Darstellung der Geschlechterrollen im französischen Roman des 18. Jahrhundert am Beispiel von Choderlos de Laclos’ „Les Liaisons Dangereuses“


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008
15 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Hintergrund
2.1. der Autor
2.2. die Zeit

3. Inhalt
3.1. Handlungsverlauf
3.2. Struktur der Charaktere

4. Darstellung der Geschlechterrollen
4.1. der gender -Ansatz
4.2. Charakterisierung im Hinblick auf die Geschlechterrollen
4.2.1. Marquise de Merteuil
4.2.2. Vicomte de Valmont
4.2.3. La Présidente de Tourvel
4.2.4. Cécile de Volanges
4.2.5. Chevalier Danceny

5. Résumée

6. Quellen

1. Einleitung

In einer der letzten Ausgaben des Jahres 2007 des ZEIT -Magazins Leben stellten mehrere Autoren und Redakteure ihre Lieblingsbücher vor. Der Kolumnist Harald Martenstein präsentierte Choderlos de Laclos Gefährliche Liebschaften[1] und erinnerte sich, wie ihm als 20-jähriger Romanistikstudent dieser Roman gar nicht gefallen hatte – ob der Egozentriertheit seiner Protagonisten und deren Radikalität.[2]

Doch stellt er ebenfalls klar, dass es ihm nun – mehr als 20 Jahre später, und weise – klar geworden ist, warum dieser Roman vor einigen Jahren von der Jury des Gercourt-Preises zum besten französischen Roman gewählt wurde, der jemals geschrieben wurde: Obwohl echte zwischenmenschliche Gefühle angeblich total irrelevant sind, werden keine monsterhaften Figuren wie bei de Sade gezeichnet. Auch wurde dieser Roman, der der aristrokatischen Klasse den Spiegel ihrer Dekadenz und Unfähigkeit zu lieben vorhält, von einem Mitglied ebendieser Klasse geschrieben, von einem Autor, der vor Allem Offizier und politisch Aktiver war und neben besagtem Meisterwerk nur wenige, in der Literatur als unbedeutend geltende Schriften verfasste.

Doch der für die folgende Arbeit interessanteste Punkt ist, dass die weibliche Protagonistin des Romans, die Marquise de Merteuil, ihrer Zeit in Sachen Feminismus um Welten voraus zu sein scheint.

So soll im Rahmen dieser Ausarbeitung die Zeichnung der Geschlechterrollen im Briefroman Les Liaisons Dangereuses beleuchtet und als Beispiel für eine allgemeine Auseinandersetzung mit der gender -Darstellung im französischen Roman des 18. Jahrhunderts herangezogen werden.

Zum besseren Verständnis werden jedoch zunächst in einem kurzen Exkurs die Hintergründe – zum Autor sowie zur Epoche – behandelt und ein kurzer Überblick über den Handlungsverlauf gegeben. Daran anschließend sollen die beiden Haupt- sowie die relevanten Nebenpersonen charakterisiert werden. Dem Forschungsinteresse folgend, liegt das Hauptaugenmerk der Charakterisierung auf der weiterführenden Analyse der enthaltenen Geschlechterrollen, die im Schlußteil der vorliegenden Arbeit abschließend resümiert werden soll.

2. Hintergund

2.1. der Autor

Pierre-Ambroise-François Choderlos de Laclos wurde am 18. Oktober 1741 in Amiens geboren. Sein Vater, ein hoher Verwaltungsbeamter, war kurz vor seiner Geburt in den Adelsstand erhoben worden. Um weiteren gesellschaftlichen Aufstieg bemüht, ließ sein Vater den jungen Laclos die renommierte École de La Fère besuchen, deren Abschluss eine hervorragende Offizierskarriere versprach. Tatsächlich wurde Laclos nach einem Jahr Ausbildung, im Jahre 1762, zum Lieutenant ernannt.

Da die höhreren Offizierränge in der Armee des Ancien Régime erst Adligen in der vierten Generation zugänglich waren und Laclos nicht den Ruhm des Schlachtfeldes erfuhr, sondern immer wieder in anderen Garnisonen stationiert wurde, suchte er seine Bestätigung im Schreiben. Nachdem er im Jahre 1777 eine Komische Oper mit dem Titel Ernestine ohne viel Beachtung veröffentlicht hatte, schrieb er 1782 während eines sechsmonatigen Urlaubs ein Werk zu Ende, an dem er zuvor mehrere Jahre gearbeitet hatte: Les Liaisons Dangereuses.

Der Roman, der von vielen für einen der besten französischen Romane gehalten wird, wurde aufgrund seiner anrüchigen Thematik ein großer Skandalerfolg.

