„Wer auch immer kommuniziert, verwendet Metaphern, meistens unbemerkt, stillschweigend und ohne ihnen besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Wir bringen einem anderen etwas nahe, stehen auf Standpunkten, ziehen uns zurück, sind wahnsinnig vor Glück, fühlen uns von Bemerkungen anderer zutiefst getroffen oder dringen tief in andere ein. Manchmal trifft, was wir sagen, ins Schwarze, manchmal geht es daneben. Wir knüpfen Kontaktfäden und verstricken uns dabei, und wenn wir auf andere zugehen, kommt es zu Berührungen – oder nicht. Manchmal funkt es sogar.“ Ich beginne meine Hauptseminararbeit zum Thema „Metapherntheorien und Übersetzung“ mit diesem Zitat, da es mir beim Einlesen in die Literatur sehr gefallen hat und mir im Hinblick auf die Definition der Metapher die Augen geöffnet hat. Es stammt aus dem Vorwort zur deutschen Übersetzung des Buches „Metaphors we live by“, mit dem George Lakoff und Mark Johnson Anfang der achtziger Jahre die kognitive Wende in der Semantik einleiteten und eine ganz neue Sichtweise auf den Begriff der Metapher begründeten. Ich habe mit Erstaunen festgestellt, wie sehr unser tägliches Leben durch Metaphern geprägt ist und dass die Metapher in ihrer Definition als bildhafter Ausdruck nicht nur als ausschmückendes Stilmittel dient. Das aus der kognitiven Linguistik hervorgegangene Metaphernverständnis ist jedoch nur eine der vielen verschiedenen Metapherntheorien, die sich seit der Antike entwickelt haben. Im ersten Teil meiner Arbeit stelle ich die wichtigsten Metapherntheorien vor. Dazu gehören neben dem soeben erwähnten kognitiven Metaphernverständnis, die Interaktionstheorie und die Bildfeldtheorie aus der modernen Semantik sowie die Substitutions- und Vergleichstheorie aus der Antike, die noch heute eine große Rolle spielen. Danach gehe ich auf die Stellung der Metaphorik in der übersetzungs-wissenschaftlichen Diskussion ein und skizziere die verschiedenen Typen von Metaphern. Im letzten Teil meiner Hauptseminararbeit erläutere ich die Übersetzungsproblematik und weise mögliche Strategien im Umgang mit Metaphern auf.
Inhaltsverzeichnis
0 EINLEITUNG
1 METAPHERNTHEORIEN
1.1 Das klassische Metaphernverständnis
1.1.1 Substitutionstheorie
1.1.2 Vergleichstheorie
1.2 Das moderne Metaphernverständnis
1.2.1 Interaktionstheorie
1.2.2 Bildfeldtheorie nach Weinrich
1.2.3 Kognitive Metapherntheorie
2 DIE METAPHORIK IN DER ÜBERSETZUNGSWISSENSCHAFT
3 METAPHERNTYPEN
4 ÜBERSETZBARKEIT
5 ÜBERSETZUNGSVERFAHREN
5.1 Eins-zu-Eins-Übertragung
5.2 Substitution
5.3 Paraphrasierung
6 SCHLUSSBETRACHTUNG
7 LITERATURANGABEN
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen von Metaphern, ihre Bedeutung in der modernen Linguistik und kognitiven Theorie sowie die spezifischen Herausforderungen und Verfahren bei deren Übersetzung zwischen verschiedenen Sprachen.
- Evolution des Metaphernverständnisses von der Antike bis zur kognitiven Linguistik.
- Untersuchung der Metaphorik innerhalb der Übersetzungswissenschaft.
- Kategorisierung von Metapherntypen und deren Auswirkungen auf die Übersetzbarkeit.
- Analyse gängiger Übersetzungsverfahren wie Eins-zu-Eins-Übertragung, Substitution und Paraphrasierung.
Auszug aus dem Buch
1.2.3 Kognitive Metapherntheorie
„Metaphor is fundamentally conceptual, not linguistic, in nature. Metaphorical language is a surface manifestation of conceptual metaphor.”
Das Buch „Metaphors we live by“ von George Lakoff und Mark Johnson (1980) stellt einen Wendepunkt in der Metaphernforschung dar. Die beiden Linguisten setzen sich mit ihrem Metaphernbegriff deutlich vom traditionellen Metaphernverständnis ab. Die kognitive Linguistik geht davon aus, dass die Sprache keine „autonome arbiträre Struktur“ darstellt. Sie nimmt an, dass die Sprache in enger Abhängigkeit mit der menschlichen Wahrnehmung steht. Die kognitive Linguistik nutzt erstens die Sprache als Erkenntnisquelle, um mit ihrer Hilfe Rückschlüsse auf den Aufbau unserer Denkstrukturen zu ziehen, und zweitens beabsichtigt sie, von den Erkenntnissen über den Aufbau der menschlichen Wahrnehmung, Rückschlüsse auf unsere Sprachstrukturen zu ziehen. Seit der sogenannten „kognitiven Wende“, die mit dem Werk von Lakoff und Johnson eingeläutet wurde, beschäftigte man sich erstmals mit der Verknüpfung von Sprache und Denken und grenzte sich damit von einer rein strukturalistisch geprägten Linguistik ab.
