Elternarbeit in der Heimerziehung


Hausarbeit, 2007

13 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Die Entwicklung der Heimerziehung im historischen Kontext

III. Rechtliche Grundlage der Heimerziehung

IV. Eltern- und Familienarbeit in der Heimerziehung

V. Formen und Gründe der Elternarbeit

VI. Schwierigkeiten und Grenzen der Elternarbeit

VII. Zusammenfassung und Schlussbemerkung

VIII. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

In dem folgenden Text werde ich mich mit dem Thema der Elternarbeit in der Heimerziehung beschäftigen.

Ich werde zuerst mit einem historischen Rückblick über die Heimerziehung beginnen, damit wir auch Einblicke in die damalige Situation bekommen. Somit können wir Vergleiche zum aktuellen Stand ziehen und daran auch erkennen, was sich positiv verändert hat. Ich werde vor allem Veränderungen von der Elternarbeit in den Blick nehmen.

Danach werde ich mich mit den gesetzlichen Grundlagen beschäftigen, inwiefern Heimerziehung generell im KJHG verankert ist und wie es mit der Elternarbeit im Speziellen aussieht. Das ist aus dem Grund wichtig, da dadurch eine klare Linie gegeben werden kann, wie sich die Erzieher[1] zu verhalten haben. Es wird sich klären, ob ein großer Spielraum für Handlungsoptionen vorliegt oder nicht.

Nach diesem Teil komme ich zu den unterschiedlichen Ansätzen der Elternarbeit: dem pragmatischen Ansatz, dem systemischen Ansatz und dem psychoanalytischen Ansatz.

Anschließend werde ich mich mit den Formen der Elternarbeit beschäftigen, die heutzutage angewandt werden.

Zum Schluss setze ich mich mit den Vorteilen, den Schwierigkeiten und Grenzen der Elternarbeit kritisch auseinander.

II. Die Entwicklung der Heimerziehung im historischen Kontext

Wenn wir heutzutage von Heimerziehung sprechen, dürfen wir diese nicht mit den früheren Sichtweisen von Heimerziehung im Sinne von Waisenhäusern / Findelhäusern verwechseln. Damals „ging es vor allem darum, diese Kinder am Leben zu erhalten und sie zu Arbeitsamkeit, Gottesfurcht und Demut hinzuführen“ (Günder 2007, S. 15). Eine andere Möglichkeit war, dass verwaiste Kinder in Familien gegeben wurden, die sie als billige Arbeitskräfte nutzten und ihnen keine Bildung zukommen ließen. Im 16. Jahrhundert entstanden die ersten Waisenanstalten in den Reichsstädten (ebd.). Die ersten Waisenhäuser wurden 1546 in Lübeck, 1567 in Hamburg, 1572 in Augsburg eröffnet (Schips 1917, S. 702).

Einen hohen Bekanntheitsgrad besaßen die „Hallischen Anstalten“, die von Herrmann Francke gegründet wurden. Sie wurden durch eine strenge pietistische Erziehung geprägt (Günder 2007. S. 15). Nach dem 30-jährigen Krieg gab es eine Vielzahl an verwaisten Kindern, mit der die Anstalten nicht fertig wurden. Ein großes Problem stellten die finanziellen Mittel dar. „Der Aufenthalt in einem Waisenhaus war beispielsweise im Jahre 1862 in Berlin dreimal so teuer wie in der Familienpflege“ (ebd. S. 16). In der Diskussion um Waisenanstalten wurde klar, dass die Erziehung in Heimen ohne familiäre Bezugspersonen nicht in diesem Stil weitergehen könne. „Erst mit Beginn der Aufklärung und mit allgemeinen Veränderungen in der Betrachtung des Wertes der Kindheit und einer kindorientierten Erziehung hielten in der Beeinflussung durch Rousseau und Pestalozzi pädagogische Ideen in größerem Umfang in die damaligen Institutionen für elternlose Kinder Einzug“ (ebd. S. 18). Aus dieser neuen pädagogischen Richtung heraus entwickelte sich die „Rettungshausbewegung“. Diese Bewegung hatte sich zwei Ziele gesetzt: „Einmal sollte das Seelenheil der verwaisten Kinder durch religiöse Bildung und Hinführung zu Gott gerettet werden. Andererseits ging es darum, elternlose Kinder für das weltliche Leben beziehungsweise das Überleben zu retten und sie zu brauchbaren Mitgliedern der Gesellschaft heranzubilden“ (ebd. S. 18/19). Somit wird weiterhin der Bezug zu Gott und zur Kirche beibehalten, aber es wird ein neuer Schwerpunkt auf die Kinder als Individuum gesetzt. Ein wichtiger Vertreter der Rettungshausbewegung war Johann Hinrich Wichern. Im Jahre 1883 gründete er das „Rauhe Haus“ in Hamburg. Die vier Grundprinzipien dieses Hauses waren: „selbstbestimmte Ordnung, nützliche Beschäftigung, Gebrauch des göttlichen Wortes und Liebe“ (ebd. S. 19). Auf diesem Wege versuchte Wichern die Erziehung der verwaisten Kinder in eine neue Richtung zu lenken. Jedoch waren damals viele Anstalten mit sehr strengen Hausordnungen versehen, die „Strenge, Strafen, Schweigen und Ruhe“ (ebd. S. 20) beinhalteten. Dies gab den Kindern keine Möglichkeiten zur persönlichen Entfaltung. Begriffe wie „Zucht und Ordnung“ waren an der Tagesordnung. Hierzu ist es erwähnenswert, dass der Begriff „Heim“ erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts gebräuchlich wurde. Vorherige Betitelungen waren:

