Aggression und Gewalt bei Jugendlichen sind in Medien, Politik und Gesell-schaft zu einem lebhaft diskutierten Thema geworden. Der Mord an einer Leh-rerin in Meißen im November 1999 und der Amoklauf des Schülers Robert Steinhäuser am Erfurter Gutenberg-Gymnasium im April 2002 mit 17 Toten er-schütterten die Öffentlichkeit ebenso wie die Vorkommnisse in der Münchener U-Bahn im Dezember 2007, wo zwei Jugendliche einen Rentner lebensgefähr-lich verletzten.
Aber warum werden Kinder kriminell und vor allem wie entstehen und entwi-ckeln sich Aggressionen? Diesen Fragen soll in der folgenden Arbeit über Ag-gression bei Heranwachsenden nachgegangen werden. Dabei beschäftige ich mich vor allem mit den Ergebnissen der Entwicklungsforschung zur Entstehung und Entwicklung von Aggression nach Dornes . Es ist meines Erachtens von größter Bedeutung zu wissen, wie sich Aggressionen entwickeln, wie und in welchem Alter sie entstehen und durch welche Faktoren dies beeinflusst wird. Denn nur wenn diese Aspekte bekannt sind, kann Aggression und die daraus resultierende Gewalt sinnvoll bekämpft werden. Um diese Fragen zu klären, fließen in meine Betrachtung auch die Erkenntnisse der Bindungsforschung zu Risiko- und Schutzfaktoren und Bourdieus Konzeptionen ungleicher sozialer Chancen und ihren möglichen Folgen in meine Arbeit ein.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Entstehung von Aggression bei Heranwachsenden unter Berücksichtigung von Risiko- und Schutzfaktoren
3. Entstehung von Aggression bei Heranwachsenden unter Berücksichtigung der Entwicklungsforschung nach Dornes
4. Entstehung von Aggression unter Berücksichtigung von Bourdieus Konzeptionen ungleicher sozialer Chancen und die möglichen Folgen
5. Schlussbetrachtung
6. Literatur- und Quellenverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die psychischen Entstehungsbedingungen und Entwicklungsprozesse von Aggression bei Heranwachsenden, um Wege zu einer sinnvollen Gewaltprävention aufzuzeigen.
- Bedeutung von Risiko- und Schutzfaktoren für die kindliche Entwicklung
- Entwicklungspsychologische Perspektiven auf die Entstehung von Aggression
- Einfluss von sozialen Chancen und Ungleichheit nach Pierre Bourdieu
- Frühzeitige Intervention und Prävention in der Kindheit
Auszug aus dem Buch
3. Entstehung von Aggression bei Heranwachsenden unter Berücksichtigung der Entwicklungsforschung nach Dornes
Ganz am Anfang steht die Frage, ob Aggression ein Trieb ist, also ein von inneren Faktoren gesteuerter Antrieb, der auf die Befriedigung von Bedürfnissen gerichtet ist, oder eine angeborene Affekt- und Handlungsdisposition als Reaktion auf Frustration. Zahlreiche Wissenschaftler haben sich seit der Entwicklung der Triebtheorie von Freud mit dieser Fragestellung beschäftigt, auf die ich hier jedoch nicht näher eingehen möchte.
In der modernen Säuglingsforschung verabschiedet man sich von der Triebtheorie, da man davon ausgeht, dass die „explorativen Tätigkeiten des Säuglings keinem (konstruktiven) Aggressionstrieb unterliegen“. (Dornes 1997: S. 250) Auch die reaktive Aggression, die Mobilisierung von Ärger oder Feindseligkeit als Antwort auf eine Bedrohung, unterliegt keinem Trieb. Nach den Konzepten von Lichtenberg und Stechler muss zwischen Selbstbehauptung des Säuglings und Aggression unterschieden werden. Sie differenzieren zwischen zwei Motivationssystemen. Einem assertiven, welches sich selbst aktiviert und z.B. durch spontane Neugier oder Erkundungsaktivitäten mit positiven Affekten verknüpft ist und durch bestimmte Umweltbedingungen ausgelöst wird, aber nicht von ihnen abhängig ist. Das andere, reaktiv-aggressive bzw. aversive System ist nicht selbstaktivierend, sondern wird durch negative Affekte aktiviert, z.B. durch Bedrohung; normalerweise ist es inaktiv. Es ist allerdings nicht immer ersichtlich, ob ein Säugling assertiv oder aggressiv handelt. Dies ergibt sich - wenn überhaupt - aus dem Handlungskontext und häufig wird das hineininterpretiert, was man selbst erwartet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz des Themas Aggression bei Jugendlichen ein und erläutert die methodische Herangehensweise unter Einbeziehung entwicklungspsychologischer und soziologischer Ansätze.