Wegen des Aufruhrs, den Laclos durch die Anstößigkeit seines Romans hervorgerufen hatte, wurde er nach La Rochelle strafversetzt, wo er seine spätere Frau kennen lernte, Vater wurde und sich dazu entschied, aus dem Militär auszutreten und in die Politik zu gehen. Im Dienste des Herzogs von Orléans verfasste er während der Unruhejahre der Revolution von 1789 bis 1791 mehrere politische Schriften und schloss sich den Jakobinern und später den Orleanisten an. Während der Schreckensherrschaft Robespierres verbrachte er mehrere Monate im Gefängnis und entging nur knapp der Guillotine. Nach dessen Sturz schloss er sich Napoleon Bonaparte an und nahm in der Armée du Rhin am Italienfeldzug teil. In Tarent stationiert, starb er am 5. September 1803 an einer Darminfektion.[3]

So sind im Zusammenhang mit dem Roman Les Liaisons Dangereuses zwei Aspekte seines Lebenslaufes von Interesse: Zum einen gehörte Laclos dem gleichen Stand an, dessen Lebensstil und -wandel er in seinem Werk aufs Schärfste angreift und kritisiert. Zum anderen ist Les Liaisons Dangereuses das einzige und zugleich erfolgreiche Werk eines Amateurs, der eigentlich Offizier war.[4]

2.2. die Zeit

Les Liaisons Dangereuses entsteht Ende des 18. Jahrhunderts. Im vorrevolutionären Frankreich herrscht der Geist der Aufklärung, das siècle de lumière. Der Unmut über die Herrschaft des Hochadels und dessen Lebensstil erfasst auch Teile des Adels selbst und ist das Thema in Zeitschriften, Debattierklubs und den Pariser Salons.

Eine Komponente des aufklärerischen Geistes stellt der Hang zur Provokation dar – insbesondere Schriften, die gewollt Anstoß an gesellschaftlichen Sitten und Gebräuchen nehmen. So waren Schriften mit erotischem bis gar pornographischem Inhalt zu der Zeit sehr en vogue. Hier seien neben Marquis de Sades Justine, dem wohl bekanntesten Werk dieser Gattung, ebenfalls zu nennen: die Romane von Restif de La Bretone, Bauernromane, die die Miseren der einfachen Menschen auf dem Lande und die der untersten Gesellschaftsschichten des städtischen Lebens zum Thema haben; Point de lendemain von Vivant Denon; die Romane von Crébillon – Tanzai et Néandarmé oder Le Sopha – , deren Hauptmotive exotisch-erotische, orientalische Haremsphantasien darstellen; und auch Fanny Hill von dem englischen Schriftsteller Cleland, der das ebenfalls anrüchige Leben in den Arbeiter- und Armenvierteln Londons thematisiert.[5]

3. Inhalt

3.1. Handlungsverlauf

Da die Marquise de Merteuil vom Comte de Gercourt, der mittlerweile mit Cécile de Volanges, einer ehemaligen Klosterschülerin, verlobt ist, verlassen wurde, möchte sie sich an ihm rächen, indem sie Cécile noch vor deren Hochzeit verleumdet.

Sie bittet den Vicomte de Valmont, ein Gefährte im libertinen Geiste und ebenfalls ein ehemaliger Liebhaber, um Hilfe. Dieser lehnt jedoch ab, da er es vorzieht, die tugendhafte Marie de Tourvel zu verführen, die sich wie er selbst auf dem Landsitz seiner Tante, der Madame de Rosemonde, aufhält.

[...]


[1] Die deutsche Übersetzung des Titels spiegelt leider nicht den kompletten Umfang des französischen Begriffs Liaison wider, sodass im Folgenden der französische Originaltitel verwendet wird.

[2] vgl.: Martenstein, Harald: Attraktive Schurken, in: DIE ZEIT, Nr. 52 2007, Magazin Leben S. 30

[3] vgl.: Giovacchini, Dominique: Biographie, in: Giovacchini, Dominique (Hg.): Analyses et Réflexion sur Laclos. ‚Les Liaisons Dangereuses’ – la passion amoureuse, Paris 1991, S. 5 f.

[4] vgl.: Didier, Béatrice: Chaderlos de Laclos: Les Liaisons Dangereuses. Pastiches et Ironie, Paris 1998, S. 3 f.

[5] vgl.: ebenda, S. 99 f.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Darstellung der Geschlechterrollen im französischen Roman des 18. Jahrhundert am Beispiel von Choderlos de Laclos’ „Les Liaisons Dangereuses“
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Romansiches Seminar der Universität Mainz)
Veranstaltung
Darstellung der Geschlechterrollen im französischen Roman des 18. Jahrhundert
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
15
Katalognummer
V122664
ISBN (eBook)
9783640269662
ISBN (Buch)
9783640268405
Dateigröße
433 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gefährliche Liebschaften, Liaisons Dangereuses, Gender, Geschlechterrollen, Eiskalte Engel
Arbeit zitieren
Tilman Scheipers (Autor), 2008, Darstellung der Geschlechterrollen im französischen Roman des 18. Jahrhundert am Beispiel von Choderlos de Laclos’ „Les Liaisons Dangereuses“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122664

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