Autoritäre und faschistische Systeme im Vergleich


Seminararbeit, 1996

16 Seiten, Note: Gut


Leseprobe

Wirtschaftspolitik Österreich/ Italien zur Zeit des Faschismus:

Sowohl in Österreich als auch in Italien bestand ein großer Zusammenhang zwischen Weltwirtschaftskrise und Krise der parlamentarischen Demokratien. Diese Krisen waren die Voraussetzungen für das erfolgreiche Entstehen der verschiedenen Faschismen. Ich will nun versuchen spezifische Punkte für die beiden Länder herauszuarbeiten und diese dann vergleichbar darstellen. Dabei sollen die Unterschiede und Gemeinsamkeiten ablesbar sein. Wichtige Punkte sind für mich zum Beispiel, wie sich die Wirtschaftspolitik im Gegensatz zu früher entwickelt hat, in wie weit die Wirtschaft durch den Faschismus gelenkt und beeinflusst wurde und ob es einen Aufschwung oder Abschwung gegeben hat. Ich will bei meiner Arbeit vor allem auf die Gebiete Wirtschaft, Investitionspolitik, Budget, Deflationsdiktatur, Industrie und Landwirtschaft eingehen. Meiner Meinung nach sind dies die wichtigsten und am besten vergleichbaren Komponenten, die dann Schlüsse auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede zulassen. Es folgen zuerst immer eine Beschreibung der österreichischen Situation zu den einzelnen Punkten und danach vergleichsweise die italienische Situation.

Wirtschaft:

In Österreich wurden ab 1933 Maßnahmen zur Krisenbekämpfung gesetzt. Diese Maßnahmen setzten sich aus politischen und wirtschaftlichen Programmen zusammen, die man versuchte zu

kombinieren. Dieses Programm diente dazu festzustellen, für welche unter den zur Verfügung stehenden Alternativen das autoritäre Regime operiert hat und welcher Wirtschaftskurs bestritten wurde1 .

In Italien bildeten sie Jahre 1922-1925 die Phase sukzessiver Machtergreifung. Es folgte der Aufbau des faschistischen Regimes, weitgehende Regulierung von Arbeit und Kapital und die Reglementierung des öffentlichen politischen Lebens.

Darauf basierend erfolgte ein Kursumschwung in der Währungs- und Außenwirtschaftspolitik. Die Hauptlinien waren die Stabilisierung der Währung und die Liraaufwertung, Lohn- und Gehaltskürzungen, Kartellierungs- und Rationalisierungsvorgänge und eine systematische Interventionspolitik des Staates2 .

Geleitet von diesem Druck erzwang die österreichische Industrie ihre Krisenstrategie, die ökonomische und politische Elemente kombinierte. Der zentrale Gesichtspunkt des wirtschaftlichen Teils bestand in der Forderung zur Wiedergewinnung der Konkurrenzfähigkeit am internationalen Markt und Maßnahmen zur Exportförderung. Die Industrie präsentierte sich als Anhängerin einer angebotsorientierten Wirtschaftspolitik. Neben einer Senkung der Löhne forderte die Industrie die Entlastung von staatlichen Steuern und Abgaben, den Abbau der öffentlichen Ausgaben und eine Reform der Sozialversicherung, um den Anspruchsberechtigtenkreis an der Arbeitslosenversicherung herabzusetzen. Außerdem wurde eine Veränderung der Handelspolitik zugunsten der industriellen Produktion gefordert.

In den folgenden Monaten verfolgte die Industrie einen abwartenden Kurs, stellte sich aber den „Notverordnungskurs“3 der Regierung Dollfuß und hinter die Maßnahmen, die zur Ausschaltung des Nationalrates und zur Errichtung der Diktatur in Österreich nötig waren4 .

In Italien trat 1925/26 eine Wende ein. Es gab eine krisenhafte Zuspitzung der Widersprüche in der Wirtschaft: Zwischen Großindustrie und Mittel- und Kleinbetrieben, zwischen Fertigindustrien und Basis- und Grundstoffindustrien, Industrie und Banken und zwischen Industrie und Landwirtschaft.

Für Wirtschaft und Gesellschaft waren folgende Krisenherde kennzeichnend: Zunahme des Außenhandelsdefizits, rückläufige Auswandererrimessen, eine mit vergleichsweise hohen Kosten arbeitende Industrie, beginnende Agrarkrise, Verarmung der Arbeiterschaft und der kleineren und mittleren Bauern, rückläufige Spareinlagen, Zunahme von Steuerdruck und Binnenverschuldung des Staates, Große Inflation, Widererstaren von Unruhen in den Betrieben und der auslösende Moment: dir Börsenkrise.

[...]


1 siehe Mattl Siegfried, Wien, 1984, S. 133 und 134

2 vgl. Rafalski Traute, Opladen 1984, S. 31

3 Mattl Siegfried, Wien 1984, S. 136

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Autoritäre und faschistische Systeme im Vergleich
Hochschule
Universität Wien  (Poltitkwissenschaft)
Veranstaltung
Vergleichende Politikwissenschaft
Note
Gut
Autor
Jahr
1996
Seiten
16
Katalognummer
V12269
ISBN (eBook)
9783638181969
ISBN (Buch)
9783638757706
Dateigröße
394 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Faschismus, Wirtschaftssystem, Italien, Österreich
Arbeit zitieren
Mag. Karin Stepanek (Autor), 1996, Autoritäre und faschistische Systeme im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12269

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