Mythos und Märchen entspringen den altertümlichen und ursprünglichen Volkserzählungen. Demzufolge ist die Frage nach der Rolle von Mythos und Märchen in der Postmoderne eine bedeutende. Mit welchen narrativen Motivierungen bedienen sich die Autor*innen der Postmoderne der aus Mythen und Märchen stammenden Elemente?
Die Arbeit soll die Rolle von Mythos und Märchen in der russischen Postmoderne am Beispiel von Tat’jana Tolstajas Erzählungen Poet i muza und Fakir ausarbeiten, um diese abschließend festzuhalten. Es soll gezeigt werden, welche Bedeutung sowie Funktion Mythos und Märchen im Zusammenspiel mit Intertextualität bezüglich der Handlung im postmodernen Erzählen einnehmen. Ebenso soll dargelegt werden, wie die Intertextualität das Verständnis der Erzählungen der Postmoderne der Leserschaft und die Leseerfahrung beeinflusst.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die literarische Postmoderne
2.1 Merkmale
2.1.1 Sinn und Sprache
2.1.2 Subjekt und Autorschaft
2.1.3 Grenzüberwindung, Hinwendung zum Marginalen, Intertextualität
2.1.4 Wunsch, Begehren und Körperlichkeit
2.1.5 Überwindung des Phallogenzentrismus
2.1.6 Spiel und Parodie
2.1.7 Geschichte und Macht
2.2 Die literarische Postmoderne in Russland
2.2.1 Geschichtlicher Hintergrund
2.2.1.1 Der sozialistische Realismus
2.2.1.2 Tauwetter und allmähliche Veränderungen in der sowjetischen Literatur
2.2.1.3 Samizdat und Tamizdat
2.2.1.4 Perestrojka und Glasnost‘
2.2.2 Die russische literarische Postmoderne
3. Mythos und Märchen
3.1.1 Definition Mythos
3.1.2 Mythologie im ostslavischen Raum
3.2 Symbolik
3.3 Märchen
4. Verschiedene Motive der Kurzgeschichte
4.1 Farben
4.1.1 Schwarz
4.1.2 Weiß
4.1.3 Gold
4.1.4 Rot
4.1.5 Gelb
4.1.6 Blau
4.2 Muse
4.3 Sud’ba
4.4 Der kristallene Palast
4.5 Die Eule
4.6 Licht und Dunkelheit
4.7 Kultur und Kunst
4.8 Der Traum
4.9 Der Tod
4.10 Finist Jasnyj Sokol
4.11 Schneewittchen
4.12 Die biblische Schöpfungsgeschichte: Adam und Eva
5. Tat’jana Tolstaja
6. Tat‘jana Tolstaja: Poet i Muza
6.1 Zusammenfassung
6.2 Allgemeine Merkmale
6.3 Einordnung in die Postmoderne
6.4 Narrative Merkmale und sprachliche Besonderheiten
6.4.1 Polyphonie
6.4.2 Kirchenslawische Elemente
6.4.3 Geschwindigkeit der Erzählung
6.5 Mythos und Märchen in Poet i muza
6.5.1 Nina – die Muse
6.5.2 Finist Jasnyj Sokol
6.5.3 Schneewittchen
6.5.4 Der Kristallpalast
6.5.5 Der Tod des Poeten
6.5.5.1 Griša – der Poet
6.5.5.2 Der Tod
6.6 Fazit
7. Tat‘jana Tolstaja: Fakir
7.1 Zusammenfassung
7.2 Allgemeine Merkmale
7.3 Einordnung in die Postmoderne
7.4 Mythos und Märchen
7.4.1 Filin, in Gestalt eines Fakirs
7.4.2 Das Ehepaar Galja und Jura und der Sündenfall
7.5 Desillusionierung
7.5 Fazit
8. Vergleich
8.1 Die Traumwelten
8.2 Frauenbild
9. Die Rolle von Mythos und Märchen in der Postmoderne
10. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelorthesis untersucht die Funktion und Bedeutung von Mythen und Märchen innerhalb der russischen Postmoderne am Beispiel der Kurzgeschichten "Poet i muza" und "Fakir" von Tat’jana Tolstaja. Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen diesen narratives Elementen, der Intertextualität und dem postmodernen Erzählverständnis zu erarbeiten.
