In dieser Arbeit möchte ich mich mit Jean Luc Godards JLG/JLG AUTOPORTRAIT DE DÉCEMBRE 2 näher beschäftigen. Einer Analyse, die sich speziell mit signifikanten Elementen und Verfahren des Films auseinandersetzt, sollen Überlegungen zu filmimmanenten Diskursen, betreffend der Historizität des Daseins und der Kultur, folgen. Die Verflechtungen von Reflexionen und die fragmentarisierte Struktur in der offenen Form charakterisieren JLG/JLG als ein filmisches Gedankenexperiment - als Essayfilm. Eine Beschreibung dessen soll Konstante der folgenden Kapitel sein. Zunächst erscheint es mir jedoch hilfreich, eine kurze Einführung in die Person Jean Luc Godards als Filmemacher vorn anzustellen: Bereits in seinem frühen und einzigen kommerziell erfolgreichem Film À BOUT DE SOUFFLE (1959) zeigte Godard die Bedeutung der Form in der Filmrezeption auf. Dem Realismusmodell André Bazins folgend, dem zur Folge der Realismus nicht in den Bildern, sondern im Wahrnehmungsmuster der Bilder liegt. Man muß sich vorsehen, das ästhetische Raffinement einer wie auch immer beschaffenen Roheit der unmittelbaren Wirkung eines Realismus gegenüberzustellen, der doch nur die Wirklichkeit zeigen will. Nach meiner Meinung ist es das Verdienst des italienischen Films, noch einmal daran erinnert zu haben, daß es keinen ‚Realismus’ in der Kunst geben kann, der nicht zuallererst und zutiefst ‚ästhetisch’ ist. […] Das Reale und das Imaginäre in der Kunst hängen ausschließlich vom jeweiligen Künstler ab; das Fleisch und Blut der Realität werden sich in den Netzen von Literatur oder Film nicht leichter verfangen als die ausschweifendsten Fantasien der Imagination.
Inhaltsverzeichnis
1. Filmische Daten
2. Einleitung
3. Godard, das Bild und der Film – eine Analyse
3.1 Zur Funktion des Zwischentitels in JLG/JLG
3.2 Das Bild im Bild – die Ikonographie eines Selbstportraits
3.3 Ich ist ein Anderer – das Selbst und das Selbstbild – Selbstreflexivität und Selbstkonstruktion in JLG/JLG
4. Das Zeichen der Zeit: Kulturelle Erinnerung in JLG/JLG
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Jean-Luc Godards Film "JLG/JLG" unter besonderer Berücksichtigung der filmimmanenten Reflexion über das Medium Kino, die Historizität des Daseins sowie die Konstruktion eines filmischen Selbstportraits. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, wie Godard durch fragmentarisierte Strukturen, Zitate und den Einsatz des "Unsichtbaren" als ästhetisches Prinzip eine neue Form der Zuschauerpartizipation und Selbstreflexion erzeugt.
- Die Funktion und Ästhetik von Zwischentiteln und Textinserts.
- Die Dekonstruktion der traditionellen Filmbiografie zugunsten eines zeitgenössischen Selbstportraits.
- Das Verhältnis zwischen Bild, Realität und der Rolle des Zuschauers als Konstrukteur.
- Intertextualität und das Zitieren von Kunstgeschichte und Literatur.
- Der Essayfilm als Gedankenexperiment und filmische Form des Denkens.
Auszug aus dem Buch
3.2 Das Bild im Bild – die Ikonographie eines Selbstportraits
In diesem Kapitel soll es vornehmlich um die Präsentationen des Filmbildes und des Bilds als Zitat gehen. Aus der Einsicht, dass es keine objektiv begründbare Form der Darstellung gibt, geht die Reflexivität als Konsequenz hervor. Die Form an sich wird so in ihrer Bedeutung aufgewertet, da sie wichtiger Teil des in und mit ihr Dargestellten ist. Die Form vermittelt ihre eigene Bedeutung über die Reflexivität, somit nimmt die Form in der Wahl der filmischen Mittel, die zu ihrer jeweiligen Manifestation führt, die entscheidende Rolle für die Perspektivierung des Dargestellten ein. Reflexivität zeigt die Bedingungen an, unter denen das Dargestellte eine vorübergehende Gültigkeit beanspruchen kann. Eine Vorführung des Bildes als ‚Konsumware’ wird so dekonstruiert. Der Film ist so auf den Zuschauer, zur Herstellung von Kohärenz und Sinnzusammenhang angewiesen.
