In dieser vorliegenden Hausarbeit beschäftige ich mich mit dem Abschnitt §§6-7 aus Ciceros philosopischem Werk „Laelius – De amicitia“. Das zentrale Thema in diesem einführenden Gespräch über die Freundschaft zwischen Fannius, Scaevola und Laelius, welches sich gleich nach dem Proömium anschließt und sich bis §16 erstreckt, ist der Tod des Scipios und die Reaktion Laelius darauf. Wobei nun hier in §§6-7 nicht primär Fannius den Laelius nach seiner Einstellung zur Freundschaft fragt, sondern vielmehr, rechtfertigt, weshalb Laelius der geeigneteste von allen sei, sich über das Thema Freundschaft zu äußern.Ich untersuche jeden lateinischen Satz einzeln chronologisch zum Text auf sowohl inhaltliche als auch sprachliche Aspekte. Benötigte Hilfserläuterungen und Anmerkungen zum Verständnis werden direkt an die notwendige Stelle in dem Textgefüge eingebaut. Als Primärliteratur benutze ich die Version von J.G.F. Powell „M. TULLI CICERONIS LAELIUS DE AMICITIA“ aus der Reihe der „Oxford Classical Texts“.Zur Bearbeitung der Hausarbeit stehen mir insbesondere an Sekundärliteratur die Kommentare von Karl August Neuhausen, Raphael Kühner und Moritz Seyffert zur Verfügung, die sich ausführlich mit dem zu behandelnden Werk auseinandergesetzt haben.
[...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Haupteil
2.1 Vorgeschichte und zeitliche Einordnung des Werkes „Laelius – de amicitia“
2.2 Gegenwärtige Lebenssituation des M. Tullius Cicero
2.3 Kurze Zusammenfassung des Proömiums §§1-5
2.4 Sprachliche und inhaltliche Interpretation des ersten Beitrages von Fannius
2.4.1 Vergleichende Beurteilung der Weisheit von M. Cato und L. Acilius mit der von C. Laelius
2.4.2 Vergleich mit den griechischen Vorbildern in Hinblick aus sapientia und Frage an Laelius nach der Reaktion auf Scipios Tod
3. Resümee des sechsten und siebten Paragraphen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht sprachliche und inhaltliche Aspekte des ersten Redebeitrags von Fannius im einführenden Gespräch des ciceronianischen Werks „Laelius – De amicitia“ (§§6-7). Ziel ist es, die Charakterisierung Laelius’ als weiseste Persönlichkeit durch Fannius sowie die implizite Aufwertung gegenüber römischen und griechischen Vorbildern systematisch nachzuweisen.
- Historische und zeitliche Einordnung des fiktiven Dialogs
- Analyse der sprachlichen Mittel und Argumentationsstruktur
- Vergleichende Untersuchung der Weisheitskonzepte (sapientia)
- Abgrenzung gegenüber römischen und griechischen Vorbildern
- Untersuchung des Bezugs zum Tod Scipio Africanus’
Auszug aus dem Buch
2.4.1. Vergleichende Beurteilung der Weisheit von Marcus Cato Maior und Lucius Acilius mit der von Gaius Laelius (§6)
Sunt ista, Laeli; „dieses ist so, Laelius; bzw. es ist in der Tat, wie du sagst, Laelius;“ Hiermit stimmt Fannius den vorausgegangenen Aussagen von Laelius zu Scipio, und bekräftigt die Auffassung des Laelius als des Repräsentanten von Ciceros Ansicht. Dadurch dass Cicero hier Einschiebsel wie tum und inquit oder ait weglässt und er auf eine Ergänzung wie ut dicis hinter sunt ista verzichtet, erzeugt Cicero eine stärkere Wirkung: Er versetzt den Leser unmittelbar nach dem Proömium mitten in das Gespräch.
Nec enim melior vir fuit Africano quisquam nec clarior: „Keinen besseren Mann hat es gegeben als den Africanus und auch keinen berühmteren.“ Dieser prägnante Begründungssatz (s. enim) bildet das Resümee von dem Eingang des Dialoges, der hier an den Anfang des Redeteils von Fannius vorangestellt wird. Zugleich soll er an das Gespräch aus dem vorausgegangenen philosopischen Werk „De re publica“ anknüpfen, in dem Cicero Scipio in der Hauptrolle über die Suche nach der optimalen Staatsform in Form des aristotelischen Dialoges reden lässt.
