von Gerd Althoff an Beispielen aus Heinrich von Veldekes „Eneasroman“ kritisch zu prüfen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die literarische Quellen des Eneasromans mit historisch-soziologischen Modellen zur mittelalterlichen Kommunikation vergleicht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden die Konzepte Bitte, Schenken und Unterwerfung definiert und jeweils durch Szenen aus dem Roman konkretisiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind symbolische Kommunikation, Rituale, Machtdemonstration und die spezifischen Formen von Interaktionen im Mittelalter.

Wie bewertet der Autor den Unterwerfungsakt von Turnus?

Der Autor ordnet den Akt als spontane Reaktion auf Verwundung ein, die zwar äußere Formen eines Bittrituals annimmt, aber nicht dem formalisierten rituellen Standard entspricht.

Finden sich im Eneasroman alle von Althoff beschriebenen Rituale wieder?

Nein, der Autor stellt explizit fest, dass sich beispielsweise keine Belege für das „öffentliche Scherzen“ im Sinne Althoffs im Eneasroman finden lassen.

Excerpt out of 12 pages  - scroll top

Details

Title
Das Verständnis der symbolischen Kommunikation für das Verständnis des Mittelalters
College
University of Bayreuth
Grade
2,3
Author
Jessica Zapf (Author)
Publication Year
2008
Pages
12
Catalog Number
V122659
ISBN (eBook)
9783640266890
ISBN (Book)
9783640266920
Language
German
Tags
Verständnis Kommunikation Verständnis Mittelalters
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jessica Zapf (Author), 2008, Das Verständnis der symbolischen Kommunikation für das Verständnis des Mittelalters, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122659
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  12  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint