Der Wortschatz einer Sprache wird auf verschiedene Art und Weise bereichert: Neue Wörter können auf der Grundlage bereits vorhandenen Wortmaterials gebildet werden, und man kann sie aus anderen Sprachen entlehnen. Außerdem lässt sich der Wortschatz durch Bedeutungsveränderung und durch Urschöpfung erweitern.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem zuerst genannten Fall, d. h. mit der Bildung von Wörtern aus Sprachmaterial, das bereits in einer Sprache vorhanden ist. Dank der Wortbildung ist es uns möglich, komplexe Sachverhalte kurz und bündig zu benennen. Dies geschieht nach verschiedenen Verfahren, die in den einzelnen Sprachen mehr oder weniger gebräuchlich sind. Der Schwerpunkt meiner Arbeit liegt auf dem Verfahren der Komposition, der Wortzusammensetzung. Im Deutschen und Französischen werden neue Wörter nach dem Kompositionsverfahren gebildet, jedoch ist das Verfahren unterschiedlich stark ausgeprägt, was für den Übersetzer ein Problem darstellen kann. Ziel dieser Arbeit ist es aufzuzeigen, welche Probleme sich für den Übersetzer bei der Übersetzung deutscher Komposita in das Französische ergeben. Gegenstand ist also nur die Übersetzungsrichtung Deutsch-Französisch.
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung
1. Gegenstand der Wortbildungslehre
2. Das Morphem als Grundelement der Wortbildung
3. Synchrone Perspektive der modernen Wortbildungslehre
4. Motiviertheit der Wortbildungsprodukte
5. Die wichtigsten Wortbildungsverfahren
5.1. Derivation bzw. Ableitung
5.2. Konversion
5.3. Wortkürzung
5.4. Komposition
5.4.1. Determinativ- und Kopulativkomposita
5.4.2. Semantische Beziehungen bei Determinativkomposita
5.4.3. Syntaktische Fügungen bzw. Mehrwortbenennungen
5.4.4. Gelehrte Bildungen
6. Produktivität der Wortbildungsmuster
7. Exkurs: Einteilung der Wortbildungsverfahren nach inhaltlichen Kriterien
8. Die Rolle der Komposition im Deutschen
8.1. Deutsche Substantivkomposita
8.2. Deutsche Adjektivkomposita
8.3. Verbkomposita
9. Die Komposition im Französischen
9.1. Französische Substantivkomposita
9.2. Adjektivkomposita
9.3. Verbkomposita
10. Probleme der Übersetzung deutscher Komposita ins Französische
10.1. Gefahr der Fehldeutung von Komposita
10.2. Resemantisierung von Komposita
11. Wiedergabe deutscher Komposita im Französischen
11.1. Wiedergabe deutscher Substantivkomposita im Französischen
11.2. Wiedergabe deutscher Adjektivkomposita im Französischen
12. Wiedergabe deutscher Verbkomposita im Französischen
13. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die Herausforderungen bei der Übersetzung deutscher Komposita ins Französische, wobei der Schwerpunkt auf der Analyse kontrastiver Wortbildungsmuster liegt. Das primäre Ziel besteht darin aufzuzeigen, warum die unterschiedliche Ausprägung der Komposition in beiden Sprachen für Übersetzer Probleme bereiten kann und welche Lösungsstrategien hierfür existieren.
- Grundlagen der Wortbildungslehre und Morphologie
- Vergleich der Kompositionsverfahren in Deutsch und Französisch
- Problematik der semantischen Fehldeutung und Resemantisierung
- Strategien zur Wiedergabe deutscher Komposita mittels Periphrasen
Auszug aus dem Buch
10.1. Gefahr der Fehldeutung von Komposita
Wie bereits oben erwähnt, können die Bildungselemente von Determinativkomposita die unterschiedlichsten semantischen Beziehungen aufweisen (siehe Kapitel 5.4.2). Dank der Wortbildung können wir zwar kurz und bündig umfassende Sachverhalte bezeichnen, aber zwischen Determinatum und Determinans können äußerst komplizierte Abhängigkeiten und Hierarchien bestehen, die zu Fehldeutungen führen können. Viele Komposita besitzen eine „semantische Vagheit“, d. h. ihre Bedeutung ist nicht immer eindeutig. In erster Linie stellt dies vor allem für Nicht-Muttersprachler ein Problem dar. Aber auch deutsche Muttersprachler können Komposita missverstehen, insbesondere bei okkasionellen Bildungen. Zur Veranschaulichung des Problems möchte ich einige Beispiele anführen:
Hähnchenstreifen - Putenstreifen - Zebrastreifen
Mandelkuchen - Marmorkuchen - Hundekuchen
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitung: Einführung in die Wortbildung und Definition des Forschungsziels, welches die kontrastive Untersuchung der Übersetzung deutscher Komposita ins Französische ist.