Durch den Abl. Comp. africano wird gezeigt, dass Scipio alle anderen Menschen als vir bonus und clarus überstrahlte. Diese extrem positive Bewertung weist ebenfalls keine Abschwächung bzw. Einschränkung auf, wie es z.B. kurz zuvor bei der Charakteristik Catos im Proömium durch fere und temporibus illis der Fall ist: tum est Cato locutus quo erat nemo fere senior temporibus illis, nemo prudentior §5.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt den Gegenstand der Untersuchung (§§6-7 des Laelius) vor und erläutert die methodische Vorgehensweise sowie die genutzte Primär- und Sekundärliteratur.
2. Haupteil: Dieser Abschnitt bietet den historischen Rahmen, die Einordnung in Ciceros Lebenssituation, eine Proömiums-Zusammenfassung sowie die detaillierte satzweise Analyse des Fannius-Beitrags.
2.1 Vorgeschichte und zeitliche Einordnung des Werkes „Laelius – de amicitia“: Hier werden die historischen Dialogpartner und der Entstehungszeitraum des Werks im Kontext der politischen Lage von 44 v. Chr. beleuchtet.
2.2 Gegenwärtige Lebenssituation des M. Tullius Cicero: Dieser Teil beschreibt Ciceros Rückzug aus der aktiven Politik (vita activa) in die philosophische Muße (vita contemplativa) infolge der historischen Umbrüche.
2.3 Kurze Zusammenfassung des Proömiums §§1-5: Es erfolgt ein Überblick über den strukturellen Aufbau des Proömiums, das die Charaktere einführt und die Motivation für den Dialog darlegt.
2.4 Sprachliche und inhaltliche Interpretation des ersten Beitrages von Fannius: Der Kernbereich der Arbeit interpretiert die Argumentation von Fannius bezüglich der herausragenden Weisheit des Laelius.
2.4.1 Vergleichende Beurteilung der Weisheit von M. Cato und L. Acilius mit der von C. Laelius: Analyse des Vergleichs zwischen dem historischen römischen Weisenbild und dem Protagonisten Laelius.
2.4.2 Vergleich mit den griechischen Vorbildern in Hinblick aus sapientia und Frage an Laelius nach der Reaktion auf Scipios Tod: Untersuchung der Abgrenzung zu griechischen Weisen (einschließlich Sokrates) und der Überleitung zur zentralen Fragestellung nach Scipios Tod.
3. Resümee des sechsten und siebten Paragraphen: Das Kapitel fasst zusammen, wie Cicero Laelius als unübertroffenen Weisen auf den höchsten Rang stellt.
Schlüsselwörter
Laelius, De amicitia, Cicero, Freundschaft, Scipio Africanus, Fannius, sapientia, virtus, Philosophie, antike Rhetorik, Sapiens, Cato, Acilius, Sokrates, Dialogform
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Hausarbeit befasst sich mit einer detaillierten sprachlichen und inhaltlichen Analyse der Paragraphen 6 und 7 aus Ciceros philosophischem Werk „Laelius – De amicitia“.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die antike Philosophie der Freundschaft, das Konzept der „sapientia“ (Weisheit) und die literarische Charakterisierung von Laelius durch den Dialogpartner Fannius.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Fannius die Weisheit des Laelius begründet und warum er diesen als geeigneten Redner über das Thema Freundschaft präsentiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin untersucht jeden lateinischen Satz chronologisch und kombiniert dabei inhaltliche Interpretationen mit sprachlichen sowie stilistischen Analysen.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Einordnung, die Lebenssituation Ciceros bei Abfassung des Werks sowie die philologische Interpretation des Gesprächsbeginns zwischen Fannius, Scaevola und Laelius.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind „sapiens“, „virtus“, „vir bonus“ und „clarus“, die in dieser Arbeit in ihrem spezifischen Kontext bei Cicero analysiert werden.
Wie werden die „Sieben Weisen“ in der Arbeit bewertet?
Die Arbeit stellt fest, dass Cicero die griechischen Weisen eher abwertend als lediglich „philosophisch Interessierte“ bezeichnet, um den singulären Status des Laelius als Weisen hervorzuheben.
Welche Rolle spielt die Person Sokrates im Text?
Sokrates wird als Vergleichsgröße für Weisheit herangezogen, jedoch von Cicero durch das Weglassen des Genitivs „omnium“ bei „sapientissimus“ indirekt hinter Laelius zurückgestuft.
- Arbeit zitieren
- Mark-Aurel Timm (Autor:in), 2008, Erster Beitrag des Fannius im einführenden Gespräch aus Laelius - De amicitia §6-7, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122707