Sklaverei und Sklavenhandel


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004
18 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Sklaverei
2.1. Europa
2.2. Afrika
2.3. Amerika

3. Transatlantischer Sklavenhandel

4. Sklaverei und Sklavenhandel auf Kuba

5. Schlussbetrachtung

6. Literaturverzeichnis
6.1. Quelle
6.2. Literatur:

1. Einleitung

Seit Kolumbus und dem „Zeitalter der Entdeckungen“ hat Europas eigene Entwicklung einen drastischen Einfluss auf die afrikanischen und amerikanischen Gesellschaften gehabt. Höhepunkte sind das Zerstören von Zivilisationen auf beiden Kontinenten und eine massive rassische Migration durch den transatlantischen Sklavenhandel, der zum Aufstieg rassischer Unterdrückung im Bewusstsein der Europäer führte. Die Auswirkungen des Kolonialismus und den damit verbundenen Handel der Ware „Mensch“ führte zu einer globalen Verbreitung der modernen Technologie, der Entwicklung von Kolonialnationalismus sowie zu langfristigen ökologischen Umwandlungs- und Bevölkerungsexplosionen in den europäischen Kolonien. Die vorliegende Arbeit soll untersuchen, wie die Entwicklung der Sklaverei im Zusammenhang mit dem Sklavenhandel innerhalb Europas und den beiden Kontinenten Afrika und Amerika stattgefunden hat. Sie soll zeigen, wie die Sklavenhändler mit Hilfe ihres jeweiligen Staates ältere Handels- und Sklavensysteme in afrikanischen oder indianischen Gesellschaften umformierten.[1] Für die Begründung und Darstellung der oben genannten Thematik werden die folgenden Historiker gemäß ihrer Forschungsergebnisse herangezogen:

Susanne Everett zeigt, welche wichtige Rolle die Sklaverei im Verlauf der Menschheitsgeschichte spielte. Vom antiken Griechenland bis zu den amerikanischen Südstaaten des letzten Jahrhunderts zum alltäglichen Leben sind nur einzelne Auszüge daraus. Ihr Buch beschreibt, wie sich die Sklaverei im Laufe der Jahrhunderte entwickelte. Der Sklavenhandel, das Leben der Sklaven und ihre Ausbeutung werden von der Autorin besonders hervorgehoben.

Philip Curtins Veröffentlichung von 1969 über den Umfang des Transatlantischen Sklavenhandels nennt als erstes Werk die Zahl von etwa 11 Millionen Menschen, die nach Amerika verschleppt wurden. Spätere Untersuchungen anhand von Schiffsdokumenten, Steuerlisten oder Reiseberichten bestätigen diese Zahl. Er stützt sich bei seinen Untersuchungen auf Berichte von Sklaven, die in Amerika angekommen waren und Daten der Bevölkerungsstatistik der amerikanischen Kolonien.

Urs Höner gibt einen sehr guten Überblick über das System der Sklaverei in Europa zu Beginn der portugiesischen Expansion unter Berücksichtigung des Wirtschaftsfaktors Arbeitskraft. Dabei steht bei ihm die Versklavung der brasilianischen Indianer und ihrer Ausbeutung im 15./16. Jahrhundert im Mittelpunkt.

John Iliffe fasst in seinem Buch die Gesamtgeschichte Afrikas zusammen, bezieht sich dabei aber nicht nur auf politische Fakten, sondern auch auf gesellschaftliche und wirtschaftliche Aspekte von innen und außen. Dabei widmet er sich in einem ganzen Kapitel ausführlich dem Transatlantischen Sklavenhandel unter Berücksichtigung der neueren Afrika-Forschung.

Heinrich Loth hat eine Gesamtdarstellung des Transatlantischen Sklavenhandels erstellt. Er zieht dabei nicht nur Sekundärliteratur heran, sondern auch Dokumente wie Logbücher, Reiseberichte u.ä. Zusätzlich stützt sich Loth auf Bildmaterial, zeitgenössische Illustrationen und Fotografien. Die gesellschaftlichen Folgen besonders für Afrika werden hier hervorgehoben.