2. Entstehung von Aggression bei Heranwachsenden unter Berücksichtigung von Risiko- und Schutzfaktoren: Dieses Kapitel analysiert, wie belastende Umwelteinflüsse und fehlende Bezugspersonen als Risikofaktoren wirken, während resiliente Persönlichkeitsmerkmale und stabile Bindungen den Prozess der Aggressionsbildung abmildern können.
3. Entstehung von Aggression bei Heranwachsenden unter Berücksichtigung der Entwicklungsforschung nach Dornes: Hier wird dargelegt, dass Aggression kein angeborener Trieb ist, sondern sich aus Frustrationserfahrungen und der Fehlinterpretation kindlicher Selbstbehauptung entwickelt.
4. Entstehung von Aggression unter Berücksichtigung von Bourdieus Konzeptionen ungleicher sozialer Chancen und die möglichen Folgen: Das Kapitel beleuchtet, wie soziale Benachteiligung und die Position im sozialen Raum den Lebensstil beeinflussen und zu Aggressionen als Reaktion auf fehlende Teilhabechancen führen können.
5. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass präventive Maßnahmen bereits im Kleinkindalter ansetzen müssen, da Aggressionsmuster tief in die Persönlichkeit eingebettet sind.
6. Literatur- und Quellenverzeichnis: Hier sind sämtliche wissenschaftlichen Quellen und Studien aufgeführt, die zur Argumentation herangezogen wurden.
Schlüsselwörter
Aggression, Entwicklungsforschung, Risiko- und Schutzfaktoren, Bindungsforschung, soziale Konditionierung, Selbstbehauptung, Frustration, Feindseligkeit, Gewaltprävention, Sozialisation, Pierre Bourdieu, Resilienz, frühkindliche Entwicklung, Verhaltensstörungen, Erziehungsstil.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die psychischen Entstehungsbedingungen und Entwicklungsprozesse von aggressivem Verhalten bei Heranwachsenden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Themenfelder umfassen die Entwicklungspsychologie, die Auswirkungen von Risiko- und Schutzfaktoren im sozialen Umfeld sowie soziologische Aspekte sozialer Ungleichheit.
Welches ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den Ursprung von Aggression bei Kindern und Jugendlichen zu verstehen, um effektive Strategien für eine frühzeitige Gewaltprävention zu begründen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse und der Auswertung zentraler entwicklungspsychologischer Studien, insbesondere nach Martin Dornes, sowie soziologischer Theorien von Pierre Bourdieu basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Entwicklungsrisiken, die Differenzierung zwischen assertiver Selbstbehauptung und Aggression in der Säuglings- und Kleinkindforschung sowie die Rolle des sozialen Raums bei der Entwicklung von Distinktionsverhalten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Aggression, Resilienz, soziale Konditionierung, Bindungsforschung, Frustration und Gewaltprävention.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen Selbstbehauptung und Aggression?
Basierend auf Dornes wird argumentiert, dass Aggression oft fälschlicherweise als solche interpretiert wird, während es sich ursprünglich um assertive Handlungen des Kindes handelt, die lediglich zielgerichtet auf Selbstbehauptung abzielen.
Welche Bedeutung hat das soziale Umfeld nach Bourdieu?
Bourdieu betont, dass das soziale Umfeld und die verfügbaren Kapitalformen (ökonomisch, kulturell, sozial) die Entwicklung eines Menschen maßgeblich einschränken und bei Unterprivilegierung aggressives Verhalten begünstigen können.
- Arbeit zitieren
- Eva Reis Focke (Autor:in), 2008, Aggression bei Heranwachsenden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122761