Godard nannte seinen Film „Autoportrait“, diese Betonung des Bildhaften drückt die Nähe des Films zu anderen Bildmedien wie der Malerei und der Fotographie aus. Dieser Aspekt der Intermedialität ist – wie bereits erwähnt – geradezu paradigmatisch für das Schaffen Godards. Darüber hinaus drückt die Bezeichnung des Films als Selbstportrait allerdings auch das Momenthafte, bzw. – zeitlich betrachtet – einen Augenblick aus; dieses wird von Christina Scherer wie folgt beschrieben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Filmische Daten: Auflistung der technischen Rahmendaten und Mitwirkenden des Films "JLG/JLG".
2. Einleitung: Einführung in Godards filmisches Schaffen und die Zielsetzung der Analyse von JLG/JLG als Essayfilm.
3. Godard, das Bild und der Film – eine Analyse: Untersuchung der rudimentären Handlungsstruktur und der filmischen Verfahren, insbesondere der Zwischentitel und der bildhaften Darstellung.
3.1 Zur Funktion des Zwischentitels in JLG/JLG: Analyse der Gliederungsfunktion und des tagebuchartigen Charakters der Textinserts im Hinblick auf den Akt des Schreibens.
3.2 Das Bild im Bild – die Ikonographie eines Selbstportraits: Untersuchung der filmischen Dekonstruktion durch Zitate aus Malerei und Fotografie sowie der Reflexion von Spiegelverhältnissen.
3.3 Ich ist ein Anderer – das Selbst und das Selbstbild – Selbstreflexivität und Selbstkonstruktion in JLG/JLG: Analyse der Identitätskonstruktion und der bewussten Distanzierung des filmischen Ichs vom realen Autor.
4. Das Zeichen der Zeit: Kulturelle Erinnerung in JLG/JLG: Analyse des geschichtsphilosophischen Modells Godards und der Verwendung kultureller Zitate zur Konstruktion von Gedächtnis.
5. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der zentralen Thesen über die Problematisierung des Blicks und die Befreiung des Zuschauers durch den Zweifel am Bild.
Schlüsselwörter
Jean-Luc Godard, JLG/JLG, Essayfilm, Selbstportrait, Selbstreflexivität, Intermedialität, Zwischentitel, Bildtheorie, Filmästhetik, Kulturelle Erinnerung, Dekonstruktion, Zuschauerpartizipation, Geschichte, Zeitlichkeit, Autorschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert den Essayfilm "JLG/JLG" von Jean-Luc Godard und untersucht, wie der Regisseur durch formale Brüche und theoretische Reflexionen ein filmisches Selbstbild entwirft.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den Kernbereichen zählen die Funktion von Zwischentiteln, die Verwendung von Zitaten aus Malerei und Literatur sowie Godards Verständnis von Film als Medium des Denkens.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Godard durch den Prozess der Selbstinszenierung und die ständige Infragestellung des Gezeigten eine neue Form des "Unsichtbaren" im Kino schafft, die den Zuschauer zum aktiven Mitdenken anregt.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Die Arbeit nutzt film- und medienwissenschaftliche Analysemethoden, wobei Konzepte der Intermedialität, der Dekonstruktion sowie filmtheoretische Diskurse von Autoren wie Deleuze oder Scherer herangezogen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der filmischen Gestaltungselemente, wie Textinserts und Bildzitate, sowie eine philosophische Untersuchung der Identitäts- und Geschichtskonstruktion in Godards Werk.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren den Text?
Wichtige Begriffe sind Selbstreflexivität, Essayfilm, Intermedialität, Autorschaft und das Verhältnis von Bild zu Wirklichkeit.
Welche Rolle spielt der französische Revolutionskalender im Film?
Die Monatsnamen des Revolutionskalenders werden von Godard genutzt, um die lineare Zeitorganisation des Films aufzuheben und eine melancholische Stimmung des Abschieds sowie des "Winters des Lebens" zu erzeugen.
Warum lehnt Godard die Übersetzung seines Werks als "JLG über JLG" ab?
Godard betont, dass das "/" im Titel ein Spiegel ist; er vermeidet damit die Dominanz des einen Ichs über das andere und verdeutlicht die Zersplitterung des Subjekts im ästhetischen Raum des Films.
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- Magister Artium Philipp Blum (Author), 2005, Das Bild des Unsichtbaren – Das unsichtbare Selbstbild, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122688