Auch Herbert Klein widmet sich einer Darstellung der Gesamtgeschichte des transatlantischen Sklavenhandels unter Einbeziehung der verschiedenen Nationen, die sich daran beteiligten. Hierbei dienen ihm im Wesentlichen demographische Daten der europäischen Kolonien in der Neuen Welt.

Paul E. Lovejoy sieht in der Geschichte der Sklaverei eine Interaktion zwischen Versklavung, Sklavenhandel und Sklaverei in Afrika. Er bezeichnet dies als Transformationsprozess, der die einzelnen afrikanischen Volkswirtschaften sowohl politisch als auch gesellschaftlich prägte.

Astrid Reuter beschäftigt sich mit der afroamerikanischen Religion, die ihre Ursprünge in der Zeit des Sklavenhandels und der unterschiedlichen afrikanischen Kulturen hat.

Michael Zeuske sieht in dem atlantischen Sklavenhandel eine der ersten Globalisierungen der Welt, deren Auswirkungen in vielen Bereichen noch heute spürbar sind. Insbesondere am Beispiel der Geschichte Kubas zeigt er, wie die Sklaverei nicht nur wirtschaftlichen und rechtlichen Einfluss auf die Inselbewohner hat/hatte, sondern auch auf das kulturelle Gut.

2. Sklaverei

2.1. Europa

Die Raubzüge der Wikinger und die Kreuzzüge, sowohl ins Heilige Land als auch nach Osteuropa, sind nur zwei Beispiele dafür, dass Sklaverei auch nach der griechisch-römischen Antike in Europa noch von Bedeutung war. Auch hier kamen Menschen durch die Eroberung in die Gefangenschaft und mussten teilweise als Rechtslose Dienst für ihre neuen Herren leisten.

Zur Zeit der Entdeckung Amerikas war die Sklaverei in den südeuropäischen Ländern ein weit verbreiteter und vom Staat und Kirche gebilligter Brauch. 1492 als Kolumbus Amerika (neu) entdeckte, bezog Europa jährlich 1000 schwarze Sklaven.[2] Kriegszüge und Menschenhandel versorgten die Sklavenmärkte auf der Iberischen Halbinsel mit billigen Arbeitskräften insbesondere aus Nordafrika, den Kanarischen Inseln und später in zunehmender Zahl aus dem schwarzen Afrika.

In den gehobenen Kreisen der portugiesischen Gesellschaft gehörte es bald zum „guten Ton“, ein solches „exotisches Wesen“ in seinem Haushalt zu haben. Diese Sitte verbreitete sich sehr schnell auf die anderen seefahrenden Nationen. In der Zeit von 1450-1500 wird angenommen, dass 50.000 Sklaven nach Europa gebracht worden waren.[3]

Während des Hoch- und Spätmittelalters war es in Spanien und Portugal zu einer eigentlichen Renaissance der Sklaverei gekommen, wie sie im Wesentlichen noch im Römischen Reich verbreitet gewesen war.[4] Diese Institution war in der Gesellschaft beider Königreiche fest verankert. Ursache mag wohl auch in der Reconquista der iberischen Halbinsel liegen: Es war zwischen den Christen und Mauren üblich gewesen ihre Kriegsgefangenen zu versklaven, es galt als eine „gerechte Sache“.[5] So liegt der Gedanke auch nicht fern, dass die Portugiesen als logische Konsequenz die Afrikaner, die sie bei ihren Expeditionen gefangen nahmen, in die Sklaverei schickten.

