Nikolaj Vasiljevič Gogol' gehört zu den berühmtesten russischen Schriftstellern des 19. Jahrhunderts. Als sein zentrales Lebenswerk gilt das Poem „Mertvye Duši“ (Tote Seelen).
In diesem Werk beschreibt Gogol', auf satirische Art, die unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten des zu Gogols Lebzeiten modernen Russlands. In seinem Poem stellt Gogol' das Leben und die Abgründe der Gutsbesitzer, Bauen und Beamten überspitzt dar und macht auf bestimmte gesellschaftliche Probleme aufmerksam.
Die Darstellung der Gutsbesitzer ist bei Gogol' sehr spezifisch, weshalb in der Arbeit der Fragestellung bearbeitet werden soll, wie Gogol' den wahren Charakter der Gutsbesitzer durch die Besuche des Protagonisten Pavel Ivanovič Čičikov und ihrer Beziehung zu Speisen enttarnt und ihren wahren Charakter zum Vorschein bringt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung:
2.1 Die Charakterisierung Manilovs
2.2 Die Charakterisierung Korobočkas
2.3 Die Charakterisierung Nozdrevs
2.4 Die Charakterisierung Sobakevičs
2.5 Die Charakterisierung Pljuškins
3. Schlussteil
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Charakterisierung der Gutsbesitzer in Nikolaj Gogols Werk "Die toten Seelen". Ziel der Analyse ist es aufzuzeigen, wie Gogol durch die Interaktionen mit dem Protagonisten Čičikov sowie durch die Darstellung der jeweiligen Esskultur die wahren, oft maskierten Eigenschaften und den moralischen Zustand der Charaktere entlarvt.
- Analyse der fünf Gutsbesitzer Manilov, Korobočka, Nozdrev, Sobakevič und Pljuškin
- Untersuchung der Rolle des Protagonisten Čičikov als Spiegelbild der Charaktere
- Deutung der Essgewohnheiten und Tischszenen als Mittel zur Charakterentlarvung
- Darstellung des moralischen und seelischen Verfalls der Gutsbesitzer
- Betrachtung von Symbolik und Metaphorik in Gogols Roman
Auszug aus dem Buch
2.1 Die Charakterisierung Manilovs
Manilov ist der erste Gutsbesitzer, welchen der Protagonist Čičikov auf dessen Gutshof Manilovka aufsucht (2. Kapitel). Gogol' hat die Gutsbesitzer mit sprechenden Namen ausgestattet so ist Manilov und Manilovka im Russischen eine Substantivierung des Verbs manit' welches übersetzt jemanden locken bzw. anlocken bedeutet. Schon die Fahrt zu dem Gutshof ist weiter als Manilov es ursprünglich angegeben hat. Als der Kutscher des Protagonisten zwei Bauern nach dem Weg fragt, lässt Gogol' ihn einen Versprecher begehen. Er fragt nach dem Gutshof Zamanilovka welches im Russischen eine Substantivierung des Verbs zamanit' (hinein-locken) darstellt (vgl. Gogol' 2009, S.28). Als Čičikov auf dem Gutshof ankommt, wird schnell deutlich was Gogol' mit diesem Wortspiel bezwecken wollte. Der Gutshof wird als sehr trist beschrieben, das Herrenhaus einsam auf einer Anhöhe, ungeschützt vor Wind und Witterung, umgeben von fast kahlen krummen Birken und ungeordnet verteilten Blumenbeeten im englischen Stil.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Werk "Die toten Seelen" ein und legt den Fokus auf die Fragestellung der Charakterentlarvung der Gutsbesitzer durch den Protagonisten Čičikov.
2.1 Die Charakterisierung Manilovs: Das Kapitel analysiert den Gutsbesitzer Manilov als eine schöne, aber leere Hülle, deren Träumerei und Faulheit durch seinen trist wirkenden Gutshof verdeutlicht werden.
2.2 Die Charakterisierung Korobočkas: Hier wird Korobočka durch ihre Geschäftstüchtigkeit und Ordentlichkeit charakterisiert, wobei Gogol gleichzeitig ihre Dummheit und hinterwäldlerische Art hervorhebt.