Wie sah nun der neue Metaphernbegriff von Lakoff und Johnson aus? Sie entwickelten die Theorie, dass die Metapher ein konzeptuelles Instrument ist, das alle Menschen im alltäglichen Sprachgebrauch nutzen, und zwar unbewusst. Der Mensch nutzt die Metapher zur Strukturierung seiner Wahrnehmungen und Handlungen. Er ist metaphorisch konzeptuell strukturiert, d. h. seine täglichen Erfahrungen, sein Denken und Handeln werden durch das metaphorische System bestimmt.
Zusammenfassung der Kapitel
0 EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der Metapher als allgegenwärtiges, unbewusstes Kommunikationsphänomen und Skizzierung des Aufbaus der Arbeit.
1 METAPHERNTHEORIEN: Detaillierte Darstellung verschiedener theoretischer Ansätze, von antiken Modellen wie Substitution und Vergleich bis hin zu modernen Theorien wie Interaktion, Bildfeld und Kognition.
2 DIE METAPHORIK IN DER ÜBERSETZUNGSWISSENSCHAFT: Untersuchung der historischen und aktuellen Rezeption der Metapher innerhalb der Übersetzungswissenschaft sowie der Verschiebung hin zu kontextbezogenen Ansätzen.
3 METAPHERNTYPEN: Kategorisierung von Metaphern in lexikalisierte, konventionalisierte und kreative Formen nach R. van den Broeck.
4 ÜBERSETZBARKEIT: Diskussion der Faktoren, die die Übertragbarkeit von Metaphern beeinflussen, insbesondere kulturelle Aspekte und die notwendige Akzeptanz in der Zielsprache.
5 ÜBERSETZUNGSVERFAHREN: Beschreibung der drei Hauptverfahren zur Metaphernübersetzung: Eins-zu-Eins-Übertragung, Substitution und Paraphrasierung.
6 SCHLUSSBETRACHTUNG: Zusammenfassende Bewertung der Entwicklung des Metaphernverständnisses und der Notwendigkeit einer stärkeren Berücksichtigung der Metaphernproblematik in der Fremdsprachenausbildung.
7 LITERATURANGABEN: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur sowie Internetquellen.
Schlüsselwörter
Metapher, Metapherntheorie, Substitutionstheorie, Interaktionstheorie, Kognitive Metapherntheorie, Bildfeldtheorie, Übersetzungswissenschaft, Metaphernübersetzung, Übersetzbarkeit, Konzeptuelle Metapher, Konzeptuelle Ebene, Sprachliche Ebene, Kultureller Transfer, Fachsprache, Linguistik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Einordnung der Metapher und ihrer Rolle im Übersetzungsprozess, wobei verschiedene linguistische Perspektiven auf das Phänomen untersucht werden.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Arbeit behandelt die Entwicklung von Metapherntheorien, die Einordnung der Metaphorik in die Übersetzungswissenschaft sowie die praktischen Herausforderungen der Übersetzung, einschließlich der Kategorisierung von Metapherntypen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist ein Überblick über das Verständnis von Metaphern von der Antike bis zur Gegenwart und eine Analyse, wie diese Erkenntnisse die Übersetzungspraxis leiten und wo weiterhin Forschungsbedarf besteht.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin nutzt eine literaturgestützte Analyse verschiedener linguistischer und übersetzungswissenschaftlicher Theorien, um einen umfassenden Überblick über das Thema zu geben.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Darstellung verschiedener Metapherntheorien sowie eine praxisorientierte Analyse von Übersetzungsverfahren und der Übersetzbarkeit von Metaphern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Metapherntheorien, Übersetzungswissenschaft, kognitive Metapher, Übersetzungsverfahren und interkulturelle Aspekte charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die kognitive Metapherntheorie von der Substitutionstheorie?
Während die Substitutionstheorie die Metapher als bloßes, ersetzbares Stilmittel betrachtet, sieht die kognitive Metapherntheorie sie als fundamentales, konzeptuelles Instrument des menschlichen Denkens und Handelns.
Warum ist die Übersetzung von Metaphern ein besonderes Problemfeld?
Metaphern sind oft stark kulturspezifisch und basieren auf assoziativen Implikationssystemen, die in einer anderen Sprache oder Kultur nicht ohne Weiteres dieselbe Wirkung oder Bedeutung entfalten können.
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- Stud. phil. Julia Schneider (Author), 2007, Metapherntheorien und Übersetzung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122922