- „Besserungs- und Corrigendenanstalt
- Rettungshaus und Rettungsanstalt
- Zwangserziehungsanstalt
- Fürsorgeerziehungsanstalt
- Erziehungsanstalt
- Jugendschutzlager/Konzentrationslager für Jugendliche/Arbeitslager für Fürsorgezöglinge“ (Schrapper/Heckes 1986, S.1f.)

Schon in dem Namen an sich schwingt eine negative Botschaft mit. Aus diesem Grund müssen wir uns nicht wundern, wenn dem Begriff „Heim“ immer ein negativer Hauch anhaftet. Mit dem Ausdruck Anstalt wird oft der Begriff der Aufbewahrung assoziiert. Auf den ersten Blick wird dabei nicht an die Thematik Erziehung und den Aspekt der persönlichen Beziehung von Kindern zu Erwachsenen (Eltern, Erziehern) gedacht, sondern bloße Verwahrung der Kinder.

Im Zuge des 3. Reiches wurde in den Erziehungsanstalten viel Wert auf ideologisches Gedankengut und auf „gute“ und „schlechte“ Gene gelegt. Die meisten Jugendlichen landeten in der so genannten „Bewahrung“. Diese unterlag den Wohlfahrtsbänden. Daraus ergaben sich jedoch einige Probleme, „weil Bewahrung keiner fachlichen Qualifikation bedurfte und in Masseneinrichtungen geschehen konnte, sahen sich die Wohlfahrtsverbände infolge auszubleibender staatlicher Hilfen gezwungen, ihr qualifiziertes Personal abzubauen und mit wenigen unausgebildeten Mitarbeitern die in ihrer Obhut befindlichen Menschen in Großgruppen von oft über 30 Personen zu betreuen“ (Heitkamp 1989, S. 27). Die Mitarbeiter waren somit mit der Vielzahl der Jugendlichen überlastet und es konnte auch keine individuelle Unterstützung stattfinden.

Eine andere Art in der Kinder und Jugendliche aufgenommen wurden außer der „Bewahrung“ waren die SOS-Kinderdörfer. Dies war „zweifellos eine Abwendung von der Anstaltspädagogik und sie war notwendig, da es sich in der Regel um elternlose Kinder handelte“ (Günder 2007, S. 22)

Mit Beginn der 1970er Jahre fand eine Veränderung im Anstaltswesen ab. Sie wandten sich von den großen Institutionen ab und es entwickelten sich Kinderhäuser, Außenwohngruppen und Wohngruppen (ebd. S. 22). Generell wurde den Missständen in den Anstalten mehr Bedeutung beigemessen. Besonders linke Studentengruppen versuchten die Not der Kinder und Jugendlichen an die Öffentlichkeit zu bringen. Darüber hinaus kam hinzu, dass „die allgemeine Einstellung zur Erziehung [unterlag] in diesem Zeitraum Veränderungstendenzen unterlag, die im Zusammenhang mit den politischen und gesellschaftlichen Reformen gesehen werden können“ (ebd. S. 23). Diese Veränderungstendenzen forderten:

- „die Abschaffung repressiver, autoritärer Erziehungsmethoden
- die Verringerung der Gruppengröße
- tarifgerechte Entlohnung sowie Weiter- und Fortbildungsmöglichkeiten für Erzieher(innen),
- die Abschaffung von Stigamtisierungsmerkmalen, etwa Anstaltskleidung, Heime in abgelegner Lage etc.“ (Almstedt/Munkwitz 1982, S. 21-33).

[...]


[1] Ich werde im folgenden Text der Einfachheit halber von Erziehern sprechen, wobei immer auch Erzieherinnen mitgemeint sind.

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Details

Titel
Elternarbeit in der Heimerziehung
Hochschule
Pädagogische Hochschule Freiburg im Breisgau  (Jugendhilfe)
Veranstaltung
Grundlagen der Heimerziehung
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
13
Katalognummer
V122812
ISBN (eBook)
9783640279463
ISBN (Buch)
9783640283217
Dateigröße
399 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Elternarbeit, Heimerziehung, Grundlagen, Heimerziehung
Arbeit zitieren
Caro Kaufmann (Autor), 2007, Elternarbeit in der Heimerziehung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122812

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