2.3 Die Charakterisierung Nozdrevs: Der dritte Gutsbesitzer wird als verantwortungsloser Spieler und Lügner dargestellt, dessen unbeständiges Wesen seine Mitmenschen und Freunde entfremdet.
2.4 Die Charakterisierung Sobakevičs: Dieses Kapitel behandelt den geizigen und listigen Sobakevič, dessen grobes Äußeres und Fresssucht seine willensstarke, jedoch betrügerische Persönlichkeit widerspiegeln.
2.5 Die Charakterisierung Pljuškins: Das Kapitel beleuchtet den menschlichen Verfall durch den krankhaften Geiz von Pljuškin, dessen Gut zeigt, wie extremer materieller Hortungszwang in den Ruin führt.
3. Schlussteil: Der Schlussteil resümiert, dass die "toten Seelen" sich metaphorisch auf den moralischen Zustand der Gutsbesitzer selbst beziehen, wobei jeder auf individuelle Weise seinen Bezug zum realen Leben verloren hat.
Schlüsselwörter
Nikolaj Gogol, Die toten Seelen, Gutsbesitzer, Charakterisierung, Čičikov, Seelenverfall, russische Literatur, Allegorie, Gesellschaftskritik, Esskultur, Geiz, satirische Darstellung, moralischer Verfall, Literaturanalyse, Manilov
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Hauptanliegen der Arbeit?
Die Arbeit untersucht, wie Nikolai Gogol in seinem Poem "Die toten Seelen" durch spezifische Charakterisierungen die negativen Eigenschaften und den inneren moralischen Verfall der Gutsbesitzer offenlegt.
Welche Gutsbesitzer stehen im Zentrum der Analyse?
Analysiert werden die fünf Gutsbesitzer, die Čičikov auf seiner Reise besucht: Manilov, Korobočka, Nozdrev, Sobakevič und Pljuškin.
Wie lautet die zentrale Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, wie der Protagonist Čičikov als eine Art "Spiegel" fungiert und durch die Besuche der Gutsbesitzer sowie deren Beziehung zu Speisen ihre wahren Charaktere enttarnt.
Welche methodische Vorgehensweise wählt die Autorin bzw. der Autor?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, wobei sich die Deutungshypothesen ausschließlich auf die Primärliteratur, also das Werk "Die toten Seelen" selbst, stützen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in fünf Unterkapitel, die jeweils einen der Gutsbesitzer detailliert charakterisieren und ihre spezifischen Verhaltensweisen sowie ihr Umfeld analysieren.
Welche Begriffe beschreiben die Arbeit am besten?
Zu den Schlüsselbegriffen gehören Sozialkritik, literarische Analyse, Charakterentlarvung, Satire, russische Literatur des 19. Jahrhunderts und symbolische Metaphorik.
Warum fungiert das Essverhalten als wichtiges Indiz im Werk?
Gogol nutzt die Essszenen, um hinter die Fassade der Gutsbesitzer zu blicken; das, was sie servieren oder wie sie essen, spiegelt ihre innere Leere, ihren Geiz oder ihre Maßlosigkeit wider.
Was unterscheidet Pljuškin von den anderen Gutsbesitzern?
Pljuškin zeichnet sich durch einen besonders extremen, krankhaften Geiz und eine manische Sammelwut aus, die ihn fast vollständig vom gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben isoliert hat.
Inwiefern ist Čičikov selbst in die Charakterentlarvung eingebunden?
Čičikov passt sich in seinem Verhalten stets dem jeweiligen Gegenüber an, was den Gutsbesitzern erlaubt, sich vor ihm zu offenbaren, während er gleichzeitig als Beobachter ihre wahren Züge für den Leser sichtbar macht.
- Citation du texte
- Irina Schmidt (Auteur), 2015, Die Charakterisierung der Gutsbesitzer im Poem "Die toten Seelen" von N. V. Gogol, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1229120