Sogar Papst Nikolaus V. legitimierte in seiner Bulle "Divino amore communiti" vom 18. Juni 1452 die Sklaverei, indem er den portugiesischen König ermächtigte, die Länder der Ungläubigen zu erobern, ihre Bewohner zu vertreiben, zu unterjochen und in ewige Knechtschaft zu zwingen.[6]

Damit bekam Portugal den Segen der höchsten Instanz auf Erden und fand darin auch seine Rechtfertigung weitere Afrikaner und später Indios zu versklaven. Auch Spanien machte sich diese Legitimation zu Nutzen, um die Bewohner der eroberten Gebiete in der Neuen Welt für sie in Sklaverei zu leben. Beide Königreiche legten den Grundstein für ein Unternehmen, dessen demographische, wirtschaftliche und politische Auswirkungen noch bis heute spürbar sind.

2.2. Afrika

Sklaverei war in Afrika nicht unbekannt, auch hier wurden Menschen durch Kriegsgefangenschaft, Schulden und Verbrechen in Sklaverei genommen. Der große Unterschied zur Zeit der Europäer bestand jedoch darin, dass die versklavten Menschen mit ihren Familien zusammenbleiben konnten. Sie waren sozusagen Leibeigene, meist nur auf Zeit und vor allem örtlich begrenzt. Die Sklaven wurden weitgehend in die Familie ihrer Besitzer integriert[7], sie waren aber untergeordnete Mitglieder der Abstammungsgruppe innerhalb des Familienverbandes[8]. Viele von ihnen besaßen sogar Bürger- und Eigentumsrechte, einige hatten wiederum selber Sklaven.[9]

Allerdings waren die Europäer nicht die einzigen, die in Afrika Sklavenhandel betrieben. Seit dem 7. Jh. existierte der transsaharische Sklavenhandel mit den Arabern, wichtigste Umschlagplätze waren der Tschad-See, die Städte Gao und Gana, um schwarze Sklaven zu fangen oder gegen Waren einzutauschen. Die Händler nutzten alte aus der Antike bewährte Wege durch die Sahara, um Sklaven zu kaufen. Aber nicht nur die westafrikanische Region war das Ziel der arabischen Kaufleute, sondern auch bis ins 19. Jahrhundert Ostafrika,[10]

dessen Auswirkungen mit denen des transatlantischen Sklavenhandels gleich zu setzten sind. Ziel der versklavten Schwarz-Afrikaner waren meist die Sklavenmärkte in Nordafrika, Ägypten und der Vordere Orient. Sklaven als billige Arbeitskräfte einzusetzen, hatte sich hier schon lange bewährt.

Das erste afrikanische Königreich, das vom Sklavenhandel mit den Europäern profitierte, war Benin im Westen des heutigen Nigeria, das im 15. Jahrhundert gegründet wurde.[11] Auch gab es eine enge Zusammenarbeit mit dem Königreich Kongo, das die Portugiesen um 1500 für ihre ersten Zuckerplantagen auf Sao Tomé als Sklavenlieferanten benötigten.[12] Ende des 17. Jahrhunderts begannen die Königreiche Dahomey und Oyo sich an dem Menschenhandel zu beteiligen und lösten damit Benin ab.[13] Mitte des 18. Jahrhunderts begann für die Ashanti ihr Aufstieg als westafrikanische Großmacht, die dann an ihren östlichen Grenzen auf die Dahomey stießen. Weiter östlich verfiel das Yoruba-Königreich Oyo gegen Mitte des 19. Jahrhunderts.[14] Der dadurch entstehende Bürgerkrieg erhöhte die Zahl der für den Handel verfügbaren Sklaven.

Das Aufkommen des Sklavenhandels, angefangen mit den Portugiesen und später mit anderen europäischen Mächten, beschleunigte die Bildung, das Wachstum und die Ausdehnung dieser Staaten. Bereits um die Mitte des 17. Jahrhunderts war ein regelmäßiger Handel der Küstenstaaten der Bucht von Benin mit den Europäern entstanden.[15] Dieser dehnte sich immer mehr aus, so dass diese Region zu einem Hauptexporteur an Sklaven wurde.