1. Gegenstand der Wortbildungslehre: Abgrenzung der Wortbildungslehre von der Morphologie und Erläuterung des synchronen Wortbegriffs.
2. Das Morphem als Grundelement der Wortbildung: Definition des Morphems sowie Unterscheidung zwischen freien und gebundenen Einheiten als Basis für die Wortbildung.
3. Synchrone Perspektive der modernen Wortbildungslehre: Erläuterung der synchronen Herangehensweise, bei der nur aktuell analysierbare Wortstrukturen betrachtet werden.
4. Motiviertheit der Wortbildungsprodukte: Erklärung des Begriffs der Motiviertheit und Abgrenzung zur Arbitrarität des sprachlichen Zeichens.
5. Die wichtigsten Wortbildungsverfahren: Überblick über formale Wortbildungsverfahren mit besonderem Fokus auf der Komposition.
6. Produktivität der Wortbildungsmuster: Diskussion darüber, welche Wortbildungsverfahren produktiv sind und welchen Restriktionen diese unterliegen.
7. Exkurs: Einteilung der Wortbildungsverfahren nach inhaltlichen Kriterien: Darstellung alternativer Klassifikationsmodelle nach Coseriu und Gauger.
8. Die Rolle der Komposition im Deutschen: Analyse der produktiven Strukturmuster bei deutschen Substantiv-, Adjektiv- und Verbkomposita.
9. Die Komposition im Französischen: Untersuchung der Kompositionsmuster im Französischen und Vergleich ihrer Produktivität mit dem Deutschen.
10. Probleme der Übersetzung deutscher Komposita ins Französische: Aufzeigen der Risiken bei der Übersetzung, wie Fehldeutungen und die Problematik der Resemantisierung.
11. Wiedergabe deutscher Komposita im Französischen: Strategien zur Übersetzung, insbesondere durch die Nutzung von syntaktischen Fügungen und Periphrasen.
12. Wiedergabe deutscher Verbkomposita im Französischen: Spezifische Herausforderungen bei der Übertragung deutscher Verbzusätze in das Französische.
13. Schlussbetrachtung: Zusammenfassung der Ergebnisse und Fazit zur Notwendigkeit einer vorangehenden Morphemanalyse bei komplexen deutschen Komposita.
Schlüsselwörter
Wortbildung, Komposition, Determinativkomposita, Kontrastive Linguistik, Deutsch-Französisch, Übersetzungsprobleme, Morphem, Motiviertheit, Resemantisierung, Periphrase, Syntaktische Fügungen, Wortbildungsmuster, Semantik, Mehrwortbenennungen, Sprachökonomie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der kontrastiven Linguistik im Bereich der Wortbildung und analysiert, wie deutsche Komposita am besten ins Französische übersetzt werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die Wortbildungslehre, die Analyse von Kompositionsmustern in beiden Sprachen sowie die Herausforderungen bei der Übersetzung, wie etwa die Bedeutungsvagheit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, warum die Übersetzung von Komposita vom Deutschen ins Französische problematisch sein kann und welche Lösungswege Übersetzer einschlagen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen kontrastiven Ansatz, bei dem Wortbildungsverfahren und deren Ergebnisse in beiden Sprachen verglichen und systematisch analysiert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen der Wortbildung, die spezifischen Strukturen von Komposita in Deutsch und Französisch sowie praktische Probleme wie Fehldeutungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem durch die Begriffe Wortbildung, Komposition, Übersetzungsprobleme und Kontrastive Linguistik charakterisieren.
Warum stellt das deutsche Kompositum eine besondere Schwierigkeit für Übersetzer dar?
Weil das Deutsche eine sehr produktive Kompositionssprache ist, während das Französische häufiger auf syntaktische Fügungen oder Umschreibungen zurückgreifen muss.
Was ist unter dem Phänomen der "Resemantisierung" zu verstehen?
Resemantisierung tritt auf, wenn mit der ursprünglichen Durchsichtigkeit eines Wortes gespielt wird, etwa bei Sprachspielen, was eine direkte Übersetzung oft unmöglich macht.
Wie unterscheidet sich die Rolle des Substantivs in der Wortbildung zwischen beiden Sprachen?
Während im Deutschen die Substantivkomposition das wichtigste Verfahren zur Wortschatzerweiterung ist, spielt im Französischen primär die Derivation eine dominierende Rolle.
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- Stud. phil. Julia Schneider (Author), 2008, Bügelwäscheaufbewahrungstruhe - schlüsselfertig - übereinstimmen: Das deutsche Kompositum und seine Wiedergabe im Französischen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122910