- Rolle von Mythos und Märchen in der russischen Postmoderne
- Intertextualität und literarische Verfahren bei Tat’jana Tolstaja
- Analyse narrativer Strukturen und Sprachstile
- Konflikt zwischen Realität, Illusion und individuellen Sehnsüchten
- Kritik am sowjetischen Frauenbild und gesellschaftlichen Rollen
Auszug aus dem Buch
6.5.3 Schneewittchen
Тут-то, как выяснилось, ее и подстерегала судьба, лежавшая в лице Грише на топчане, под вязаными одеялами, бородой в полном беспамятстве. Тут-то оно все и случилось. Полутруп немедленно похитил Нинино заждавшееся сердце; скорбные тени на его фарфоровом челе, тьма в запавших глазницах, нежная борода, прозрачная, как весенний лес, сложились в волшебную декорацию, незримые скрипки сыграли свадебный вальс - ловушка захлопнулась. Ну, все знают, как это обычно бывает.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Herleitung der Forschungsfrage zur Rolle von Mythos und Märchen in der russischen Postmoderne anhand der Werke von Tat'jana Tolstaja.
2. Die literarische Postmoderne: Überblick über die wesentlichen Charakteristika der literarischen Postmoderne und deren spezifische Ausprägung im russischen Kontext unter Berücksichtigung des geschichtlichen Hintergrunds.
3. Mythos und Märchen: Theoretische Definition von Mythos, Märchen und Symbolik sowie deren Vernetzung im Kontext der russischen Postmoderne.
4. Verschiedene Motive der Kurzgeschichte: Erläuterung zentraler interpretatorischer Motive, darunter Farben, die Muse, der Traum und spezifische Märchenfiguren wie Finist Jasnyj Sokol oder Schneewittchen.
5. Tat’jana Tolstaja: Biographische und literarische Einordnung der Autorin sowie Charakterisierung ihres komplexen und metaphorischen Sprachstils.
6. Tat‘jana Tolstaja: Poet i Muza: Detaillierte Analyse der Erzählung "Poet i muza" hinsichtlich ihrer narrativen Struktur, Polyphonie und der Einbettung von Mythos und Märchen.
7. Tat‘jana Tolstaja: Fakir: Untersuchung der Erzählung "Fakir" sowie des Protagonisten Filin im Kontext von Illusion, Desillusionierung und der Bedeutung des Erzählkontextes.
8. Vergleich: Gegenüberstellung der Traumwelten und Frauenbilder in beiden Kurzgeschichten.
9. Die Rolle von Mythos und Märchen in der Postmoderne: Synthese über die Bedeutung dieser Elemente für das metarealistische Erzählen.
10. Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage und Ausblick auf die Bedeutung der gefundenen Ergebnisse.
Schlüsselwörter
Postmoderne, Russische Literatur, Mythos, Märchen, Intertextualität, Tat'jana Tolstaja, Poet i muza, Fakir, Metarealismus, Frauenbild, Symbolik, Identität, Alltag, Realität, Illusion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Funktion von Mythos und Märchen in zwei ausgewählten Erzählungen von Tat'jana Tolstaja, um deren Rolle innerhalb der russischen Postmoderne zu beleuchten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die Intertextualität, die Dekonstruktion von Realität durch Traummotive sowie die kritische Reflexion gesellschaftlicher Rollenbilder.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Es wird untersucht, mit welchen narrativen Motivierungen postmoderne Autor*innen auf mythische und märchenhafte Elemente zurückgreifen und welche Bedeutung dies für das Leseverständnis hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die sowohl theoretische Grundlagen der Postmoderne als auch inhaltliche Interpretationen der Kurzgeschichten sowie motivgeschichtliche Vergleiche umfasst.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zur Postmoderne und zu Mythen, eine motivische Analyse sowie eine detaillierte Interpretation der Werke "Poet i muza" und "Fakir".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie russische Postmoderne, Intertextualität, Mythos, Märchen, Realität/Illusion und die spezifische Poetik von Tat'jana Tolstaja charakterisiert.
Warum spielt das Schneewittchen-Motiv in "Poet i muza" eine Rolle?
Tolstaja nutzt das Schneewittchen-Motiv, um die Beziehung zwischen Nina und Griša als eine Form der Objektivierung und instrumentellen Liebe darzustellen, wobei sie klassische Gender-Stereotype spielerisch vertauscht.
Wie unterscheidet sich "Fakir" in der Darstellung der Illusion?
Während in "Poet i muza" die Hauptfigur stark auf ihrer Wunschwelt beharrt, zeichnet sich "Fakir" durch eine radikalere Entlarvung der Illusion aus, wobei das Scheitern des Protagonisten Filin direkt mit dem Verlust seines inszenierten Kontextes verknüpft ist.
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- Anna Lisa Ratke (Author), 2022, Die Rolle von Mythos und Märchen in der russischen Postmoderne, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1228517