Der Sklavenhandel mit den Europäern brachte auch einen Wandel in der Rechtsprechung innerhalb der afrikanischen Gesellschaften mit sich, fast alle Vergehen wurden mit der Versklavung bestraft.[16] Der Einfluss des Islam und der europäischen Nachfrage an Sklaven auf dem afrikanischen Kontinent hatte eine so gravierende Wirkung auf das Verständnis der innerafrikanischen Sklaverei und dem damit verbundenen sozialen Strukturen, dass die Eröffnung

des Atlantiks als Handelsweg als bedeutender Wendepunkt in der afrikanischen Geschichte betrachtet werden muss.[17]

[...]


[1] Zeuske, Michael, Sklaven und Globalisierungen. Umrisse einer Geschichte der atlantischen Sklaverei in globaler Perspektive, in: Zeuske, Michael, Sklaverei zwischen Afrika und Amerika, Leipzig: Leipziger Universitätsverlag, 2003, S. 10.

[2] Everettt, Susanne, Geschichte der Sklaverei, Augsburg: Weltbild Verlag, 1998, S. 30.

[3] Curtin, Philip, The Atlantic Slave Trade. A Census, Wisconsin: University of Wisconsin Press, 1969, S. 17f.

[4] Höner, Urs, Die Versklavung der brasilianischen Indianer. Der Arbeitsmarkt in portugiesisch Amerika im XVI. Jahrhundert, Zürich: Atlantis Verlag, 1980, S. 67.

[5] Ebd.

[6] Ebd., S. 71.

[7] Lovejoy, Paul, Transformation in Slavery, in: Collins, Robert O., Problems in African History – the precolonial centuries, Bd. 1, Princeton: Princeton University Press, 1994, S. 285f; siehe auch Höner, Urs, Die Versklavung, S. 69: Höner betont hier, dass die Sklaven keinen Sachwert darstellten, sondern Mitglieder eines sozialen Kontextes waren.

[8] Iliffe, John, Geschichte Afrikas, München: C.H. Beck Verlag, 2000, 2. Auflage, S. 173.

[9] Everett, Susanne, Geschichte der Sklaverei, S. 24.

[10] Ebd., S. 21ff; siehe auch Loth, Heinrich, Sklaverei. Die Geschichte des Sklavenhandels zwischen Afrika und Amerika, Wuppertal: Peter Hammer Verlag, 1981, S. 12.

[11] Iliffe, John, Geschichte Afrikas, S. 175.

[12] Ebd.; siehe auch Abb. 1.

[13] Ebd., S.190f; siehe auch für die Beteiligung des Königreichs Dahomey am Sklavenhandel Donnan, Elizabeth, Documents Illustrative of the History of the Slave Trade to America, 4 vols., Washington D.C., 1930-35, Vol. 2, 1931, S. 531, document Nr. 252.

[14] Zeuske, Michael, Kleine Geschichte Kubas, München: Verlag C.H. Beck, 2002, S. 107.

[15] Iliffe, John, Geschichte Afrikas, S. 178.

[16] Ebd., S. 179.

[17] Lovejoy, Paul, Transformation in Slavery, S. 288ff.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Sklaverei und Sklavenhandel
Hochschule
Universität zu Köln  (Iberische und Lateinamerikanische Abteilung des Historischen Seminars)
Veranstaltung
Das Recht in Sklaverei und Freiheit
Note
1,7
Autor
Jahr
2004
Seiten
18
Katalognummer
V122905
ISBN (eBook)
9783640285167
ISBN (Buch)
9783640862627
Dateigröße
438 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sklaverei, Sklavenhandel, Recht, Freiheit, Thema Sklaverei in Amerika
Arbeit zitieren
Sascha Engels (Autor), 2004, Sklaverei und Sklavenhandel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122905

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